Gliese 710

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Stern
Gliese 710
Beobachtungsdaten
ÄquinoktiumJ2000.0, Epoche: J2000.0
Sternbild Schlange
Rektaszension 18h 19m 50,84s [1]
Deklination -01° 56′ 19″ [1]
Scheinbare Helligkeit 9,66 mag [1]
Typisierung
Spektralklasse K7 Vk [1]
Astrometrie
Parallaxe 52,52 ± 0,05 mas [1]
Entfernung 62,07 ± 0,06 Lj
19,04 pc
Physikalische Eigenschaften
Masse 0,6 M
Andere Bezeichnungen
und Katalogeinträge
Bonner DurchmusterungBD -01° 3474
Henry-Draper-KatalogHD 168442 [1]
Gliese-Katalog GJ 710 [2]
Hipparcos-KatalogHIP 89825 [3]
SAO-KatalogSAO 142227 [4]
Tycho-KatalogTYC Vorlage:Infobox Stern/Wartung/AngabeTycho-Katalog5102-100-1
2MASS-Katalog2MASS J18195084-0156190[5]
Weitere BezeichnungenU449, Vys/McC 63, NSV 10635
Aladin previewer
Die Entfernungen der sonnennächsten Sterne in einem Zeitraum von 20.000 Jahren in der Vergangenheit bis 80.000 Jahre in die Zukunft. Gliese 710 wird der Sonne näher kommen, allerdings erst in 1,4 Millionen Jahren.

Gliese 710 ist ein Stern im Sternbild Schlange. Er hat eine scheinbare Helligkeit von 9,66 mag und gehört der Spektralklasse K7 Vk an. Seine Masse beträgt ungefähr 60 % der Sonnenmasse und seine Entfernung ca. 62 Lichtjahre (19 Parsec).

Auf die Annäherung des Sterns wies der Astrostatistiker Wilhelm Gliese hin.[2] Seiner Eigenbewegung und Radialgeschwindigkeit nach wird Gliese 710 in etwa 1,3 Millionen Jahren sehr nahe an der Sonne vorbeiziehen; in einer Distanz von lediglich rund zwei Lichtmonaten. Damit ist er in einem Zeitintervall von ±10 Millionen Jahren der Stern, dessen Kombination aus Masse und Nähe unser Sonnensystem am stärksten stören wird. Der derzeit sonnennächste Stern ist Proxima Centauri mit einer Entfernung von 4,2 Lichtjahren (ca. 1,3 pc). Die letzte starke Perturbation unseres Systems war das Dreisternsystem Algol, das vor 7,3 Millionen Jahren in einer Entfernung von 9,8 Lichtjahren vorbeizog. Trotz seiner relativ weiten Entfernung war Algols Störungswirkung aufgrund seiner großen Masse (zusammen 5,8 Sonnenmassen) und seiner langsamen Begegnungsgeschwindigkeit relativ stark.[3]

Berechnung der kommenden Begegnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Künstlerische Visualisierung der Oortschen Wolke und des Kuipergürtels

Der Zeitpunkt und die genaue Entfernung der nächsten Annäherung ist schwer zu prognostizieren, da sie sensibel von der aktuellen Position und Bewegungsgeschwindigkeit des Sterns abhängt, die erst mit den Daten der Raumsonde Gaia in annähernd ausreichender Genauigkeit zur Verfügung stehen (s. u.)

Gliese 710 hat das Potenzial, die angenommene Oortsche Wolke stark genug zu stören, dass ein Regen von Kometen in das innere Sonnensystem gelangen wird. Dabei steigt auch das Risiko der Erde, von einem Kometen getroffen zu werden. Nach dynamischen Modellberechnungen von García-Sánchez et al. von 1999 hätte jedoch der Nettoanstieg der Verkraterung nicht mehr als 5 % betragen. Sie schätzten die größte Annäherung in 1,36 Millionen Jahren mit einer Distanz von 0,337 ± 0,177 Parsec (1,1 Lichtjahren).[3]

Berechnungen von Vadim Bobylev vom Pulkowo-Observatorium Sankt Petersburg im Jahr 2010[4] zufolge hätte Gliese 710 eine Chance von 86 %, die Oortsche Wolke zu durchdringen, unter der Annahme, dass diese die Form und Größe eines Sphäroides um die Sonne mit Halbachsen von 80.000 und 100.000 Astronomischen Einheiten besitzt. Bobylev schätzte die nächste Annäherung auf 0,311 ± 0,167 Parsec (1,01 ± 0,54 Lichtjahren) in ca. 1,45 Millionen Jahren. Er schätzte auch eine Wahrscheinlichkeit von 1:10.000, dass der Stern in die Region mit d < 1.000 AE eindringt, wo er die Objekte des Kuipergürtels signifikant stören würde.

Auf Basis der ersten Vermessungen durch den Satelliten Gaia (DR1) errechneten Filip Berski und Piotr Dybcznski von der Adam-Mickiewicz-Universität Posen eine größtmögliche Annäherung auf nur 77 Lichttage bzw. 13.365 ± 6.250 AE in ca. 1,35 Millionen Jahren.[5][6]

Raúl und Carlos de la Fuente Marcos von der Universität Complutense Madrid berechneten 2018 aus neueren Gaia-Daten (DR2) eine Annäherung von 10.721 ± 2.114 AE oder 62 Lichttage in ca. 1,28 Millionen Jahren.[7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d HD 168442. In: SIMBAD. Centre de Données astronomiques de Strasbourg, abgerufen am 26. August 2018.
  2. Heinz Günther: Auf Kollisionskurs. In: Die Zeit, Nr. 25/1981.
  3. a b Joan García-Sánchez, Robert A. Preston, Dayton L. Jones, Paul R. Weissman, Jean-François Lestrade, David W. Latham, Robert P. Stefanik: Stellar Encounters with the Oort Cloud Based on Hipparcos Data. In: The Astronomical Journal. 117, Nr. 2, Februar 1999, S. 1042–1055. bibcode:1999AJ....117.1042G. doi:10.1086/300723.
  4. Vadim V. Bobylev: Searching for Stars Closely Encountering with the Solar System. In: Astronomy Letters. 36, Nr. 3, 13. März 2010, S. 220–226. arxiv:1003.2160. bibcode:2010AstL...36..220B. doi:10.1134/S1063773710030060.
  5. David Rennert: Gliese 710: Ein Stern, der mit Kometen um sich wirft. In: derStandard.at. 28. Dezember 2016, abgerufen am 29. Dezember 2016.
  6. Filip Berski, Piotr Dybcznski: Gliese 710 will pass the Sun even closer. Close approach parameters recalculated based on the first Gaia data release. In: Astronomy and Astrophysics. 595, Nr. L10, 15. November 2016. bibcode:2016A&A...595L..10B. doi:10.1051/0004-6361/201629835.
  7. Raúl de la Fuente Marcos, Carlos de la Fuente Marcos: An Independent Confirmation of the Future Flyby of Gliese 710 to the Solar System Using Gaia DR2. In: Research Notes of the AAS. 2, Nr. 2/30, 10. Mai 2018. arxiv:1805.02644. bibcode:2018RNAAS...2b..30D. doi:10.3847/2515-5172/aac2d0.