Garnisonkirche (Berlin)

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Garnisonkirche um 1736
Querschnitt nach dem Umbau Stülers 1863

Die Garnisonkirche (auch Alte Garnisonkirche genannt) in Berlin war eine evangelische Kirche für die Soldaten der dortigen Garnison. Die Ruine des im Zweiten Weltkrieg letztmals zerstörten Bauwerks in Berlin-Mitte wurde 1962 beseitigt.

Der Sakralbau stand auf dem Areal des heutigen Litfaß-Platzes, der seinen Namen im Januar 2011 im Zuge der Bebauung des „Hackeschen Quartiers“ südlich des S-Bahnhofs Hackescher Markt erhielt. Der nordwestlich anschließende Garnisonkirchplatz wurde bereits im August 1999 geschaffen. Zu DDR-Zeiten befand sich auf den abgeräumten Flächen hinter dem damaligen S-Bahnhof Marx-Engels-Platz (seit 1992: Bahnhof Hackescher Markt) ein Sportplatz.

Kirchbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1701–1703 wurde die erste Garnisonkirche in Brandenburg unter König Friedrich I. durch den Baumeister Martin Grünberg gebaut. Die Explosion des Pulverturms am 12. August 1720 zerstörte sie.

Der zweite Kirchbau folgte 1720–1722 durch den Baumeister Johann Philipp Gerlach. Nun erhielt er keinen Turm mehr, nicht einmal einen Dachreiter. Diese schlichte Erscheinung entsprach der religiösen Orientierung des neuen Königs Friedrich Wilhelm I. Die Kirche wurde in der Folgezeit mehrfach umgebaut und an die Bedürfnisse ihrer Nutzer und der jeweiligen Zeit angepasst, so 1863 von August Stüler. 1873 bettete man 555 Särge aus den Grabgewölben der Kirche um. Die Bergung und Öffnung der Särge hielt Adolph Menzel in einer Serie von Bleistiftzeichnungen mit Leichenporträts fest.

Nach einer Neugestaltung des Inneren in den Jahren 1899–1900 brannte die Kirche am 13. April 1908 komplett aus. Ursache für die Brandkatastrophe war der defekte überhitzte Motor einer Orgel. Die Wiederherstellung der 2.700 Menschen fassenden Kirche erfolgte bis August 1909. Im Zweiten Weltkrieg brannte das Gotteshaus bei dem alliierten Luftangriff vom 23. November 1943 nach einem Bombentreffer vollständig aus. Nach dem Krieg wurden die unzerstörten Grüfte mehrfach geplündert. Die Überreste der dort beigesetzten etwa 200 Personen wurden 1949 in 47 Särgen zusammengefasst und in ein Gemeinschaftsgrab auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf im Block Epiphanien, Feld 1a umgebettet. Die Kirchenruine, von der die Außenmauern bis zur Traufhöhe stehengeblieben waren, wurde 1962 abgerissen.

Erhalten ist das Predigerhaus (Frommel-Haus) in der Anna-Louisa-Karsch-Straße (damals: Neue Friedrichstraße) und der Alte Garnisonfriedhof.

Berühmtheit erlangte das in goldenen Buchstaben angebrachte Motto über dem Eingangsportal von 1720: Ein Adler mit NON SOLI CEDIT (lateinisch: Er weicht der Sonne nicht) – der preußische Adler weicht dem Machtanspruch des Sonnenkönigs (Ludwig XIV. von Frankreich) nicht.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orgel der Garnisonkirche, 1737

Der zweite Kirchbau erhielt 1724 bis 1726 eine Orgel des Orgelbauers Joachim Wagner. Sie besaß folgende Disposition:

Eine zweite Orgel entstand 1892/93 durch Wilhelm Sauer. Mit 70 Registern auf drei Manualen war sie zum damaligen Zeitpunkt die größte Orgel Berlins und die zweitgrößte von Sauer bis dahin gebaute. Die Traktur war rein pneumatisch. Besonders hervorgehoben wurde die Crescendowalze, die frei einstellbar war: Am oberen Rande des Spieltisches befanden sich 70 den jeweiligen Registern entsprechende Registerknöpfe. Bei Betätigung der Crescendowalze konnten hierdurch gezielt Register abgestellt werden.[1] Die Orgel hatte folgende Disposition:[2]

Die 1901 wiedererrichtete Orgel orientierte sich stark an der Disposition von 1892. Die neue Orgel war wie folgt disponiert:[3]

Berliner Garnisonsprediger an der Alten Garnisonkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überreste der Garnisonkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adolph Menzel: Gruft unter der Garnisonkirche in Berlin, 1873; Bleistift, 23,8 ×33,2 cm. Berlin, Kupferstichkabinett

1998 wurden bei Tiefbauarbeiten Reste der nordöstlichen Ecke der Umfassungsmauer und Wände der Gruftanlage gefunden. Dabei wurde auch die Altarplatte der Kirche geborgen. Die Fundamentreste stehen heute unter Denkmalschutz.[7]

Weitere Berliner Garnisonkirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden für das stark vergrößerte Heer gebaut:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchengebäude

  • Förderverein (Hrsg.): Der Alte Berliner Garnisonfriedhof. Haude & Spener, Berlin 1995.
  • Barbara Kündiger, Dieter Weigert: Der Adler weicht der Sonne nicht – 300 Jahre Berliner Garnisonkirche. Quintessenz, Berlin 2004 (online).

Orgel

  • Johann Friedrich Walther: Die, In der Königl. Garnison-Kirche zu Berlin, befindliche Neue Orgel, Wie selbige, Nach ihrer äussern und innern Beschaffenheit erbauet, Mit wenigem beschrieben, Und Nebst einer kurtzen Vorrede, Vom Gebrauch, Kunst und Vortreflichkeit der Orgeln, zum Druck übergeben. Berlin 1726 (online (PDF; 147 kB)).
  • Heinrich Reimann: Die neue Orgel in der Berliner Garnison=Kirche. In: Urania. Band 49, Nr. 8, 1892, S. 57 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Garnisonkirche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heinrich Reimann: Die neue Orgel in der Berliner Garnison=Kirche. In: Urania. Band 49, Nr. 8, 1892, S. 57 f.
  2. Vier neue Orgelwerke von dem Königl. preuß. Hoforgelbauer und akademischen Künstler Wilhelm Sauer in Frankfurt a./O. In: Urania. Band 49, Nr. 1, 1892, S. 4.
  3. Des Königl. Preußischen Hof-Orgelbaumeister Wilhelm Sauer in Frankfurt a.O. neuere Thätigkeit. In: Urania. Band 58, 1901, S. 44.
  4. a b Garnisonkirche. luise-berlin.de, abgerufen am 25. Dezember 2012.
  5. a b Berlinische Garnisonkirche mit Garnisonschule. berlinintensiv.de, abgerufen am 25. Dezember 2012.
  6. a b Der Adler weicht der Sonne nicht – 300 Jahre Berliner Garnisonkirche in der märkischen Landschaft. garnisonfriedhof-berlin.de, abgerufen am 25. Dezember 2012.
  7. Eintrag in der Berliner Landesdenkmalliste

Koordinaten: 52° 31′ 19″ N, 13° 24′ 13″ O