Gerhard Rostin

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Gerhard Rostin (* 6. November 1928 in Ostpreußen; † 3. Juni 1991[1] in Berlin) war ein deutscher Herausgeber, Lektor und Kulturredakteur.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 18. und 19. Februar 1960 beschäftigten sich in Leipzig auf einer Veranstaltung der Ost-CDU Kulturredakteure und Kunstkritiker mit den "Prinzipien der kulturpolitischen Arbeit der Unionspresse", an der unter anderen Gerhard Rostin aus Berlin teilnahm, Vorschläge zur Verbesserung der Arbeit der Kulturredaktionen eingebracht wurden.[2] Rostin arbeitete seit Anfang der 1950er Jahre als Redakteur der Kulturabteilung der Tageszeitung Neue Zeit. Bald nach der Leipziger Tagung wechselte Rostin in den Buchverlag der Ost-CDU, dem UNION VERLAG BERLIN, um dort mit dem seit 1. September 1959 tätigen Lektor für Belletristik Johannes Bobrowski gemeinsam zu wirken. Die Bekanntschaft mit dem damaligen Verlagslektor Bobrowski hatte Rostin bereits im Juni 1959 gemacht, als beide eine Schriftstellertagung der Evangelischen Akademie Berlin-Brandenburg (EABB) in der "Friedenskirche" der Stephanus-Stiftung in Berlin-Weißensee zum Thema „Revolution und Tradition in der russischen Lyrik des 20. Jahrhunderts“ besuchten.[3] Über diese Schriftstellertagung von 1959 schrieb Rostin damals[4] einen Zeitungsbericht und erwähnte darin die von Bobrowski vorgetragenen Gedichte im Rahmen Bobrowski der abschließenden Schriftstellerlesung. Rostins Zeitungsbeitrag war "die erste öffentliche Resonanz" des "dichterischen Schaffens" von Bobrowski laut des Würdigungsartikels anlässlich des 60. Geburtstages des Dichters im Jahre 1977 in der Neuen Zeit. Rostin nutzte einige Tagungen der Evangelischen Akademie mit Schriftstellern aus Ost und West für ein persönliches Kennenlernen, insbesondere im Blick auf seine berufliche Arbeit[5] vor dem Bau der Berliner Mauer und auch danach. In seinen journalistischen Berichten von Akademietagungen brachte er eigene Vorschläge, Gedanken und Wünsche unter, zum Beispiel diesen, dass "die Gedichte Bobrowskis bald einmal in einer Buchveröffentlichung gesammelt vorgelegt würden." Auch nach dem Berliner Mauerbau enthielt sich Rostin "einer negativen Beurteilung" von Tagungen der Evangelischen Akademie Berlin-Brandenburg (EABB) mit deutsch-deutschen Schriftstellern, beispielsweise in einem Informationsbericht für die Parteileitung der Ost-CDU[6] über die Schriftstellertagung in der Evangelischen Akademie (EABB) vom 25. bis 27. Januar 1963 zur Thematik „Sprache im technischen Zeitalter“. Er bekam auch in den Folgejahren offizielle Einladungen zu Akademietagungen, unterzeichnet von Elisabeth Adler und Manfred Punge, zum Beispiel für den 1. November 1969 zu einer "Lesung und Gespräch" mit Heinrich Böll im Rahmen der Reihe "Zeitgenossen über die Zeiten", bei der Rostin und seine Ehefrau eine halbe Stunde vor Beginn wegen Überfüllung nicht mehr in die Friedenskirche hineinkamen[7], während er "bei Abenden mit ähnlich prominenten Gästen, wie Walser, Enzensberger oder Prof. von Weizäcker" immer noch Platz fand.[8] 1990 besuchte Rostin den Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V., der als gemeinnütziger und ehrenamtlich tätiger Verein im selben Jahr gegründet wurde.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rostin war verheiratet und wohnte mit seiner Familie zuletzt in der Modersohnstraße in Berlin-Friedrichshain, zuvor in der Lindenallee in Berlin-Weißensee.[9]

Zeitungs- und Zeitschriftenartikel (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • "Die Erde ist doch wahrhaftig schön …". Zum 75. Todestag Eduard Mörikes[10]
  • Ein Dorf verteidigt sein Lebensrecht. Außergewöhnlicher Erfolg des neuen DEFA-Films „Das verurteilte Dorf“[11]
  • Abschiedsbrief an Arthur Koetz[12]
  • Die Zeichen der Geschichte verstehen. Gespräche mit dem Dichter Albrecht Goes in Berlin-Weißensee[13]
  • Dichtung als gesprochenes Wort. Schriftsteller lasen bei einem Abend der Evangelischen Akademie[14]
  • Das Wort meint den Menschen. Schriftsteller aus Ost und West lasen aus ihren Werken[15]
  • Lebenswege in Roman und Lyrik. Autoren des Union-Verlages lasen zur Messe in Leipzig [Leipziger Frühjahrsmesse 1961[16]
  • Tiefe Einsichten in die Wirklichkeit. Johannes Bobrowski sprach über Scholochow[17]
  • Landschaft und Menschen Sarmatiens. Gespräch mit dem Preisträger der Gruppe 47 Johannes Bobrowski[18]
  • Wissenschaftliches Kolloquium über das Werk von Johannes Bobrowski[19]
  • Premieren in einer Premiere – Bobrowski-Abend des Theaters im 3. Stock [der Volksbühne Berlin][20]
  • Um die Zeit näherzubringen. Johannes Bobrowski zum Gedenken an seinen 50. Geburtstag[21]
  • Immer wieder auf die Gegenwart hin wirkend. Eine Tagung mit Fragen und Antworten aus Johannes Bobrowskis Werk [Bericht über eine Tagung der Evangelischen Akademie Berlin-Brandenburg in Eberswalde][22]
  • Mit dem Herzen geschrieben [Über Leben und Werk des Dichters Johannes Bobrowski in einer Ausstellung der Staatsbibliothek Vilnius][23]
  • Der geht uns so leicht nicht fort. – Gedanken zum 60. Geburtstag von Johannes Bobrowski[24]
  • Dichtung und Dokumente. Bobrowski-Ausstellung in der Nationalbibliothek Warschau[25]
  • Wir haben deine Stimme auf der Zunge. Die literarische Nachwirkung Bobrowskis. [Bericht über einen Vortrag des Literaturwissenschaftlers Bernd Leistner][26]

Autor von Lektoratsgutachten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Erhalt der Druckerlaubnis vom Kulturministerium der DDR für die beabsichtigte Buchproduktion eines bestimmten Titels des CDU-Buchverlages „Union Verlag Berlin“ verfasste Rostin das jeweils erforderliche "Lektoratsgutachten". Dieses wurde mit dem Antrag der Verlagsleitung für das betreffende "Einzelobjekt" an die Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel geschickt. So schrieb Lektor Rostin Gutachten im Rahmen der Schriftenreihe Das Christliche Denkmal u. a. für das Heft 122 mit dem Arbeitstitel "Die Französische Friedrichstadtkirche zu Berlin" am 25. August 1983. Die staatliche Druckgenehmigung wurde von der zuständigen Mitarbeiterin des Kulturministeriums am 15. September 1983 erteilt mit dem internen Vermerk: "Selbst gelesen, Druck von Interesse für Geschichte der Hugenotten und Berlins".[27]

Verlagserzeugnisse mit Gutachten von Rostin (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Arbeitstitel für Heft 122 aus der Reihe Das Christliche Denkmal wurde verlagsseitig ersetzt durch Der Französische Dom zu Berlin und dieses durch Rostin begutachtete Heft der Kunsthistorikerin Sibylle Badstübner-Gröger erschien 1984; DNB 850245877.
  • Die Marienkirche zu Berlin von den Herausgebern Ernst Badstübner und Fritz Löffler wurde als Heft 90 in der Reihe "Das Christliche Denkmal", 1972 veröffentlicht und Rostin hatte zuvor das Manuskript ebenfalls begutachtet;DNB 740093029.
  • Rostin erstellte weitere Lektoratsgutachten, darunter ein Gutachten für den Titel Wie lange noch? Apartheid als Herausforderung für Südafrikas Christen und Kirchen; Dokumente 1970 bis 1980, herausgegeben und eingeleitet von Elisabeth Adler; DNB 830097937.

Herausgeber (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Es kommt ein Stern gezogen. Weihnachtsbuch, Union Verlag Berlin, 1961; DNB 451169921
  • Johannes Bobrowski. Selbstzeugnisse und neue Beiträge über sein Werk. [Redaktion: Gerhard Rostin in Zusammenarbeit mit Eberhard Haufe und Bernd Leistner], Union Verlag Berlin, 1975 (Lizenzausgabe Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt 1976); ISBN 978-3-421-01831-1
  • Literarisches Klima, Union Verlag Berlin, 1975; DNB 770310281
  • Ahornallee 26 [sechsundzwanzig] oder Epitaph für Johannes Bobrowski, [Ausgabe für die Bundesrepublik Deutschland, die Schweiz und Österreich], Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1978; ISBN 978-3-421-01741-3
  • zusammen mit Eva Foerster: Ein Garten der Erinnerung. Sieben Kapitel von und über Karl Foerster, [3., überarbeitete und neugestaltete Auflage] BVU Buchverlag Union, Berlin 1992; ISBN 978-3-372-00187-5

Hobby-Fotograf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gelegentlich fotografierte Rostin und veröffentlichte einige Aufnahmen[28], wie die Motive:

Andere Autoren über ihn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elmar Jansen erwähnt in seinen Erinnerungen an Johannes Bobrowski auch das Wirken von "Redakteur Gerhard Rostin, der später ein Stock tiefer in den Buchverlag wechselte"[29], das war im Verlagsgebäude in der Zimmerstraße in (Ost-)Berlin. Nach dem Mauerbau wurde der Eingang Zimmerstraße 79/80 an der Grenze zu Berlin-Kreuzberg über den Hof Charlottenstraße 79/80 in Berlin-Mitte verlegt und das Verlagsgebäude war grundsätzlich nur mit einem "Grenzausweis" für dort Beschäftigte erreichbar. Der einstige Leiter der Kulturredaktion der Neuen Zeit und spätere Direktor des Union Verlages Berlin, Klaus-Peter Gerhardt, charakterisierte in seiner Erinnerung an den Lektor, der "kurz nach seinem krankheitsbedingten Ausscheiden" aus dem Verlag starb, Gerhard Rostin als "einen unerbittlichen, unermüdlichen, erfrischend unbequemen, weil bedachtsam und akribisch arbeitenden Diener des Buches."[30] Überdies würdigte Gerhardt vor allem die seit 1962 stattgefundene Betreuung "fast aller Buchausgaben der Werke" von Johannes Bobrowski durch Rostin. Franz Fühmann bezeichnete Rostin in einem Brief an Wieland Förster einen „guten Lektor“.[31]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Traueranzeige des "Union Verlages" in Neue Zeit, 14. Juni 1991
  2. Neue Zeit, 26. Februar 1960, S. 3
  3. Gerhard Rostin: Gedanken zum 60. Geburtstag von Johannes Bobrowski, in: Neue Zeit, 9. April 1977, S. 4
  4. Neue Zeit, 30. Juni 1959, S. 4, Autorenkürzel: "Ro." für Rostin
  5. "Ro. [Gerhard Rostin]": Das Wort meint den Menschen. Schriftsteller aus Ost und West lasen aus ihren Werken, in: Neue Zeit, 25. Mai 1960, S. 4
  6. Schwarz, Peter Paul: Mitöffentlichkeit. Zur deutsch-deutschen Arbeit der Evangelischen Akademie Berlin-Brandenburg, [Mit Hinweis auf die Archivalie im Archiv für Christlich-Demokratische Politik (ACDP)], Fußnoten 598 u. 599; ISBN 978-3-525-55791-4
  7. Archivalie im Evangelischen Zentralarchiv (EZA), Bestand 190 Nr. 181
  8. Brief Gerhard Rostins vom 2. November 1969 an Elisabeth Adler mit Angabe seiner damaligen Wohnanschrift: Lindenallee 55 in Berlin-Weißensee, EZA 190 / 181
  9. Telefonbuch Berlin, Ausgabe 1991 (Ostteil), S. 581, Spalte 4; Digitalisiert von der "Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB)"
  10. Neue Zeit,4. Juni 1950, S. 3
  11. Neue Zeit, 16. Februar 1952, S. 3
  12. Neue Zeit, 12. Dezember 1953, S. 5
  13. Neue Zeit, 27. November 1959
  14. Neue Zeit, 30. Juni 1959
  15. Neue Zeit, 25. Mai 1960
  16. Neue Zeit, 14. März 1961
  17. Neue Zeit, 17. Juli 1962
  18. Neue Zeit, 2. November 1962
  19. Börsenblatt für den deutschen Buchhandel, Leipzig 1965, Nr. 51/52, S. 995 f.
  20. Neue Zeit, 15. Dezember 1966
  21. Börsenblatt für den deutschen Buchhandel, Leipzig 1967, Nr. 112, S. 232–234
  22. Neue Zeit, 15. Juli 1967
  23. Neue Zeit, 24. November 1974
  24. Neue Zeit, [nur in Ausgabe A erschienen, fr. "Republik-Ausgabe", nicht in Ausgabe B, fr. "Berliner Ausgabe"], 9. April 1977; PDF
  25. Neue Zeit, 4. Oktober 1980
  26. Neue Zeit, 29. März 1982
  27. Anlagen zum Druckgenehmigunganttrag: Lektoratsgutachten von Gerhard Rostin, Manuskriptkopie, 16 Abbildungsvorlagen, vorliegend als Bestand im Bundesarchiv: Ministerium für Kultur, Teil 3: Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel - Druckgenehmigungsvorgänge 1947-1991, hier: 1983; Findbuch zum Bestand DR 1 mit digitalen Reproduktionen für einen "Teil des Bestandes, insbesondere mit dem Schwerpunkt belletristische Literatur."
  28. Neue Zeit, 11. Juni 1961, S. 3
  29. In: Offener Horizont. Jahrbuch der Karl Jaspers-Gesellschaft, 5/2018, herausgegeben von Matthias Bormuth, S. (181-200) 181 Arbeitsplatz von Rostin; S. 186 Eingriff in Rostins Verlagsarbeit nach Buchpräsentation auf der Leipziger Buchmesse 1965 wegen der Veröffentlichung der Bildtafel: Begegnung Bobrowski mit Günter Grass; Google books, Suchwort "Rostin"
  30. Neue Zeit, 18. Juni 1991, S. 14
  31. Brief vom 17.08 1977, abgedruckt in: Nun lesen Sie mal schön!, Hinstorff Verlag, 2017; ISBN 978-3-356-02072-4