Volker Hage

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Volker Hage (2015)

Volker Hage (* 9. September 1949 in Hamburg) ist ein deutscher Journalist, Literaturkritiker und Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volker Hage studierte in Hamburg und München Germanistik und Soziologie; er promovierte 1983 mit einer Arbeit über Collagen in der deutschen Literatur. Seine Tätigkeit als Journalist begann er 1975 bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, wo er erst im Literaturblatt, später im FAZ-Magazin arbeitete. Von 1986 bis 1992 war Hage leitender Literaturredakteur der Wochenzeitung Die Zeit. Von 1992 bis 2014 arbeitete er als Kulturredakteur beim Spiegel. Er war Begründer des Periodikums Deutsche Literatur bei Reclam sowie Herausgeber diverser Anthologien.

Von 1988 bis 1994 war Hage Mitglied der Jury des Ingeborg-Bachmann-Preises. 2005 und 2006 wurde er in die Jury des Deutschen Buchpreises berufen. Er war Gastprofessor an deutschen und amerikanischen Universitäten und publizierte einen Theorieband zur Literaturkritik (Kritik für Leser, 2009).

Volker Hage schrieb für den Spiegel Titelgeschichten über Friedrich Schiller, Franz Kafka, Thomas Mann, Günter Grass und Marcel Reich-Ranicki, außerdem veröffentlichte er Bücher zur deutschen Gegenwartsliteratur und biographische Werke über Max Frisch, Walter Kempowski, John Updike und Philip Roth. Er hat wesentlich zur Wiederentdeckung des deutschen Schriftstellers Gert Ledig im Zuge der von W. G. Sebald ausgelösten Debatte um die literarische Verarbeitung des Luftkriegs und der Bombardierung deutscher Städte im Zweiten Weltkrieg beigetragen (das gilt insbesondere für Ledigs zweiten Roman Vergeltung). In seinem Buch Zeugen der Zerstörung (2003) hat er auf Sebalds These geantwortet, die deutsche Literatur habe das Thema des Bombenkriegs nicht ausreichend behandelt: „Die Lücke, die nicht nur von Sebald empfunden worden ist, war und ist weniger eine der Produktion als der Rezeption.“[1]

Marcel Reich-Ranicki urteilte über den Stil seines Kritikerkollegen, dass Hages „Buchbesprechungen […] einen großen Vorzug haben: Man weiß immer genau, was er sagen will.“[2] Aus Anlass von Hages 60. Geburtstag schrieb Hubert Spiegel 2009 in der FAZ: „Der Flüchtigkeit des Tagesgeschäfts hält er Kritiken entgegen, deren Analysen neben dem Ästhetischen oft auch das Zeittypische ins Visier nehmen.“[3]

2015 erschien im Luchterhand Literaturverlag sein Romandebüt Die freie Liebe, „eine klassische Dreiecksgeschichte im Gewand einer neuen Weltanschauung“, wie es Rudolf von Bitter vom Bayerischen Fernsehen formulierte.[4] Während Moritz Baßler in der taz kritisierte, dass das Obsessive im Roman „literarisch keine Gestalt“ gewinne,[5] schrieb Julia Encke in der FAS von einer „in zurückgenommenem, gar nicht auftrumpfenden Ton erzählte Chronik einer Intimität, die in eine politische Zeit fällt“,[6] und Helga Arend urteilte auf literaturkritik.de: „Der Kritiker Volker Hage singt nicht nur in seinen journalistischen Texten einen Hochgesang auf die Ästhetik, sondern auch sein erster Roman lässt sich so lesen.“[7] 2018 erschien, ebenfalls bei Luchterhand, Hages zweiter Roman Des Lebens fünfter Akt, eine Romanbiografie über die letzten Lebensjahre des Schriftstellers Arthur Schnitzler. Im österreichischen Kurier schrieb Peter Pisa: „Noch nie war Schnitzler seinen Lesern so nah wie in Des Lebens fünfter Akt.“[8] Im SWR, wo der Roman als „Buch der Woche“ vorgestellt und ein Gespräch mit Hage gesendet wurde, hieß es, es würden sich „gleichsam journalistische und literarische Fähigkeiten des Autors“ verbinden.[9]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sachbücher
Aufsätze
  • Der Dichter unserer Zukunft. (Über die Kafka-Biografie von Reiner Stach) In: Der Spiegel, Nr. 40/2014, S. 117–124.
  • Einer wie alle, keiner wie er. (Nachruf auf Günter Grass.) In: Der Spiegel, Nr. 17/2015, S. 106–118.
Romane

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Volker Hage – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Volker Hage: Zeugen der Zerstörung: Die Literaten und der Luftkrieg. S. Fischer, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-10-028901-3, S. 119.
  2. Marcel Reich-Ranicki: Die Sache mit dem Nobelpreis. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 18. März 2007, S. 29
  3. Hubert Spiegel: Kein Knecht der Aktualität. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. September 2009, S. 36
  4. Im Gespräch: Volker Hage: Die freie Liebe. In: Bayerischer Rundfunk, 29. Juni 2015.
  5. Moritz Baßler: Die Begier zeichnet auf, in: Die Tageszeitung, 11. Juli 2015, S. 14
  6. Julia Encke: „München, 1971“, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 10. Mai 2015, S. 49
  7. Helga Arend: Die freie Liebe altert nicht. In: literaturkritik.de, 17. Juli 2015.
  8. Peter Pisa: "Wer versteht das eigene Kind?" 10. Oktober 2018, abgerufen am 15. Oktober 2018.
  9. SWR2: www.swr.de/swr2/buch-der-woche/bdw-hage. Abgerufen am 28. Oktober 2018.