Gabriella Rosenthal

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Gabriella Rosenthal (* 22. September 1913 in München; † 27. März 1975 in Israel)[1] war eine israelische Malerin, Karikaturistin und Autorin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gabriella Rosenthal wuchs in München in einer assimilierten jüdischen Familie auf. Ihr Vater, Erwin Rosenthal hatte einen Doktor in Kunstgeschichte und war Inhaber eines angesehenen Antiquariats. Der Großvater hatte mit dem Antiquariat Jacques Rosenthal dazu beigetragen, München zu einem internationalen Zentrum für Antiquariate zu machen. Dort hat Gabriella einige Zeit mitgearbeitet, was ihr half ihr künstlerisches Talent zu entwickeln, Wissen zu erwerben und fremdsprachliche Fähigkeiten zu erwerben[2]. Die Mutter, Margherita, war die Tochter von Leo Olschki, einem führenden Buchdruck-Experten und Antiquar Italiens. Gabriella Rosenthal besuchte das Städtische Luisengymnasium.[3] Danach studierte sie Kunst unter anderem in Paris. Zusammen mit ihrem Ehemann, dem Schriftsteller Schalom Ben-Chorin, wanderte sie im September 1935 nach Palästina aus. 1936 kam ihr Sohn Tovia Ben-Chorin in Jerusalem zur Welt. Die Ehe scheiterte jedoch, 1943 kam es zur Scheidung.

Schaffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zunächst arbeitete Rosenthal bis 1938 als Bildjournalistin für die zionistische Zeitung Jüdische Rundschau und für die C.V. Zeitung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Nach ihrer Scheidung arbeitet sie für die Women's Auxiliary Air Force (WAAF) der britischen Armee in Kairo. Ihre künstlerische Karriere beginnt 1938 mit einem mit Zeichnungen versehenen Artikel für die Kinder-Rundschau, die als Beilage der Jüdischen Rundschau erscheint, sowie einem Artikel[4] im Blatt der Jüdischen Frau, ebenfalls mit eigenen Illustrationen, das in der CV-Zeitung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens beiliegt. Sie beschreibt dort einige interessante Lokale in Jerusalem für das deutsche Publikum, kurz bevor das Publikationsorgan im nazistischen Deutschland nicht mehr erscheinen darf.

Mit ihren Bildgeschichten in Aquarell und Tusche unter der Rubrik „Palestine People“ in der wöchentlichen Ausgabe der englischsprachigen Palestine Post erlangte sie 1946-1947 erste Bekanntheit.[5] Subtil beobachtet sie hier das Alltagsleben von Juden und Muslimen, griechisch-orthodoxen Mönchen, abessinischen Geistlichen, Katholiken und Anglikanern, sowie der Repräsentanten der britischen Mandatsregierung. Das Zusammenprallen der verschiedenen Ethnien, aber auch wie sie sich doch auch hin und wieder gut miteinander arrangieren, ist fortan ihr Sujet, auf das sie mit humorvollem, liebevollen Blick schaut. Diese Bilder sind ein einzigartiges historisches Zeitdokument Israels vor und kurz nach der Staatsgründung. Dass sie so erfolgreich mit ihren Bildern ist, führte Rosenthal darauf zurück, dass es noch nie jemand gegeben hat (...), der das heilige Land auf bajuvarisch ausnützt. (...) Man sieht die Bewohner hier entweder uff tragisch oder biblisch-wüstenhaft und jetzt freuen sich die Leut dass einer eine Gaudi anfängt und sie sanft dableckt [=verspottet].“[6] Es folgte der Zyklus Kleines Jerusalemer Kaleidoskop mit Episoden aus Geschichte und Leben der Stadt, das sie ihrem Vater 1939 zum 50. Geburtstag widmete.

1951 gestaltete die Zeichnerin das Buch Esther, das traditionell als Rolle gefertigt wird, künstlerisch. Das Besondere: Sie illustrierte die Rolle mit zeitgenössischen Gesichtern ihrer unmittelbaren Umgebung, sie ist somit neben ihrem rituell-religiösen Inhalt auch ein künstlerisches Zeugnis der damaligen Gesellschaft des jungen Landes Israel[7]. Ihr Sohn Tovia Ben-Chorin, der Rabbiner wurde, schildert seine Mutter als eine Frau, die den Angehörigen der Minderheiten in Galiläa, vor allem Palästinensern und Drusen, immer freundschaftlich verbunden war. Sie arbeitete ab Mitte der 1950er-Jahre als Zeichenlehrerin in arabischen und drusischen Dörfern, so wie auch als Reiseführerin[8]. 1975 starb Rosenthal überraschend, begraben wurde sie in Jerusalem.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Esther-Rolle, Tel Aviv 1951
  • Odd Corners in Jerusalem, Tel Aviv 1952
  • mit Meir Tsvi Parosh: Schabbat und Feiertag. Für die Kinder Israels, Tel Aviv 1955
  • mit Hedwig Wimmer u. Ernst H. Kallmann: Israel, Land ohne Beispiel, München 1966
  • mit Hedwig Wimmer u. Ernst H. Kallmann: Das ist Israel, München 1967
  • mit Werner Braun: Jerusalem, München 1968

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1958 Folklore Exhibition of Israel Minorities, Municipal Museum of Acre
  • 1960 Durch die Torbögen, Bezalel National Museum, Jerusalem
  • 2018/19 Es war einmal in Jerusalem. Gabriella Rosenthal. Zeichnungen Palestine/Israel 1938 - 1955, Stiftung Neue Synagoge Berlin -Centrum Judaicum, Berlin
  • 2020 Von der Isar nach Jerusalem. Gabriella Rosenthal (1913–1975) – Zeichnungen, Jüdisches Museum, München

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Chana Schütz, Anja Siegemund (Hrsg.) Es war einmal in Jerusalem. A Very Personal View. Gabrielle Rosenthal. Zeichnungen. Drawings. Palestine/ Israel 1938-1955, Berlin, Leipzig 2019, ISBN 978-3-95565-310-1
  • Eva Ohlen: Gabriella Rosenthal, Enkelin von Jaques Rosenthal und Ehefrau von Schalom Ben-Chorin, in: Angermair, Elisabeth/Koch, Jens/Löffelmeier, Anton/Ohlen, Eva/Schwab, Ingo: Die Rosenthals. Der Aufstieg einer jüdischen Antiquarsfamilie zu Weltruhm. Böhlau Verlag, Wien/Köln/Weimar 2002, S. 203-207.
  • Nicoletta Rosenthal Misch (Hrsg.): In an Around Jerusalem with Gabriella Rosenthal. Drawings and Articles by Gabriella Rosenthal.Tebo Press, Seattle 1982.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eva Ohlen: Gabriella Rosenthal, Enkelin von Jaques Rosenthal und Ehefrau von Schalom Ben-Chorin, in: Angermair, Elisabeth/Koch, Jens/Löffelmeier, Anton/Ohlen, Eva/Schwab, Ingo: Die Rosenthals. Der Aufstieg einer jüdischen Antiquarsfamilie zu Weltruhm. Böhlau Verlag, Wien/Köln/Weimar 2002, S. 207.
  2. Tovia Ben-Chorin: "Gabriella, meine Mutter, wie ich sie erlebt habe" in: Es war einmal in Jerusalem. Gabriella Rosenthal. Zeichnungen 1938-1955. 1. Auflage. Hentrich & Hentrich, Leipzig 2019, ISBN 978-3-95565-310-1, S. 25.
  3. Eva Ohlen: Gabriella Rosenthal, Enkelin von Jaques Rosenthal und Ehefrau von Schalom Ben-Chorin, in: Angermair, Elisabeth/Koch, Jens/Löffelmeier, Anton/Ohlen, Eva/Schwab, Ingo: Die Rosenthals. Der Aufstieg einer jüdischen Antiquarsfamilie zu Weltruhm. Böhlau Verlag, Wien/Köln/Weimar 2002, S. 203.
  4. Gabriella Rosenthal: Abenteuer über Mittag: in Das Blatt der Jüdischen Frau, CV-Zeitung. Hrsg.: Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Berlin 20. Oktober 1938, S. 13.
  5. Chana Schütz: Gabriella Rosenthal. München 1913-1975 Jerusalem. In: Es war einmal in Jerusalem. Gabriella Rosenthal. Zeichnungen. 1938-1955. Hrsg.: Stiftung Neue Synagoge Berlin. Hentrich & Hentrich, Berlin, Leipzig 2019, S. 25.
  6. Stadtarchiv München, NL-ROS-0438, Brief von Gabriella Rosenthal an Albrecht Rosenthal, 10. März ohne Jahr, zitiert nach Ayleen Winkler: Von einem Passierschein für einen Elefanten und anderen Skurrilitäten. In: Das Blog. Jüdisches Museum München, 20. September 2020, abgerufen am 10. November 2020.
  7. Ayleen Winkler: Die Frage der Religion: Gabriella Rosenthals Megillat Esther. In: Das Blog. Jüdisches Museum München, 3. November 2020, abgerufen am 10. November 2020.
  8. Tovia Ben-Chorin: "Gabriella, meine Mutter, wie ich sie erlebt habe" in: Es war einmal in Jerusalem. Gabriella Rosenthal. Zeichnungen 1938-1955. 1. Auflage. Hentrich & Hentrich, Leipzig 2019, ISBN 978-3-95565-310-1, S. 15 ff.