Garzweiler

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Ort Garzweiler. Siehe auch Garzweiler (Begriffsklärung)

Koordinaten: 51° 6′ 28″ N, 6° 30′ 22″ O

Garzweiler
Gemeinde Jüchen
Höhe: ca. 70 m
Fläche: 40 ha[1]
Einwohner: 1154 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte: 2.885 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 41363
Vorwahl: 02165
Karte

Lage des ehemaligen sowie des umgesiedelten Ortes Garzweiler im Rheinischen Braunkohlerevier

Lage der früheren Dörfer Garzweiler und Priesterath auf einer Karte von Christian Sgrothen von 1575
Garzweiler und Jüchen, Tranchotkarte von 1807
Ansichtskarte Alt-Garzweiler

Garzweiler ist ein Ortsteil von Jüchen im Rhein-Kreis Neuss in Nordrhein-Westfalen. Der früher weiter südlich gelegene Ort musste dem gleichnamigen Braunkohletagebau Garzweiler weichen und wurde 1984 bis 1989 an den heutigen neuen Standort umgesiedelt.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Garzweiler liegt nordöstlich von Jüchen und grenzt im Osten an Herberath, im Norden an Kelzenberg und im Westen an Priesterath.

Das ursprüngliche Dorf (51° 4′ N, 6° 30′ O) lag östlich von Otzenrath und Pesch, die mittlerweile ebenfalls dem Tagebau weichen mussten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alt-Garzweiler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname wurde 1283 als Gartzwilre (= Gerhardswilere) in einer Urkunde des Kölner Stiftes Mariengraden genannt, in der bestimmt wird, dass der Zehnte aus Garzweiler dem Propst des Stifts direkt zufließen sollte. [2]

1794 besetzten französische Truppen den Ort, und 1796 wurde die Mairie Garzweiler im Kanton Elsen des Arrondissement de Cologne im Département de la Roer eingerichtet. 1815 wurde daraus die preußische Bürgermeisterei Garzweiler.

Die Synagoge der jüdischen Dorfbewohner wurde 1938 in der Reichspogromnacht niedergebrannt.[3]

Am 1. Januar 1972 wurde die Ortschaft Jackerath (4,80 km² mit 763 Einwohnern) in die Gemeinde Titz umgegliedert. Am 1. Januar 1975 wurde Garzweiler mit den noch verbliebenen 17,10 km² nach Jüchen eingemeindet.[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr
Datum
Einwohner
1933 2.562[5]
06.06.1961 1.970[4]
27.05.1970 1.791[4]
30.06.1974 1.841[6]

Umsiedlung und Abbruch von Alt-Garzweiler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1980 wurde der Norden Jüchens als Umsiedlungsstandort für das Dorf festgelegt. 1987 schloss die Grundschule. Im folgenden Jahr wurde das letzte Schützenfest gefeiert und das Altenheim geschlossen. Die verlassenen Häuser und Höfe wurden sofort eingeebnet. Auch die von 1858 bis 1860 errichtete neugotische Pfarrkirche St. Pankratius des späteren Wiener Baumeisters Friedrich von Schmidt wurde 1989 abgerissen. Orgel, Fenster und Taufbecken hat die Kirchengemeinde in die neue Pfarrkirche übernommen. Der Friedhof, der auch Gräber von jüdischen Garzweilern aufwies, wurde ebenso "umgesiedelt". 1989 war die Umsiedlung abgeschlossen. Das verlassene und zerstörte Dorf nutzten einzelne Künstler und Fotografen für ihre Arbeiten. So schuf der Fotograf Andreas Magdanz 1997 eine dokumentarische Fotoserie. 60 Prozent der Gesamtbevölkerung von Alt-Garzweiler siedelte nach (Neu-)Garzweiler um.

Neu-Garzweiler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2000 erhielt der Ortsteil Neu-Garzweiler einen Sonderpreis für Denkmalpflege im Rahmen des Wettbewerbs "Unser Dorf hat Zukunft". Mittlerweile wurde der Zusatz "Neu" gestrichen und der neue Ortsteil nennt sich wieder nur noch Garzweiler.

Vereinsleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Schützenbruderschaft St. Sebastianus Bruderschaft Garzweiler um 1450, die laut einer Urkunde von 1550 bereits "seit Menschengedenken" bestand.
  • Der Sportverein VfL Viktoria Jüchen/Garzweiler 1908/1909 e.V., der am 1. Juli 1994 durch die Fusion der beiden Vereine FC Viktoria 09 Jüchen und VfL Eintracht 08 Garzweiler entstand. Der Verein betreibt Fußball, Leichtathletik und als Breitensport Turnen, Gymnastik und Aerobik.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Garzweiler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Garzweiler/Priesterath/Stolzenberg/Jüchen-Süd. Website RWE zur Umsiedlung. Abgerufen am 8. März 2015.
  2. Anne Dorothee von den Brincken: Das Stift St. Mariengraden zu Köln, Mitteilungen aus dem Stadtarchiv, Heft 57. Köln 1969 (Die Urkunde selbst steht im I. Band S. 360 unter: Sammlungen Farragines Gelenii, Bestand 1039)
  3. Peter Saatz: Die Geschichte von Otzenrath und Spenrath, Jüchen 2008. S.141
  4. a b c Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 295.
  5. mit Jackerath
  6. Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X, S. 48.