Fritz Koelle

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Koelle: Der Walzmeister, Bronze. Standort: BBZ St. Ingbert
Der Blockwalzer, München
Der Isarflößer, München
Der Saarbergmann, Landsweiler-Reden

Fritz Koelle (* 10. März 1895 in Augsburg; † 4. August 1953 in Probstzella im Interzonenzug München-Berlin) war ein deutscher Bildhauer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Charakteristisch für Koelles Frühwerk sind seine Arbeiter-Skulpturen, u. a. Der Bergarbeiter vor der Einfahrt, Der Blockwalzer oder Hochofenarbeiter.

Aufgrund seiner „bolschewistischen Kunstauffassung“ wurde im Jahr 1934 eine Haftstrafe im Konzentrationslager Dachau beantragt. Eine an der Münchner Akademie zuvor in Aussicht gestellte Professur wurde von staatlicher Seite abgelehnt. Nach wenigen Tagen Gestapo-Verhör wurde der Künstler schließlich aus der Haft entlassen. Er war dann von 1937 bis 1944 auf allen Großen Deutsche Kunstausstellung in München vertreten[1], u. a. 1937 mit dem Saarbergmann mit Grubenlampe und 1942 mit Der Steinbrecher. 1940 zeigte er die 1936 als Auftragswerk entstandene Büste „Bildnis Horst Wessel“ die Hitler erwarb.[2], 1944 eine Büste des Nazi-Militärs Werner Baumbach.[3]

Unmittelbar nach Kriegsende wurde Koelles künstlerisches Schaffen im NS-Staat in einigen Medien verurteilt. Auch nun scheiterten seine Versuche, eine Professur zu erlangen. Zu konform und zu angepasst an das Kunstverständnis des NS-Regimes seien seine Werke gewesen, so lauteten die Stimmen seiner Kritiker.

1946 wurde Koelle dann als politisch Verfolgter anerkannt. Im Jahr 1949 nahm Fritz Koelle eine Professur für Plastik an der HfbK in Dresden an und wurde noch im gleichen Jahr Dekan der Abteilung Plastik. Im Jahr 1951 (nach anderen Quellen 1950) arbeitete er an der Hochschule für angewandte Kunst in Berlin-Weißensee. Schüler von Koelle, welche er in Dresden und Berlin unterrichtete, waren zum Beispiel Jürgen von Woyski, Werner Rosenthal und Gerhard Thieme.[4][5]

Besonders eindrucksvoll und erschütternd ist die 1946 als Mahnmal für die KZ-Gedenkstätte Dachau vorgesehene Skulptur Inferno, die jedoch als zu grausame Darstellung erachtet und somit abgelehnt wurde. Koelle fertigte daraufhin eine weitere Plastik KZ-Häftling an, die vor dem Krematorium des Konzentrationslagers Dachau aufgestellt wurde.

Koelle war mit der Malerin Elisabeth Koelle-Karmann verheiratet.[6]

In Augsburg ist die Fritz-Koelle-Straße nach ihm benannt.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1914 – Löwe (Bronze)
  • 1917 – Mädchenakt (Gips)
  • 1920 – Mädchenbüste (Terrakotta)
  • 1920 – hockendes Mädchen (Stein)
  • 1921 – Portraitbüste seines Vaters (Terrakotta)
  • 1923 – Mädchenakt (Bronze)
  • 1924 – Portraitbüste R. Schwarz (Bronze)
  • 1924 – Selbstportrait (Bronzebüste)
  • 1925 – Arbeiterkind (Bronze)
  • 1926 – Eisenwalzarbeiter (Gips)
  • 1935 – Saar-Gedenkmünze[7]
  • 1937 – Der Saarbergmann, Grube Reden, umgangssprachlich: Redener Hannes
  • 1939 – Der Isarflößer (Bronze), München

Nachlass[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der schriftliche Nachlass liegt im Archiv für Bildende Kunst im Germanischen Nationalmuseum.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Koelle, Fritz. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 21: Knip–Krüger. E. A. Seemann, Leipzig 1927, S. 137.
  • Birgit Jooss: Pendler zwischen West und Ost. Das Moskauer Reisebuch des Bildhauers Fritz Koelle. In: Heinz Peter Brogiato, Klaus-Peter Kiedel (Hrsg.): Forschen – Reisen – Entdecken. Lebenswelten in den Archiven der Leibniz-Gemeinschaft. Halle 2011, S. 152–153.
  • Claus Pese: Mehr als nur Kunst. Das Archiv für Bildende Kunst im Germanischen Nationalmuseum. Ostfildern-Ruit 1998, S. 63–66, 83 (Kulturgeschichtliche Spaziergänge im Germanischen Nationalmuseum. Band 2).
  • Eva-M. Pasche: Fritz Koelle – der Gestalter des Arbeiters – Monographie und Werkverzeichnis. Verlag Glückauf, Essen 2001, ISBN 3-7739-1284-6.
  • Monika Maier-Speicher, Dieter Wirth: Fritz Koelle und der Bergmann von der Saar. Ausstellungskatalog. St. Ingbert 2003, ISBN 3-9807001-5-1.
  • Kurzbiografie zu: Koelle, Fritz. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 1. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Fritz Koelle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Treffpunkt-Kunst.net - Künstlernamen Listing J-L
  2. Bildnis Horst Wessel — Die Großen Deutsche Kunstausstellungen 1937 – 1944/45. Abgerufen am 22. August 2021.
  3. Träger des Ritterkreuzes mit Eichenlaub und Schwertern Major Baumbach — Die Großen Deutsche Kunstausstellungen 1937 – 1944/45. Abgerufen am 22. August 2021.
  4. Archiv der Hochschule für Bildende Künste Dresden
  5. Augsburg Wiki-KoelleFritz. augsburgwiki, abgerufen am 2. Oktober 2020.
  6. Elisabeth-Koelle-Karmann. (Memento vom 24. März 2011 im Internet Archive) In: Saarland-Lexikon.
  7. Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft (Hg.): Amtsblatt der Reichsbahndirektion Mainz vom 23. Februar 1935, Nr. 9. Bekanntmachung Nr. 95, S. 35.