Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne (Augustdorf)

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DeutschlandFlag of Germany (state).svg Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne
Nordtor der Kaserne (Ausfahrt)

Nordtor der Kaserne (Ausfahrt)

Land Deutschland
Gemeinde Augustdorf
Koordinaten: 51° 55′ N, 8° 46′ OKoordinaten: 51° 54′ 53″ N, 8° 45′ 53″ O
Erbaut 1937
Personalstärke 4.300
Stationierte Einheiten
siehe dort
Alte Kasernennamen
1937–1945
1945–1950
1956–1961
Nordlager
Hutted Camp
Neues Lager
Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit)
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich
DeutschlandFlag of Germany (state).svg
Ehemals stationierte Einheiten
Panzerbataillone 211/213/214
Panzeraufklärungsbataillon 7
DeutschlandFlag of Germany (state).svg
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Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne (Nordrhein-Westfalen)
Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne

Lage der Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne in Nordrhein-Westfalen

Lage GFM-Rommel-Kaserne in der Senne

Die Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne (kurz: GFM-Rommel-Kaserne) ist eine große Kaserne des deutschen Heeres und befindet sich in Augustdorf, Nordrhein-Westfalen. Die Kaserne ist vor allem Standort der Panzerbrigade 21 Lipperland und prägt die Gemeinde Augustdorf. Die Kaserne wurde 1937 als Nordlager für den nahegelegenen Landwehrübungsplatz angelegt.

Seit 1961 ist die Kaserne nach dem Generalfeldmarschall der Wehrmacht Erwin Rommel benannt. Diese Namensgebung ist aufgrund Rommels politischer und militärischer Rolle im nationalsozialistischen Deutschland umstritten. Regelmäßig wird eine Umbenennung der Kaserne gefordert.[1]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Standortübungsplatz Stapel mit Teutoburger Wald im Hintergrund, von Süden aus gesehen
typische Heidelandschaft auf dem Truppenübungsplatz Senne

Die Kaserne liegt inmitten der Senne im Nordosten der lippischen Gemeinde Augustdorf (Nordrhein-Westfalen) und am Südrand des Teutoburger Waldes. An die Kaserne grenzt der Standortübungsplatz Stapel im Westen und der Truppenübungsplatz Senne im Osten und Süden. Die Kasernenrunde hat eine Gesamtlänge von 5,2 km. Die Kaserne stellt einen erheblichen Wirtschaftsfaktor für die kleine Gemeinde Augustdorf dar, die durch die Bundeswehr stark geprägt ist.

Stationierung und Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Paradestraße an einem Regentag. Blick Richtung Nordtor
NVA-Material aus der Sammlung von Großgerät der MGS Lippische Rose

Die Kaserne ist nach Anzahl der dort stationierten Soldaten die größte Kaserne des deutschen Heeres, wenngleich Augustdorf auch nicht größte Garnison des deutschen Heeres ist. Je nach Einsatzlage sind mit Lehrgangsteilnehmern bis zu ca. 5.000 Mann in Augustdorf stationiert. Die Anzahl der ständigen Dienstposten beträgt etwa 4.300. Die Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne ist vor allem die Heimat der Panzerbrigade 21Lipperland“. Bis auf zwei Kompanien ist die Panzerbrigade 21 „Lipperland“ mit folgenden Anteilen in Augustdorf stationiert:

Daneben sind aber auch weitere militärische Einheiten und zivile Dienststellen dort beheimatet:

  • Servicestation Augustdorf der BwFuhrparkService GmbH (früher MC Augustdorf)
  • FJgBtl 252.GIF 5./Feldjägerregiment 2
  • KfAusbZentr Augustdorf.jpg Kraftfahrausbildungszentrum Augustdorf
  • FachSanZ Augustdorf.jpg Sanitätsunterstützungszentrum Augustdorf mit Sanitätsstaffel Einsatz Augustdorf
  • Bundeswehr-Dienstleistungszentrum Augustdorf, früher Standortverwaltung
  • Berufsförderungsdienst Münster, Standortteam Augustdorf
  • Evangelischer Standortpfarrer Augustdorf mit Militärkirche vor den Toren der Kaserne
  • Katholischer Standortpfarrer Augustdorf mit Militärkirche vor den Toren der Kaserne
  • Mobilitätszentrum der BwFuhrparkService GmbH
  • MGS Lippische Rose.gif Militärgeschichtliche Sammlung „Lippische Rose“ Augustdorf
  • Freizeit- u. Informationszentrum Augustdorf (FIZ)

Die in Augustdorf stationierten Einheiten nutzen den nahegelegenen Truppenübungsplatz Senne bzw. den Standortübungsplatz Stapel zur Ausbildung. Einheiten der britischen Streitkräfte aus dem nahen Sennelager üben ebenfalls im Stapel und in der Senne. Da die Senne ein Truppenübungsplatz unter britischer Verwaltung ist, sind die Augustdorfer Einheiten zur Durchführung ihrer Übungsvorhaben oft auf ein Ausweichen auf andere Truppenübungsplätze angewiesen.

Der Brigadestab sowie das Offizierskasino sind im Osten der Kaserne untergebracht. Vor dem Stabsgebäude ist ein Element der Berliner Mauer aufgestellt. Im Süden der Kaserne befindet sich die Standortschießanlage. Weitere Einrichtungen sind das Gefechts- und Schießsimulatorenzentrum, ein Fahrsicherheitstrainingsplatz der Deutschen Verkehrswacht, drei Sportplätze mit Laufbahnen, mehrere Sporthallen, eine Schwimmhalle mit Sauna, ein Freizeitzentrum, zwei Truppenküchen, das Offizierskasino Lippische Rose, eine Hindernisbahn und vier Tennisplätze. Die Arrestzellen werden auch scherzhaft als Café Süd bezeichnet, da sie sich im Gebäude der Südwache befinden. Hauptzufahrt ist jedoch das Nordtor. Die „Paradestraße“ durchzieht die Kaserne vom Nordtor bis zum Südtor. An dieser liegt als zentraler Apellplatz der Scharnhorstplatz. Im Untergrund sind zwischen und unter den Truppenunterkünften unzählige Bunker angelegt.

Ehemalige Einheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Militärgeschichtliche Sammlung Lippische Rose erinnert auf ca. 1.400 m² an verschiedene inzwischen aufgelösten Einheiten, die in Augustdorf ihre Heimat hatten, z. B. die Panzerbataillone 211, 213 und 214, das Panzeraufklärungsbataillon 7 und der selbständigen Brigadeeinheiten wie z. B. die Panzerjägerkompagnie 210. Auch der Traditionsraum der ehemaligen 7. Panzerdivision befindet sich hier. Außerdem sammelt die MGS Lippische Rose Fahrzeuge, Waffen und anderes Material aus der Geschichte der Bundeswehr sowie in kleinerem Ausmaß auch der Nationalen Volksarmee. In der Kaserne sind außerdem Dutzende reguläre aber mittlerweile ausgesteuerte und Versuchsmuster gepanzerter Kettenfahrzeuge ausgestellt. Das Hauptmunitionslager der Kaserne sowie der Bundeswehreinheiten in Höxter liegt in Taubenborn bei Höxter. Bis etwa 2005 lag das Hauptdepot auf einem Hügel nordwestlich von Bellersen in Bredenborn.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Fürstensaal im Offizierskasino Lippische Rose während eines Empfangs

Bereits seit 1892 übten militärische Verbände in der Senne. Als nach der nationalsozialistischen Machtergreifung die Wehrmacht vergrößert wurde und neue Standorte benötigt wurden, entstand in Augustdorf ein Landwehrübungsplatz, wo ab Mai 1937 das VI. Armeekorps aus Münster seine Landwehrbataillone unterbrachte, um sie in der Senne zu üben. Das Lager wurde bis 1939 weiter erweitert und 1939 der Kommandantur des Truppenübungsplatzes übergeben. Die Bezeichnung des Lagers war ab 1939 Nordlager des Truppenübungsplatzes Senne. Im Zweiten Weltkrieg wurde es im Nordosten um ein Wehrertüchtigungslager der Hitlerjugend erweitert. Dort stand die paramilitärische Wehrerziehung der Jugendlichen im Vordergrund. Im September 1944 verlegte ein SS-Ausbildungs- und Einsatzregiment in das Nordlager. Die Kapazität des Lagers erweiterte sich ständig und lag am Ende des Zweiten Weltkrieges bei 16.000 Mann. Unter anderem waren in der Kaserne das SS-Panzerersatz- und Ausbildungsbataillon 1 der Waffen-SS untergebracht, aus dem in den letzten Monaten des Krieges die SS-Panzerbrigade Westfalen aufgestellt wurde, die an der letzten Panzerschlacht gegen die 3. US-Panzerdivision im März/April 1945 im Raum Paderborn beteiligt war. Die verbliebenen Einheiten in Augustdorf und auf dem Truppenübungsplatz wurden gegen Ende des Krieges zur Kampfgruppe Augustdorf zusammengefasst und zur Verteidigung des Überganges im Teutoburger Wald – die Dörenschlucht bei Augustdorf – herangezogen. Bei der "Schlacht in der Dörenschlucht" vom 2. bis 4. April 1945 fielen 35 Männer einer Genesendenkompanie der Waffen-SS. Sie hatten den Vormarsch der 3. US-Panzerdivision durch Abschuss von sieben Sherman-Panzern zeitweise verzögert, blieben jedoch letztlich erfolglos. Die Soldaten wurden auf einem kleinen Soldatenfriedhof nahe der Kaserne beigesetzt. Am 4. April 1945 wurde die Kaserne durch amerikanische Truppen besetzt und bald darauf der britischen Armee übergeben, die bis heute Hauptnutzer des Truppenübungsplatz blieb.

Ab 1945 wurde das Nordlager, von den Briten als Hutted Camp bezeichnet, als Unterkunft von etwa 10.000 vornehmlich sowjetische Kriegsgefangene genutzt, die von hier nach Kriegsende in ihre Heimat zurückgeführt wurden. Ab Sommer 1945 verblieben im Lager Osteuropäer, die nicht in ihre Heimat zurückkehren wollten, ab 1947 waren dies vor allem ehemalige Kriegsgefangene aus den baltischen Sowjetrepubliken. Ab August 1950 entließen die Briten das Lager in deutsche Verwaltung. Weiterhin lebten im Lager etwa 2.250 heimatlose Ausländer, unter ihnen etwa 600 Kinder. Das Lager wurde ab August 1950 daher als Sozialamt für Ausländer, Außenstelle Augustdorf bezeichnet.

Ab Februar 1956 wurden die alten Baracken abgerissen und neu errichtet. Die Kaserne wurde nach der Wiedererrichtung als Neues Lager bezeichnet. Nach Planungen des Amtes Blank sollte die Kaserne Standort der Panzeraufklärerschule werden. Als Lehramtsgebäude war das heutige Stabsgebäude der Panzerbrigade 21 vorgesehen. Die Einrichtung einer Truppenschule wurde freilich nicht realisiert. Ab April 1957 nahm die Standortverwaltung ihre Arbeit in Augustdorf auf. Die ersten Soldaten der Bundeswehr zogen am 26. Juni 1957 in die neu errichteten Unterkünfte im Neuen Lager. Zu den ersten Einheiten gehörte das Panzerbataillon 1 (später zunächst Panzerbataillon 213, dann Panzerbataillon 214), das zunächst in Dedelstorf aufgestellt wurde. Das Panzeraufklärungsbataillon 7 verlegte im April 1958 aus Bremen nach Augustdorf. Im September 1958 verließen die ersten Ausländer das Lager. Am 20. Juli 1961 erhielt die Truppenunterkunft den Namen Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne zu Ehren des Generalfeldmarschalls Erwin Rommel. An diesem Akt nahmen die Witwe und der Sohn Rommels teil.

Am 26. April 2007 wurden zur Erinnerung an 50 Jahre Wehrpflicht in der Kaserne ein feierliches Gelöbnis für 1.000 Rekruten aller Teilstreitkräfte durchgeführt. Anwesend waren neben rund 3.000 Gästen und Angehörigen der damalige Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung und der damalige Generalinspekteur der Bundeswehr, General Wolfgang Schneiderhan.

Augustdorfer Soldatentag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paradestraße beim Augustdorfer Soldatentag am 16. Juni 2007
Modenschau 800 Jahre Uniformgeschichte, AST 2007

Erst alle zwei, jetzt alle drei Jahre richtet die Panzerbrigade 21 in der Kaserne den Augustdorfer Soldatentag aus. Nach 2004 musste der AST von 2006 auf 2007 verschoben werden, da die Brigade 2006 zu vielfältige Aufgaben und Einsätze zu bewältigen hatte. Regelmäßig besuchen mehrere 10.000 Gäste die Veranstaltung. Im Jahr 2007 (25.000 – 30.000) und 2009 (30.000 – 35.000 Besucher) war der AST das größte öffentlichkeitswirksame Vorhaben des Deutschen Heeres. Am 9. Mai 2015 fand in Augustdorf der letzte Soldatentag statt. Nach zweijähriger Pause fand der Augustdorfer Soldatentag am 10. Juni 2017 mit dem zeitgleich stattfindenden Tag der Bundeswehr statt.

Gezeigt werden die Waffensysteme des Standorts in statischen und dynamischen Waffenschauen und Vorführungen der Panzergrenadiere, Panzertruppe, Panzerartillerie, Logistik, Feldjäger, Heeresaufklärungstruppe und des Sanitätswesen über deren Spezialfähigkeiten. Reservistenkameradschaften, Modellbau und Reenactment finden sich bei der Militärgeschichtlichen Sammlung „Lippische Rose“ sowie eine militär-historische Modenschau. Auch das Bundeswehr-Dienstleistungszentrum Augustdorf, der BwFuhrparkService, die Feuerwehr und das Technische Hilfswerk sind vertreten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Standortältester Augustdorf (Hrsg.): Standort Augustdorf. Im Herzen des Lipperlandes. Broschüre. WEKA, Mering 2000. Ohne ISBN.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Institut für Friedenspädagogik Tübingen: Traditionspflege: die falschen Helden der Bundeswehr (Memento vom 3. Juli 2007 im Internet Archive)
  2. Versorgungsbataillon 7. In: www.deutschesheer.de. Abgerufen am 3. Dezember 2016.