Vitznau

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Vitznau
Wappen von Vitznau
Staat: Schweiz
Kanton: Luzern (LU)
Wahlkreis: Luzern-Land
BFS-Nr.: 1068i1f3f4
Postleitzahl: 6354
Koordinaten: 679461 / 207016Koordinaten: 47° 0′ 34″ N, 8° 29′ 1″ O; CH1903: 679461 / 207016
Höhe: 436 m ü. M.
Fläche: 11,76 km²
Einwohner: 1381 (31. Dezember 2017)[1]
Einwohnerdichte: 117 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
24,5 % (31. Dezember 2015)[2]
Website: www.vitznau.ch
Vitznau mit See

Vitznau mit See

Karte
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Über dieses Bild
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Vitznau ist eine politische Gemeinde im Wahlkreis Luzern-Land des Kantons Luzern in der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vitznau liegt am Ufer des Vierwaldstättersees an einer Ausbuchtung des Weggiserbeckens – und gleichzeitig am Südfuss der Rigi. Wegen dieser geschützten Lage verfügt die Gemeinde über ein aussergewöhnlich mildes Klima, wo sogar Wein und Palmen gedeihen.

Das Dorf selber ist als Folge des Zusammenwachsens verschiedener Weiler mit dem Dorf Vitznau ein langgestrecktes Strassendorf am Ufer des Sees. Die Weiler Reimen, Zihl, Tschuopis und Altdorf sind mittlerweile zu Dorfquartieren geworden. An der westlichen Gemeindegrenze liegt der Ortsteil Wilen, der aus den Weilern Unterwilen am Seeufer und verschiedenen Häusergruppen und Einzelgehöften am Hang darüber besteht und bis auf 774 m ü. M. ansteigt. Zwischen Unterwilen und Vitznau Dorf befindet sich Lauisegg, welches ebenfalls am Ufer des Vierwaldstättersees liegt. Zwischen Reimen und dem südlich davon liegenden Dorf mündet der Dorf- oder Mühlebach, zwischen dem Dorf und dem südlich davon liegenden Quartier Altdorf der Altdorfbach in den Vierwaldstättersee. Überhaupt verfügt die Gemeinde über etliche kurze Bäche, welche unterhalb der Rigi entspringen und sich danach in mehr oder weniger wildem Lauf Richtung See wälzen. Nördlich des Dorfs am Hang liegen die Weiler Husen (546 m ü. M.) und Hasliweid. Per Seilbahn erschlossen ist ein aus Einzelgehöften bestehender Ortsteil namens Hinterbergen (910 m ü. M. bis 1191 m ü. M.). Die Gemeinde zählt noch etliche weitere Häusergruppen und Einzelgehöfte.

Der südlichste Punkt der Gemeinde ist die Obere Nas, welche steil aus dem Vierwaldstättersee emporsteigt. Die Gemeindegrenze führt von dort in nordöstlicher Richtung bis zum Vitznauerstock/Gersauerstock (1452 m ü. M.). Dort dreht sie nach Norden, geht am Felmispass (1181 m ü. M.) vorbei und schlägt kurz vor Rigi-Scheidegg (Kanton Schwyz) eine Nordwestrichtung ein. Sie führt entlang eines Berggrats über den Dossen (1685 m ü. M.; höchster Punkt der Gemeinde), den Kleinen Dossen (1670 m ü. M.), den Würzenstock (1482 m ü. M.) und den Schild (1548 m ü. M.) nach Rigi-First (1453 m ü. M.; einem Ortsteil der Gemeinde Arth im Kanton Schwyz). Anschliessend geht die Gemeindegrenze in südlicher Richtung über 1'000 Höhenmeter hinunter an den Vierwaldstättersee westlich von Unterwilen.

Die Rigihänge wurden in den vergangenen Jahrhunderten teilweise für die landwirtschaftliche Nutzung gerodet, sind aber mehrheitlich von Wald bedeckt. Vom Gemeindeareal von 894 ha (ohne Seeanteil) sind 56,3 % bewaldet. Rund ein Drittel – genauer 32,2 % – sind landwirtschaftliches Nutzgebiet und 7,5 % Siedlungsfläche.

Vitznau grenzt im Westen an Weggis, im Norden an Arth, im Osten an Gersau (beide im Kanton Schwyz) und im Vierwaldstättersee an Ennetbürgen im Kanton Nidwalden.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1798 bis 1837 und von 1850 bis 1930 wuchs die Einwohnerzahl langsam, aber stetig an und verdoppelte sich so in 130 Jahren (1798–1930: +108,1 %). Nach einem Einbruch in den 1930er Jahren folgte ein langsames Wachstum bis 1960, so dass sich die Zahl der Bewohner praktisch nicht veränderte (1930–1960: −1,0 %). In den folgenden zwei Jahrzehnten gab es wegen der Krise des lokalen Fremdenverkehrs eine starke Abwanderung (1960–1980: −13,8 %). Daraufhin folgte bis 2011 ein erhebliches Bevölkerungswachstum (1980–2011: +41,8 %). Gründe hierfür waren die Eröffnung einer internationalen Hotelfachschule, welche viele ausländische Schüler anzog und das angenehme Klima am Südhang der Rigi. Nach einem einmaligen Bevölkerungsrückgang im Jahr 2012 folgte eine starke Bevölkerungszunahme (2012–2017: +14,5 %) und die Zahl der Wohnbevölkerung erreicht Rekordwerte. Dieser Zuwachs ist vorwiegend auf die steigende Zahl von (asiatischen) Touristen zurückzuführen, die für mehr Arbeitsplätzen im Fremdenverkehr sorgten.

Quellen: 1798–1837: Helvetische und kantonale Volkszählungen[3]; Bundesamt für Statistik; 1850 bis 2000 Volkszählungsergebnisse, 2010 ESPOP, seit 2011 STATPOP

Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bevölkerung benutzt als Alltagssprache eine höchstalemannische Mundart, welche sich dadurch stark vom Stadtluzerner Dialekt unterscheidet und mehr der Sprache der benachbarten Schwyzer gleicht. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 gaben 91,72 % Deutsch, 3,08 % Albanisch und 1,15 % Italienisch als Hauptsprache an.

Religionen – Konfessionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Früher waren alle Bewohner Mitglied der Römisch-Katholischen Kirche. Durch Kirchenaustritte und Zuwanderung aus anderen Regionen der Schweiz und dem Ausland hat sich dies geändert. Bei der letzten Volkszählung im Jahre 2000 sah die religiöse Zusammensetzung der Bevölkerung wie folgt aus: Es gibt 74,21 % römisch-katholische- und 12,70 % evangelisch-reformierte Christen. Daneben findet man 6,83 % Konfessionslose und 2,21 % Muslime (albanischer Herkunft).

Herkunft – Nationalität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende 2017 zählte die Gemeinde 1'381 Einwohner. Davon waren 1'029 Schweizer Staatsangehörige und 352 (=25,49 %) Menschen anderer Staatszugehörigkeit. Die grössten Zuwanderergruppen kommen aus Deutschland (125 Menschen), Portugal (91), Österreich (12), Ungarn (10), Frankreich (9), Afghanistan, den Niederlanden und Italien (je 8) sowie Grossbritannien und der Slowakei (je 7 Menschen).[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Möglicherweise wurde die ab 1913 untersuchte Steigelfadbalm schon in der Altsteinzeit bewohnt. In historischer Zeit wird der Ort Vitznau erstmals 998 als Besitz des Klosters Pfäfers erwähnt. 1282 gehörte er den Habsburgern und wurde im Jahr 1380 als Teil von Weggis von der Stadt Luzern gekauft. Da Vitznau bis 1798 keine eigenständige Gemeinde, sondern ein Ortsteil von Weggis war, teilte sie dessen Schicksal und gehörte zur Landvogtei Weggis. Von 1798 bis 1803 war sie eine Ortschaft im Distrikt Luzern und kam dann zum neu geschaffenen Amt Luzern. Das diskutierte Fusionsprojekt von Greppen, Weggis und Vitznau (eventuell unter dem Namen Gemeinde Rigi) wurde 2005 auf unbestimmte Zeit verschoben, da alle drei Gemeinden finanziell gesund sind – und so kein Kostendruck für eine Fusion besteht.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat von Vitznau besteht aus sechs Mitgliedern und ist wie folgt aufgestellt:

  • Noldi Küttel: Gemeindepräsident
  • Irene Keller: Gemeindeamtfrau
  • Hansjörg Illi: Gemeindeschreiber
  • Anita Mehr: Sozialvorsteher
  • Alex Waldis: Bauverwaltung und Wasserversorgung
  • Carmen Blaser: Bildungsvorsteherin

Kantonsratswahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Kantonsratswahlen 2015 des Kantons Luzern betrugen die Wähleranteile in Vitznau: FDP 30,3 %, SVP 24,6 %, CVP 19,6 %, SP 11,4 %, glp 7,2 %, GPS 5,7 %.[5]

Nationalratswahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Schweizer Parlamentswahlen 2015 betrugen die Wähleranteile in Vitznau: SVP 30,7 %, FDP 29,5 %, CVP 13,1 %, SP 10,1 %, glp 8,3 %, GPS 5,5 %, BDP 0,9 %.[6]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2016 gab es 129 Arbeitsstätten mit 616 Beschäftigten in Vitznau. Der Anteil der Beschäftigten in der Landwirtschaft ist in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen. Die Landwirtschaft bietet nur noch 9,42 % der Erwerbstätigen (58 Personen) in 23 Betrieben eine berufliche Existenz. Wenig bedeutend sind auch Industrie und Gewerbe mit 10 Betrieben und 25 Beschäftigten. Der Dienstleistungsbereich zählt 96 Arbeitsstätten und 533 Beschäftigte.

Umwelt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vitznau trägt seit 2016 das Label Energiestadt der Stiftung Energie Schweiz. Der Gemeinderat plant aktiv bei der Erstellung eines Nahwärmeverbunds im Dorfzentrum mitzuwirken. Haushalte wie auch Gewerberäume sollen ab 2021 mit erneuerbarer und mit Seewasser produzierter Energie geheizt und gekühlt werden. Die Gemeinde hat sich hierzu bei der Energie Rigi Süd AG beteiligt. Der Gemeinderat sucht weiter das Gespräch mit der Korporation Vitznau, die im höher gelegenen Dorfteil bereits einen Holzschnitzel-Wärmeverbund betreibt.[7]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DS Schiller bei der Wegfahrt von Vitznau

Da die geplante Bahn von Küssnacht nach Brunnen dem Vierwaldstättersee entlang nie verwirklicht wurde, ist die Gemeinde per Bus und Schiff (beide betrieben von der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV)) ans Netz des Öffentlichen Verkehrs angeschlossen. Die Schiffe fahren saisonal verschieden und verkehren mit vielen Unterwegshalten von Luzern über Gersau, Brunnen, Treib nach Flüelen und retour. Die regelmässig verkehrende Buslinie Küssnacht (Bahnhof)-Weggis-Vitznau-Gersau-Brunnen (Bahnhof) ist insbesondere für die Anwohner beim öffentlichen Personentransport bedeutender. Der Bahnhof Küssnacht SZ liegt an der Bahnlinie Luzern-Arth Goldau, der Bahnhof Brunnen an der Gotthardbahn.

Seit 1871 fährt die Vitznau-Rigi-Bahn auf die Rigi. Vitznau liegt an der Strasse Küssnacht SZ – Vitznau – Brunnen. Der nächstgelegene Autobahnanschluss ist Küssnacht an der A4 in 13 km Entfernung.

Vitznau besitzt zwei Seilbahnstationen. Eine Seilbahn führt auf den Rigi-Südhang zur bäuerlichen Siedlung Hinterbergen[8], eine zweite Seilbahn verbindet Vitznau mit dem Bergrestaurant Wissifluh.[9] Die Wissifluh-Bahn ist auch aus seilbahntechnischer Betrachtung von erwähnenswerter Bedeutung.[10]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Vitznau besuchten (Schuljahr 2017/2018) 16 Kinder die einzige Kindergartenklasse und 55 Primarschüler die drei Klassen in der Dorfschule. Die Sekundarstufe wird seit 1983 für die drei Seegemeinden Greppen, Vitznau und Weggis gemeinsam angeboten. Schulort ist Weggis. Für die höhere Schulbildung wählen die Kinder meist die Kantonsschule in Luzern oder das Gymnasium Immensee.

Lernende mit Schulort Vitznau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schuljahr
(2017/2018)
Kindergarten Primarschule Sekundarstufe,
alle Niveaus
Gesamthaft
Abteilungen 1 3 0 4
Lernende 16 55 0 71

aus der Gemeinde und Nachbargemeinden; Quelle LUSTAT[11]

Lernende mit Wohnort Vitznau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schuljahr
(2017/2018)
Kindergarten Basisstufe Primarschule Sekundarstufe,
Niveau A/B
Sekundarstufe,
Niveau C
Integrierte
Sekundarschule
Gesamthaft
Lernende 16 0 54 19 13 0 102

in der Gemeinde wohnhaft; Quelle LUSTAT[12]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1929 weilte der deutsche Reichskanzler Gustav Stresemann für einen krankheitsbedingten Erholungs-Urlaub in Vitznau. Er starb allerdings trotzdem noch im gleichen Jahr an einem Schlaganfall.[14]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Barbara Hennig, André Meyer: Die Kunstdenkmäler des Kantons Luzern, Band II: Das Amt Luzern. Die Landgemeinden. (Kunstdenkmäler der Schweiz Band 116). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 2009, ISBN 978-3-906131-90-0, S. 480–507.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vitznau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2018, abgerufen am 30. September 2018.
  2. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde (Memento des Originals vom 1. Januar 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bfs.admin.ch (Ständige Wohnbevölkerung)
  3. Quelle:Robert Gubler, Bevölkerungsentwicklung und wirtschaftliche Wandlungen im Kanton Luzern.Schluss Tabelle 1
  4. Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach demographischen Komponenten, institutionellen Gliederungen, Staatsangehörigkeit und Geschlecht (Bundesamt für Statistik, STAT-TAB)
  5. LUSTAT: Gemeindeprofil Vitznau (Memento des Originals vom 8. Mai 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.lustat.ch
  6. Nationalratswahlen 2015: Stärke der Parteien und Wahlbeteiligung nach Gemeinden. In: Ergebnisse Nationalratswahlen 2015. Bundesamt für Statistik, 2016, abgerufen am 2. Juni 2016.
  7. Niels Jost: Vitznau investiert in grüne Energie. Hrsg.: Luzerner Zeitung. CH Media, Luzern 19. Juli 2019.
  8. Seilbahn Vitznau - Hinterbergen
  9. Seilbahn Vitznau-Wissifluh
  10. Schweizer Seilbahninventar LU-VI-1 Vitznau - Wissifluh
  11. Anzahl Klassen und Lernende
  12. LUSTAT, Seite 242
  13. Barbara Hennig: Park Hotel Vitznau. (Schweizerische Kunstführer, Nr. 725, Serie 73). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 2002, ISBN 978-3-85782-725-9.
  14. E. Eyck: Geschichte der Weimarer Republik, 1962