Günther Hecht (Zoologe)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Artikel wurde am 13. Februar 2020 auf den Seiten der Qualitätssicherung eingetragen. Bitte hilf mit, ihn zu verbessern, und beteilige dich bitte an der Diskussion!
Folgendes muss noch verbessert werden: Relevanz und Hilfe ..., thx, --He3nry Disk. 18:26, 13. Feb. 2020 (CET)

Günther Hecht (* 15. Juli 1902 in Völpke, Landkreis Börde; † am 31. Dezember 1945 in Berlin für tot erklärt) war ein deutscher Zoologe, Fachautor und NS-Rassenideologe.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hecht kämpfte bereits als Jugendlicher ab 1917 in der Jugendgrenzwehr und ab 1919 in Freikorps gegen die französische Besatzung des Rheinlandes. Daneben war er herpetologisch interessiert und gründete – erst 16-jährig – mit Gleichgesinnten auf Anregung von Dr. Willy Wolterstorff (1864–1943) die vivaristische Vereinigung Salamander. Aus ihr ging 1964 die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde hervor.

Nach seinem Studium der Naturwissenschaften und Philosophie in Frankfurt a. M., Kiel und Berlin promovierte er im Sommer 1930 an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität zum Dr. phil. mit einer Arbeit über die Wasserschlangen-Gattung Tropidonotus (heute: Natrix). Trotz mehrfacher Bemühungen gelang es ihm nicht, eine feste Anstellung als Kustos im Berliner Museum für Naturkunde zu erhalten, wurde dort aber knapp acht Jahre lang als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter in der Museumsausstellung beschäftigt. Bewerbungen um die Leitung des Naturkundemuseums Magdeburg und um die des Landesmuseums für Naturkunde in Münster in Westfalen schlugen ebenfalls fehl. Das hing vermutlich mit der fachlichen Kritik zusammen, die die beiden deutschen Herpetologen Lorenz Müller (1868–1953) und Robert Mertens (1894–1975) an seiner Dissertationsschrift öffentlich übten, aber wohl auch mit seiner radikalen politischen Einstellung. Im Unterschied zu seinen meisten Kollegen galt er im Museum als gefürchteter Nazi.

Hecht war am 1. Mai 1933 in die NSDAP und am 10. Juli 1933 in die Motorrad-SA (später: NSKK) eingetreten und hielt engen Kontakt zur NS-Dozentenschaft der Berliner Universität. Als er trotz deren wiederholter Fürsprache für sich keine berufliche Perspektive im Berliner Museum für Naturkunde und auch nicht als naturwissenschaftlicher Fachautor sah, wechselte er im April 1937 zum Rassenpolitischen Amt der NSDAP (RPA). Hier leitete er als wissenschaftlicher Referent die Abteilung für Volksdeutsche und Minderheiten, galt als Experte für kolonialpolitische Fragen, publizierte Beiträge zu Problemen der „Rassenhygiene“ und erarbeitete gemeinsam mit dem Juristen Erhard Wetzel (1903–1975) die geheime Denkschrift: Die Frage der Behandlung der Bevölkerung der ehemaligen polnischen Gebiete nach rassenpolitischen Gesichtspunkten.

Nachdem die generellen Aufgaben des Rassenpolitischen Amtes mehr und mehr von der SS wahrgenommen wurden, wurde Hecht zum Wehrdienst einberufen. Er diente an der Westfront bei Lüttich, auf dem Militärflugplatz Brandenburg-Briest und zuletzt in einer Nachrichten-Ersatz-Abteilung in Potsdam. Von dort aus meldete er sich am 24. April 1945 ein letztes Mal bei seiner Familie, die von Berlin nach Kassel geflohen war. Am selben Tage hatten sowjetische Panzerspitzen bereits Potsdam-Babelsberg erreicht. Vermutlich ist Hecht bei den Kämpfen um Potsdam, die 900 deutschen und 400 russischen Soldaten das Leben kosteten, gefallen oder er ist in sowjetische Kriegsgefangenschaft geraten und dort verstorben.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zur Kenntnis der Nordgrenze der mitteleuropäischen Reptilien. Mitteilungen des Zoologischen Museums Berlin. Bd. 14(3/4), Berlin 1929, S. 501–597.
  • Die märkische Smaragdeidechse Lacerta viridis Laur. ssp. brandenburgiensis, subsp. nov. Das Aquarium Bd. 4(4), Berlin 1930a, S. 62 und 68.
  • Systematik, Ausbreitungsgeschichte und Ökologie der europäischen Arten der Gattung Tropidonotus (Kuhl) H. Boie. Mittelungen des Zoologischen Museums Berlin Bd. 16, Berlin 1930b, S. 244–293.
  • Zur Durchführung des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses in einem Erziehungsheim. Archiv für Bevölkerungswissenschaft (Volkskunde) und Bevölkerungspolitik. Bd. 6, Leipzig 1936, S. 52–58.
  • Biologie und Nationalssozialismus. Zeitschrift für die gesamte Naturwissenschaft. Bd. 3, Braunschweig 1937/1938. S. 280–290.
  • Kannst Du rassisch denken? Schriftenreihe des Rassenpolitischen Amtes der Reichsleitung der NSDAP. Bd. 14 Berg & Otto Verlag. Hamburg 1938, S. 1–30.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Joachim Paepke. Das kurze aber vielseitige Leben des Dr. Günther Hecht: Vivarienfreund und Feldherpetologe, Freikorpskämpfer, Museumszoologe, Fachautor, Rassenideologe und politischer Agitator. Sekretär, Beiträge zur Literatur und Geschichte der Herpetologie und Terrarienkunde. Bd. 13(1), Bonn 2013, ISSN 1612-2399, S. 27–44.
  • Erhard Wetzel & Günther Hecht. Die Frage der Behandlung der Bevölkerung der ehemaligen polnischen Gebiete nach rassenpolitischen Gesichtspunkten. In: Walter Gross (Hrsg.) Rassenpolitische Leitsätze zur Fremdvolkpopitik des Deutschen Reichs. Bundesarchiv Berlin, Bundes Document Center (BDC) Personalakte Walter Gross, Nr. 03853, Berlin 1940.