Transfair

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TransFair – Verein zur Förderung des Fairen Handels in der Einen Welt
(Fairtrade Deutschland)
Zweck: Benachteiligten Bäuerinnen und Bauern sowie Plantagenarbeiterinnen und -arbeitern bessere Lebensperspektiven über einen gerechteren Handel zu ermöglichen
Vorsitz: Dieter Overath, Claudia Brück, Detlev Grimmelt
Gründungsdatum: 1992
Mitgliederzahl: 35 Organisationen (2019)
Sitz: Köln, DeutschlandDeutschland Deutschland
Website: fairtrade-deutschland.de

Der 1992 gegründete gemeinnützige Verein TransFair – Verein zur Förderung des Fairen Handels in der Einen Welt mit Sitz in Köln-Sülz ist die nationale Fairtrade-Organisation für Deutschland, die das Fairtrade-Siegel für deutsche Produkte vergibt und die Bekanntheit des Siegels in der Öffentlichkeit, Politik und Wirtschaft innerhalb Deutschlands fördert.

Ziele und Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein übergeordnetes Ziel sieht der Verein darin, wirtschaftlich benachteiligte Kleinbäuerinnen und -bauern, Plantagenarbeiterinnen und -arbeiter und deren Familien in Ländern des globalen Südens durch einen gerechteren Handel und nachhaltige Entwicklung bessere Lebensperspektiven erhalten (→ Fairer Handel).

Als Mitgliedsorganisation von Fairtrade International, der Dachorganisation aller nationalen Fairtrade-Organisationen weltweit, vergibt der Verein das Fairtrade-Siegel an Importeure, Hersteller und Händler in Deutschland, die die Fairtrade-Standards[1] erfüllen. Daneben gehören zu den Aufgaben von Transfair auch Marketing und Öffentlichkeitsarbeit für das Fairtrade-Siegel.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein wurde unter dem Namen AG Kleinbauernkaffee e. V. durch die folgenden zehn Organisationen gegründet: Aktion Arme Welt, AG3WL, Misereor e. V., Frente (Costa Rica), Verbraucher Initiative, Friedrich-Ebert-Stiftung, Christliche Initiative Romero e. V., Hochschulring d. Katholischen Studierenden Jugend, Kirchlicher Entwicklungsdienst (heute: Evangelischer Entwicklungsdienst) und DGB-Bildungswerk. Die GEPA, Importeur fair gehandelter Produkte, war in der AG beratend tätig.

Mitte 1992 zählte die AG Kleinbauernkaffee 22 Mitgliedsorganisationen; dazugekommen waren: Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend, Brot für die Welt, Bund der Deutschen Katholischen Jugend, Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg, Deutsches Institut für Ärztliche Mission, Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands, Katholische Landvolkbewegung, Quäker Hilfe e. V., RegionalsprecherInnenkonferenz der A3WH (die seit 1998 Weltladen-Dachverband heißt), Verein Rheinland-Pfalz – Ruanda e.V., Vereinigung ehemaliger Entwicklungshelferinnen und Entwicklungshelfer und Wirtschaftsgesellschaft der Evangelischen Mission. Im Mai 1992 nannte sich die AG Kleinabuernkaffee in TransFair – Verein zur Förderung des Fairen Handels mit der Dritten Welt e.V. um und schloss den ersten Lizenzvertrag ab (mit der GEPA).[2]

1997 gründete sich in Bonn die Dachorganisation Fairtrade Labelling Organizations International (FLO) – heute Fairtrade International, woraufhin TransFair sein Siegel auf den international vereinheitlichten Standard und das neue Fairtrade-Logo umstellt, die Wortmarke „TransFair“ blieb bis 2007 im Siegel erhalten.[3]

Im Jahr 2009 startet TransFair mit der Kampagne "Fairtrade-Towns" und zeichnet Saarbrücken als erste Fairtrade-Stadt aus. Die Kampagne vernetzt Akteure für einen fairen Handel aus den Bereichen Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft auf lokaler Ebene: in Städten, Regionen und Gemeinden. Außerdem erhielt TransFair beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis den Einzelpreis in der Kategorie „Deutschlands nachhaltigste Dienstleistung“.[4] Für 2013 wurde dem Verein der Oswald-von-Nell-Breuning-Preis der Stadt Trier zugesprochen.

Seit 2012 betreibt der Verein die Kampagne Fairtrade-Schools, die den fairen Handel im Schulalltag verankert und in Schulen ein Bewusstsein für nachhaltige Entwicklung schafft.

2015 ruft TransFair das Bananen-Forum ins Leben – mit dem Ziel, den gesellschaftspolitischen Dialog über den Bananenmarkt anzuregen und die punktuellen Debatten und Aktionen diverser Akteure zu diesem Thema zusammenzuführen. Dies wurde 2016 vom Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung zum Werkstatt N Projekt 2016 ausgezeichnet wurde und mittlerweile unter dem Titel Aktionsbündnis für nachhaltige Bananen von dem unabhängigen Forschungsinstitut CSCP weitergeführt.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitglieder des Vereins sind Organisationen aus den Bereichen Entwicklungspolitik, Kirche, Umwelt, Verbraucherschutz, Frauen, Bildung und Soziales. Im Jahr 2019 waren es insgesamt 35 Institutionen, aus deren Reihen der Aufsichtsrat besetzt wird. In der Geschäftsstelle des Vereins arbeiteten im Jahr 2019 insgesamt 65 angestellte Mitarbeiter*innen. Ehrenamtliche Mitarbeiter*innen, so genannte Multiplikatoren und Referent*innen, unterstützen den Verein bei der Öffentlichkeitsarbeit.

TransFair ist eine von 21 nationalen Siegelorganisationen, 9 Marketingorganisationen und drei Produzentennetzwerken (Stand 2019) in der Dachorganisation Fairtrade International zusammengeschlossen. Bei Fairtrade International verfügen die Produzentenvertreter*innen über 50 % der Stimmrechte. Die Organisation setzt die international gültigen Fairtrade-Standards incl. Mindestpreisen und Fairtrade-Prämie, die Produzentenorganisationen unter Fairtrade-Bedingungen erhalten, und berät Produzentenorganisationen. Für die Zertifizierung und Kontrolle der am Fairtrade-System beteiligten Organisationen ist die FLOCert zuständig.

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein finanziert seine Arbeit zum weitaus größten Teil über Lizenzeinnahmen für das von ihm in Deutschland vergebene Fairtrade-Siegel, im Jahr 2017 etwa 13,5 Mio. Euro bei ca. 18,4 Mio. Euro Gesamteinnahmen, die sich ansonsten aus projektbezogenen Zuschüssen, Mitgliedsbeiträgen und Spenden zusammensetzen.

Die Ausgaben 2017 flossen größtenteils in die Posten „Mitgliedsbeitrag Fairtrade International“ (2017: 3,4 Mio. Euro), „Personalkosten“ (2017: 3,2 Mio. Euro) und "Presse-, Öffentlichkeitsarbeit, Kampagnen & Marketing" (2017: 2,3 Mio. Euro).

Wirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutscher Markt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittlerweile sind durch TransFairs Bemühungen über 5.500 Fairtrade-gesiegelte Produkte in rund 42.000 Verkaufsstellen verfügbar: in Supermärkten, Discountern, Drogerien und Biosupermärkten, in Weltläden und in mehr als 20.000 gastronomischen Betrieben. 2016 überschritten die Umsätze mit Fairtrade-zertifizierten Produkten in Deutschland erstmals die Milliardengrenze.[5]

Produzent*innen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Produzent*innen erzielen die Fairtrade-Standards Marktzugänge, positive wirtschaftliche Effekte sowohl durch garantierten Mindestpreise bei sinkenden Weltmarktpreisen und die zusätzliche Fairtrade-Prämie, durch langfristige Lieferbeziehungen und Möglichkeiten zur Vorfinanzierung. Des Weiteren verbessern sich die Lebensbedingungen der Bauern und Landarbeiter durch ökologische und soziale Standards, die u. a. zur Gleichberechtigung der Geschlechter, Frauenförderung und zur Prävention gegen ausbeuterische Kinderarbeit beitragen.

Mehreinnahmen am Beispiel von Kaffee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im August 2007 lag der Monatsdurchschnittspreis auf dem Weltmarkt bei 1,22 US$ pro englischem Pfund (lb = 453,6 g) Arabica-Rohkaffee.[6] Nur ein Teil dieses Preises geht an die Produzenten. Im Jahresdurchschnitt 2007 erhielten die meisten Produzenten deutlich weniger als den Weltmarktpreis, beispielsweise in Mexiko 1,06 $.[7] Der Weltmarktpreis schwankt stark, das Minimum lag im Oktober 2001, während der Kaffeekrise, bei 0,48 $. Im Durchschnitt dieses Jahres lag der an Produzenten in El-Salvador gezahlte Preis bei nur 0,19 $.

Im Fairtrade-System zahlten teilnehmende Händler an Produzentenorganisationen über den betrachteten Zeitraum einen Mindestpreis von 1,21 $ (ab Juni 2008: 1,25 $) oder, bei darüber liegenden Weltmarktpreisen, mindestens den höheren Weltmarktpreis.[8] Hinzu kam eine Prämie zur Finanzierung von Gemeinschaftsprojekten von 0,10 $ pro lb für konventionell / 0,20 $ für kontrolliert biologisch angebauten (kbA) Kaffee (vor Juli 2007: 0,05 $ / 0,10 $). Damit hätten die Produzenten im August 2007 im Fairen Handel einen Gesamt-Aufschlag (inkl. Prämie) von mindestens 0,10 $ (konventionell) / 0,20 $ (kbA) gegenüber dem Weltmarktpreis erhalten, gegenüber den tatsächlich an Produzenten gezahlten Preisen in der Regel deutlich mehr, etwa in Mexiko 0,25 $ (konventionell) / 0,35 $ (kbA). Der Mindestaufschlag 2001 hätte bis zu 0,97 $ betragen. Händler und Produzentenorganisationen können auch höhere Preise als den Mindestpreis vereinbaren.

Umgerechnet auf eine übliche 500 g[9] Handelspackung und in Euro[10] hätten die Produzenten im August 2007 mindestens 0,19 € mehr an biologisch produziertem Fairtrade-Kaffee im Vergleich zum zu Weltmarkt-Preisen von umgerechnet 1,13 € gehandeltem Kaffee eingenommen. Mexikanische Produzenten hätten, verglichen mit den Produzentenpreisen im Jahresdurchschnitt, mindestens 0,32 € mehr verbucht.

In einer beispielhaften Preiskalkulation[11] der GEPA für mexikanischen Arabica-Kaffee für den August 2007 gingen von dem empfohlenen Verkaufspreis von 7,38 € pro 500 g Packung 1,51 € für die Rohware an die Produzentenorganisationen, häufig kleinbäuerliche Genossenschaften. Die tatsächlichen gezahlten Mehrpreise lagen hier also über den Mindestaufschlägen. Davon 0,31 € erhielt die Produzentenorganisation selbst, darin enthalten sind die Fairtrade-Prämie für Gemeinschaftsprojekte und Verwaltungskosten der Genossenschaft. Der Rest in Höhe von 1,20 € ging an den Bauern. Neben diesen Kosten für die Rohware sind im Endpreis Kosten für Lagerung, Transport, Verarbeitung, Röster- und Händler-Margen, Steuern (Kaffeesteuer von 1,10 € und Mehrwertsteuer von 7 Prozent) und Lizenzgebühren für Siegel (im Beispiel Fairtrade- und Naturland-Siegel) enthalten. Der Kostenteil der Fairtrade-Lizenzgebühr an letzteren beträgt 0,11 € pro 500 g und wird vom Händler an Transfair gezahlt, der Verein finanziert seine Arbeit vorwiegend über diese Lizenzgebühren.

Verwendung der Fairtrade-Prämie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die von Händlern an Produzentenorganisationen gezahlte Fairtrade-Prämie muss von diesen in die soziale und wirtschaftliche Entwicklung investiert werden. Im Jahr 2009 wurden die Gelder in folgende Projekte investiert:[12]

Faitrade-Prämie und ihre Verwendung im Jahr 2009 nach Kontinent
Afrika Asien Lateinamerika und Karibik
Prämie 12,6 Mio. Euro 5,6 Mio. Euro 33,8 Mio. Euro
Gemeinde 22 % 25 % 24 %
Bildung 16 % 12 % 4 %
Umwelt 0,2 % 0 % 1 %
Gesundheit 6 % 18 % 3 %
Business und Produktion 46 % 20 % 36 %
Frauenprogramme 3 % 4 % 2 %
Andere / noch nicht ausgegeben 3 % / 4 % 14 % / 7 % 18 % / 12 %

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Transfair – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fairtrade-Standards, fairtrade.net, aufgerufen am 8. Oktober 2013.
  2. KAFFEE – Materialien für Bildungsarbeit und Aktionen, S. 5, Herausgeber: TRANSFAIR, 1992, ISBN 3-88916-104-9.
  3. TransFair-Chronik 1992 - 2009. TransFair e.V., abgerufen am 4. November 2010.
  4. TransFair e.V. / GoodWeave 2010, Seite 8.
  5. 25 Momente. Abgerufen am 2. Juni 2019.
  6. Monthly Indicator and Future Prices - Monthly: 2000 to 2010. (PDF) International Coffee Organization, archiviert vom Original am 16. November 2010; abgerufen am 16. November 2010 (englisch).
  7. Average price paid to growers in Current Terms Calendar years 2000 to 2009. (PDF) International Coffee Organization, archiviert vom Original am 16. November 2010; abgerufen am 16. November 2010 (englisch).
  8. The Arabica Coffee Market 1989-2010: Comparison of Fairtrade and New York Prices. (PDF; 181 kB) Fairtrade Labelling Organizations International, archiviert vom Original am 16. November 2010; abgerufen am 16. November 2010 (englisch).
  9. unter Berücksichtigung eines Verhältnisses Rohkaffee zu Röstkaffee von 573g/500g = 1,146 GBE.
  10. umgerechnet zum durchschnittlichen Wechselkurs von 0,734 € pro 1 US$ im August 2007.
  11. FAQ - "Wie viel vom Endverkaufspreis eines fair gehandelten Produktes bekommt z. B. der Bauer?" GEPA Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt mbH, abgerufen am 3. November 2010.
  12. Fairtrade Labelling Organizations International: Jahresbericht 2009-2010 (PDF; 2,9 MB). Abgerufen am 3. November 2010.