Gartenstadt Atlantic

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Gartenstadt Behmstraße

Die Gartenstadt Atlantic ist eine 50 Häuser umfassende Wohnsiedlung im Berliner Ortsteil Gesundbrunnen. Sie wurde in den 1920er Jahren nach Entwürfen des Architekten Rudolf Fränkel in unmittelbarer Nachbarschaft zum Bahnhof Berlin Gesundbrunnen (Behm- Ecke Bellermannstraße) durch den Verleger Karl Wolffsohn errichtet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgarten nach der Gebäudesanierung
Treppenhaus nach der Modernisierung

Fränkel schuf mit der Siedlung eines der wichtigsten Beispiele des sogenannten „Reform-Wohnungsbaus“ in Berlin. In einer Übertragung der englischen Gartenstadtidee sollten in Abkehr von den engen – am Ende des 19. Jahrhunderts gebauten – Mietskasernen helle Wohnungen mit großflächigen Innenhöfen errichtet werden.

Herzstück der Anlage war die an der Behmstraße gelegene Lichtburg, eines der besten Beispiele der klassischen Moderne in der deutschen Hauptstadt und bedeutender Unterhaltungskomplex im Berlin der 1920er Jahre. Neben Tanzsälen war hier auch ein Großkino mit 2000 Sitzplätzen untergebracht.

Die geografische Lage in einem von drei Seiten durch die Berliner Sektorengrenze abgeriegelten Keil führte nach Ende des Zweiten Weltkriegs zum langsamen Niedergang des Viertels. Nach dem Bau der Berliner Mauer wurde die Lichtburg 1962 geschlossen und noch einige Jahre als Weizen- und Konservendepot der Senatsverwaltung für Wirtschaft genutzt. Im Jahr 1970 erfolgte der Abriss des Gebäudes.

Der verbleibende Gebäudekomplex wurde 1995 unter Denkmalschutz gestellt[1] und zwischen 2001 und 2005 vom Berliner Architekturbüro bfstudio-architekten im Auftrag von Michael Wolffsohn, der mit seiner Familie die Gebäude von seinem Großvater Karl Wolffsohn geerbt hatte, aufwendig saniert.[2] Vor der Sanierung betrug die Leerstandsrate etwa 30 Prozent, nach der Sanierung, für die Kredite von 25 Millionen Euro aufgenommen werden mussten, existieren Wartelisten für die Vermietung.[3]

Am 23. Juni 2016 wurde anlässlich des 100-jährigen Bestehens eine Infostele über Karl Wolffsohn errichtet und ein großes Fest gefeiert, bei dem auch 20 Verwandte aus fünf Generationen der Familie Wolffsohn anwesend waren, u. a. die 93-jährige Mutter von Michael Wolffsohn.[4]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2004: Auszeichnung beim Wettbewerb „Das beste Konzept für innerstädtisches Wohnen“ der Stiftung Lebendige Stadt
  • 2006–2009: Schirmherrschaft der Deutschen UNESCO-Kommission für den „Welttag der Kulturellen Vielfalt“

Bekannte ehemalige Bewohner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerwin Zohlen (Hrsg.): Rudolf Fränkel, die Gartenstadt Atlantic und Berlin, Sulgen/Zürich: Niggli 2006, ISBN 3-88506-572-X.
  • Rita und Michael Wolffsohn: Arbeit im Mikrokosmos Gartenstadt Atlantic, in: Kultur – Harmonie und Konflikt, hrsg. von Manfred Jochum, Europäisches Forum Alpach, StudienVerlag 2009, S. 123–129, ISBN 3-7065-4781-3.
  • Gerardo Brown-Manrique: Rudolf Fränkel and Neues Bauen: Work in Germany, Romania and the United Kingdom. Wasmuth, Tübingen, 2009. ISBN 978-3-8030-0695-0
  • Thomas Will (Hrsg.), Ralph Lindner (Hrsg.): Gartenstadt – Geschichte und Zukunftsfähigkeit einer Idee. Thelem-Verlag, Dresden 2012.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag in der Berliner Landesdenkmalliste
  2. Theresa Adlmaier: Neuer Glanz in alten Mauern. Familie Wolffsohn hat die Gartenstadt Atlantic im Berliner Wedding mit neuem Leben erfüllt. In: Berlin.de, Dezember 2006.
  3. Steffen Uttich: Neuanfang im Wedding. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. August 2012
  4. Pressemitteilung des Bezirksamtes Mitte vom 20. Juni 2016
  5. Auszeichnung – Platz nach Herthaner Hanne Sobek benannt. In: Die Welt, 17. August 2006
  6. Gartenstadt Atlantic so schön wie einst. In: Die Welt, 26. Oktober 2005

Koordinaten: 52° 33′ 3″ N, 13° 23′ 20″ O