Ruggell

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ruggell
Flagge von Ruggell
Fahne
Wappen von Ruggell
Wappen
Staat: LiechtensteinLiechtenstein Fürstentum Liechtenstein
Wahlkreis: Unterland
Gemeindenummer: 7010
Kontrollschild: FL
Postleitzahl: 9491
UN/LOCODE: LI RGL
Koordinaten: 758322 / 234600Koordinaten: 47° 14′ 36″ N, 9° 31′ 48″ O; CH1903: 758322 / 234600
Höhe: 433 m ü. M.
Fläche: 7,378 km²
Einwohner: 2185 (30. Juni 2016)[1]
Einwohnerdichte: 296 Einwohner pro km²
Ausländeranteil: 26,2 % (30. Juni 2015)[2]
Website: www.ruggell.li
EschenEschenGamprinMaurenRuggellSchellenbergBalzersBalzersBalzersPlankenSchaanSchaanSchaanTriesenTriesenbergTriesenbergVaduzVaduzVaduzVaduzVaduzLage der Gemeinde Ruggell  im Fürstentum Liechtenstein (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Lagekarte von Ruggell im Fürstentum Liechtenstein

Ruggell (Dialekt: Ruggäll) ist eine Gemeinde im Wahlkreis Unterland des Fürstentums Liechtenstein. Sie ist die nördlichste Gemeinde des Fürstentums und liegt in der Ebene des Alpenrheintals, am Fusse des Eschnerbergs (auch Schellenberg). Aufgrund dieser ebenen (flachen) Topographie wird Ruggell als «Fahrraddorf» bezeichnet.

Einwohner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruggell hat 2135 Einwohner – davon sind 1060 männlich und 1075 weiblich (Stand: 30. Juni 2015). Die Aufteilung in Nationalitäten lautet wie folgt: 1575 sind Liechtensteiner (73,8 %), 560 haben andere Nationalitäten (26,2 %). Im Dezember 2010 hatte die Gemeinde Ruggell die Einwohnerzahl von 2000 Personen erreicht.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Ruggell wurde schon in früher Zeit, erstmals um etwa 933 n. Chr., urkundlich auf einem Kaufvertrag erwähnt, der sich heute im Stiftsarchiv St. Gallen befindet. Er rührt vom Ausdruck «roncale - ad roncalem» her, was so viel wie roden, urbar machen bedeutet. Es siedelten hier aber schon in früherer Zeit Menschen, wie bronze- und römerzeitliche Funde im Ruggeller Riet belegen: Schmucknadeln, eine Lanzenspitze aus Bronze, ein Armreif und eine Bronzefibel.

Spätere geschichtliche Dokumente verweisen auf den ständigen Kampf mit dem Rhein und als Folge auch auf Nässe, Kälte und Hungersnöte. Daher ist die Ruggeller Geschichte stark mit dem Rhein verwurzelt. Durch Überschwemmungen brachte der Fluss immer wieder Leid und Elend ins Dorf und verwüstete es, bis nach dem letzten Rheineinbruch im Jahre 1927 der Rhein gebändigt und kanalisiert wurde. Seither hat das Gewässer seinen Schrecken verloren.

Ruggell war ein Bauerndorf – praktisch jeder Haushalt führte nebenbei eine kleine Landwirtschaft mit ein paar Kühen, Hühnern und Schweinen, meist für den Selbstgebrauch oder als Zubrot. Heute sind nur noch einige wenige Bauern übriggeblieben. Meist sind diese als Aussiedlungshöfe ausgesiedelt. Im Dorf selbst sind nur noch etwa zwei oder drei Bauern tätig. So ist die «dorfromantische» Idylle mit Hühnern, Kühen und Misthaufen aus dem Dorfbild verschwunden; Einfamilienhäuser mit gepflegten Gärten und Plätzen prägen inzwischen seinen Charakter.

Ruggell ist heute ein modernes, vielschichtiges Dorf und ein beliebter Anziehungspunkt für Naturfreunde. Die Wohnbevölkerung hat sich in den vergangenen dreissig Jahren mehr als verdoppelt. Heute leben mehr als 2000 Menschen in der nördlichsten und tiefstgelegenen Gemeinde des Landes. Das Dorfbild ist – neben historischen Bauten wie der 1899 vom Wiener Architekten Gustav von Neumann erbauten Pfarrkirche St. Fridolin – von modernen privaten und gewerblichen Gebäuden geprägt.

Infrastrukturell ist in Ruggell alles vorhanden, was den Einwohnern das Leben privat und geschäftlich erleichtert: eine moderne und effiziente Verwaltung, Schule, Post, Gastbetriebe, grosszügige Freizeitstätten aller Art, Gewerbebetriebe, Gemeindefernsehkanal, Fuss- und Fahrradwege, Baurechtsmöglichkeiten für Wohnungen und Unternehmungen und gute Erschliessung durch den öffentlichen Verkehr. Auch für die Nahversorgung der Einwohner ist gesorgt.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im roten Schild über einen blauen weiss gesäumten Wellenbalken, welcher den Rhein symbolisiert und nahe dem Schildfuss ist eine goldene gestielte Kornähre, diese symbolisiert das Riet mit seinen Kornfeldern mit Seitenblatt beiderseits des Halmes.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruggell ist die nördlichste Gemeinde des Fürstentums und grenzt direkt an Österreich (Riet/Scheidgraben) sowie durch den Rhein getrennt, auch an die Schweiz. Das Bangserfeld, nördlich der Kanalmündung in den Rhein, welche vor einigen Jahren renaturiert wurde, bildet das Dreiländereck Liechtenstein-Schweiz-Österreich. Zwischen dem Bangserfeld und der Bangserwesa liegt auch der tiefste Punkt des Fürstentums Liechtenstein mit etwa 430 Metern über dem Meer (höchster Punkt des Landes ist der Vorder-Grauspitz im Rätikon mit 2599 Metern über dem Meer).

Es herrscht ein mildes alpines Klima, welches durch den teilweise stürmischen «Föhn» geprägt wird. Die Temperaturen schwanken zwischen −15 °C im Winter und teilweise über 30 °C im Sommer.

Die Ruggeller werden im Volksmund auch «Lättaknätter» genannt. Dieser Ausdruck stammt auch vom Riet. Der lehmige Boden, der hier vorkommt, wird als «Lätta» bezeichnet. Früher wurde im Riet auch Torf gestochen. Der Torf wurde zum Feuern, also Beheizen der Häuser benutzt. Diese alte Tradition ist in den letzten Jahren zunehmend verschwunden.

Flora und Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Direkt am Fusse des Schellen- bzw. Eschnerbergs gelegen befindet sich das Ruggeller Riet, die an Flora und Fauna reichhaltigste Naturfläche Liechtensteins. Es handelt sich dabei um ein Flachmoor, das vor etwa 10'000 Jahren durch Verlandung von Hinterwässern des Rheins entstanden ist. Die Charakterpflanze ist die Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica), welche gegen Ende Mai/Juni blüht. Von europäischer Bedeutung ist der Kammfarn (Dryopteris cristata). 450 Gefässpflanzenarten, 72 Moos- und 216 Pilzarten kommen im Ruggeller Riet vor. Vom reichen Tierleben zeugen 146 Vogel- und 534 Schmetterlingsarten. Biber und Storch, die lange Zeit aus der Landschaft verschwunden waren, wurden hier wieder heimisch.

Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Amtssprache ist Deutsch. Als Umgangssprache wird ein alemannischer Dialekt gesprochen, welcher eine Mischung aus den angrenzenden vorarlbergischen und schweizerischen Dialekten darstellt.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindewahl
 %
60
50
40
30
20
10
0
50,7 %
(-4,4 %p)
49,3 %
(+4,4 %p)
2008

2011


Die alle vier Jahre, jeweils im Februar, durchgeführten Gemeinderats- und Vorsteherwahlen brachten im Januar 2007 einige Neuerungen:

So wird Ernst Büchel von der Fortschrittlichen Bürgerpartei (FBP; die Schwarzen) neuer Vorsteher von Ruggell. Er löst somit den bisherigen Vorsteher Jakob Büchel von der Vaterländischen Union (VU; die Roten) nach acht Amtsjahren ab. Die FBP stellt somit nach 24 VU-Vorsteher-Jahren wieder den Vorsteher in Ruggell. Der Vorsteher wird jeweils separat und direkt im Majorzsystem gewählt (Mehrheitswahl). Bei den Wahlen im Januar 2011 wurde der amtierende Vorsteher Ernst Büchel für weitere 4 Jahre wieder gewählt. Von der Gegenpartei Vaterländischen Union wurde kein Gegenkandidat nominiert.

Nach 8 Amtsjahren als Vorsteher trat Ernst Büchel nicht mehr als Kandidat, bei den im Jahr 2015 durchgeführten Wahlen, an. Als Nachfolgerin wurde Frau Maria Kaiser-Eberle gewählt. Sie ist, wie Ihr Vorgänger Ernst Büchel, von der Fortschrittlichen Bürgerpartei (FBP). Als Gegenkandidat trat Mario Wohlwend von der Vaterländischen Union (VU) an. Frau Kaiser-Eberle wurde mit einer knappen Mehrheit gewählt. Sie ist somit die einzige Gemeinde-Vorsteherin im Land und erst die 2te Frau welche dieses Amt in Liechtenstein bekleidet.

Der Gemeinderat hat acht Mitglieder. Der Gemeinderat wird im Proporzverfahren durch die Ruggeller Bevölkerung neu gewählt (Verhältniswahl).

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aufteilung der Bevölkerung lautet wie folgt: 80,2 % römisch-katholisch, 10,4 % protestantisch und 4 % andere Konfessionen und Religionen (Stand 31. Dezember 2010). 5,4 % gehören keiner Religionsgemeinschaft an bzw. machten hierzu keine Angaben.[3]

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruggell hat ein reges und aktives Vereinsleben. Es gibt etwa 25 Vereine, darunter der Fussballclub FC Ruggell (dieser feierte 2008 sein 50-Jahr-Jubiläum), der Musikverein Frohsinn (dieser feierte 2010 sein 125-Jahr-Jubiläum), Gesangsvereine (Frauen- und Männerchor), Pfadfinder/innen St. Fridolin, Tennisclub, Tischtennisclub, Judoclub, Schützenverein, Veloclub (VC Ruggell – Radkriterium jeweils im Juli jedes Jahres – früher Schellenbergrundfahrt; Etappenort der Tour de Suisse), Damenturnverein, Funkenzunft Häxawahn, Freiwillige Feuerwehr (125-Jahr-Feier im Juni 2006), JAG Jugendarbeitsgemeinschaft der Unterländer Gemeinden Ruggell-Schellenberg-Gamprin.

Ruggell legt grossen Wert auf die Pflege der Tradition, auf sein Brauchtum und dessen Erhalt. Im Dorfmuseum Küfer-Martis-Huus, einem denkmalgeschützten Haus aus dem 18. Jahrhundert, gibt es regelmässig Ausstellungen, Vorträge und Vorlesungen zu verschiedenen Themen und Fachgebieten.

Ausserdem gibt es diverse Dokumentationen in Form von Büchern, Schriften, CDs (Mundart/Dialekt), Videos/DVDs (z. B. Torfstechen, Fischerei) über das Leben in Ruggell.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pfarrkirche St. Fridolin (1899)
  • Dorfmuseum Küefer-Martis-Huus
  • Renaturierte Kanalmündung in den Rhein
  • Ruggeller Riet (Sumpfgebiet mit sehr reichhaltiger Flora und Fauna)
  • Drei-Länder-Punkt (CH-A-FL)

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ruggell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Ruggell – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsstatistik. 30. Juni 2016. Amt für Statistik (AS), Fürstentum Liechtenstein, S. 7, abgerufen am 23. August 2017 (XLS; 913 kB).
  2. Bevölkerungsstatistik. 30. Juni 2015. Amt für Statistik (AS), Fürstentum Liechtenstein, S. 15, abgerufen am 25. März 2016 (PDF; 913 kB).
  3. Volkszählung 2010 – Band 1 Bevölkerungsstruktur 31. Dezember 2010. Amt für Statistik (AS), Fürstentum Liechtenstein, S. 25, abgerufen am 25. März 2016 (PDF; 768 kB)