Festrumpfschlauchboot

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Zodiac-Festrumpfschlauchboot bei der Walbeobachtung

Ein Festrumpfschlauchboot (englisch RIB als Kurzform für Rigid Inflatable Boat oder RHIB für Rigid-Hulled Inflatable Boat) ist ein Schlauchboot mit einem festen Rumpf. Es verfügt über bessere Auftriebseigenschaften als gewöhnliche Schlauchboote und ist für Offshore-Anwendungen tauglich.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits im Zweiten Weltkrieg setzte die US-Marine Schlauchboote und Rettungsinseln in großem Maßstab als Rettungsmittel ein. Der französische Arzt und Abenteurer Alain Bombard kam auf die Idee, alle drei bis dahin bereits existierenden Konstruktionselemente aus dem Bereich des Bootsbaues, nämlich Schläuche in Bootsform, den festen Boden und den Außenbordmotor zu einem Festrumpfschlauchboot zu verbinden. Dabei hatten Bombards erste experimentelle Fahrzeuge im Gegensatz zu den modernen Festrumpfbooten noch einen flachen Boden.

Bei dem ehemaligen französischen Flugzeughersteller Zodiac fand Bombard die Werkstätten und das Personal, mit denen eine Serienfertigung aufgenommen werden konnte. Dabei wurden zunächst noch normale Schlauchboote und erst später echte Festrumpfschlauchboote produziert. Sie sind heute weltweit bei Behörden, Militär, Umweltorganisationen, Fischern und privaten Nutzern im Einsatz.

Konstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rumpf eines Festrumpfschlauchbootes ist in der Regel aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK), Aluminium oder Kevlar gefertigt.[1] Ein solches Boot ist gegenüber einem vergleichbaren konventionellen Boot wesentlich leichter. Wegen des Auftriebs der Luftschläuche ist es fast unsinkbar und kann auch in schwerer See gefahren werden, ohne dass es kentert.

Die Seitenwülste, eben die „Schläuche“, und bei manchen Bauarten auch der aufblasbare Boden sind in mehrere Kammern unterteilt. So wird verhindert, dass bei Beschädigung gleich der gesamte Schlauch in sich zusammenfällt. Zur Lenkung eines sehr kleinen Bootes wird der Außenbordmotor an einem Griff geschwenkt. Bei kleinen Booten kommt eine Mechanik mit Lenkseil oder Hydraulik zum Einsatz. Bei großen Booten werden Ruder verwendet.

Festrumpfschlauchboote sind bis zu 20 Meter lang. Meist werden sie durch einen oder mehrere Außenbordmotoren angetrieben. Es gibt inzwischen auch Schlauchboote mit Innenbordmotor und Z- oder Wasserstrahlantrieb. Sie können auch gerudert oder gesegelt werden. Nur der Schachtmotor als Antrieb ist vollständig verschwunden. Je nach Konstruktion und Motor können die Boote 40 bis 70 km/h erreichen.

Bei den Schlauchbooten mit festem Rumpf lassen sich zwei Konstruktionsarten unterscheiden:

Festrumpfschlauchboot
(englisch rigid inflatable boat, kurz RIB) Lässt man die von einigen Herstellern im Rumpf untergebrachten Auftriebskammern außer Acht, wäre dieser Typ ohne die aufgeblasenen Schlauchwülste nicht oder nur leer schwimmfähig.
Festrumpfboot
(englisch rigid boat with tubes) mit umlaufendem Schlauchwulst zur Stabilitätserhöhung; es hat einen aus beliebigem Material gefertigten Rumpf, der auch allein schon schwimmfähig, jedoch ohne Schlauch in geringerem Maße seetüchtig ist. Diese Bauart ist kein echtes Schlauchboot, wird aber sowohl von Laien als auch in Fachbüchern als solches bezeichnet. Ein Festrumpfboot ist z. B. das Protector USV.

Haltbarkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jedes Schlauchboot verliert Luft. Bei ansonsten hochwertigen Schlauchmaterialien ist meist das Ventil die Leckstelle. Ein Festrumpfschlauchboot verlangt etwa einmal im Monat einen geringen Luftnachschub.

Das Ende der Lebensdauer eines Festrumpfschlauchbootes ist dann erreicht, wenn die Abstände, in denen die Schläuche nachbefüllt werden müssen, signifikant kürzer werden und die nachzufüllende Luftmenge erheblich zunimmt. Bei einem hochwertigen Festrumpfschlauchboot mit Schläuchen aus reinem Mehrlagen-Neopren-/PU-Material ist nach 10 bis 15 Jahren der Zeitpunkt erreicht, an dem das Boot fast jeden Tag wiederbefüllt werden muss.

Die namhaften Hersteller geben auf ihre Produkte eine Garantie von mehreren Jahren.

Schlauchmaterial[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hochwertige Festrumpfschlauchboote sind ausschließlich aus Mehrlagenmaterial gefertigt, von denen je nach Einsatzzweck des Verwenders und Philosophie des Herstellers zumindest die äußerste entweder aus möglichst reinem Hypalon oder Polyurethan besteht. Hypalon ist nicht gasdicht, weshalb zumindest eine der inneren Lagen aus möglichst reinem Neopren gefertigt werden muss. Derartige Festrumpfschlauchboot lassen sich weitgehend beschädigungssicher und auch beschusshemmend herstellen.

Hypalon-Neopren-Gemische
die reine Mehrlagenfertigungen aus jeweils reinem, hochwertigen Hypalon und Neopren, altern so gut wie nicht, und jeder, der schon einmal einen Fahrradschlauch geflickt hat, kann sie reparieren. Ein aus solchem Material gefertigtes Schlauchboot ist teuer, hält dafür aber mehrere Jahrzehnte.
PU
Rohre aus Polyurethan (PU) sind schwierig herzustellen und werden daher nicht oft im Festrumpfschlauchboote-Bau verwendet. PU hat den Vorteil hoher Stabilität und eine höhere Abriebfestigkeit als Hypalon und PVC. Frühere PU-Rohre alterten wegen der UV-Empfindlichkeit recht schnell, aber neuere Typen sind in dieser Hinsicht wesentlich widerstandsfähiger und werden häufig bei kommerziellen RIBs verwendet. Hochwertige PU-Rohre haben eine Lebensdauer von mehr als 20 Jahren.
Neopren
Neopren macht Hypalon gasdicht, ist aber leider auch sehr empfindlich gegen äußere Einflüsse, weshalb man es in Mehrlagenverwendung mit reinen Hypalon-Lagen verbindet, nicht jedoch als äußerste oder innerste, sondern immer als eine mittlere Schicht.
Sonstige Gewebe
Verbindet man mehrere Lagen gleicher (PVC-PVC) oder unterschiedlicher (Hypalon-Neopren-Hypalon) Materialien miteinander, um entweder die Haltbarkeit (PVC) oder die Gasdichtigkeit (Hyplanon-Neopren-Hyplaon) des Schlauches signifikant zu erhöhen, müssten bei Krümmungen des Mehrlagenmaterials (im Verlauf der Produktion, beim Entleeren und transportvorbereitenden Falten) die einzelnen Lagen unterschiedliche Längen einnehmen. Hierdurch werden die Verbindungen der Lagen zerstört. Lediglich die Varianten Hypalon-Neopren-Hypalon bleiben auch bei Trennung der Lagen gasdicht. Allerdings sind die Lagen bei Trennung gegeneinander beweglich, wodurch das Neopren an den Knickstellen im Laufe der Zeit verschleißt. Lediglich die Variante Hypalon-Neopren-Hypalon ist dann noch reparabel.

Ein Auswechseln von abgenutzten, undicht gewordenen Schläuchen ist meist so teuer, dass es nicht wirtschaftlich durchführbar ist.

Hersteller[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannte Hersteller von Festrumpfschlauchbooten sind:

  • Deutsche Schlauchboot (DSB)
  • Zodiac Marine & Pool, Frankreich
  • Tornado Boats, Dänemark
  • Ribeye, USA
  • Caribe, Venezuela
  • Italboats (Stingher, Predator), Italien
  • BRIG, Ukraine
  • Falcon, South Afrika
  • Boomeranger Boats, Finnland
  • Zar formenti, Italien
  • Grand boats, Canada

Anwender[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Serbisches RIB-Patrouillenboot

Festrumpfschlauchboote werden weltweit von unzähligen Nutzern verwendet. Bekannte Anwender sind:

  • Rettungsgesellschaften (DGzRS, DLRG, Wasserwacht u.a.)
  • Umweltschutzorganisationen (Greenpeace, Sea Shepherd)
  • Polizei, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk
  • die Seestreitkräfte vieler Länder
  • wissenschaftliche Einrichtungen (AWI u.a.)
  • Ölförderfirmen
  • Fischer
  • kommerzielle Anbieter von Expeditionen (Whale-Watching etc.)
  • private Nutzer.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Entwicklung des RIB

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Category:Rigid-hulled inflatable boats – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien