Gersau

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Gersau
Wappen von Gersau
Staat: Schweiz
Kanton: Schwyz (SZ)
Bezirk: Gersauw
BFS-Nr.: 1311i1f3f4
Postleitzahl: 6442
Koordinaten: 682615 / 205051Koordinaten: 46° 59′ 29″ N, 8° 31′ 29″ O; CH1903: 682615 / 205051
Höhe: 435 m ü. M.
Fläche: 23,70 km²
Einwohner: 2319 (31. Dezember 2018)[1]
Einwohnerdichte: 98 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
19,4 % (31. Dezember 2015)[2]
Website: www.gersau.ch
Gersau (1953)

Gersau (1953)

Karte
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Über dieses Bild
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Rathaus
Inschrift Rathaus-Brunnen

Gersau ist eine politische Gemeinde im Kanton Schwyz in der Schweiz. Die Gemeinde bildet gleichzeitig einen eigenen Bezirk.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historisches Luftbild von aus 200 m Walter Mittelholzer von 1919

Gersau bildet eine in sich abgeschlossene Landschaft in einer an den sonnigen und windgeschützten Rigisüdhang eingebetteten Mulde. Gersau wird durch die Rigi-Hochfluh sowie den Gersauerstock gegen Norden sowie den Vierwaldstättersee im Süden gegen kühle Winde geschützt. Daher rührt das besonders milde Klima, in dem selbst Edelkastanien gedeihen, weshalb Gersau in der Region auch die Riviera des Vierwaldstättersees genannt wird.

Oberhalb des Dorfes auf 1550 m ü. M. liegt der Gersauer Hausberg Rigi Burggeist. Dieser bietet grossartige Aussicht auf das Alpenpanorama und den Vierwaldstättersee. Eine idyllische Alplandschaft mit Berggasthaus, erreichbar zu Fuss oder mit der Luftseilbahn.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohnerzahl wuchs zwischen 1768 und 1798 sowie 1836 bis 1870 stark an. In der ersten Wachstumsphase war der hohe Geburtenüberschuss der Hauptgrund dafür. Die Ansiedlung von Industriebetrieben (Seidenspinnerei und die Holzbearbeitung) waren Treiber der zweiten Wachstumsphase (1836–1870:+66,8 %). Die Krise dieser wenigen Industriebetriebe ab 1875 sorgte für eine starke Abwanderung in andere Regionen der Schweiz und nach Übersee. Dutzende Gersauer zogen bis 1883 nach Amerika. Danach folgte eine Wachstumsphase der vormals kriselnden Betriebe. Zudem wuchs der Fremdenverkehr trotz der fehlenden Bahnverbindung durch den Bau von Strassen nach Küssnacht und Ingenbohl. Zwischen 1910 und 1930 gingen viele Arbeitsplätze in der Seidenindustrie verloren und es kam zur nächsten Abwanderungswelle. Bis 1990 blieb die Bevölkerungszahl bei kleinen Schwankungen nach oben und unten ungefähr stabil. Seither wächst die Bevölkerung ständig (1990–2018:+29,2 %).

Bevölkerungsentwicklung von Gersau seit 1768 Quelle: Volkszählungen (1850–2000 Eidgenössische), Bundesamt für Statistik (2010)

Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fast die gesamte Einwohnerschaft spricht als tägliche Umgangssprache Deutsch. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 gaben 1753 Personen (90,64 %) Deutsch und 32 Personen (1,65 %) Italienisch als Hauptsprache an.

Das höchstalemannische Schweizerdeutsch ist Umgangssprache fast aller Bewohner. Die Sprache hat einige Besonderheiten gemeinsam mit den Nachbargemeinden in den anderen Rigigemeinden und dem Talkessel von Schwyz.

Religionen – Konfessionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bevölkerung war früher vollumfänglich Mitglied der römisch-katholischen Kirche. Die Konfessionsverhältnisse im Jahr 2000 lassen trotz Durchmischung immer noch die ursprüngliche Struktur erkennen: 1494 Personen waren katholisch (77,25 %). Daneben gab es 6,83 % evangelisch-reformierte und 3,57 % orthodoxe Christen, 3,10 % Muslime, 0,16 % Juden und 4,65 % Konfessionslose. 67 Personen (3,46 %) machten keine Angaben zu ihrem Glaubensbekenntnis.

Herkunft – Nationalität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den 2'319 Bewohnern Ende 2018 waren 1'764 (76,07 %) Schweizer Staatsangehörige. Die Zugewanderten stammen mehrheitlich aus Mitteleuropa (Deutschland 239, Niederlande 30, Ungarn 25, Österreich 15 und Polen 14 Personen), aus Südeuropa (Italien 23, Spanien 19 und Portugal 18 Personen), dem ehemaligen Jugoslawien (Bosnien-Herzegowina 20, Serbien 19, Kosovo 14 und Kroatien 8 Personen), Eritrea (19 Personen) und Syrien (10 Personen). Bei der Volkszählung 2000 waren 1'622 Personen (83,87 %) Schweizer Bürger; davon besassen 76 Personen eine doppelte Staatsbürgerschaft.

Altersstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde zählt einen hohen Anteil an Leuten im mittleren Alter. Während der Anteil der Personen unter zwanzig Jahren 15,91 % der Ortsbevölkerung ausmacht, sind 30,06 % Senioren (60 Jahre und älter). Die grösste Altersgruppe stellen mittlerweile die Personen zwischen 45 und 59 Jahren. Grund dafür ist die Alterung der Generation der Babyboomer (Jahrgänge bis 1965). Auf 100 Leute im arbeitsfähigen Alter (20–64 Jahre; 1437 Personen) entfallen 26 Junge (369 Personen) und 36 Menschen (513 Personen) im Pensionsalter.

Die aktuelle Altersverteilung zeigt folgende Tabelle:

Alter 0–6 Jahre 7–15 Jahre 16–19 Jahre 20–29 Jahre 30–44 Jahre 45–59 Jahre 60–79 Jahre 80 Jahre und mehr Einwohner
Anzahl 131 160 78 247 416 590 572 125 2319
Anteil 5,65 % 6,90 % 3,36 % 10,65 % 17,94 % 25,44 % 24,67 % 5,39 % 100 %
Quelle: Bundesamt für Statistik, Bevölkerung nach Alter Ende 2018

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historisch herrschten in Gersau die Seidenspinnerei und die Holzbearbeitung vor. Aktuell bildet jedoch der Tourismus den Hauptwirtschaftszweig Gersaus, seit 1860 ist Gersau ein bekannter Kur- und Ferienort mit einer ganzen Reihe von Hotels und Gasthöfen.

Zwischen Gersau und Beckenried auf der gegenüberliegenden Seeseite verkehrt die Autofähre Beckenried–Gersau.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ersterwähnung erfolgte im Stifterbuch des Klosters Muri 1064. Seit 1332 war Gersau als selbstständige Einheit Teil der Waldstätten und wurde 1359 im Bündnis der IV Orte namentlich erwähnt. 1390 kaufte es sich von der Vogteigewalt und habsburgischen Verpfändung los. Gersau war seit 1433 durch die Erlangung der Reichsunmittelbarkeit durch Kaiser Sigismund eine knapp 24 km² grosse reichsfreie Republik und Zugewandter Ort der Eidgenossenschaft (siehe Republik Gersau). 1798 wurde Gersau durch Napoleon dem Kanton Waldstätte der Helvetischen Republik zugeteilt. Nach deren Zusammenbruch war Gersau noch für einige Jahre selbständig.

1817 wurde es jedoch durch Beschluss der Tagsatzung gegen seinen Willen als sechster und letzter Bezirk dem Kanton Schwyz angeschlossen (per 1. Januar 1818), was zu der Sonderstellung der Gemeinde Gersau führt, welche zugleich einen eigenen Bezirk bildet. Von 1722 bis 1817 fand in Gersau alljährlich die Feckerchilbi statt, die 1982 anlässlich der Feiern 650 Jahre Republik Gersau erstmals in jüngerer Zeit wieder auflebte. Erst seit 1867 besteht eine Strassenverbindung nach Brunnen, seit 1889 auch nach Vitznau.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Pfarrkirche St. Marcellus[3].
  • Die Kapelle Mariahilf, Kindli.
  • Das Alte Rathaus.
  • Das Gross-Landammannhaus.
  • Das Haus Minerva.
  • Das Majorenhaus.
  • Das Pfarrhaus.
  • Das Pfarrhelferhaus.
  • Villa Flora.

Kulinarisches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spezialitäten aus der Gersauer Küche sind Gersauer Käsekuchen und «Rahmschinken», eine Nachspeise.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Linus Birchler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Schwyz, Band II: Die Bezirke Gersau, Küssnacht und Schwyz. Kunsthistorischer Überblick. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 2). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1930.
  • Albert Müller: Gersau – Unikum in der Schweizer Geschichte. hier + jetzt, Baden 2013, ISBN 978-3-03919-263-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bilder aus Gersau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Bilder von der Feckerchilbi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2019, abgerufen am 22. Dezember 2019.
  2. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 4. Mai 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.sz.ch
  3. Michael Tomaschett: Die Pfarrkirche St. Marcellus in Gersau. (Schweizerische Kunstführer, Nr. 936, Serie 94). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 2013, ISBN 978-3-03797-118-5.