Sylvensteinspeicher

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Sylvensteinspeicher
Luftbild (2007)
Luftbild (2007)
Lage: Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen
Zuflüsse: Isar, Dürrach, Walchen
Abflüsse: Isar
Größere Orte in der Nähe: Lenggries
Sylvensteinspeicher (Bayern)
Sylvensteinspeicher
Koordinaten 47° 34′ 40″ N, 11° 32′ 28″ OKoordinaten: 47° 34′ 40″ N, 11° 32′ 28″ O
Daten zum Bauwerk
Bauzeit: 1954–1959

Nachrüstung:
1994–2004

Höhe des Absperrbauwerks: 44 m
Bauwerksvolumen: 1,03 Mio m³
Kronenlänge: 180 m
Kronenbreite: 15 m
Kraftwerksleistung: 6,4 MW
Daten zum Stausee
Höhenlage (bei Stauziel) max. 767 m
Wasseroberfläche 3,92 km²
Stauseelänge 7 km
Stauseebreite 2 km
Speicherraum 124,3 Mio m³
Einzugsgebiet 1138 km²
NASA-Geocover-2000-Satellitenbild

Der Sylvensteinspeicher, auch Sylvensteinstausee oder schlicht Sylvensteinsee genannt, ist ein Stausee im Isarwinkel in der Gemeinde Lenggries, an der Straße von Bad Tölz zum Achensee (Bundesstraße 307), etwa 12 km südlich des Ortszentrums von Lenggries. Er wurde in den Jahren 1954 bis 1959 zum Hochwasserschutz im Isartal gebaut. In Trockenzeiten ist seit 1990 eine ausreichende Wasserführung der Isar gesichert, am Krüner Wehr wird aus ökologischen Gründen ein Restzufluss von mindestens 4 m³/s gewährleistet.

Das maximale Stauvolumen beträgt 124,3 Mio. m³ Wasser.[1] Zwei Wasserkraftwerke am Damm dienen der Stromerzeugung. 1994 bis 2001 wurde der Damm um 3 m erhöht, um den Hochwasserschutz zu verbessern. Schon beim Pfingsthochwasser 1999 bewährten sich die Dammerhöhung und der zweite Hochwasserentlastungsstollen mit dem tempelartigen Einlaufbauwerk und mit einer Leistung von bis zu 400 m³/s. Beim noch stärkeren Alpenhochwasser 2005 musste am Nachmittag des 23. August 2005 die Schleuse geöffnet werden, da der Sylvensteinspeicher die maximale Füllmenge erreicht hatte.

Der Stausee wurde nach dem Sylvenstein, einer natürlichen Engstelle im oberen Isartal, benannt.[1] Der Sylvensteinsee ist auch ein Ausflugsziel und Erholungsgebiet. Im See versunken liegt das ehemalige Dorf Fall, das vor der Flutung abgerissen und einige Dutzend Meter höher an der Straße nach Vorderriß neu erbaut wurde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründe für den Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der Isar im oberen Teil immer mehr Wasser entzogen. So wird, um die Leistung des 1924 in Betrieb genommenen Walchensee-Kraftwerks zu erhöhen, die Isar am Krüner Wehr zu großen Teilen in den Walchensee umgeleitet. Seit 1949 wird zusätzlich der Rißbach, der ehemals in die Isar floss, über lange Stollen in den Walchensee abgeleitet. Ursprünglich entwässerte auch der Achensee über die Ache in die Isar. Mit dem Bau des Achensee-Wasserkraftwerks in Jenbach im Jahre 1927 wurde der Isar auch dieser Wasserzufluss (und auch der Dürrach, die in den Achensee abgeleitet wird) entzogen, da das Wasser des Achensees seither primär über das Kraftwerk in den 380 m tiefer gelegenen Inn gelangt. Die Isar wurde im oberen Teil immer mehr zur Flussleiche, besonders in Trockenzeiten war der Wasserspiegel niedrig; die Stadt Bad Tölz litt unter Wassermangel. Deshalb wurde schließlich mit dem damals sehr umstrittenen Bau des Sylvensteinspeichers begonnen, um einen konstanteren Wasserspiegel der Isar zu erreichen. Der zusätzlich gewährleistete Hochwasserschutz war hingegen nur ein sekundäres Ziel. Ursprünglich war der See viel größer geplant und sollte bis Vorderriß reichen.

Modernisierungsmaßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1994 bis 2001 wurden umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen durchgeführt.[2] Dabei wurde ein Damm-Kontrollsystem eingebaut, eine zweite Hochwasserentlastungsanlage errichtet und der Damm zur Vergrößerung des Hochwasserschutzraumes erhöht.[2] Außerdem wurde ein zweites Kraftwerk errichtet.[2] Das neue Kraftwerk hat eine Compact-Axial-Turbine mit einer Leistung von 3,8 MW und ein Regelarbeitsvermögen von 20.000 MWh pro Jahr.

Von 2011 bis 2016 installierte man eine zusätzliche Dichtwand sowie ein verbessertes Erfassungs- und Überwachungssystem für Sickerwasser.[3]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wasserkraftwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kraftwerk I[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(seit 1959, umgebaut im Oktober 2004)

Francis Spiralturbine, Fa. Kössler 2,6 MW
Fallhöhe: 13–37 m
Durchfluss: max. 11 m³/s
Drehzahl: 428/min

Kraftwerk II[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(seit 2000)

Compact-Axial-Turbine 3,8 MW
Fallhöhe: 13–37 m
Durchfluss: max. 15 m³/s
Regelarbeitsvermögen 20 Mio. kWh/Jahr

Staudamm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Damm ist 44 m hoch und seine Dammkrone 180 m lang. Der Damm staut neben der Isar auch deren Seitenzuflüsse Dürrach (südlicher Arm) und Walchen (östlicher Arm) auf. Die Isar und Dürrach führen große Mengen Sedimente und Sedimentgesteine mit sich, die den Stausee in den nächsten Jahrzehnten auffüllen werden. Für den Wildfluss Isar bedeutet die „Zähmung“ einen Lebensraumverlust für spezialisierte Tier- und Pflanzenarten der – insbesondere bei Hochwasser – immer wieder durch das Wasser umgelagerten Schotterbänke. Besonders augenfällig wird diese anthropogene Veränderung des Ökosystems Flusslandschaft in der Pupplinger Au bei Wolfratshausen, wo sich in den vergangenen 50 Jahren der Auwald auf vormals offenen Schotterflächen erheblich ausgebreitet hat.

Der Staudamm ist ein aus Kies, Geröll und Sand geschütteter Damm mit einem mittigen Dichtungskern aus Erdbeton (75 % Kies, 8 % Feinsand, 17 % Schluff und geringe Bentonitanteile). Er steht auf einer von der Isar im Laufe der Zeiten mit Geröll aufgefüllten, bis zu 100 m tiefen Erosionsrinne, die von Grundwasser durchströmt war. Bevor mit dem Bau des eigentlichen Damms begonnen werden konnte, musste deshalb zunächst diese Rinne mit einer Ton/Zement/Wasserglas-Suspension verpresst und dadurch eine 5.000 m² große Dichtungsschürze eingebracht werden, um das Tal auch unterhalb des sichtbaren Dammes abzudichten.

Faller-Klamm-Brücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die mehrstegige Balkenbrücke wurde 1957 errichtet und hat eine Länge von 329 Metern.

Faller-Klamm-Brücke
Faller-Klamm-Brücke
Brücke über den Sylvensteinspeicher in Richtung Fall (Faller-Klamm-Brücke)
Nutzung Straßenbrücke (Bundesstraße 307)
Überführt

Sylvensteinstausee

Ort Fall (Lenggries)
Konstruktion Mehrstegige Balkenbrücke
Gesamtlänge 329 m
Fertigstellung 1957
Eröffnung 1957

Natur- und Landschaftsschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sylvensteinsee ist Teil des Landschaftsschutzgebietes „LSG Sylvensteinsee und oberes Isartal in den Gemeinden Lenggries und Jachenau“ (LSG-00341.01), das 1983 unter Schutz gestellt wurde.[4] Teile des Sees zählen seit 2004 zum FFH-Gebiet „Oberes Isartal“.[5]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Sylvensteinspeicher wurden einige Filmszenen gedreht, unter anderem Szenen des Films Da geht noch was und des Films Jesus liebt mich (beide mit Florian David Fitz) und Die Geschichten des Brandner Kaspar mit Michael Bully Herbig.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anton Böhm: Fall – Das versunkene Dorf. Rottach-Egern, Selbstverlag, 2003.
  • Die obere Isar – eine Zeitreise: Alt-Fall – Neu-Fall – Sylvensteinspeicher (Eder-Verlag, 2001) ISBN 3-9805665-2-8.
  • Impressionen am Sylvenstein-See (Claus Eder, 2004) ISBN 3-9805665-7-9.
  • Geologie des Isartalgebietes im Bereich des Rissbach-Stollens und des geplanten Sylvenstein-Staubeckens (Paul Schmidt, 1950)
  • Denkschrift über die Errichtung eines Speichers im oberen Isartal (Oberste Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern, 1949)
  • Der Neubau des Kraftwerkes I am Sylvensteinsee (Mitgliederrundbrief 2/2005, Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Landesverband Bayern)

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historische Karte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noch lange nicht überflutetes Überflutungsgebiet des Sylvensteinspeichers.jpg
Überflutungsgebiet des Sylvensteinspeichers.jpg


Gebiet des Sylvensteinspeichers 1865 ohne und mit Überflutung überlagert

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sylvensteinspeicher – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b https://www.landeskraftwerke.de/sylvenstein.htm
  2. a b c http://www.wwa-wm.bayern.de/projekte_und_programme/talsperren/sylvenstein/index.htm (Memento vom 18. Juli 2011 im Internet Archive) In: wwa-wm.bayern.de, abgerufen am 13. Dezember 2010
  3. Lenggries – Großbaustelle Sylvensteinspeicher. In: sueddeutsche.de, 14. März 2011
  4. Sylvensteinsee und oberes Isartal. In: protected planet
  5. Oberes Isartal (FFH-Gebiet). Steckbriefe der Natura-2000-Gebiete. Herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz. Abgerufen am 18. März 2017.
  6. bayern.by