Gamprin

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Gamprin
Flagge von Gamprin
Fahne
Wappen von Gamprin
Wappen
Staat: LiechtensteinLiechtenstein Fürstentum Liechtenstein
Wahlkreis: Unterland
Gemeindenummer: 7009
Kontrollschild: FL
Postleitzahl: 9487
Koordinaten: 756858 / 231905Koordinaten: 47° 13′ 10″ N, 9° 30′ 35″ O; CH1903: 756858 / 231905
Höhe: 468 m ü. M.
Fläche: 6,188 km²
Einwohner: 1663 (30. Juni 2019)[1]
Einwohnerdichte: 269 Einwohner pro km²
Ausländeranteil: 30,3 % (30. Juni 2017)[2]
Website: www.gamprin.li
EschenEschenGamprinMaurenRuggellSchellenbergBalzersBalzersBalzersPlankenSchaanSchaanSchaanTriesenTriesenbergTriesenbergVaduzVaduzVaduzVaduzVaduzLage der Gemeinde Gamprin im Fürstentum Liechtenstein (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Lagekarte von Gamprin im Fürstentum Liechtenstein

Gamprin (Dialekt: Gamprii) ist eine Gemeinde im Unterland des Fürstentums Liechtenstein. Gamprin verfügt über eine Exklave. Zusammen mit dem Ort Bendern bildet Gamprin eine Doppelgemeinde im Liechtensteiner Unterland.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gamprin (Liechtenstein)
Nendler Berg
Nendler Berg
Bendern
Bendern
Eschnerberg
Eschnerberg
Riet
Riet
Gamprin
Gamprin
Dörfer, Riet und Wälder der Gemeinde Gamprin

Gamprin mit einer Fläche von 6,188 km² liegt im liechtensteinischen Unterland. Die Gemeinde liegt in der Hügellandschaft westlich des Eschnerbergs und besteht aus den Dörfern Gamprin und Bendern. Im Süden stösst Gamprin an die Exklave Rheinau-Tentscha der Gemeinde Eschen sowie an das Vaduzer und Schaaner Riet, im Osten liegt die Gemeinde Eschen, und im Norden Schellenberg und Ruggell. Im Westen bildet der Rhein die Grenze zur Gemeinde Sennwald im schweizerischen Kanton St. Gallen.

Gamprin verfügt mit dem sogenannten Nendler Berg westlichen Abhang des Dreischwesternmassivs über eine Exklave. Es handelt sich um 72,38 ha Gemeindewald oberhalb von Nendeln und Schaanwald.

Gemeindeboden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein weiterer Gemeindewald von 40,52 ha Grösse befindet sich am Eschnerberg. Im Vergleich zu anderen Gemeinden besass Gamprin viel Riedboden. Weil die Bildung einer Bürgergenossenschaft 2004 in einer Gemeinde- und Bürgerabstimmung verworfen wurde, fiel das vormalige Bürgervermögen an die politische Gemeinde. Trotzdem haben nach wie vor 62 Hausbesitzer das Recht auf die Nutzung von Grundstücken im Riet. Wie die anderen Unterländer Gemeinden besitzt Gamprin keine Viehalp im Inland. Die Gemeinde Gamprin besitzt aber eine Viehalp am Arlberg, die Alpe Rauz, die mit etwa 7 km2 grösser ist als das Gemeindegebiet Gamprins.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rheineinbruch bei Bendern im Jahr 1927, aufgenommen von Walter Mittelholzer

In Gamprin wurde Zeugen aus der Stein-, Bronze- und Eisenzeit gefunden. Auf dem Gebiet der Gemeinde befindet sich der bedeutende archäologogische Fundplatz Lutzengüetle.[3]

Die kirchlichen und herrschaftlichen Verhältnisse von Gamprin entsprechen vom Mittelalter bis in die Neuzeit jenen der Pfarrei Bendern. 1499 erfolgte eine Brandschatzung durch die Eidgenossen. 1622 bis 1637 war Gamprin während der Bündner Wirren von Truppendurchzügen und der Pest betroffen. Die älteste erhaltene Dorfordnung von 1643 umschrieb Nutzungsrechte und -pflichten der Dorfgenossen an Weiden und Wäldern. 1761 bis 1822 wurden die Gemeindegrenzen gebildet durch die Aufteilung der gemeinsamen Güter (Wiesen, Auen, Felder, Wälder) zwischen Gamprin, Eschen, Ruggell und Mauren.[3]

Eine bis 1927 betriebene Rheinmühle war bis Mitte des 18. Jahrhunderts im Besitz der Landesherrschaft, danach von Gamprin. Die Rechte an der Rheinfähre Bendern–Haag hatten die Grafen von Werdenberg, 1517 bis 1798 Glarus und ab 1803 der Kanton St. Gallen inne. Der erste Brückenbau 1867/68 bedeutete die Auflassung der Fähre. 1895/96 und 1963–1965 folgten Neubauten. Bis 1923 wurde zeitweilig ein Brückengeld erhoben. 1927 ereignete sich ein verheerender Rheineinbruch. Nach dem Zollvertrag von 1923 nahm der schweizerische Bevölkerungsanteil von 2 % im Jahr 1930 auf 12 % 1989 zu. 1998 lag er bei 10 %. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts dominierten Ackerbau und Viehwirtschaft. Von 1955 bis 1985 ging die Zahl der Betriebe von 61 auf 16 zurück. Die Gemeinde besitzt die Alpe Rauz am Arlberg und zusammen mit Ruggell die Genossenschaftsalpe Fahren-Ziersch in Vandans im Montafon. Mit der Ansiedlung eines vielfältigen Gewerbes und von Industrie änderte sich ab 1955 die Beschäftigungsstruktur. 2000 gab es in Gamprin rund 1600 Arbeitsplätze, davon rund drei Fünftel im zweiten Wirtschaftssektor.[3]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Wappen von Gamprin

Gamprin hatte bis 1950 weder ein eigenes anerkanntes Wappen noch eine Gemeindefahne oder Gemeindefarben. Bei der Landesfeier in jenem Jahr sollten sich alle Gemeinden präsentieren. Gamprin behalf sich notgedrungen mit dem nicht anerkannten Wappen. Das Wappen bestand damals noch aus den Symbolen der Benderner Kirche, konkret den Stufen des einstigen Dachs und des Kirchturms. 1957 entschied sich der Gemeinderat dafür, eine Kommission einzusetzen, um diese Übergangslösung zu beenden. Die Kommission bekam den Auftrag, ein anerkanntes Wappen für die Gemeinde Gamprin-Bendern zu entwerfen sowie die dazugehörigen Gemeindefarben und -fahne auszuarbeiten.

Die Kommission beschäftigte sich intensiv mit dem Motiv. Als Basis und Leitgedanke diente der alte Name Gamprins – campus Rheni, was so viel heisst wie Feld am Rhein. Das goldene Wellenband, welches das heutige Wappen (siehe rechts) durchzieht, erinnert an die Lage Gamprins am Rhein. Im Wappen sollte aber auch der geschichtlich bedeutende Dorfteil Bendern seinen Niederschlag finden. Aus dem Wappen des Ritters Rüdiger von Limbach, Besitzer des alten Pfarrhauses und ausgedehnter Güter, wurden die beiden Rosen in das Wappen einbezogen. Der Vorschlag der Kommission fand nach heraldischer Ausbreitung die Zustimmung des Gemeinderats. Fürst Franz Josef II. verlieh ein Jahr später, also 1958, durch Wappenbrief der Gemeinde Gamprin-Bendern das Recht, Wappen und Fahnen zu führen.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindevorsteher ist seit 2019 Johannes Hasler (FBP). Der Gemeinderat zählt neun Sitze: Die FBP mit fünf und die VU mit vier Sitzen.

Gemeindewahl
 %
60
50
40
30
20
10
0
56,7 %
(+3,6 %p)
43,3 %
(-3,6 %p)
2011

2015

  
Insgesamt 9 Sitze

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Marienkirche
  • Schwurplatz: am 16. März 1699 schworen hier die Unterländer Männer erstmals dem Fürsten von Liechtenstein die Treue.
  • Unterländerbrunnen
  • Marien-Grotte (Pilgerstätte)
  • Lotzagüetle mit Spuren einer Besiedlung aus der jungsteinzeitlichen Pfyner Kultur (ca. 4000 v. Chr.)
  • Gampriner Seelein, ein 1927 auf natürliche Weise entstandener See

Sagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine der bekanntesten Sagen ist die Sage vom «Wilden Gampriner Geissbock», die von einem Bauern und seinem schlecht behandelten Geissbock handelt.
→ Abschnitt Der Wilde Gampriner Geissbock im Artikel Liechtensteiner Sagen

Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 2011 wurde die Freizeitanlage «Grossabünt» eröffnet. Diese Anlage ist Austragungsort eines Weihnachtschwimmens, das 2015 zum dritten Mal stattfand.[4]

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Gamprin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Gamprin – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tabellen der Bevölkerungsstatistik. (XLS; 345 kB) 30. Juni 2019. Amt für Statistik (AS), Fürstentum Liechtenstein, abgerufen am 24. Dezember 2019.
  2. Bevölkerungsstatistik. (PDF; 913 kB) 30. Juni 2017. Amt für Statistik (AS), Fürstentum Liechtenstein, S. 15, abgerufen am 31. Januar 2018.
  3. a b c Arthur Brunhart: Gamprin. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
    Diese Abschnitte basieren weitgehend auf dem Eintrag im Historischen Lexikon der Schweiz (HLS), der gemäss den Nutzungshinweisen des HLS unter der Lizenz Creative Commons – Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) steht.
  4. Weihnachtsschwimmen im Gampriner See Liechtensteiner Vaterland, Artikel vom 13. Dezember 2015