Fall (Lenggries)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Koordinaten: 47° 34′ 10″ N, 11° 31′ 57″ O

Fall
Gemeinde Lenggries
Höhe: 773 m ü. NN
Einwohner: 111 (20. Mrz. 2015)
Postleitzahl: 83661
Vorwahl: 08045
Das Dorf Fall auf einer alten Flurkarte aus dem 19. Jahrhundert, mit dem aktuellen Sylvensteinspeicher blau-transparent und mit den Gebäuden von Neu-Fall überlagert

Fall ist ein kleines Kirchdorf im oberbayerischen Isarwinkel und Ortsteil der Gemeinde Lenggries im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.

Neu-Fall[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ehemalige Forstamt in Fall

Das Dorf liegt auf einer Höhe von 773 Metern,[1] somit 6 Meter über dem Stauziel des Sylvensteinspeichers. Die Einwohnerzahl betrug 113 zum Stand der letzten Volkszählung am 25. Mai 1987, bei 41 Wohneinheiten in 22 Gebäuden mit Wohnraum.[2] Müllers großes deutsches Ortsbuch von 2012 gibt 136 Einwohner an.[3] Am 20. März 2015 waren in Lenggries 111 Personen mit Hauptwohnsitz bzw. einzigem Wohnsitz gemeldet.[4]

Die katholische Kirche Maria Königin ist eine Filialkirche der Pfarrei St. Jakob in Lenggries und das einzige denkmalgeschützte Gebäude in dem ab den 1950er Jahren neu errichteten Dorf.[5]

Im Ort befinden sich mehrere Häuser, die die Stiftung der Deutschen Polizeigewerkschaft vom Freistaat Bayern gepachtet hat; zu ihnen gehört auch das ehemalige Forstamt. Die Häuser werden für Zwecke der Stiftung genutzt.

Alt-Fall[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alt-Fall um 1904

Fall verdankt seinen Namen einem Wasserfall der Dürrach, der Faller Klamm, die direkt unterhalb des Ortes lag. Auf alten Karten ist deshalb auch Am Fall oder Zum Faal zu lesen. Fall wird 1280 erstmals in einem Grundbuch des Herzogs von Bayern erwähnt, damals wird es dort wohl nur einen einzelnen Bauernhof gegeben haben. Das 1829 erschienene Repertorium weist folgenden Eintrag auf: Fall (der), W. am Einfluss der Dürach in die Isar, 3 H., 1 Capelle, 2 Wirthshäuser.[6] Der Eintrag im Topo-geographisch-statistischen Lexicon vom Königreiche Bayern (1831) lautet: Fall, Weiler mit 2 H. und 30 E. in der Pfr. Lenggries des Ldg. Tölz, 4 St. von Lenggries. Der Ort hat auch eine Frauenkapelle.[7] Rund vierzig Jahre später heißt es: Fall, W., k. Pf. Lenggries, 33 Einw., 4 Geb., 1 Kirche.[8]

Fall war ein beliebtes Ziel prominenter Jäger, wie z. B. dem bayerischen Mundart-Dichter Ludwig Ganghofer oder Paul von Hindenburg. Seine zahlreichen Besuche motivierten Ganghofer zum Roman Der Jäger von Fall, der mehrfach verfilmt wurde – u. a. von Harald Reinl im Jahr 1974. In der Monarchie war Fall ein Hofjagdrevier, in dem Prinzregent Luitpold von Bayern oft jagte.

Ortsverlegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fall lag an der Isar und bestand größtenteils aus Holzhäusern. Es gab ein Gasthaus, eine 1740 erbaute Kapelle sowie ein Forstamt.

Als 1954 die Bauarbeiten für den Sylvensteinspeicher begannen, wurde das Dorf abgerissen und die Bevölkerung zwangsumgesiedelt, da ab 1959 das ganze Tal mitsamt dem Dorf geflutet werden sollte. 100 Meter weiter oben (südwestlich), an der Straße zwischen Lenggries und Vorderriß, wurde eine neue Siedlung gebaut und Neu-Fall genannt. Die Grundmauern von Alt-Fall (auch Altfall) sind nur nach langen Trockenperioden sichtbar oder bei Absenkung des Wasserspiegels wegen Bauarbeiten am Damm wie im Dezember 2015. Dass dann auch die Kirchturmspitze der versunkenen Kapelle sichtbar wäre, ist ein Mythos, denn diese wurde vor der Flutung komplett abgerissen,[9] anders als im Dorf Graun im Vinschgau, wo das ursprüngliche Dorf bei der Flutung des Reschensees unterging, der Kirchturm jedoch stehenblieb und im Stausee zu sehen ist.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BayernAtlas
  2. Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987, München, 1991, S. 68
  3. Müllers großes deutsches Ortsbuch 2012, Berlin 2012, ISBN 978-3-11-027420-2, S. 360
  4. E-Mail-Auskunft der Gemeinde Lenggries, Einwohnermelde- /Pass- /Gewerbeamt, vom 20. März 2015, 10:56 GMT
  5. Erzbistum München und Freising: St. Jakob, Lenggries
  6. Repertorium des topographischen Atlasblattes Tölz. 1829
  7. Joseph Anton Eisenmann und Karl Friedrich Hohn: Topo-geographisch-statistisches Lexicon vom Königreiche Bayern, oder alphabetische Beschreibung aller im Königreiche Bayern enthaltenen Kreise, Städte, Märkte, Dörfer, Weiler, Höfe, Schlösser, Einöden, Gebirge, vorzüglichen Berge und Waldungen, Gewässer usw: A - L, Band 1, S. 411
  8. Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Bearbeitet von einem Kreise bayerischer Gelehrter. Fünfter Band. Erste Abtheilung. Topographisch-Statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon, München 1868, Spalte 273
  9. Gemeinde Lenggries: Das Dorf Fall und der Sylvensteinstausee

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ludwig Ganghofer: Der Jäger von Fall. 1883. (Onlinefassung)
  • Anton Böhm: Fall – Das versunkene Dorf. Rottach-Egern, Selbstverlag, 2003
  • Anton Böhm: Fall – das Dorf und der Speicher (das Schicksal eines Dorfes). Rottach-Egern, Selbstverlag, 2008
  • Stephan Bammer (Hrsg.): Die obere Isar - eine Zeitreise: Alt-Fall, Neu-Fall, Sylvensteinspeicher. Eder-Verlag, Lenggries 1997, ISBN 3-9805665-2-8
  • Vasco Boenisch, Martina Farmbauer: Versunkene Erinnerungen. Vor fünfzig Jahren verschwand ein ganzer Ort. Süddeutsche Zeitung, 14. November 2003.
  • Neu-Fall, Oberbayern. In: Baumeister, Band 57, 1960, S. 540 f. (ISSN 0005-674X)
  • Ein versunkenes Dorf taucht wieder auf. Süddeutsche Zeitung, 5. Dezember 2015. online

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fall (Lenggries) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien