Gert Ledig

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Gert Ledig, bürgerlicher Name Robert Gerhard Ledig, (* 4. November 1921 in Leipzig; † 1. Juni 1999 in Landsberg am Lech) war ein deutscher Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Gert Ledig entstammte einer Kaufmannsfamilie. Seine frühe Kindheit verbrachte er in Wien; ab 1929 lebte er in Leipzig. Nach dem Besuch der Volksschule übte er ab 1936 verschiedene Gelegenheitsarbeiten aus. Anschließend machte er eine Lehre als Elektrotechniker und besuchte daneben eine private Theaterschule mit dem Berufsziel Regisseur. 1939 meldete er sich freiwillig zur Wehrmacht. Er nahm als Pionier am Westfeldzug teil, wurde zum Unteroffizier befördert und war seit 1941 an der Ostfront. Dort kam es wegen Streitigkeiten mit einem Vorgesetzten zur Versetzung in eine Strafkompanie. Ledig galt daraufhin als „politisch unzuverlässig“.[1] Im Sommer 1942 wurde Ledig vor Leningrad schwer verwundet; er erlitt u.a. eine schwere Kieferverletzung. Nach seiner Entlassung aus der Wehrmacht machte er eine Ausbildung zum Schiffbauingenieur. Im letzten Kriegsjahr arbeitete er bei der Marinerüstungsverwaltung.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs trat Ledig der Kommunistischen Partei Deutschlands bei. Er übte verschiedene Tätigkeiten aus, u.a. war er Holzfäller und Gerüstbauer. 1948 scheiterten sowohl der Versuch, die väterliche Firma zu übernehmen als auch die Gründung eines eigenen Werbebüros. Von 1951 bis 1953 war Ledig Dolmetscher bei der US Army, ab 1953 freier Schriftsteller.

Sein erster Roman „Die Stalinorgel“ fand im In- und Ausland eine relativ positive Resonanz. Ledig wurde zu Tagungen der Gruppe 47 eingeladen. Wegen seiner Kriegsverletzung und Skrupeln, ob er sich überhaupt als Schriftsteller verstehen dürfe, lehnte er es jedoch ab, dort selbst aufzutreten. Er sagte, er könne unmöglich neben einer Schriftstellerin wie Ilse Aichinger bestehen, Die Stalinorgel sei nur eine Kampfschrift; 1956 vertrat ihn Günter Eich und las aus Ledigs zweitem Roman „Vergeltung“.

In der DDR stieß Ledigs Roman Stalinorgel auf ein gemischtes, jedoch überwiegend positives Echo. Anna Seghers würdigte ihn auf dem IV. Deutschen Schriftstellerkongress 1956. Er wurde offiziell zur Schillerehrung der Deutschen Jugend 1955 nach Weimar eingeladen und erhielt von Harald Hauser ??? lud ihn zu einem einjährigen Lehrgang an das Literatur-Institut in Leipzig ein, was Ledig ablehnte, da er gerade erst mit dem Schreiben begonnen hatte und diese Tätigkeit nicht unterbrechen wollte.[2] Ledig arbeitete öfter für den DDR Rundfunk, und die positive Aufnahme seiner Arbeit in der DDR veranlasste Ledig, eine Übersiedlung in die DDR zu planen. In der Zeit vom 18. Februar 1958 bis in den August 1958 wurde über ihn eine insgesamt rund 100 Seiten umfassende Akte beim Ministerium für Staatssicherheit (MfS) angelegt. Das MfS sah Ledig, der sich häufiger in der DDR aufhielt, nicht nur als Objekt der Bespitzelung, sondern es gab wohl auch von Ledig eine aktive Zusammenarbeit. Am 3. April 1958 gab es eine offizielle Aussprache zwischen Ledig und einem Angehörigen des MfS, in deren Folge Ledigs Mitgliedschaft in der zu jenem Zeitpunkt in der BRD verbotenen KPD als Hindernis auftauchte. Am 7. Juli 1958 wurde Ledig vom MfS jedoch mitgeteilt, dass es kein Hindernis für die Zusammenarbeit gebe. Als Ledig einen Artikel in der Münchener Zeitschrift Die Kultur veröffentlichte, in der er mit dem Katholizismus sympathisierte, wurde seine Akte jedoch geschlossen und kein weiterer Kontakt zu Ledig von MfS mehr aufgenommen, da er nun als Renegat galt.[3]

Ledigs überaus krasse Darstellungsweise von Kriegsereignissen stieß im restaurativen Klima der Fünfziger Jahre zunehmend auf Ablehnung. Er zog sich ganz aus der Literatur zurück, als sein Manuskript Die Kanonen von Korcula von einigen Verlagen abgelehnt wurde.[4] Ab 1963 betrieb er ein Ingenieurbüro und eine Agentur für technische Nachrichten.

Ledig, der inzwischen zurückgezogen in Utting am Ammersee lebte, wurde erst 1998 wiederentdeckt – kurz vor seinem Tod. W. G. Sebald war unter anderem auf Ledigs Werk „Vergeltung“ als eines der wenigen Beispiele für die literarische Verarbeitung der alliierten Luftangriffe auf Deutschland während des Zweiten Weltkriegs hingewiesen worden. Er veröffentlichte ein Kapitel über die Reaktionen auf seine Zürcher Vorlesungen von 1997 und die dadurch ausgelöste Diskussion im deutschsprachigen Feuilleton in seinem Buch Luftkrieg und Literatur 1999.

Im Herbst 1999 erlebte „Vergeltung“ bei Suhrkamp eine Neuaufnahme und deutlich positivere Resonanz als bei seiner Erstveröffentlichung im Herbst 1956. Im August 1999 wurde dieser Roman im Literarischen Quartett vorgestellt und dadurch wieder bekannt. Am 26. August 2005 sendete Radio Bremen eine Hörspielbearbeitung des Romans unter dem gleichen Titel. Die Bearbeitung unterlag hierbei Daniel Berger und die Regie führte Klaus Prangenberg.

Werke[Bearbeiten]

Übersetzungen unter folgenden Titeln:

  • Les Orgues de Staline, 1956, französisch
    • Stalinin urut, 1956, finnisch
    • Stalinorgeln, 1956, schwedisch
    • Ve dem, som bo paa jorden, 1956, dänisch
    • De naakte heuvel, 1963, Het stalinorgel, 2002, niederländisch
    • The naked Hill , 1956, The Stalin organ, 2004, englisch
    • Os órgãos de Estaline, 2005, portugiesisch
  • Vergeltung. S. Fischer, Frankfurt am Main 1956 – 3. Neuaufl. bei Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2001, 224 S.,ISBN 978-3-518-39741-1.
    • Kindle Edition Amazon "Vergeltung, Gert Ledig", Veröffentlichung 2015.

Übersetzungen unter folgenden Titeln:

    • Odplata, 1958, tschechisch
    • Vergelding, 2000, niederländisch
    • Sous les bombes, 2003, französisch
    • Payback, 2003, englisch
    • Represalia, 2006, spanisch
    • Odmazda, 2008, kroatisch
  • Faustrecht. Desch, München [u.a.] 1957 (übersetzt ins Englische), Neuaufl. bei Piper Verlag, München 2003, ISBN 3-492-23776-2.
    • Kindle Edition Amazon "Faustrecht, Gert Ledig", Veröffentlichung 2015.
  • Das Duell. Hörspiel um den Fall Nitribitt. Aufbau-Verlag, Berlin 1958.
  • Der Staatsanwalt, Fürstenfeldbruck 2/Bayern, Steinklopfer-Verl., (Mit einem Holzschnitt-Zyklus "Gegen den dritten Weltkrieg" v. Hermann Landefeld), 1958.
  • Die Kanonen von Korcula (unveröffentlichtes Romanmanuskript, vermutlich aus den 60er Jahren).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Florian Radvan, Nachwort, in: Gert Ledig, Stalinorgel, Suhrkamp 2003, S. 217.
  2. Florian Radvan, Nachwort, in: Gert Ledig, Stalinorgel, Suhrkamp 2003, S. 213–215.
  3. Florian Radvan, Nachwort, in: Gert Ledig, Stalinorgel, Suhrkamp 2003, S. 220.
  4. Florian Radvan, Nachwort, in: Gert Ledig, Stalinorgel, Suhrkamp 2003, S. 227.

Weblinks[Bearbeiten]