Weizen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Winterweizen)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Weizen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Weizen
Weizenfeld mit unbegranntem Weizen (Triticum aestivum)

Weizenfeld mit unbegranntem Weizen (Triticum aestivum)

Systematik
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Süßgräser (Poaceae)
Unterfamilie: Pooideae
Tribus: Triticeae
Gattung: Weizen
Wissenschaftlicher Name
Triticum
L.

Als Weizen wird eine Reihe von Pflanzenarten der Süßgräser (Poaceae) der Gattung Triticum L. bezeichnet. Als Getreide werden vor allem zwei Arten angebaut: Weichweizen und Hartweizen. Etymologisch leitet sich das Wort Weizen vom „weißen“ (hellen) Mehl[1] und der hellen Farbe der Weizenfrucht[2] ab, der Gattungsname Triticum (Mahlfrucht, Dreschgetreide) vom lateinischen Partizip tritum (gerieben, gedroschen).[3]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Weizen-Arten erreichen Wuchshöhen von etwa 0,5 bis 1 m. Der Halm ist rundlich. Von der Gesamterscheinung wirkt er dunkelgrün und die Ähre gedrungen. Morphologisches Unterscheidungsmerkmal sind die kurzen bewimperten Blattöhrchen, die im Gegensatz zur Gerste, den Halm nicht umschließen. Das Blatthäutchen ist mittelgroß und gezähnt. Die Früchte werden botanisch als „einsamige Schließfrüchte“ (Karyopsen) bezeichnet, das Tausendkorngewicht beträgt 40–65 Gramm.

Arten (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

A  Rauweizen (Triticum turgidum)
B  Hartweizen (Triticum durum)
C  Polnischer Weizen (Triticum polonicum)
D  Dinkel (Triticum spelta)
  • Weichweizen (Triticum aestivum L.); wird weltweit kultiviert. Mit bis zu sieben Unterarten.
  • Triticum aethiopicum Jakubz.: Die Heimat ist Äthiopien.[4]
  • Triticum antiquorum (Heer) Udachin. Ist vielleicht ein Synonym von Triticum aestivum.
  • Triticum baeoticum Boiss. (auch „Triticum boeoticum“ geschrieben); Wird auch als Unterart subsp. aegilopoides (Link) Thell. zu Triticum monococcum gestellt.[4] Sie kommt auf der Balkanhalbinsel vor.
  • Persischer Weizen (Triticum carthlicum Nevski); wird auch als Unterart subsp. carthlicum (Nevski) Á. Löve & D. Löve zu Triticum turgidum gestellt.
  • Zwergweizen oder Binkel (Triticum compactum Host); wird auch als Unterart subsp. compactum (Host) Thell. zu Triticum aestivum gestellt; wird in Südeuropa und im südlichen Mitteleuropa kultiviert
  • Triticum dicoccoides (Asch. & Graebn.) Schweinf.: Sie kommt vom östlichen Mittelmeergebiet bis zum Kaukasus und zum Iran vor.[4]
  • Emmer (Triticum dicoccon Schrank ex Schübl.; Syn.: Triticum turgidum subsp. palaeocolchicum Á. Löve & D. Löve, Triticum karamyschevii Nevski); wird auch als Unterart subsp. dicoccum (Schrank ex Schübl.) Thell. zu Triticum turgidum gestellt.
  • Hartweizen (Triticum durum Desf.); wird auch als Unterart subsp. durum (Desf.) Husnot zu Triticum turgidum gestellt.
  • Triticum ispahanicum Heslot: Die Heimat ist der Iran.[5] Wird auch zur Unterart subsp. dicoccum (Schrank ex Schübl.) Thell. zu Triticum turgidum gestellt.[4]
  • Triticum macha Dekapr. & Menabde; wird auch als Unterart subsp. macha (Dekapr. & Menabde) Mackey zu Triticum aestivum gestellt. Die Heimat ist das westliche Transkaukasien.[4]
  • Einkorn (Triticum monococcum L.): Die Heimat ist Ost- und Südosteuropa sowie Westasien und der Kaukasus. Mit bis zu drei Unterarten.
  • Triticum parvicoccum Kislev: Kam in Südosteuropa und Vorderasien vor.
  • Triticum ×petropavlovskyi Udachin & Migush.: Die Heimat ist China (Xinjiang).[5] Wird auch zu Triticum turgidum gestellt.[4]
  • Polnischer Weizen (Triticum polonicum L.); wird auch als Unterart subsp. polonicum (L.) Thell. zu Triticum turgidum gestellt
  • Freidreschendes Einkorn (Triticum sinskajae Filat. & Kurkiev); wird auch als Unterart subsp. sinskajae (Filat. & Kurkiev) Valdés & H. Scholz zu Triticum monococcum gestellt.
  • Dinkel (Triticum spelta L.); wird auch als Unterart subsp. spelta (L.) Thell. zu Triticum aestivum gestellt
  • Kugelweizen (Triticum sphaerococcum Percival); wird auch als Unterart subsp. sphaerococcum (Percival) Mackey zu Triticum aestivum gestellt. Die Heimat ist der indische Subkontinent.[4]
  • Triticum tetraurartu Gandil.
  • Triticum timopheevii (Zhuk.) Zhuk. (Syn.: Triticum timonovum Heslot & Ferrary), kommt im Gebiet des Kaukasus vor. Mit den Unterarten:
    • Triticum timopheevii subsp. armeniacum (Jakubz.) Slageren (Syn.: Triticum araraticum Jakubz.)
    • Triticum timopheevii subsp. timopheevii (Syn.: Triticum militinae Zhuk. & Migush.)
  • Khorasan-Weizen (Triticum turanicum Jakubz.); wird auch als Unterart subsp. turanicum (Jakubz.) Á. Löve & D. Löve zu Triticum turgidum gestellt. Die Heimat erstreckt sich von Irak und Iran bis zum nordwestlichen China.[4]
  • Rauweizen oder Nacktweizen (Triticum turgidum L.; Syn.: Triticum jakubzineri (Udachin & Shakhm.) Udachin & Shakhm.; Triticum compositum L.[5]): Die Heimat ist Westasien. Mit bis zu acht Unterarten.
  • Triticum urartu Thumanyan ex Gandilyan: Die Heimat ist Armenien, Iran, Irak, der Libanon und die östliche Türkei.[5]
  • Triticum vavilovii Jakubz.: Die Heimat ist die Türkei, Armenien und Aserbaidschan.[5]
  • Triticum ×zhukovskyi Menabde & Ericzjan: Ist Triticum timopheevii × Triticum monococcum; wird in Georgien kultiviert.[5]

In die Gattung Triticum werden manchmal auch die nahe verwandten Walche (Aegilops) eingeschlossen, von denen einige Arten in die kultivierten Weizenarten eingekreuzt wurden.

Ackerbaulich wichtige Weizenarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weizenähre
Weizenkörner
  • Weichweizen (Triticum aestivum L.) ist eine hexaploide Weizenart und wird mit der weitesten Verbreitung angebaut. Es gibt eine Vielzahl von Sorten, die an unterschiedliche Klimate angepasst sind.
  • Dinkel oder Spelz (Triticum aestivum subsp. spelta (L.) Thell.), ebenfalls hexaploid, wird als spezielles Brotgetreide begrenzt angebaut. Das in der Milchreife geerntete und geröstete Korn, Grünkern genannt, ist mineralstoffreich und stark aromatisch.
  • Emmer (Triticum dicoccon (Schrenk) Schübler) ist eine tetraploide Weizenart, die historisch angebaut wurde, heute aber keine wirtschaftliche Bedeutung mehr hat.
  • Hartweizen (Triticum durum Desf.) ist die einzige tetraploide Weizenart, die heute noch verbreitet angebaut wird.
  • Einkorn (Triticum monococcum L.) ist die älteste Kulturweizenart. Sie wird heute noch aus wissenschaftlichen Gründen oder zu Illustrationszwecken angebaut, ist aber auch im Naturkosthandel wieder erhältlich und dient zur Produktion von Backwaren und Bier.

Sorten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bundessortenamt teilt mit seiner Zulassung die Weichweizensorten in vier sogenannte Backqualitätsgruppen ein[6] (Hauptmerkmal der Einteilung ist die Volumenausbeute im Rapid-Mix-Test, einem Backversuch):

  • E-Gruppe: Eliteweizen – mit hervorragenden Eigenschaften und höchster Volumenausbeute der Backqualitätsgruppen. Eliteweizen wird meistens zum Aufmischen schwächerer Weizensorten verwendet oder exportiert.
  • A-Gruppe: Qualitätsweizen mit hoher Eiweißqualität, aber geringeren Anforderungen an die Volumenausbeute als bei Eliteweizen. Kann Defizite anderer Sorten ausgleichen.
  • B-Gruppe: Brotweizen – alle Sorten, die für die Gebäckherstellung gut geeignet sind, die Volumenausbeute darf diejenige der Qualitätsweizen noch unterschreiten.
  • C-Gruppe: Sonstiger Weizen, welcher hauptsächlich als Futter verwendet wird.[7]
  • Bei Weizensorten, die besonders für Flachwaffel- und Hartkeksherstellung geeignet sind, wird die Qualitätsgruppe mit dem Index ‚K‘ an der Qualitätsgruppe gekennzeichnet, also zum Beispiel CK.[8]

Domestizierung, Züchtung und Ausbreitung des Anbaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der heutige Saatweizen ging aus der Kreuzung mehrerer Getreide- und Wildgrasarten hervor. Die ersten angebauten Weizenarten waren Einkorn (Triticum monococcum) und Emmer (Triticum dicoccum). Ihr Herkunftsgebiet ist der Vordere Orient (Fruchtbarer Halbmond).

Die ältesten Nacktweizenfunde stammen aus der Zeit zwischen 7800 und 5200 v. Chr. Damit ist Weizen nach der Gerste die zweitälteste Getreideart. Mit seiner Ausbreitung nach Nordafrika und Europa gewann der Weizen grundlegende Bedeutung.

Die ältesten Funde von Nacktweizen in Europa stammen aus dem westmediterranen Raum dem Siedlungsbereich der Cardial- oder Impressokultur.[9] Im Endneolithikum war der Nacktweizen nach zwischenzeitlicher Ausbreitung über Mitteleuropa auf eine Region beiderseits des Oberrheins und der Schweiz reduziert. Doch lange blieb der Anbau hinter dem der Getreidearten Einkorn, Emmer und Gerste zurück. Erst durch das Weißbrot, das ab dem 11. Jahrhundert in Mode kam, etablierte sich der Weizen. Heute ist Weizen in Deutschland die am häufigsten angebaute Getreideart und nimmt den größten Anteil der Getreideanbauflächen ein.

Einkorn (Triticum monococcum) ist die ursprünglichste Form des kultivierten Weizens; man findet auch heute noch Wildformen des Einkorns, so dass die Domestizierung mittels menschlicher Auslese klar erscheint. Aus dem Einkorn entwickelte sich durch Bildung eines Additionsbastards mit einem anderen Wildgras (evtl. Aegilops speltoides Tausch, Syn. Triticum speltoides (Tausch) K. Richt.) in vorgeschichtlicher Zeit der tetraploide Emmer (Triticum dicoccum), aus dem später durch Zucht Arten wie Hartweizen und Kamut entstanden.

Der heute vorwiegend angebaute Weichweizen (Triticum aestivum) ist eine jüngere Züchtung und genetisch relativ weit von den in historischen Quellen genannten „Weizen“ entfernt. Der Weizen Roms war Emmer (far). Der moderne Weizen entstand durch die Aufnahme des gesamten Gensatzes des Wildgrases Aegilops tauschii Coss. (Syn. Triticum tauschii (Coss.) Schmalh., Aegilops squarrosa auct.) in den Emmer.

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das International Wheat Genome Sequence Consortium rechnet damit, dass bis 2018 eine komplette DNA-Sequenz mit Genkarte des Weizens zur Verfügung steht.[10][11] Das Weizengenom umfasst ca. 17 Milliarden Basenpaare und ist damit rund fünfmal so lang wie das des Menschen.[12] Ein wichtiger Teilschritt ist 2017 gelungen, indem das Genom von tetraploidem Emmer, der ja ein Teil des hexaploiden Weizens darstellt, sequenziert wurde.[13] Weizenzüchter aus bedeutenden Exportländern erwarten große Fortschritte bei konventionell und gentechnisch erzeugten Sorten, je genauer die Lage und Funktion der einzelnen Gene bekannt ist.[14]

Transgener Weizen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Grüne Gentechnik

In den USA wurde 2004 ein von Monsanto hergestellter transgener Weizen, der Glyphosatresistenz gegenüber dem Pflanzenschutzmittel Roundup (Glyphosat) vermittelt, zum Anbau zugelassen.[15] Monsanto hat in den folgenden Jahren aber auf eine Kommerzialisierung verzichtet, da man die Opposition der EU und Japans nicht provozieren und so den lukrativen Export amerikanischen Weizens nicht gefährden wollte.[16] Da nachgewiesen wurde, dass ein Auskreuzen von Transgenen aus gentechnisch verändertem Weizen auf verwandte Grasarten, wie Walch (Aegilops cylindrica) möglich ist, ist der Einsatz gentechnisch veränderten Weizens problematisch.[17] Im Jahr 2013 wurde glyphosatresistenter Weizen in einem Acker In Oregon (USA) gefunden. Auf welche Weise dieser transgene Weizen, der aus der Produktion von Monsanto stammt, unkontrolliert wachsen konnte, ist nicht aufgeklärt worden.[18]

Anbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schematischer Längsschnitt durch ein Weizenkorn
Verschiedene Schichten des Weizenkorns
Stickstoffgaben werden zu verschiedenen Zeitpunkten benötigt

Weizen stellt an Klima, Boden und Wasserversorgung höhere Ansprüche als andere Getreidearten. Weizen ist an trockene und warme Sommer angepasst. Eine moderne Kreuzung aus Weizen und Roggen, Triticale, erlaubt den Anbau in kühleren Klimazonen.

Winterweizen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland wird auf über 90 % der Weizenanbauflächen Winterweizen ausgesät. Winterweizen wird, nach Ende der Keimruhe des Saatguts, im Herbst ausgesät (ab Ende September bis in den Dezember hinein). Abhängig von Höhenlage und Saatzeitpunkt werden ungefähr 280 bis 520 Körner pro m² ausgesät. Aufgrund der großen Bandbreite der Tausendkornmasse des Weizens von unter 40 bis über 60 g ist die Angabe einer durchschnittlichen Saatmenge in kg/ha schwierig, bei einer angestrebten Saatdichte von rund 320 Pflanzen pro m² und einer Tausendkornmasse von 48 g ergäbe sich beispielsweise eine Saatmenge von rechnerisch ca. 154 kg pro Hektar.

Bei Saat in das herbstliche Saatbett ist zu beachten, dass Weizen kein Dunkelkeimer ist, sondern ein lichtneutrales Keimverhalten aufweist. Bei der Saattiefe muss daher keine besonders große Tiefe gewählt werden, um gute Keimung zu gewährleisten.[19] Bei feuchtwarmem Boden keimen die Samenkörner schnell und führen in 15–20 Tagen zum Feldaufgang. Die kleinen Pflanzen bilden Nebensprossen (Bestockung) aus und überwintern.

Wie alle Wintergetreidearten benötigt auch Winterweizen zum Abbau der Schosshemmung eine Vernalisation durch Frosttemperaturen. Die Hauptbestockung findet erst im Frühjahr statt und ist stark von Sorte und Pflegemaßnahmen abhängig. Bei später Aussaat, die meistens mit niedrigen Bodentemperaturen verbunden ist, verläuft die Keimung langsamer. Eine Keimung findet allerdings auch noch bei Bodentemperaturen von 2 bis 4 °C statt.[20] Winterweizen ist daher spätsaatverträglich, die Aussaat somit bis Dezember möglich. Eine späte Aussaat kann aber zu unteroptimalen Ernteerträgen führen und verlangt höhere Saatdichten. Obwohl Weizen (sortenabhängig) bis ca. −20 °C frostresistent ist, bevorzugt er insgesamt ein gemäßigtes Klima.

Im Frühjahr setzt das Streckungswachstum (Schossen) ein und die Blätter entwickeln sich. Am Ende der Streckungsphase ist bereits eine vollständige Ähre mit Ährchen und Blüten vorhanden. Die Ähren schieben nach außen und mit der Blüte ist die Pflanzenentwicklung abgeschlossen. Nach der (Selbst-)Befruchtung entwickeln sich die Körner. Je Pflanze bilden sich zwei bis drei Ähren tragende Halme aus, was etwa 350 bis 700 Halmen je m² entspricht.

In jeder Ähre bilden sich etwa 25 bis 40 Körner aus. Sie bestehen in der Vollreife aus ca. 70 % Stärke, ca. 10–12 % Eiweiß, ca. 2 % Fett und ca. 14 % Wasser. Die Höhe der genannten Inhaltsstoffe hängt von der Sorte, der Düngung und beim Wasser von Luftfeuchtigkeit sowie Regen ab.

Gegen Unkräuter, Schadinsekten, Pilze und übermäßiges Wachstum sind im konventionellen Anbau mehrere Pflanzenschutzanwendungen erforderlich. Für den optimalen Ertrag ist auch eine ausreichende und ausgeglichene Nährstoffversorgung notwendig, wobei insbesondere die Stickstoffdüngung in mehreren Gaben (Portionen) erfolgt.

Die Ernte findet im Hochsommer des auf die Aussaat folgenden Jahres statt. Das Stroh verbleibt gehäckselt auf dem Feld oder es wird als Einstreu für die Tiere zu Ballen gepresst und abgefahren.

Sommerweizen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sommerweizen wird möglichst frühzeitig im Frühjahr ausgesät; er braucht keine Vegetationsruhephase, muss also nicht vernalisiert werden. Seine Kornerträge liegen in der Regel deutlich unter denen von Winterweizen. Die Körner haben eine glasigere Struktur als Winterweizen, sind aber proteinreicher. Die Sommerweizenproduktion machte in Deutschland im Jahr 2009 mit 0,2 Mio. t lediglich 0,8 % der gesamten Weizenernte aus.

Unter Wechselweizen versteht man einen Sommerweizen, der bereits im Herbst (November/Dezember) des Vorjahres ausgesät werden kann.

Wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bedeutung als Grundnahrungsmittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weizenproduktion weltweit
Reife Weizenähren
Ein Mähdrescher mäht und drischt den Weizen, zerkleinert die Spreu und bläst diese über das Feld. Der gedroschene Weizen wird bei voller Fahrt auf einen Anhänger umgeladen.

Die verschiedenen Arten des Weizens stellten 2014 nach Mais (1,038 Mrd. t pro Jahr) und Reis (741 Mio. t pro Jahr) das am dritthäufigsten angebaute Getreide der Welt dar (729 Mio. t pro Jahr). Die Anbaufläche für Weizen belief sich weltweit auf 220 Millionen Hektar.[21]

Der durchschnittliche Ertrag lag weltweit bei 33,0 dt/ha, während in Deutschland ca. 86 dt/ha geerntet wurden.[22] Spitzenwerte liegen bei 120 dt/ha. Diese sind, nach Mais, die zweithöchsten Kornerträge aller Getreidearten. Es werden durchschnittlich 2 dt/ha Saatgut ausgebracht.

Weizen ist für Menschen in vielen Ländern ein Grundnahrungsmittel (Brotgetreide) und hat eine große Bedeutung in der Tiermast. Hartweizen ist besonders für die Herstellung von Teigwaren (Hartweizengrieß) geeignet – wird aber in Deutschland so gut wie nicht angebaut (2009: 62.000 t, dies entspricht lediglich 0,2 % der gesamten Weizenproduktion).

Weizen wird weltweit an Warenterminbörsen gehandelt, unter anderem an der Chicago Board of Trade (CBoT), der Kansas City Board of Trade (KCBOT), der Eurex (Zürich) und der MATIF (Paris).[23] Die internationale Wertpapierkennnummer (ISIN) für Weizen im Börsenhandel lautet: US12492G1040.[24]

Die größten Weizenproduzenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2014 wurden laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO weltweit etwa 729 Mio. t Weizen geerntet.

Folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die 20 größten Produzenten von Weizen weltweit, die insgesamt 85,0 % der Gesamtmenge produzierten. Außerdem befinden sich in dieser Tabelle Österreich und die Schweiz zum Vergleich.

Die größten Weizenproduzenten weltweit (2014)[22]
Rang Land Menge
(in t)
  Rang Land Menge
(in t)
   1 China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China    126.208.400    13 KasachstanKasachstan Kasachstan    13.940.800
   2 IndienIndien Indien    95.850.000    14 PolenPolen Polen    11.628.670
   3 RusslandRussland Russland    59.711.382    15 IranIran Iran    *10.600.000
   4 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten    55.147.120    16 ArgentinienArgentinien Argentinien    9.315.049
   5 FrankreichFrankreich Frankreich    38.950.202    17 AgyptenÄgypten Ägypten    9.279.804
   6 KanadaKanada Kanada    29.280.800    18 RumänienRumänien Rumänien    7.584.814
   7 DeutschlandDeutschland Deutschland    27.784.700    19 ItalienItalien Italien    7.141.926
   8 PakistanPakistan Pakistan    25.979.399    20 UsbekistanUsbekistan Usbekistan    6.955.976
   9 AustralienAustralien Australien    25.303.037    ...
   10 UkraineUkraine Ukraine    24.113.970    41 OsterreichÖsterreich Österreich    1.804.018
   11 TurkeiTürkei Türkei    19.000.000    61 SchweizSchweiz Schweiz    550.826
   12 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich    16.606.000     Welt    729.012.171

* = Inoffizielle Zahl

Siehe auch:

Weizeneiweiß[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.

Entgegen einer weitverbreiteten Meinung enthält Gluten alle essentiellen Aminosäuren. Allerdings hat es für sich alleine genommen eine geringe biologische Wertigkeit von etwa 55 % des Vollei-Standards. Durch Kombination mit anderen Lebensmitteln, insbesondere mit Hülsenfrüchten, entsteht dagegen ein Gesamteiweiß mit einer sehr hohen biologischen Wertigkeit.

Gekeimte Weizenkörner

Weizenkeimöl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weizen enthält (wie oben ersichtlich) nur wenig Fett. Der Ölgehalt der Weizenkeime liegt zwischen 8 und 12 %. Das Öl besteht zu über 60 % aus mehrfach ungesättigten Fettsäuren, davon zu ca. 88 % aus der Omega-6-Fettsäure Linolsäure. Weizenkeimöl hat einen Anteil von 200–300 mg Vitamin E pro 100 g[25] und ist damit das Öl mit dem höchsten Gesamt-Gehalt an diesem Vitamin. Das Vitamin E in Weizenkeimöl besteht überwiegend aus α-Tocopherol, mit etwa 1,2 mg/100 g sind auch etwas Tocotrienole enthalten. Weizenkeimöl weist eine geringe Oxidationsstabilität auf.[26]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Grimm: Deutsches Wörterbuch (online)
  2. Jörg Mildenberger: Anton Trutmanns 'Arzneibuch. Teil II: Wörterbuch (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 56). Band V, Würzburg 1997, S. 2266.
  3. Alois Walde: Lateinisches etymologisches Wörterbuch. 3. Aufl. besorgt von Johann Baptist Hofmann, I–III, Heidelberg 1938–1965, Band II, S. 707.
  4. a b c d e f g h Rafael Govaerts (Hrsg.): World Checklist of Selected Plant Families. Triticum Royal Botanic Gardens Kew, Zugriff am 5. Januar 2015.
  5. a b c d e f Poaceae im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 1. Januar 2015.
  6. Bundessortenamt (Hrsg.): Beschreibende Sortenliste. Getreide, Mais, Ölfrüchte, Leguminosen (großkörnig), Hackfrüchte (außer Kartoffeln) 2007. Deutscher Landwirtschaftsverlag, Hannover 2007.
  7. Klaus-Ulrich Heyland (Hrsg.): Spezieller Pflanzenbau (= Landwirtschaftliches Lehrbuch. Band 2). 7. völlig neubearb. Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart 1996, ISBN 3-8001-1080-6, S. 157 ff., insb. S. 161.
  8. Bundessortenamt (Hrsg.): Beschreibende Sortenliste. Getreide, Mais, Öl- und Faserpflanzen, Leguminosen, Rüben, Zwischenfrüchte 2010. Hannover 2010, S. 117.
  9. Jens Lüning: Steinzeitliche Bauern in Deutschland. Die Landwirtschaft im Neolithikum (= Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie. Band 58). Habelt, Bonn 2000, ISBN 3-7749-2953-X, S. 62.
  10. IWGSC: Generating a high Quality Genome sequence of bread wheat. Abgerufen am 10. August 2017 (englisch).
  11. reuters.com: Wheat groups welcome genetic news (engl.)
  12. wheatgenome.org: Significant Work Still Needed to Really Crack Wheat’s Genetic Code (engl.)
  13. Avni, R., et al. (2017). Wild emmer genome architecture and diversity elucidate wheat evolution and domestication. Science 357(6346): 93-97.doi:10.1126/science.aan0032
  14. Uauy, C. (2017). Wheat genomics comes of age. Curr Opin Plant Biol 36: 142-148.doi: 10.1016/j.pbi.2017.01.007
  15. ISAAA: Wheat (Triticum aestivum) GM Events. Abgerufen am 10. August 2017 (englisch).
  16. Stokstad, E. (2004). Biotechnology. Monsanto pulls the plug on genetically modified wheat. Science 304(5674): 1088-1089.doi:10.1126/science.304.5674.1088a
  17. Perez-Jones, A., et al. (2010). Hybridization in a Commercial Production Field between Imidazolinone-Resistant Winter Wheat and Jointed Goatgrass (Aegilops cylindrica) Results in Pollen-Mediated Gene Flow of Imi1. Weed Science 58(4): 395-401.doi: 10.1614/WS-D-10-00027.1
  18. Fox, J. L. (2013). Volunteer GM wheat, mischief or carelessness? Nat Biotechnol. 31(8): 669-670.doi:10.1038/nbt0813-669a
  19. Klaus-Ulrich Heyland (Hrsg.): Spezieller Pflanzenbau (= Landwirtschaftliches Lehrbuch. Band 2). 7. völlig neubearb. Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart 1996, ISBN 3-8001-1080-6, S. 165 ff. S. 316 f.
  20. Klaus-Ulrich Heyland (Hrsg.): Spezieller Pflanzenbau (= Landwirtschaftliches Lehrbuch. Band 2). 7. völlig neubearb. Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart 1996, ISBN 3-8001-1080-6, S. 317.
  21. Zahlen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO für 2014.
  22. a b FAO, Faostat Statistik der FAO 2014, aufgerufen am 29. August 2017
  23. Weizenkontraktkurse MATIF.
  24. Weizenkurs und weitere Daten, Börse Frankfurt.
  25. USDA Analyse von Weizenkeimöl hier online.
  26. Waldemar Ternes, Alfred Täufel, Lieselotte Tunger, Martin Zobel: Lebensmittel-Lexikon. 4. umfassend überarb. Auflage. Behr, Hamburg 2005, ISBN 3-89947-165-2.
  27. Sascha Peters: Materialrevolution II. De Gruyter, 2014, ISBN 978-3-03821-000-9, S. 69.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Weizen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Weizen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien