Gemeindereferent

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Gemeindereferentin/Gemeindereferent ist ein Beruf in der Römisch-Katholischen Kirche in Deutschland. Um diesen Beruf ausüben zu können, ist ein religionspädagogisches Studium an einer Fachhochschule (mit Abschluss Diplom bzw. Bachelor in Religionspädagogik resp. Praktischer Theologie) oder an einer kirchlichen Fachschule/Fachakademie erforderlich; einige Diözesen akzeptieren auch einen theologischen Fernkurs. Die zweite Ausbildungsphase erfolgt in der anstellenden Diözese. Die (Erz-)Bistümer in Deutschland unterhalten hierzu eigene Ausbildungsleitungen, die auch über Zulassung, Berufsvorbereitung und Einstellung von Interessenten (mit-)entscheiden.

Das Studium dauert in der Regel 6 Semester und umfasst theologische, humanwissenschaftliche und spirituelle Inhalte. Im Anschluss hieran erfolgt eine zwei- bis dreijährige berufspraktische Ausbildung in den Diözesen; hierbei tragen die Auszubildenden die Bezeichnung Gemeindeassistent/Gemeindeassistentin. Die insgesamt also ca. sechs Jahre dauernde Ausbildung endet mit der zweiten Dienstprüfung in der jeweiligen Diözese; sie beinhaltet eine pastorale und eine schulische (Religionsunterricht) Prüfung, sowie eine schriftliche Abschlussarbeit.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Beruf Gemeindereferent/Gemeindereferentin hat nach dem II. Vatikanischen Konzil die zuvor fast ausschließlich von Frauen ausgeübte Tätigkeit der Seelsorgehelferin abgelöst. Diese gab es im deutschsprachigen Raum seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Erste Schritte in Richtung eines Berufes gehen auf das Engagement Wilhelm Wiesens und Margarete Ruckmichs in den 1920er Jahren zurück. 1928 kommt es zur Gründung der „Gemeindehelferinnenschule“ durch den Deutschen Caritasverband in Freiburg. Seit den 1970er Jahren gibt es den Zugang zum Beruf über das Fachhochschul-Diplom in Religionspädagogik. In dieser Zeit entsteht auch die Bezeichnung Gemeindereferent/Gemeindereferentin. Das Berufsbild der Gemeindereferenten ist mit dem der Pastoralreferenten verwandt, die Einsatzfelder sind oft ähnlich, für Pastoralreferenten wird allerdings ein Universitätsstudium in Theologie vorausgesetzt.

Durch die sich stark wandelnde religiöse Landschaft in Deutschland ist der Beruf vielen Veränderungen unterworfen. Die früher übliche Tätigkeit in nur einer Pfarrgemeinde weicht dem Einsatz in sogenannten Pfarrverbänden, Seelsorgeeinheiten oder Pfarreiverbünden sowie der so genannten Kategorialseelsorge (z. B. im Krankenhaus, beim Militär etc.). Neben der unmittelbaren pastoralen und religionspädagogischen Tätigkeit ist heute zunehmend auch die Begleitung und Qualifikation von Ehrenamtlichen sowie konzeptionelle Arbeit erforderlich. Nahezu alle Diözesen betonen heute die hohe Bedeutung des Berufes für ihre seelsorgliche Arbeit.

Berufsbild[Bearbeiten]

Die deutschen (Erz)Diözesen haben das Berufsbild des Gemeindereferenten klar umrissen [1]. Seine Tätigkeitsschwerpunkte liegen in den drei Grunddiensten der Kirche:

Verkündigung[Bearbeiten]

- in der Sakramentenkatechese (z. B. Vorbereitung auf die Erstkommunion, Firmung)
- im Unterrichten an Grund-, Haupt- und Realschule im Fach kath. Religion
- in der Begleitung katholischer Verbände und Vereine (z. B. KAB, kfd, Kolping)
- in der Erwachsenenbildung
- in der Begleitung und Gewinnung neuer ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
- in Einzelgesprächen und Hausbesuchen

Liturgie[Bearbeiten]

- im Vorbereiten und Leiten von Gottesdiensten (z. B. Wortgottesdienste, Andachten)
- in der Begleitung von Liturgiekreisen
- in der Heranbildung und Begleitung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die Gottesdienstgestaltung

Diakonie[Bearbeiten]

- in der katholischen Jugendarbeit (z. B. Jugendgruppen, Jugendverbände, Ministranten, offene Jugendarbeit)
- in der Seniorenarbeit
- in Einzelhilfe, Besuchsdiensten und Krankenbesuchen
- in der Begleitung von Helfergruppen und Selbsthilfegruppen

Koinonia[Bearbeiten]

- in der Mitwirkung im Team der hauptamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorger
- in der Mitgliedschaft im Pfarrgemeinderat und anderen Gremien
- im Einladen und Zusammenführen von Menschen in den Gemeinden

In den letzten zehn bis zwanzig Jahren hat sich - aufgrund des Priestermangels, aber auch wegen der Abnahme des ehrenamtlichen Engagements - das Berufsbild noch erweitert. Hinzugekommen sind:

- Dienst als kirchlicher Ansprechpartner vor Ort (z. B. Bürodienst in einem Pfarramt)
- Vertretung des Pfarrers bei repräsentativen und administrativen Aufgaben
- Leitung von Beerdigungsfeiern
- Predigtdienst (z. B. bei Wortgottesfeiern und Kinderkatechese)
- Öffentlichkeitsarbeit (z. B. Homepage, Pfarrbrief)
- Betriebsseelsorge in Firmen und Institutionen vor Ort
- Unterricht an weiterführenden Schulen im Fach kath. Religion

Darüber hinaus übernehmen Gemeindereferentinnen und -referenten auch die Vertretung der Gemeinden und ihrer Gruppen und Gremien gegenüber den übergeordneten Ebenen: z. B. bei Konferenzen des (Erz-)Bistums zu Fragen der Jugendseelsorge, bei Pastoralkonferenzen des Dekanates und den Konferenzen der einzelnen kirchlichen Berufsverbände.

Entzug der missio canonica und Kündigung(sschutz)[Bearbeiten]

Zum Fall einer Änderungskündigung einer Gemeindereferentin nach Entzug der kirchlichen Beauftragung - wegen Verletzung ihrer Residenzpflicht - erging eine Leitentscheidung des BAG mit seinem Urteil vom 10. April 2014 - 2 AZR 812/12 [1] = NZA 2014, 653.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • H. M. Weikmann, W. Wertgen (Hg.), Gemeindereferentinnen und Gemeindereferenten. Profil einer professionellen Pastoral, Regensburg 2011, ISBN 978-3-7917-2390-7

Theologie im Fernkurs, Katholische Akademie Würzburg

Quellen[Bearbeiten]

  1. Die deutschen Bischöfe (Hg.), Rahmenstatuten und -ordnungen für Gemeindereferenten, Bonn 1987 und 2011