Georg Varrentrapp

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Johann Georg Varrentrapp (* 20. März 1809 in Frankfurt am Main; † 16. März 1886 ebenda) war ein deutscher Mediziner. Johann Georg Varrentrapp studierte in Heidelberg, Straßburg, Paris und Würzburg, besuchte dann die berühmtesten Hospitäler seiner Zeit, bereiste Belgien, Holland und England und gab die Resultate seiner Forschungen als Tagebuch einer medizinischen Reise heraus.

Während seines Studiums wurde er 1827 Mitglied der Alten Heidelberger Burschenschaft. 1841 folgte er seinem Vater im Amt als Chefarzt am Hospital zum Heiligen Geist in Frankfurt. Er wurde auch der Direktor der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft, Vorsitzender des Ärztevereins und des Pestalozzivereins, der sich gefährdeter Kinder annahm. Er erwarb sich große Verdienste als einer der ersten Bahnbrecher für die allgemeine Gesundheitslehre (heute: Public Health) in Deutschland. Bezüglich stadthygienischer Fragen auch in der Kommunalpolitik Frankfurts aktiv (Stadtverordneter von 1867 bis 1884) und treibende Kraft bei der vergleichsweise frühen Einführung der zentralen Trinkwasserversorgung und der Kanalisation in Frankfurt. 1848 war er Mitglied des Vorparlaments.[1]

Familiengrab der Varrentrapps in Frankfurt am Main

Beeinflusst durch Edwin Chadwick hat er zu den Fragen der Arbeiterwohnungen, des Schutzes gegen ansteckende Krankheiten, der Impfung, der Wasserversorgung und der geordneten Abwasserbeseitigung der Städte, des öffentlichen Badewesens, der Schlachthäuser, aber auch des Gefängniswesens hygienische Verbesserungen angebahnt. Durch medizinalstatistische Arbeiten, besonders über die Kindersterblichkeit, hat er seine hygienischen Forderungen zu unterfüttern versucht. Im Gegensatz zu Rudolf Virchow sprach er sich gegen eine Schwemmkanalisation und für eine landwirtschaftliche Verwertung der städtischen Abwässer mit Rieselfeldern aus.

Varrentrapp schrieb u. a.: Die Entwässerung der Städte (Berlin 1868) und redigierte seit 1842 (mit Friedrich Noellner und Nikolaus Heinrich Julius) die Jahrbücher der Gefängniskunde und Besserungsanstalten, als Mitherausgeber ab dem zweiten Band 1870 die Deutsche Vierteljahrsschrift für öffentliche Gesundheitspflege (seit dem siebten Band 1875 gemeinsam mit dem Frankfurter Stadtarzt Alexander Spiess). Nachdem er sein Amt niedergelegt hatte, wirkte er noch für die Einrichtung der Ferienkolonien, welche allgemeine Verbreitung gefunden hat.

Sein Sohn Adolf Varrentrapp (1844–1916) war von 1899 bis 1906 Bürgermeister der Stadt Frankfurt am Main.

Die Stadt Frankfurt wählte ihn 1947 als Namenspatron einer Straße im Stadtteil Bockenheim, der bis 1947 genannten Manteuffelstraße nach Edwin von Manteuffel (1809–1885), Generalfeldmarschall und Statthalter von Elsaß-Lothringen, einer Nebenstraße zur Hamburger Allee.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bundesarchiv: Mitglieder des Vorparlaments und des Fünfzigerausschusses (PDF-Datei; 79 kB)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]