Conrad Haußmann
Conrad Haußmann, in manchen Quellen auch Konrad (* 8. Februar 1857 in Stuttgart; † 11. Februar 1922 ebenda), war ein deutscher Politiker der Demokratischen Volkspartei in Württemberg. Auf Reichsebene gehörte er der (Süd-)Deutschen Volkspartei, ab 1910 der Fortschrittlichen Volkspartei und ab 1918 der Deutschen Demokratische Partei (DDP) an.
Er war ab 1889 Abgeordneter des württembergischen Landtags und ab 1890 Mitglied des Reichstages, beide Mandate behielt er bis zu seinem Tod. Haußmann war im Oktober bis November 1918 kurzzeitig Staatssekretär in der Regierung des Prinzen Max von Baden und von 1919 bis 1920 Vizepräsident der Weimarer Nationalversammlung. Er wirkte 1919 an der Ausarbeitung der demokratischen Verfassungen sowohl des Volksstaats Württemberg als auch der Weimarer Republik mit.
Familie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Haußmann stammte aus einer demokratisch geprägten württembergischen Familie. Die Familie ist ein Zweig der Haußmann von Reudern. Sein Vater Julius Haußmann war im Königreich Württemberg an der Revolution von 1848/49 beteiligt und floh nach deren Scheitern in die Schweiz, wo er seine Frau Marie Josephine Stoffel kennenlernte. Conrad Haußmann hatte einen Zwillingsbruder Friedrich, der ebenfalls Politiker wurde. Die Mutter starb kurz nach der Geburt der beiden. Die Brüder lebten mit ihren Familien gemeinsam in einem Doppelhaus in Stuttgart.
Haußmann war ab 1887 mit Helene Kausler verheiratet. Mit ihr hatte er zwei Söhne und eine Tochter. Der ältere Sohn Robert war als Rechtsanwalt in Stuttgart tätig und stand der dortigen Rechtsanwaltskammer als Präsident vor. Sein Sohn Wolfgang Haußmann (1903–1989) war von 1953 bis 1966 baden-württembergischer Justizminister.

Die Familiengrabstätte, in der auch Conrad Haußmann beigesetzt wurde, befindet sich auf dem Heslacher Friedhof in Stuttgart.
Leben und Beruf
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach dem Abitur am Eberhard-Ludwigs-Gymnasium in Stuttgart 1876 studierte Haußmann Rechtswissenschaften in München, Zürich, Berlin und Tübingen, wo er 1880 das 1. juristische Staatsexamen ablegte. Nach dem Vorbereitungsdienst und dem 2. Staatsexamen ließ er sich 1883 als Rechtsanwalt in Stuttgart nieder. Er hatte eine gemeinsame Kanzlei mit seinem Bruder und ab 1884 mit einem weiteren Sozius.
1907 beteiligte er sich mit Hermann Hesse, mit dem er befreundet war, und Ludwig Thoma an der Gründung der politisch-literarischen Zeitschrift März, die zunächst von Albert Langen verlegt wurde und als „konstruktives Pendant“ (Helga Abret) zur Satire-Zeitschrift Simplicissimus gedacht war und in der er teilweise auch unter dem Pseudonym Heinrich Hutter schrieb. Haußmann, der sich für die deutsch-französische Aussöhnung einsetzte, verschaffte Anatole France und Jean Jaurès die Möglichkeit, im März zu schreiben.
Partei
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Haußmann trat schon in seiner Jugend der Volkspartei in Württemberg bei, die sein Vater mitgegründet hatte. Ab 1885 gehörte er dem Landeskomitee der Partei an und bildete zusammen mit seinem Bruder sowie Friedrich Payer deren Führungsspitze. Unter ihrer Führung wurde die Volkspartei bei der Landtagswahl 1895 mit 32,5 % stärkste Kraft. Auf Reichsebene war sie mit der hauptsächlich in Süddeutschland vertretenen Deutschen Volkspartei verbunden. Diese war die am weitesten linksstehende und das von Preußen dominierte System des Deutschen Kaiserreichs ablehnende Partei des liberal-demokratischen Spektrums und darf nicht mit der gleichnamigen nationalliberalen Partei in der Zeit der Weimarer Republik verwechselt werden. Sie ging 1910 in der Fortschrittlichen Volkspartei auf, deren württembergischer Landesverband die Demokratische Volkspartei anschließend war.
Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte Haußmann im November 1918 zu den Mitbegründern der Deutschen Demokratischen Partei und war maßgeblich daran beteiligt, dass die württembergischen Demokraten sich als Landesverband der DDP anschlossen. Anschließend war er bis 1920 Landesvorsitzender der DDP in Württemberg.
Abgeordneter
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Haußmann war von 1889 bis zu seinem Tode Landtagsabgeordneter in Württemberg, bis 1918 in der Zweiten Kammer der Landstände des Königreichs Württemberg, danach seit 1919 im Landtag des freien Volksstaates Württemberg. Als Mitglied der Demokratischen Volkspartei setzte er sich für die Verfassungsreform ein.
Von 1890 bis 1918 gehörte er für den Wahlkreis Württemberg 9 (Balingen, Rottweil, Spaichingen, Tuttlingen) dem Reichstag des Kaiserreiches an.[1] Da die nur in den südlichen Staaten verbreitete Deutsche Volkspartei nicht die Fraktionsstärke erreichte, arbeiteten Haußmann und seine Parteikollegen im Reichstag mit Eugen Richter und dessen Fraktion der Deutschen Freisinnigen Partei zusammen. Im Rahmen der Daily-Telegraph-Affäre um Interviewaussagen des Kaisers Wilhelm II. im Jahr 1908 wurde Haußmann mit seiner Forderung nach einer konstitutionellen Staatsform der breiten Öffentlichkeit bekannt. Er forderte, dem Monarchen die Hoheit über die Regierungsgeschäfte zu entziehen und die Reichsregierung gegenüber dem Parlament statt nur gegenüber dem Kaiser verantwortlich zu machen.
Nach der Fusion seiner Partei mit der Freisinnigen Volkspartei und der Freisinnigen Vereinigung zur Fortschrittlichen Volkspartei nahm er immer mehr eine Führungsrolle im Liberalismus des Deutschen Kaiserreichs ein. Zumindest fallweise trat er auch für Bündnisse mit der SPD ein, wobei er selbst gute Kontakte zu Sozialdemokraten wie Ludwig Frank und Wilhelm Keil unterhielt. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg bemühte er sich intensiv auf Treffen in Bern und in Basel um Kontakte zu französischen Abgeordneten, um Spannungen abzubauen. Im Juli 1917 gehörte er zu den Initiatoren einer Resolution des Reichstages über einen Verständigungsfrieden zur Beendigung des Ersten Weltkriegs, welche sich aber letztlich nicht durchsetzen konnte.
Am 14. Oktober 1918 wurde Haußmann zum Staatssekretär ohne Geschäftsbereich im Kabinett Baden ernannt, der letzten Regierung des Kaiserreichs, die sich nach den Oktoberreformen erstmals auf die Reichstagsmehrheit aus SPD, katholischer Zentrumspartei und Linksliberalen stützte. Dort war er im Wesentlichen für das Verfassen von Erklärungen des Kanzlers zuständig, wie auch für den Austausch diplomatischer Noten mit dem amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson. Mit dem Scheitern der Regierung gab Haußmann sein Amt auf, obwohl ihn Friedrich Ebert gerne in sein Kabinett aufgenommen hätte.
In der im Januar 1919 gewählten Verfassunggebenden Landesversammlung des freien Volksstaats Württemberg übernahm Haußmann den Vorsitz der DDP-Fraktion. Bei der Wahl zur Deutschen Nationalversammlung Anfang 1919 wurde er für die württembergische DDP in die Weimarer Nationalversammlung gewählt. Dort gehörte er als einer der drei Vizepräsidenten dem Präsidium an und übernahm zugleich den Vorsitz des „Ausschußes zur Vorberatung des Entwurfs einer Verfassung des Deutschen Reichs“. Den Versailler Vertrag lehnte Haußmann ab, aus diesem sprach für ihn ein „Vernichtungswillen, der gleichzeitig erschreckt und aufpeitscht“. Auf Landesebene scheiterte Haußmann 1920 mit dem Versuch, sich zum Staatspräsidenten des Volksstaates Württemberg wählen zu lassen. Er konnte sich nicht gegen seinen parteiinternen Konkurrenten Johannes von Hieber (der von den Nationalliberalen zu den Demokraten gewechselt war) durchsetzen. Haußmann trat daraufhin als Landesvorsitzender der DDP zurück, blieb aber bis zu seinem Tod 1922 Vorsitzender der DDP-Fraktion im württembergischen Landtag sowie Reichstagsabgeordneter.
Schriften (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Der Linksliberalismus. In: Handbuch der Politik, Berlin und Leipzig 1914.
- Aus Conrad Haußmanns politischer Arbeit. Hrsg. von seinen Freunden. Frankfurter Societäts-Druckerei, Frankfurt a. M. 1923.
- Schlaglichter: Reichstagsbriefe und Aufzeichnungen. Hrsg. von Ulrich Zeller. Frankfurter Societäts-Druckerei, Frankfurt a. M. 1924.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Friedlich Henning: Die Haussmanns. Die Rolle einer schwäbischen Familie in der deutschen Politik des 19. und 20. Jahrhunderts. Bleicher Verlag, Gerlingen 1988.
- Helga Abret (Hrsg.): Von Poesie und Politik. Hermann Hesse – Conrad Haußmann Briefwechsel 1907–1922. Suhrkamp, Berlin 2011, ISBN 978-3-518-42258-8.
- Lothar Albertin: Haußmann, Conrad. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 8. Duncker & Humblot, Berlin 1969, ISBN 3-428-00189-3, S. 130–131 (deutsche-biographie.de).
- Reinhold A. Helmut Franz: Das Problem der konstitutionellen Parlamentarisierung bei Conrad Haußmann und Friedrich von Payer. Kümmerle, Göppingen 1977 (Zugleich: Marburg Universität Dissertation 1976), ISBN 3-87452-332-2.
- Karin Rabenstein-Kiermaier: Conrad Haußmann (1857–1922). Leben und Werk eines schwäbischen Liberalen. Lang, Frankfurt 1993, ISBN 3-631-45797-9.
- Jürgen Frölich: Conrad Haußmann (1857–1922). In: Reinhold Weber/Ines Mayer (Hrsg.): Politische Köpfe aus Südwestdeutschland. Stuttgart 2005, ISBN 978-3-17-018700-9, S. 43–53.
- Frank Raberg: Biographisches Handbuch der württembergischen Landtagsabgeordneten 1815–1933. Im Auftrag der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. Kohlhammer, Stuttgart 2001, ISBN 3-17-016604-2, S. 333.
- Michael Kitzing: Conrad Haußmann (1857-1921). In: Stadtarchiv Stuttgart: Digitales Stadtlexikon, publiziert am 24. August 2020.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über Conrad Haußmann im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Zeitungsartikel über Conrad Haußmann in den Historischen Pressearchiven der ZBW
- Conrad Haußmann in der Datenbank der Reichstagsabgeordneten
- Biografie von Conrad Haussmann. In: Heinrich Best: Datenbank der Abgeordneten der Reichstage des Kaiserreichs 1867/71 bis 1918 (Biorab – Kaiserreich)
- Nachlass im Hauptstaatsarchiv Stuttgart
- Personendetails über Conrad Haußmann in der Familienstiftungen Paul Wolfgang Merkel und Werner Zeller
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Zu den einzelnen Wahlen siehe Carl-Wilhelm Reibel: Handbuch der Reichstagswahlen 1890–1918. Bündnisse, Ergebnisse, Kandidaten (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 15). Halbband 2, Droste, Düsseldorf 2007, ISBN 978-3-7700-5284-4, S. 1232–1235.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Haußmann, Conrad |
| ALTERNATIVNAMEN | Hutter, Heinrich (Pseudonym); Haußmann, Konrad |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Politiker (VP, DtVP, FVP, DDP), MdR |
| GEBURTSDATUM | 8. Februar 1857 |
| GEBURTSORT | Stuttgart |
| STERBEDATUM | 11. Februar 1922 |
| STERBEORT | Stuttgart |
- Mitglied der Verfassunggebenden Landesversammlung (Württemberg)
- Reichstagsabgeordneter (Deutsches Kaiserreich)
- Mitglied der Weimarer Nationalversammlung
- Reichstagsabgeordneter (Weimarer Republik)
- Staatssekretär (Deutsches Kaiserreich)
- Landtagsabgeordneter (Württemberg, Zweite Kammer)
- Landtagsabgeordneter (Volksstaat Württemberg)
- VP-Mitglied (Württemberg)
- DtVP-Mitglied
- Mitglied der Fortschrittlichen Volkspartei
- DDP-Mitglied
- Mitglied des Verbandes für internationale Verständigung
- Mitglied der württembergischen Familie Haußmann
- Person (Stuttgart)
- Württemberger
- Deutscher
- Geboren 1857
- Gestorben 1922
- Mann