Fritz Fischer (Intendant)

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Fritz Fischer (* 16. Juni 1898 in Backnang; † 9. Februar 1985 in München) war ein deutscher Theaterintendant, Regisseur und Schauspieler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fritz Fischer ging als junger Schauspieler in die USA und wurde 1923 am German Theatre Milwaukee engagiert, dessen Leitung er wenig später übernahm. Durch Gastspielauftritte in Chicago und New York wurde er so bekannt, dass er schließlich als „Finalregisseur“ für die Ziegfeld Follies (einer glamourösen Nummernrevue im Stile der Folies Bergères) engagiert wurde. 1929 kam Fischer nach Deutschland zurück. Er übernahm die Dresdener Komödie, aber zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise war ihm kein Glück beschieden und das Privattheater ging 1932 bankrott. Fritz Fischer arbeitete als Filmschauspieler (u. a. als Jim Boy in Die Blume von Hawaii), doch wurden die Engagements sowohl im Film als auf der Bühne nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten weniger, weil er aufgrund der unehelichen Geburt seiner Mutter den Ariernachweis nicht erbringen konnte. Er trat in die NSDAP ein, konnte aber nur im Hintergrund arbeiten, vor allem für das große Berliner Varieté Scala.[1] Auf Protektion des bayerischen Gauleiters Adolf Wagner wurde Fischer 1938 zum Intendanten des Münchner Gärtnerplatztheaters ernannt, wo seine Inszenierung von Franz Lehars Operette Die lustige Witwe im Stile einer bombastischen Nummernrevue (musikalische Leitung: Ernst Kreuder, Star: Johannes Heesters) Adolf Hitler zum Schwärmen brachte. Obwohl auch die späteren Inszenierungen Fischers eher in der Tradition der vom Regime verhassten Berliner Revuen der letzten Jahre der Weimarer Republik standen (inklusive Jazzelementen und Nackttänzen), ließen ihn die Nationalsozialisten zunächst gewähren. Heftige Kritik gab es aus Kulturkreisen. Richard Strauss nannte Fischer in einem Brief einen "Revueschmierendirektor"[2]. Linientreue bewies das Ensemble des Theaters, als es am 21. Mai 1941 das KZ Dachau besuchte.[3] (Die Frage, ob die Künstler, unter ihnen Johannes Heesters, dort auch auf der Bühne sangen, war noch 2008 Gegenstand von Gerichtsverfahren.[4])

Zu Kollisionen mit der Obrigkeit kam es durch Fischers verschwenderische Amtsführung als Intendant, die sogar vom Bayerischen Rechnungshof gerügt wurde, durch seinen eigenen luxuriösen Lebensstil und durch sexuelle Ausschweifungen (Fischer soll eine 19-jährige Tänzerin vergewaltigt haben). Zwar wurde er zunächst noch durch Wagner vor einer Haftstrafe geschützt, doch musste er auf persönliche Anordnung von Adolf Hitler in den Kriegseinsatz zur Marine, wo er ein halbes Jahr später als dienstuntauglich entlassen wurde.[5]

Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchte Fritz Fischer erneut im Revue-Geschäft zu reüssieren. Bis auf wenige Produktionen (zum Beispiel die Eisrevue Der Kaiserwalzer im Düsseldorfer Apollo-Theater) waren die meisten revuehaften und mit Superlativen behafteten „Neuinterpretationen“ von Operetten finanzielle Desaster – so die Tourneeaufführung der Czardasfürstin 1950, das Stück Käpt’n Bay Bay 1950 oder Eine Nacht in Venedig 1953 in der Hamburger Ernst-Merck-Halle[6].

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1932: Die – oder keine
  • 1932: Flucht nach Nizza
  • 1933: Die Blume von Hawaii
  • 1933: Eine Frau wie du
  • 1933: Johannisnacht
  • 1934: Eine Nacht in Venedig
  • 1934: Das Geschäft blüht
  • 1935: Wie du mir – so ich dir

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stefan Frey: Das wahre Zeittheater, in: Marie-Theres Arnbom/Kevin Clarke/Thomas Trabisch: Welt der Operette, Brandsträtter, Wien 2011
  2. Brief an den Intendanten Clemens Krauss vom 24. Januar 1940, zitiert nach Stefan Frey: Das wahre Zeittheater, in: Marie-Theres Arnbom/Kevin Clarke/Thomas Trabisch: Welt der Operette, Brandsträtter, Wien 2011
  3. Ernst Klee: Kulturlexikon im Dritten Reich, Frankfurt a.M., Fischer Taschenbuch Verlag 2007
  4. Die Welt, 16. Dezember 2008
  5. Süddeutsche Zeitung, 26. November 2012
  6. Der Spiegel, 26. August 1953