Fritz Zwicky

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Fritz Zwicky (* 14. Februar 1898 in Warna, Bulgarien; † 8. Februar 1974 in Pasadena, Kalifornien) war ein Schweizer Physiker und Astronom, der vorwiegend am California Institute of Technology (Caltech) wirkte.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwicky war der Sohn eines in Bulgarien tätigen Schweizer Baumwollhändlers. Mit sechs Jahren wurde er zwecks Einschulung nach Glarus zu seinen Grosseltern geschickt. Später bestand er die Matura in Zürich mit Bestnoten. Zwischen 1917 und 1925 studierte er an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich Mathematik und Experimentelle Physik und promovierte dort mit dem Thema Die Reissfestigkeit von Steinsalz-Einkristallen bei unterschiedlichen Temperaturen.[1]

Ausgestattet mit einem Rockefeller-Stipendium emigrierte er 1925 nach Pasadena, um sein Studium am Caltech fortzusetzen. Später hielt er dort als Assistenzprofessor Vorlesungen in Atomphysik.[1]

Er entwarf zahlreiche kosmologische Theorien, die zum heutigen Verständnis des Universums Wesentliches beitrugen. 1942 wurde er zum Professor für Astronomie berufen. Daneben arbeitete er zwischen 1943 und 1961 auch als Berater der Aerojet Engineering Corporation und erprobte verschiedene Treibstoffe und Materialien, um die Raketentechnik für die Raumfahrt voranzutreiben. Ab 1948 war er auch Mitglied des Mount-Wilson-Observatoriums und des Observatoriums auf Mount Palomar.

Am 16. Oktober 1957, zwölf Tage nach dem Start des ersten russischen Satelliten Sputnik, der später wieder zur Erde zurückfiel, schoss Zwicky von Alamogordo aus den ersten Gegenstand in den Weltraum, der nicht mehr zur Erde zurückkehrte: Ein Metallkügelchen von etwa einem Zentimeter Durchmesser war mit einer Aerobee-Rakete in eine Höhe von etwa 85 Kilometern befördert worden, wo eine gerichtete Sprengladung das Kügelchen auf eine Geschwindigkeit von über 15 km pro Sekunde beschleunigte. Das Objekt erhielt den Namen Artifical Planet No. Zero.[2]

1932 heiratete er Dorothy Vernon Gates, die aus einer bekannten kalifornischen Familie stammte. Diese Ehe wurde neun Jahre später einvernehmlich geschieden. 1947 vermählte er sich in der Schweiz mit Anna Margaritha Zürcher. Aus dieser zweiten Ehe gingen drei Töchter hervor.

Fritz Zwicky verstarb mit 75 in Pasadena und wurde in seiner Heimatgemeinde Mollis begraben.

Er liebte die Berge und war in seiner Freizeit ein begeisterter und ambitiöser Bergsteiger. Laut seinen Mitmenschen soll er schwierig im Umgang gewesen sein. Er befürwortete den Bau der US-amerikanischen Atombombe, um dem Deutschen Reich zuvorzukommen, verurteilte aber deren Einsatz gegen Japan.[1] Friedrich Dürrenmatt war von Zwicky fasziniert, und er diente ihm als Vorbild für die Figur Möbius in der Tragikomödie Die Physiker.[3]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gedenktafel am Geburtshaus in Warna: In diesem Haus wurde Fritz Zwicky, der Astronom, der die Neutronensterne und die Dunkle Materie entdeckte, geboren.

Zwicky lieferte als Wegbereiter neuer astronomischer Ideen wichtige Erkenntnisse zu extragalaktischen Sternsystemen. So entdeckte er die kompakten Galaxien, stellte 1938 als erster die Hypothese auf, Supernova-Explosionen seien die Folge eines Gravitationskollapses, und begründete zu diesem Zweck zusammen mit Walter Baade die Theorie, dass Supernovae Neutronensterne erzeugen könnten. Weiterhin wandte er 1933 als erster das Virialtheorem auf Galaxienhaufen an[4][5] und schloss so auf die Existenz von Dunkler Materie. Im selben Jahr stellte er erste Überlegungen zum Auftreten von Galaxien als Gravitationslinsen an, nachdem Einstein bei diesem Effekt nur an Sterne gedacht und ihn somit als zu klein, um beobachtbar zu sein, angesehen hatte. Zwicky entdeckte insgesamt 123 Supernovae, mehr als jeder andere einzelne Astronom bislang. Auf ihn geht auch die als wahr erwiesene Vorhersage zurück, der Krebsnebel sei der Überrest der von chinesischen Astronomen beobachteten Supernova von 1054. Zwicky schlug vor, Supernova-Explosionen als Standardkerzen zur Entfernungsmessung zu verwenden. An der Verwirklichung dieser Idee wird seit Beginn des 21. Jahrhunderts verstärkt gearbeitet. Fritz Zwicky schlug ebenfalls vor, die Rotverschiebung der Galaxien als eine Ermüdungserscheinung des Lichts zu erklären. Sein Modell wurde später aber völlig zugunsten einer Erklärung durch die kosmologische Expansion verworfen.

Des Weiteren stellte er den Catalogue of Galaxies and of Clusters of Galaxies (CGCG) zusammen.

Zwicky wurde 1972 mit der Goldmedaille der Royal Astronomical Society ausgezeichnet. Seit 1926 war er Fellow der American Physical Society.

Neben seinen astronomischen Tätigkeiten beschäftigte er sich mit der Methodik, aus Ideen konkrete Produkte zu entwickeln (siehe Morphologische Analyse).

Ein Asteroid und ein Mondkrater sind nach Fritz Zwicky benannt.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz Zwicky: Morphologische Forschung. Wesen und Wandel materieller und geistiger struktureller Zusammenhänge. Baeschlin, Glarus 1989, ISBN 3-85546-038-8, (Schriftenreihe der Fritz-Zwicky-Stiftung Band 4).
  • Fritz Zwicky: Jeder ein Genie. Der berühmte Astrophysiker revolutioniert unsere „Denkmethode“. Baeschlin, Glarus 1992, ISBN 3-85546-058-2, (Schriftenreihe der Fritz Zwicky Stiftung Band 6).
  • Fritz Zwicky: Morphological Astronomy. Springer-Verlag, Berlin, Göttingen, Heidelberg 1957.
  • Fritz Zwicky: Morphologische Forschung. Winterthur AG, Winterthur, 1959, Neuaufl. Baeschlin, Glarus 1989, ISBN 3-85546-038-8, (Schriftenreihe der Fritz Zwicky Stiftung Band 4).
  • Fritz Zwicky: Morphology of Propulsive Power. Society for Morphology, Pasadena CA 1962, (Monographs on morphological research 1).
  • Fritz Zwicky: Entdecken, Erfinden, Forschen im morphologischen Weltbild. Droemer/Knaur, München, Zürich, 1966

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alex Capus: Himmelsstürmer. Zwölf Portraits. Knaus, München 2008, ISBN 978-3-8135-0314-2, S. 184ff[6].
  • Roland Müller: Fritz Zwicky: Leben und Werk des grossen Schweizer Astropysikers, Raketenforschers und Morphologen (1898–1974). Mit einem Vorwort von Bruno Stanek und einem Kapitel: Fritz Zwicky und die schweizerische Landesverteidigung von Franz Aebi (= Schriftenreihe der Fritz-Zwicky-Stiftung, Band 3). Fritz-Zwicky-Stiftung, Baeschlin, Glarus 1986, ISBN 3-85546-024-8.
  • Roland Müller: Erfolg mit Morphologie (= Schriftenreihe der Fritz Zwicky Stiftung, Band 7), Baeschlin, Glarus 1993, ISBN 3-85546-057-4 (Biographie von Fritz Zwicky).
  • Alfred Stöckli, Roland Müller: Fritz Zwicky, Astrophysiker. Genie mit Ecken und Kanten. Eine Biographie. NZZ Libro, Zürich 2008, ISBN 978-3-03823-458-6.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut Forschung aktuell vom 1. August 2015 hat Shri Kulkarni die Einheit "Zwicky" benutzt, um die wissenschaftliche Exzellenz von Astronomen zu bewerten. Dabei beklagte er, dass es fast nur Mikro-Zwickys gebe, schon Milli-Zwickys seien selten.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Himmelsstürmer: Zwölf Portraits S. 184ff, Alex Capus, Knaus-Verlag. ISBN 978-3-8135-0314-2
  2. Fritz Zwicky, Leben und Werk des grossen Schweizer Astrophysikers, Raketenforschers und Morphologen, S. 427ff, Roland Müller, Verlag Baeschlin Glarus. ISBN 3-85546-024-8
  3. Genie, Visionär, Glarner, Die Weltwoche, Nr. 48 vom 26. November 2009
  4. Zwicky, F.: Die Rotverschiebung von extragalaktischen Nebeln, Helvetica Physica Acta, Vol. VI, S. 110 (1933)
  5. Zwicky, F.: On the Masses of Nebulae and of Clusters of Nebulae, Astrophysical Journal, vol. 86, p. 217 (1937); doi:10.1086/143864.
  6. Biographien von 12 verschiedenen Persönlichkeiten