Gebirgsschützenbataillon 6

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Das Zürcher Gebirgsschützenbataillon 6 (Geb S Bat 6, ugs. «Schützensächsi») ist das erste und älteste Bataillon der Schweizer Armee. Es wurde 1874 gegründet, ist seit 1926 den Gebirgstruppen, ab 1962 der Gebirgsdivision 12, ab 2003 der Gebirgsinfanteriebrigade 12 und ab 2017 der Territorialdivision 4 unterstellt. Es wird mit Milizsoldaten gebildet.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zürcher Infanterie 1830
Scharfschützen der Schweizer Armee 1862

Die schweizerischen Scharfschützen schlossen sich ursprünglich selbstgewählten Verbänden an und zogen mit ihrer eigenen Präzisionsschusswaffe in den Krieg. Sie waren in Schützengesellschaften organisiert, die die Schiesskunst bereits im 14. Jahrhundert pflegten. Mit dem Eidgenössischen Schirmwerk von 1702 wurden die ersten Scharfschützenkompanien gebildet. Sie waren mit einem gezogenen 17/18 mm Stutzer Kaliber ausgerüstet, der ein präzises Schiessen auf 300 Meter ermöglichte.

1770 begann Salomon Landolt, der die französische Militärschule in Metz besucht hatte, die schwere Positionsinfanterie in bewegliche Scharfschützenkompanien (Jäger) umzubilden. Er wurde damit zum Gründer der „Zürcher Scharfschützencorps“.

1851 führte der neu gegründete Schweizer Bundesstaat als erster Staat Europas das kleinkalibrige Gewehr mit Kaliber 10,5 mm für die Scharfschützen in der Armee ein. Gleichzeitig wurden die verschiedenfarbigen kantonalen Uniformen zugunsten des Feldgraus vereinheitlicht, die Schützen waren nur noch auf Kragen und Patten gekennzeichnet.

Mit dem Bundesbeschluss von 1870 wurden die Scharfschützenbataillone geschaffen. Die vier Zürcher Kompanien wurden bei der Grenzbesetzung 1870/71 an der Schweizer Grenze bei Basel erstmals eingesetzt.

Militärorganisation 1874[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schützenbataillon 6, Wiederholungskurs 1884 in Zürich
Kaisermanöver 1912, Empfang 3. September 1912 in Zürich

Mit der neuen Militärorganisation von 1874 wurden die Scharfschützen zu Schützen umbenannt und waren keine Waffengattung mehr. Das Zürcher Schützenbataillon 6 erhielt seine Nummer und wurde direkt dem Divisionskommando und 1907 dem Regimentsverband unterstellt.

1912 wurden die Milizsoldaten einer Kompanie des Schützenbataillons 6 als Ehrenkompanie beim Manöverbesuch des deutschen Kaisers (Kaisermanöver) des 3. Armeekorps aufgestellt. Im Ersten Weltkrieg wurde das «Schützensächsi», das jetzt allgemein «Kaiserbataillon» hiess, wie alle Einheiten der Schweizer Armee bei der Grenzbesetzung eingesetzt[1].

Mit der Truppenordnung 1925 (TO 25) wurden die Gebirgstruppen gestärkt. Das Schützenbataillon 6 wurde 1926 den Gebirgstruppen zugeteilt und dem neu gebildeten Zürcher Gebirgsinfanterieregiment 37 unterstellt. Jedes Gebirgsinfanteriebataillon bestand nun aus drei Gebirgsinfanteriekompanien und einer Gebirgsmitrailleurkompanie, gleichzeitig wurde das leichte Maschinengewehr Lmg 25 eingeführt.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Bataillon in der ersten Armeestellung der Limmatstellung eingesetzt. Als Teil des Zürcher Gebirgsinfanterieregiments 37 hatte es im rechten Abschnitt der 8. Division die Übergänge vom Limmattal ins Reusstal zwischen Baden und Oberrohrdorf zu sperren.

Am 15. Juni 1940 marschierte das Bataillon nach Birrhard zur Verteidigung des Flugplatzes Birrfeld. Der Nachrichtendienst war informiert worden, dass am 16. Juni deutsche Sabotageakte auf Flugplätze geplant waren, als deutsche Reaktion auf den erfolgreichen Abwehrkampf der Schweizer Luftwaffe gegen eindringende deutsche Flieger in der Ajoie[2].

Am 3. Juli 1940 – 22 Tage vor dem Rütlirapport – begann der etappenweise Rückzug als Teil der 8. Division und des 2. Armeekorps mit Märschen ins Reduit ab Luzern über Buochs, Giswil, Lungern und Sörenberg. Am 10. September traf das Bataillon in seinem Reduitraum in Schangnau im Emmental ein, wo es mit Unterbrüchen bis im Oktober 1944 verblieb.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Zielfernrohrkarabiner Modell 1955 eingeführt.

Auftrag und Einsatzraum im Rahmen der Armee 61[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Armee 61 wurde das Bataillon als Teil des Gebirgsinfanterieregimentes 37 der neu geschaffenen Gebirgsdivision 12 des Gebirgsarmeekorps 3 zugeteilt.

Autobahnnetz der Schweiz mit A13

Die Gebirgsdivision 12 hatte die Ostflanke des Gotthards zu sperren, den Anschluss an die Festungsbrigade 13 (Fest Br 13) zu halten, die Nationalstrasse N13 (A13) (San-Bernardino-Achse) zu schützen und sich als Reserve für eine Felddivision bereitzuhalten.

Der Einsatzraum der verstärkten Division erstreckte sich ab der Landesgrenze 120 km in der Ost-West-Achse und 70 km in der Nord-Süd-Achse und deckte einen Grossteil des Kantons Graubünden ab[3].

Als erster militärischer Verband wurde das Zürcher Gebirgsinfanterieregiment 37 der Gebirgsdivision 12 aufgrund eines Bundesratsbeschlusses im Oktober 1998 mit einem subsidiären Sicherungseinsatz betraut: Im Februar 1999 absolvierte es diesen mit Botschaftsbewachungen in Genf.

Mit der Armee XXI wurde die Gebirgsdivision 12 2003 aufgelöst und das Gebirgsschützenbataillon 6 in die Gebirgsinfanteriebrigade 12 (Geb Inf Br 12) überführt.[4]

Gliederung Gebirgsschützenbataillon 6 heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stabskompanie 6
  • Gebirgsschützenkompanien 6/1, 6/2, 6/3
  • Gebirgsschützenunterstützungskompanie 6/4[5].

Unterstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1875–1907 6. Armeedivision
  • 1907–1925 5. Division, Inf Rgt 25
  • 1926–1927 14. Inf Brigade, Geb Inf Rgt 37
  • 1928–1937 15. Inf Brigade, Geb Inf Rgt 37
  • 1938–1951 8. Division, Geb Inf Rgt 37
  • 1952–1960 9. Division, Geb Inf Rgt 37
  • 1961–1994 Geb Div 12, Geb Inf Rgt 37
  • 1995–2003 Geb AK 3, Geb Inf Rgt 37
  • 2004–2017 Geb Inf Br 12
  • 2017- Territorialdivision 4

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schwarzer: Geschichte des zürcherischen Schützenbataillons No 6 1874–1900 nach persönlichen Erinnerungen und Eindrücken eines alten Schützenoffiziers
  • Informationsgruppe Stab Geb Div 12: Unsere Grossen Verbände – Die Gebirgsdivision 12. Allgemeine schweizerische Militärzeitschrift ASMZ, Heft 3, 1987.
  • Valentino Crameri: Die Gebirgsdivision 12. Geschichte der Gebirgsdivision 12 von ihrer Gründung im Jahre 1962 bis zur Jahrtausendwende. Verlag Gasser, Chur 1999.
  • Valentino Crameri: Der letzte Kurier 12. Bildband zum Abschied der Gebirgsdivision 12. Verlag Kommando Gebirgsdivision 12, Chur 2003

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zürcher Woche vom 6. Oktober 1961: Das „Kaiserbataillon“
  2. Walter Lüem, Max Rudolf: Abwehr in Nahaufnahme. Probleme der Limmatverteidigung 1939/40 im Abschnitt Spreitenbach–Killwangen. Eigenverlag 2003. Vertrieb Schweizerische Gesellschaft für militärische Studienreisen GMS, Zürich
  3. ETH-Bibliothek: Die Gebirgsdivision 12
  4. VBS: Geschichte des Gebirgsschützenbataillon 6 (Memento vom 1. Februar 2015 im Internet Archive)
  5. VBS: Gebirgsinfanteriebrigade 12 (Memento vom 23. Januar 2015 im Internet Archive)