Finanzoligarchie

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Finanzoligarchie bezeichnet eine Oligarchie von Menschen aus dem Finanzwesen. Er wird stets pejorativ gebraucht, das heißt, die Herrschaft der Finanzleute, die der Begriff beschreibt, wird als illegitim betrachtet. Der Begriff wird hauptsächlich im Marxismus verwendet.

Marxismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der marxistischen Theoriewelt bezeichnet Finanzoligarchie eine im Imperialismus sich aus dem Finanzkapital herausbildende kleine Schicht einflussreicher Monopolkapitalisten, die mit Hilfe gegenseitiger Beteiligungen, zumeist über Aktien, über den größeren Teil des gesellschaftlichen Reichtums verfügen und ihn zur Beherrschung des Staates, der Wirtschaft und des gesamten öffentlichen Lebens ausnutzen würden.[1] Diese Vorstellung geht auf Wladimir Iljitsch Lenin zurück, der in seiner Schrift Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus aus dem Jahr 1916 davon ausging, in kapitalistischen Gesellschaften würde eine kleine Finanzoligarchie kollektiv über die Massen herrschen. Diese sei aus der Verschmelzung des Finanz- mit dem Industriekapital entstanden. Der Staat sei dementsprechend nur deren Instrument zur Unterdrückung des Proletariats, das in einer Revolution die Macht ergreifen und eine Diktatur des Proletariats errichten müsse.[2]

Marxisten hegten seit den 1930er Jahren, ausgehend von ihrer Faschismustheorie, den Verdacht, der Nationalsozialismus sei 1933 von der Finanzoligarchie an die Macht gebracht worden. Diese Agententheorie gilt heute als widerlegt.[3]

Der Vorwurf, als „Subjekt der USA-Finanz-Oligarchie“ dem amerikanischen Kapital sein Eindringen in Deutschland zu ermöglichen und deutsches Volksvermögen ins Ausland zu verschieben, spielte eine wichtige Rolle in einem Schauprozess, den das SED-Regime in der DDR 1953 gegen Paul Merker vorbereitete. Diese Vorwürfe basierten wie die sowjetische Kampagne gegen „wurzellose Kosmopoliten“ und eine angebliche Ärzteverschwörung auf der Verschwörungstheorie, Agenten „unter jüdisch-nationaler Flagge“ würden „mit Hilfe zionistischer Organisationen“ Spionage und Sabotage gegen die sozialistischen Staaten organisieren.[4]

Antisemitismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch in anderen Zusammenhängen wurde der Begriff mit antisemitischer Stoßrichtung verwendet. So hatten bereits die Nationalsozialisten gegen eine „jüdische Finanzoligarchie“ polemisiert, die Deutschland angeblich unterdrücken würde.[5] 2014 polemisierte der rechtspopulistische Publizist Jürgen Elsässer bei einer Veranstaltung der Mahnwachen für den Frieden gegen die „internationale Finanzoligarchie“, als deren Vertreter er mehrere jüdischstämmige Millionäre nannte.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dirk Sauerland: Monopolkapitalismus. In: Gabler Wirtschaftslexikon, Zugriff am 14. Oktober 2018.
  2. Felix Sassmannshausen: Sozialismus und Kommunismus. In: Samuel Salzborn: Handbuch Politische Ideengeschichte. Zugänge – Methoden – Strömungen. J. B. Metzler, Stuttgart 2018, S. 189.
  3. Hans-Ulrich Thamer: Verführung und Gewalt. Deutschland 1933–1945. Siedler Verlag, Berlin 1994, S. 12 f.; Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Bd. 4: Vom Beginn des Ersten Weltkrieges bis zur Gründung der beiden deutschen Staaten 1914–1949. C.H. Beck, München 2003, S. 293.
  4. Matthias Vetter: Paul-Merker-Fall. In: Wolfgang Benz (Hrsg.) Handbuch des Antisemitismus, Bd. 4: Ereignisse, Dekrete, Kontroversen. de Gruyter Saur, Berlin/New York 2011, ISBN 978-3-598-24076-8, S. 266 (abgerufen über De Gruyter Online).
  5. Avraham Barkai und Paul Mendes-Flohr: Deutsch-jüdische Geschichte in der Neuzeit, Band 4: Aufbruch und Zerstörung 1918–1945. C.H. Beck, München 1997, S. 45 und 219.
  6. Daniel Majic: Montagsdemonstrationen: Elsässers Schein-Triumph. Frankfurter Rundschau, 10. Juni 2014; Achim Doerfer: Das A-Wort. Der Antisemitismus ist so vielfältig wie nie zuvor, doch es fällt schwer, ihn beim Namen zu nennen. Jüdische Allgemeine, 17. Dezember 2015.