LWL-Museum für Naturkunde

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LWL-Museum für Naturkunde Westfälisches Landesmuseum mit Planetarium
Eingang des LWL-Museums für Naturkunde.jpg
Eingangsbereich des Museums
Daten
Ort Münster
Eröffnung 1892
Betreiber Landschaftsverband Westfalen-Lippe
Leitung Dr. Jan Ole Kriegs
Website Offizielle Website des LWL-Museums für Naturkunde
ISIL DE-MUS-100912
Luftbild (2014)

Das LWL-Museum für Naturkunde (vollständiger Name: LWL-Museum für Naturkunde, Westfälisches Landesmuseum mit Planetarium oder auch Westfälisches Museum für Naturkunde) in Münster ist ein Landesmuseum in der Trägerschaft des Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Zu ihm gehören das Naturkundemuseum (Westfälisches Landesmuseum), das Planetarium, die Biologische Station in der Außenstelle Heiliges Meer, das in den Gemeinden Recke und Hopsten liegt, die Außenstelle Kahler Asten und die Paläontologische Bodendenkmalpflege für Westfalen-Lippe. Das Museum zeigt Exponate aus den Bereichen Biologie und Geologie, im Planetarium werden u.a. astronomische 360-Grad-Fulldome-Filme und Musikshows gezeigt. Das Museum liegt in der Nachbarschaft des Allwetterzoos Münster und des Mühlenhof-Freilichtmuseum Münster am Aasee an der Sentruper Straße.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hermann Landois gründete auf dem Gelände des zoologischen Gartens an der Himmelreichallee in Münster das „Provinzialmuseum für Naturkunde“. 1892 öffnete es seine Pforten, Landois wurde ehrenamtlicher Leiter.[1] Das Museum sollte zunächst die naturkundlichen Zeugnisse Westfalens präsentieren.

Der Hauptbestand der Sammlungen kam anfangs aus den Beständen der Zoologischen und Botanischen Sektion des Westfälischen Provinzialvereins. Darüber hinaus übergab der Zoo verstorbene Tieren an das Museum, welches diese für die Sammlung präparierte. Im Oktober und November 1944 wurde das Gebäude durch Fliegerangriffe stark beschädigt, die Bestände waren allerdings vorsorglich größtenteils ausgelagert worden, so dass sich die Kriegsschäden nur auf das Gebäude beschränkten. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Mittel knapp, deshalb konnte die Ausstellung erst 1949 wieder aufgebaut werden.[2]

Standortverlagerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1967 fiel die Entscheidung, den zoologischen Garten vom Stadtkern an den Stadtrand zu verlagern, weil eine große Bank das hoch attraktive Gelände bebauen wollte.[3] Für das Museum, das stets von der Zusammenarbeit mit dem Zoo profitiert hatte, war das nicht von Vorteil. Daher bat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe - ehemals Provinzialverein - die Stadt Münster um eine Bezuschussung eines Museumsneubaus in unmittelbarer Nachbarschaft zum neuen Allwetterzoo. Das vorgelegte Konzept mit dem Planetarium war überzeugend, sodass die Stadt eine Bezuschussung von 8,5 Millionen DM bewilligte.

Auch das Land Nordrhein-Westfalen beteiligte sich am Neubau. Mit allen weiteren Zuschüssen verblieben nur noch 14,5 Millionen DM, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe von der geplanten Bausumme von 29 Millionen DM aufbringen musste.[4]

1981 wurde das Museum an seinem heutigen Standort neu eröffnet. Im ehemaligen Gebäude an der Himmelreichallee ist heute die Westfälische Schule für Musik untergebracht. [5]

Im Jahr 2012 wurden 244.000 Besucher gezählt, im Jahr 2013 waren es 245.000 Besucher, wodurch das Museum das nachgefragteste Museum Münsters war.[6] 2014 wurden rund 221.000 Besucher gezählt.[7]

Eröffnung des Planetariums[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das in den Museumsneubau integrierte Großplanetarium wurde 1981 eröffnet. Alleinstellungsmerkmal des Planetariums in Münster ist die deutschlandweit einzigartige Kombination aus Planetarium und naturkundlichem Museum unter einem Dach.

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das neue Gebäude wurde 1981 eröffnet und fasst rund 8.115 m² Nutzfläche und 4.200 m2 an Ausstellungsfläche, auf der Dauerausstellungen und wechselnde Sonder- und Wanderausstellungen gezeigt werden.[8] Außerdem gehört ein frei zugänglicher Museumshof mit etwa 3.500 m2 dazu. Im Museumshof befindet sich ein gepflasterter Zeitstrahl, der die Besucher entlang eines Weges vom Urknall bis heute führt, diverse Informationstafeln zu Geologie und Erdgeschichte und mehrere Dinosaurier-Plastiken. Das mitten im Museum gelegene Planetarium hat einen Kuppeldurchmesser von 20 m bietet rund 260 Zuschauern Platz. Von außen ist auf dem Dach des Gebäudes lediglich ein Teil der Kuppel des Planetariums zu erkennen.

Sammlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Museum gehören einige wissenschaftliche Sammlungen, die zu Forschungszwecken oder als Ressource für die verschiedenen Ausstellungen benutzt werden. Es gibt eine zoologische Sammlung mit rund 30.000 präparierten Säugetieren und Vögeln sowie rund einer Million Insekten, eine botanische Sammlung die 300.000 Pflanzenbelegen umfasst sowie eine geowissenschaftliche Sammlung mit 70.000 Exemplaren und eine ethnologische Sammlung mit 400 Objekten.

Schausammlung und Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tragfläche eines A 320 vor dem Gebäude
Bionic Car von Mercedes-Benz in der Sonderausstellung

Dauerausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Prärie- und Plainsindianer - Wandel und Tradition
Die Ausstellung zeigt Lebensweise und Kultur der Plainsindianer, sowie den Einfluss der europäischen Einwanderer.[9]
  • Westfalen im Wandel - Von der Mammutsteppe zur Agrarlandschaft
Diese Ausstellung beschäftigte sich mit dem Zeitraum von der letzten Kaltzeit bis heute. Die Ausstellung wurde am 02. Oktober 2016 geschlossen und abgebaut.[10] Sie wird ersetzt durch eine neue Dauerausstellung mit dem Titel „Vom Kommen und Gehen – Westfälische Artenvielfalt im Wandel“. Diese soll im Juni 2017 eröffnet werden.
  • Dinosaurier - Die Urzeit lebt!
Diese Ausstellung befasst sich mit dem Leben und der Evolution von Dinosauriern und anderen Tieren der Urzeit.[11]

Sonderausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bionik – Patente der Natur (1. Juli 2011 – 17. Juni 2012)[12]
  • Tiere der Bibel (3. September 2010 – 6. Januar 2013)[13]
  • Wale – Riesen der Meere (21. September 2012 – verlängert bis 27. April 2014)[14]
  • Sex und Evolution (11. Oktober 2013 verlängert bis 11. Januar 2015)[15]
  • Leben in der Dunkelheit (22. Mai 2015 bis 31. Mai 2016)[16]
  • Wasser bewegt - Erde Mensch Natur (30. September 2016 bis 30. Oktober 2017)[17] Am Eingangsbereich des Planetariums wird begleitend eine Mini-Ausstellung „Küstenfischer: Noch sind sie da“ der Fotografin Ivona Knorr gezeigt.
  • Vogelfänger, Venntüten und Plaggenstecher - Natur und Landschaften vor 100 Jahren (18. November 2016 bis 29. Januar 2017)[18]

Ausstellung in den Außenstellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kahler Asten – Das Dach Westfalens
Die Entstehung des Gebietes rund um den Kahlen Asten sowie seine Pflanzen und Tiere werden vorgestellt.[19]

Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Parapuzosia seppenradensis Original im Foyer des Museums

Das Naturkundemuseum ist mit einem in einem münsterländischen Steinbruch gefundenen Exemplar von Parapuzosia seppenradensis im Besitz des größten Ammoniten der Welt.[20] Er steht mit seinen 174,2 Zentimetern im Durchmesser im Museumsfoyer. 2008 wurde er von der Paläontologischen Gesellschaft zum Fossil des Jahres ernannt.

Bei dem Planetarium handelt es sich seit dem Umbau im Jahr 2010 um das bildschärfste, klimatisierte Kosmokino Europas.[20]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: LWL-Museum für Naturkunde Westfälisches Landesmuseum mit Planetarium – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Westfälisches Museum für Naturkunde, Karl Ditt, Landschaftsverband Westfalen-Lippe: 1892-1992: Festschrift 100 Jahre-Westfälisches Museum für Naturkunde. In: Band 54 von Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde: Beiheft. 1992, S. 7.
  2. Westfälisches Museum für Naturkunde, Karl Ditt, Landschaftsverband Westfalen-Lippe: 1892-1992: Festschrift 100 Jahre-Westfälisches Museum für Naturkunde. In: Band 54 von Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde: Beiheft. 1992, S. 51.
  3. Westfälisches Museum für Naturkunde, Karl Ditt, Landschaftsverband Westfalen-Lippe: 1892-1992: Festschrift 100 Jahre-Westfälisches Museum für Naturkunde. In: Band 54 von Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde: Beiheft. 1992, S. 54.
  4. Westfälisches Museum für Naturkunde, Karl Ditt, Landschaftsverband Westfalen-Lippe: 1892-1992: Festschrift 100 Jahre-Westfälisches Museum für Naturkunde. In: Band 54 von Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde: Beiheft. 1992, S. 56.
  5. Über den alten Zoo und was aus ihm wurde Münster in alten Bildern und Dokumenten. Abgerufen am 28. Februar 2017
  6. Münstersche Zeitung: LWL-Bilanz 2013: Naturkundemuseum ist ein Besuchermagnet, Münster, 16. Januar 2014
  7. LWL: LWL-Bilanz 2015: LWL-Museen steigern Besucherzahlen, Münster, 9. Januar 2015
  8. LWL - Über das Museum - LWL-Museum für Naturkunde. Abgerufen am 2. Mai 2017 (deutsch).
  9. LWL - Indianer - LWL-Museum für Naturkunde. Abgerufen am 22. März 2017 (deutsch).
  10. LWL - Westfalen im Wandel - LWL-Museum für Naturkunde. Abgerufen am 22. März 2017 (deutsch).
  11. Dauerausstellung Dinosaurier-Die Urzeit lebt! auf den Webseiten des Museums, abgerufen am 15. September 2015
  12. Sonderausstellung Bionik auf den Webseiten des Museums, abgerufen am 12. Februar 2012
  13. Sonderausstellung Tiere der Bibel auf den Webseiten des Museums, abgerufen am 12. Februar 2012
  14. Sonderausstellung Wale – Riesen der Meere auf den Webseiten des Museums, abgerufen am 30. Oktober 2012
  15. Sonderausstellung Sex und Evolution auf den Webseiten des Museums, abgerufen am 29. Juli 2013
  16. Sonderausstellung Leben in der Dunkelheit auf den Webseiten des Museums, abgerufen am 14. September 2015
  17. LWL - Wasser bewegt - LWL-Museum für Naturkunde. Abgerufen am 22. März 2017 (deutsch).
  18. LWL - Reichling - LWL-Museum für Naturkunde. Abgerufen am 22. März 2017 (deutsch).
  19. LWL - Außenstelle Kahler Asten - LWL-Museum für Naturkunde. Abgerufen am 22. März 2017 (deutsch).
  20. a b GIG-online.de: Münster erleben von Aasee bis Zoo in: UNI-GIG, Münster, WS 2013, Nr. 44, Veronika Horn, Wolfgang A. Münster, S. 7

Koordinaten: 51° 56′ 58″ N, 7° 35′ 28″ O