Fußballclub (DDR)

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DDR-Rekordmeister BFC Dynamo nach seinem sechsten Titelgewinn (1984).
Rekord-FDGB-Pokal-Sieger 1. FC Magdeburg beim fünften Titelgewinn (1978). Im Bild Jürgen Sparwasser mit der Trophäe, rechts daneben Detlef Raugust, Wolfgang Seguin und Joachim Streich.
Logo des FC Vorwärts Frankfurt (Oder) nach der „Delegierung“ 1971 bis 1989.
DDR-Oberliga-Punktspiel zwischen dem FC Carl Zeiss Jena und Dynamo Dresden (1974). Im Bild Gerd Weber, Harald Irmscher, Eberhard Vogel und Reinhard Häfner (v. l.).

Ein Fußballclub war im DDR-Fußball ein speziell geförderter, leistungssportlich orientierter Verein. Die zehn Fußballclubs der DDR bestanden in dieser Form von 1965/66 bis 1990, bereits seit 1953 gibt es zudem die ab den späten 1960er Jahren ähnlich einem Fußballclub geförderte SG Dynamo Dresden.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Einführung der Sportclubs ab Mitte der 1950er Jahre dominierten deren Fußballsektionen weitgehend den Spielbetrieb der Fußball-Oberliga. Infolge eines Beschlusses von DTSB-Funktionären erhielt der Fußball Ende 1965 eine Sonderstellung im Leistungssportsystem der DDR mit dem Ziel, das Niveau der Oberliga weiter zu heben und den Spitzenfußball gezielter zu fördern. Aus sämtlichen Sportclubs wurden die Fußballsektionen herausgelöst. Zehn Sektionen wurden zu Fußballclubs bestimmt und erhielten damit im Dezember 1965 bzw. im Januar 1966 den Status eines eigenständigen Sportclubs. Bis auf den FC Carl Zeiss Jena (Bezirk Gera) waren alle in Bezirkshauptstädten bzw. in Ost-Berlin angesiedelt. Vorgesehen war maximal ein Fußballclub pro Bezirk, wobei Berlin eine Ausnahme bildete. Neben den beiden vom Ministerium für Staatssicherheit bzw. der Nationalen Volksarmee gelenkten Clubs BFC Dynamo und FC Vorwärts entstand dort als ziviles Gegengewicht mit dem 1. FC Union ein dritter Fußballclub. Dies ist insofern bemerkenswert, als dass eigentlich nur die stärksten Fußballsektionen für eine Fußballclubbildung in Frage kamen, Union-Vorläufer TSC Berlin war zu dem Zeitpunkt jedoch nur Zweitligist. Sechs weitere, teilweise höherklassige Sportclubs verloren hingegen ihre Fußballsektionen, die an Betriebssportgemeinschaften angegliedert wurden.

Eine Sonderstellung nimmt die SG Dynamo Dresden ein. Sie war dem Namen nach während der SED-Diktatur nie ein Fußballclub, da Stasi-Chef Erich Mielke ein solches Konstrukt als Konkurrenz zu dem von ihm bevorzugten BFC Dynamo sah, sondern eine Sportgemeinschaft. Gegründet schon am 12. April 1953, kam ihr aber als in den späten 1960er Jahren eingerichtetes Fußball-Schwerpunktzentrum der Sportvereinigung Dynamo für den Bezirk Dresden eine besondere Förderung zu, die jener der Fußballclubs glich. Eine weitere Besonderheit stellt der FC Vorwärts dar. Dieser von der Armeesportvereinigung Vorwärts getragene Fußballclub spielte von 1966 bis 1971 als FC Vorwärts Berlin in Ost-Berlin. Dann wurde er im Zusammenhang mit dem Umzug des ASK Vorwärts Berlin nach Frankfurt (Oder) ebenfalls in diese Bezirkshauptstadt „delegiert“ und trat fortan unter der Bezeichnung FC Vorwärts Frankfurt (Oder) an.

Die Förderung der Sportclubs bzw. der Fußballclubs als alleinige Leistungszentren führte, mit der Umsetzung des DFV-Fußballbeschlusses von 1970, zu einer politisch gewollten Zwei-Klassen-Gesellschaft in der Fußball-Oberliga: Die erheblich geförderten und unter weitgehend professionellen Bedingungen arbeitenden Clubs dominierten den Spielbetrieb in jeder Hinsicht. Die besten Betriebssportgemeinschaften (BSG) dienten dagegen nur als Reservoir an talentierten Nachwuchsspielern, die später zu den großen Fußballclubs „delegiert“ wurden. Die Spielertransfers wurden nach der in der DDR typischen Verfahrensweise nicht mit Geld getätigt, sondern im Zuge der Leistungskonzentration und mit sportpolitisch begründeter Notwendigkeit abgewickelt. Nach 1954 wurde deshalb nur einmal eine BSG-Mannschaft DDR-Fußballmeister: im Jahr 1964 die BSG Chemie Leipzig, welche jedoch im Vorjahr aus Spielern zweier aufgelöster Sportclubs zusammengestellt worden war. Von 1968 bis 1991 standen dagegen immer Fußballclubs auf den ersten drei Plätzen der Oberliga-Tabelle. Eine vergleichbare Situation bestand auch in der Handball-Oberliga der DDR, wo die zuletzt fünf Sportclubs die Meisterschaft gegenüber den BSGen dominierten.

Im Zuge der Wende erlangten die Fußballclubs 1990 den Status eingetragener Vereine. Fünf von ihnen – Union, Erfurt, Jena, Magdeburg und Rostock – wurden nach der Wende nicht umbenannt. Die anderen fünf Fußballclubs gaben sich neue Namen. Der HFC strich die Bezeichnung „Chemie“, der BFC Dynamo wurde zum FC Berlin und Vorwärts Frankfurt hieß ab 1991 zunächst FC Victoria 91 Frankfurt (Oder) und ab 1992 Frankfurter FC Viktoria 91. Im Fall des FCK wurde die neue Namensgebung nicht zuletzt wegen der Rückbenennung der Stadt Karl-Marx-Stadt in Chemnitz notwendig, weshalb sich der Verein dann Chemnitzer FC nannte. Der 1. FC Lok Leipzig ging 1991 im Gesamtverein VfB Leipzig auf. Später nahm der FC Berlin wieder seinen früheren Namen BFC Dynamo an; gleiches gilt für die zwischenzeitlich in 1. FC Dynamo Dresden umbenannte SG Dynamo Dresden. Seit 2003 gibt es durch Neugründung auch wieder einen 1. FC Lokomotive Leipzig. Sechs der elf ehemaligen Fußball-Leistungszentren – Union, Dresden, Jena, Leipzig, Magdeburg und Rostock – führen zudem noch bzw. wieder ihre Vereinslogos aus der DDR-Zeit.

Liste der DDR-Fußballclubs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Legende:

  • Logo: Zeigt das Logo des Fußballclubs.
  • Name: Nennt den Namen des Fußballclubs.
  • Gründungstag: Nennt den Gründungstag des Fußballclubs.
  • Logo des Sportclubs: Zeigt das Logo des Sportclubs, aus dessen Fußballsektion sich der Fußballclub bildete.
  • Sportclub: Nennt den Namen des Sportclubs, aus dessen Fußballsektion sich der Fußballclub bildete.
  • Heutiges Vereinslogo: Zeigt das aktuelle Logo des Nachfolgevereins des Fußballclubs.
  • Heutiger Name: Nennt den aktuellen Namen des Nachfolgevereins des Fußballclubs.
Logo Name Gründungstag Logo des
Sportclubs
Sportclub Heutiges
Vereinslogo
Heutiger Name
Berliner FC Dynamo.svg BFC Dynamo 15. Januar 1966 SC Dynamo Berlin Logo.svg SC Dynamo Berlin BFC Dynamo - 2009.svg BFC Dynamo
1. FC Union Berlin Logo.svg 1. FC Union Berlin 20. Januar 1966 Berliner TSC.svg TSC Berlin 1. FC Union Berlin Logo.svg 1. FC Union Berlin
Logo FC Vorwärts Berlin.PNG FC Vorwärts Berlin[1] 18. Januar 1966 Logo ASK Vorwärts Berlin.PNG ASK Vorwärts Berlin Dfs wl d frankfurt oder 1 fc.gif 1. FC Frankfurt
Historical Logo SG Dynamo Dresden (1968-90).png SG Dynamo Dresden 12. April 1953 Logo SG Dynamo Dresden neu.svg SG Dynamo Dresden[2] Logo SG Dynamo Dresden neu.svg SG Dynamo Dresden
FC Rot-Weiß Erfurt 1966-70.svg FC Rot-Weiß Erfurt 26. Januar 1966 Logo SC Turbine Erfurt.gif SC Turbine Erfurt Rot Weiss Erfurt Logo.svg FC Rot-Weiß Erfurt
Hallescher FC Chemie 1966-1989.svg Hallescher FC Chemie 26. Januar 1966 Logo SC Chemie Halle.png SC Chemie Halle Hallescher FC.svg Hallescher FC
Logo FC Carl Zeiss Jena.svg FC Carl Zeiss Jena 20. Januar 1966 Logo SC Motor Jena.png SC Motor Jena Logo FC Carl Zeiss Jena.svg FC Carl Zeiss Jena
FC Karl-Marx-Stadt.svg FC Karl-Marx-Stadt 15. Januar 1966 Chemnitzerfc old.svg SC Karl-Marx-Stadt Chemnitzer FC Logo.svg Chemnitzer FC
1. FC Lok Logo.gif 1. FC Lokomotive Leipzig 20. Januar 1966 Logo SC Leipzig.gif SC Leipzig 1. FC Lok Logo.gif 1. FC Lokomotive Leipzig[3]
1. FC Magdeburg.svg 1. FC Magdeburg 22. Dezember 1965 Logo SC Magdeburg.PNG SC Magdeburg 1. FC Magdeburg.svg 1. FC Magdeburg
Hansa Rostock Logo Neu.svg F.C. Hansa Rostock 28. Dezember 1965 Altes Logo (1) FC Hansa Rostock.svg SC Empor Rostock FC Hansa Logo seit 2009.png F.C. Hansa Rostock

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frank Willmann (Hrsg.): Fußball-Land DDR. Anstoß, Abpfiff, Aus. Eulenspiegel-Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-359-01496-0.
  • Michael Horn, Gottfried Weise: Das große Lexikon des DDR-Fußballs. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2004, ISBN 3-89602-536-8, Seite 118.
  • Hanns Leske: Enzyklopädie des DDR-Fußballs. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2007, ISBN 978-3-89533-556-3.
  • Michael Kummer: Die Fußballclubs Rot-Weiß Erfurt und Carl Zeiss Jena und ihre Vorgänger in der DDR. Ein Vergleich ihrer Bedingungen. Potsdam 2010 (Potsdam, Universität, Dissertation, 2011), (PDF; (4,88 MB)).

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der FC Vorwärts Berlin wurde am 31. Juli 1971 nach Frankfurt (Oder) delegiert und spielte seitdem unter dem Namen FC Vorwärts Frankfurt (Oder) weiter.
  2. Die SG Dynamo Dresden bestand schon vor der Gründung reiner Fußballclubs und erhielt ab den späten 1960er Jahren auch eine spezielle Förderung der Sportart Fußball.
  3. Der VfB Leipzig, in dem der 1966 gegründete 1. FC Lok 1991 aufgegangen war, wurde 2004 infolge Insolvenz aufgelöst. Die VfB-Mannschaften wurden daraufhin größtenteils vom 2003 neugegründeten 1. FC Lok übernommen.