Gemeiner Spaltblättling

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Gemeiner Spaltblättling
Spaltblaettling2.jpg

Gemeiner Spaltblättling (Schizophyllum commune)

Systematik
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: Agaricomycetidae
Ordnung: Champignonartige (Agaricales)
Familie: Spaltblättlingsverwandte (Schizophyllaceae)
Gattung: Spaltblättlinge (Schizophyllum)
Art: Gemeiner Spaltblättling
Wissenschaftlicher Name
Schizophyllum commune
Fr.

Der Gemeine Spaltblättling (Schizophyllum commune) ist eine Pilzart aus der Familie der Spaltblättlingsverwandten (Schizophyllaceae).

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberseits feinfilzige bis haarige Fruchtkörper des Gemeinen Spaltblättlings an teils entrindetem Totholz

Der Spaltblättling bildet Sammelfruchtkörper, die aus teils miteinander verwachsenen, schüsselförmigen (cypheloiden) Einzelfruchtkörpern bestehen. Der Aufbau erklärt auch die namensgebenden gespaltenen „Lamellen“, die bei Trockenheit auseinanderklaffen. Die scheinbare Innenseiten der Lamellen stellen dabei die Außenseiten der miteinander verwachsenen Fruchtkörper dar. Durch hygrometrische Bewegung wird die Fruchtschicht bei Trockenheit durch Einrollen in einer Art Kammern geschützt. Im feuchten Zustand öffnen sich diese Kammern wieder („Lamellen“ geschlossen) und der Fruchtkörper sporuliert erneut. Es wird berichtet, dass selbst jahrelang trocken aufbewahrte Fruchtkörper bei Befeuchtung wieder sporulieren. Die Oberseite des Sammelfruchtkörpers ist mit einem im feuchten Zustand grauen und trocken weißen Filz bedeckt.

Artabgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Spaltblättling ist die einzige Art seiner Gattung in Europa. Verwechslung mit anderen Pilzarten ist aufgrund der markanten Erscheinungsform recht unwahrscheinlich.

Ökologie und Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeine Spaltblättling wächst als Saprobiont (Weißfäuleerreger) und Wundparasit an verschieden Laub- und Nadelhölzern. In der Literatur wird als bevorzugtes Substrat in Mitteleuropa (?) die Rotbuche gefolgt von der Fichte angegebenen. Daneben wird der Gemeine Spaltblättling an einer Vielzahl weiterer Hölzer sowie an weiteren Substraten (verkohltes Holz, Kräuterstängel, Knochen und Horn) gefunden. Selbst vom Auftreten als Parasit bei immungeschwächten Menschen wird berichtet. Der Spaltblättling kommt in allen Arten mitteleuropäischer Waldtypen sowie vor allem in anthropogen beeinflussten Biotopen vor (Weg- und Straßenränder, Holzlagerplätze, Kahlschläge, Gärten und Parks). Als ausgesprochen trockenheits- und hitzeresistenter Pilz kommt er besonders an sonnen- und windexponierten Hölzern vor. Der Pilz ist in Deutschland in allen Höhenstufen verbreitet.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Speisepilz kommt der Spaltblättling nicht in Frage. Er kann als Zersetzer von gelagertem oder verbautem Holz beträchtlichen Schaden anrichten.
Der Gemeine Spaltblättling ist der weltweit vermutlich am weitesten verbreitete Pilz. Besonders interessant ist, dass dieser Pilz 23.328 verschiedene Geschlechter ausbildet.

Im Juni 2006 meldete die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt ein Patent für ein Verfahren an, um mit Hilfe des Gemeinen Spaltblättlings die Klangeigenschaften von Fichte zu verbessern ohne die Stabilität zu beeinträchtigen.[1]

Der Spaltblättling wird vermutlich bald eine wichtige Rolle in der Erdölförderung spielen. Derzeit wird bei Wintershall in Niedersachsen an einer neuen, umweltschonenden Technologie gearbeitet, die die Förderung von Erdöl erheblich verbessern könnte: Der Pilz produziert ein biologisches Verdickungsmittel namens Schizophyllan, mit dessen Hilfe bis zu 10 % mehr Öl gefördert werden könnte als ohne das Polysaccharid.[2][3]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lukas Herzog: Auf der Suche nach Stradivaris Geheimnis. 30. Empa-Wissenschaftsapéro. In: Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa). 4. September 2006, abgerufen am 28. März 2016 (Pressemitteilung).
  2. Erika Kothe: Kleiner Pilz zur Erdölförderung. Institut für Mikrobiologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena, 16. November 2012, abgerufen am 28. März 2016 (Pressemitteilung).
  3. Gerhard Schuster: Spaltblättlinge in der Ölförderung. In: Der Tintling. Heft 1/2015, Nr. 92, Karin Montag 2015, ISSN 1430-595X, S. 52–53.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gemeiner Spaltblättling (Schizophyllum commune) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien