Friedrich Berkner

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Friedrich Berkner 1954

Friedrich (Fritz) Berkner (* 12. Februar 1874 auf Berkners Gehöft in Görlsdorf bei Königsberg in der Neumark; † 30. November 1954 in Alferde bei Hannover) war ein deutscher Pflanzenbauwissenschaftler und Pflanzenzüchter.

Lebensweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berkner, Sohn eines Lehrers, studierte bis 1901 Landwirtschaft und Nationalökonomie an der Universität Halle und promovierte dort 1906 als Doktorand bei dem Nationalökonomen Johannes Conrad mit einer Dissertation über "Die Grundbesitzverteilung und den Gang der Hypothekenbewegung im Amtsbezirk Königsberg". Ab 1902 arbeitete er als Landwirtschaftslehrer für die Provinz Brandenburg, seit 1. April 1903 in der Landwirtschaftlichen und Gärtnerischen Lehranstalt zu Königsberg/Neumark. Dort richtete er eine Abteilung für Wiesenbau ein. Im Juli 1907 wurde er Direktor der Lehranstalt. Mit nachhaltigem Erfolg förderte er den Anbau von Hanf und Tabak in Brandenburg. Aufgrund seiner Initiative entstand in Königsberg die erste höhere Landbauschule, deren Ausbildungsgang die Lücke zwischen Hochschule und Landwirtschaftsschule schloss. Aus ihr gingen "staatlich geprüfte Landwirte" (SgL) hervor. Berkner ist der Schöpfer dieser höheren Landbauschulen, die bald im ganzen Reich Nachahmung fanden. Er war Mitglied der Burschenschaft Salingia Halle.[1]

Als Nachfolger Kurt von Rümkers übernahm Berkner am 1. April 1913 als Direktor und Professor die Leitung des Instituts für Pflanzenproduktionslehre an der Universität Breslau. Gleichzeitig wurde er Direktor des Instituts für Landwirtschaftliche Produktionslehre und Leiter der Pflanzenbau- und Pflanzenversuchsanstalt der Versuchswirtschaft Rosenthal (bei Carlowitz) der Universität Breslau. Das Institut für Pflanzenproduktionslehre benannte er in "Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung" um und wirkte hier bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1943.

1922 konnte er mit finanzieller Hilfe des Schlesischen Viehhandelsverbands und schlesischer Landwirte ein 316 Hektar großes Versuchsfeld in Breslau-Schwoitsch (Güntherbrücke) für die Universität und sein Institut erwerben. Hier konnte er eine Vegetationsanlage einrichten, um seine Pflanzenzüchtungen zu bearbeiten. Diese ist noch heute in gleicher Funktion in Betrieb.

Auf Ersuchen der türkischen Regierung hielt er 1920 zusammen mit dem Genetiker Erwin Baur Vorträge an der Landwirtschaftlichen Hochschule in Halkali bei Konstantinopel, untersuchte die Landwirtschaft Anatoliens und gab dem türkischen Landwirtschaftsministerium eine Expertise zur Reorganisation der Landwirtschaftsausbildung der Türkei, die zur Gründung der Landwirtschaftlichen Hochschule in Ankara führte. Erster Professor dort wurde sein Schüler Prof. Friedrich Christiansen-Weniger.

Forschungsschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berkners zentrales Forschungsthema war das Studium der Beziehungen zwischen Klima, Boden und Kulturpflanzen. Pflanzenbau-Forschung war für ihn vorrangig ökologische Forschung. Berkner prägte den Begriff der "ökologischen Streubreite" und führte ihn in die internationale Fachliteratur ein. Auf dem 1923 erworbenen ca. 250 Hektar großen Versuchsgut Schwoitsch (später Güntherbrücke genannt) legte er zahlreiche Dauerversuche an. Beachtenswert sind seine experimentellen Untersuchungen über den Wasserverbrauch von Getreide und Kartoffeln. Intensiv widmete er sich Fragen der Bodenfruchtbarkeit und einer geregelten Stallmistwirtschaft, zu der er zahlreiche Versuche durchführte und eigene Verfahren demonstrierte. Auf ausgedehnten Studienreisen beschäftigte er sich auch mit Fragen des Regionalen Pflanzenbaus. Für das 1929/30 von Friedrich Aereboe, Johannes Hansen und Theodor Roemer herausgegebene fünfbändige "Handbuch der Landwirtschaft" schrieb er das zentrale Kapitel über den Getreidebau. - Ehrenvolle Berufungen an die Universität Göttingen, an das sächsische Wirtschaftsministerium, das preußische Landwirtschaftsministerium, die Kurländische Ritterschaft in Riga und an die Landwirtschaftliche Hochschule Berlin lehnte er ab.

Wie viele Pflanzenbauwissenschaftler seiner Zeit betätigte sich Berkner auch in der praktischen Pflanzenzüchtung. Er züchtete einen sehr frühreifen, gegen Halmfliegenbefall resistenten Winterweizen für trockene Standorte. Als "Berkners Kontinentalweizen" hatte diese Sorte in Schlesien zeitweise ein großes Anbauareal. Außerdem hat Berkner Wicken, Mais, Ölkürbis und Sojabohnen, sowie Hirsen aus dem Material der Deutschen Hindukusch-Expedition züchterisch bearbeitet. Auf der 1. Pflanzenbaulichen Reichstagung 1940 in Breslau hat er ausführlich über seine Erfahrungen auf dem Gebiet der Pflanzenzüchtung berichtet (siehe Schriftenverzeichnis).

Berkner hatte zeitlebens neben der wissenschaftlichen Strenge seines Erkenntnisstrebens das Bemühen, über die notwendige Spezialisierung hinaus die ganze lebendige Fülle des landwirtschaftlichen Geschehens und der Vorgänge in der Natur in eins zu sehen und zu begreifen. Er war nicht nur Forscher und Gelehrter, sondern auch Praktiker und Naturliebhaber. Seine Erfahrung als Jäger, Heger und Freund des Wildes seines Reviers legte er in einer Veröffentlichung grundsätzlicher Bedeutung mit dem Titel "Kritische Beiträge zur Frage des Rückgangs des Niederwilds" in allen führenden Jagdzeitschriften nieder.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Neue Wege der deutschen Landwirtschaft. Eine Studie zur landwirtschaftlichen Frage der Gegenwart. Verlagsbuchhandlung Paul Parey Berlin 1920.
  • Die Entwicklung unserer Kulturpflanzen in ihrer ökologischen Bedingtheit unter besonderer Berücksichtigung der Sortenfrage. In: Landwirtschaftliches Jahrbuch für Bayern Jg. 18, 1928, S. 128–143 (Beitrag mit Beispielen zum Begriff der "ökologischen Streubreite").
  • Autor des Kapitels Der Getreidebau. In: Handbuch der Landwirtschaft. Herausgegeben von Friedrich Aereboe, Johannes Hansen und Theodor Roemer. Verlagsbuchhandlung Paul Parey Berlin 1930, Bd. 3, S. 1–108.
  • Zwanzigjährige Erfahrungen in der Pflanzenzüchtung. In: 1. Pflanzenbauliche Reichstagung in Breslau 19. bis 22. Juni 1940. Verlag J. Neumann, Neudamm und Berlin 1941, S. 130–150 = Der Forschungsdienst, Sonderheft 14.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Konrad Meyer: Prof. Dr. Fr. Berkner zum 80. Geburtstag. In: Zeitschrift für Acker- und Pflanzenbau. Bd. 97, 1954, S. 261–266 (m. Bild).
  • Eduard von Boguslawski: Prof. Dr. F. Berkner gestorben. In: Mitteilungen der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft. Jg. 69, 1954, S. 1236.
  • Wilhelm Zorn: Die Geschichte der Landwirtschafts-Wissenschaft in Schlesien. Beiheft Nr. 2 zum Jahrbuch der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Breslau. Holzner-Verlag Würzburg 1964, S. 55–58.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ernst Elsheimer (Hrsg.): Verzeichnis der Alten Burschenschafter. Ausgabe 1925/26. Frankfurt am Main 1925/26, S. 28.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]