Goutte d’Or

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Die Rue de Chartres im Goutte d’Or, im Hintergrund die Sacré-Coeur.

Das Quartier de la Goutte-d’Or, kurz Goutte d’Or (französisch "goldener Tropfen") ist ein Stadtviertel im Norden der französischen Hauptstadt Paris im 18. Arrondissement. Es zählt etwa 29.000 Einwohner auf einer Fläche von 1,09 Quadratkilometern. Es gilt als typisches Arbeiter- und Einwandererviertel.

Abgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Süden grenzt der Boulevard de la Chapelle das Viertel zum 10. Arrondissement von Paris hin ab, während die Pariser Stadtgrenze (Boulevard Périphérique) mit Saint-Ouen den nördlichen Abschluss bildet. Im Westen grenzt es entlang der rue des Poissonniers und des Boulevard Barbès an das Quartier de Clignancourt, im Osten entlang der rue de la Chapelle und der rue Marx-Dormoy an das Quartier de la Chapelle im gleichen Arrondissement.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich bestand hier, nördlich der Mauern der Hauptstadt, ein Weiler, dessen Name (wörtlich: „goldenes Schlückchen“ oder „goldener Tropfen“) sich von der Farbe des Weißweins ableitet, den seine Bewohner produzierten. Seit 1814 gehörte dieser zur Gemeinde La Chapelle Saint-Denis und wurde mit dieser 1860 im Rahmen der Stadterweiterung unter Napoleon III. nach Paris eingemeindet. Während der folgenden Jahre wurde das Gebiet zwischen dem Vergnügungsviertel des Montmartre einerseits und den Fabriken und Bahnanlagen entlang der Bahnstrecke Paris-Lille zunehmend industrialisiert und entwickelte sich zu einem Arbeiterviertel. Die oft elenden Lebensbedingungen wie den Alkoholismus seiner Bewohner schilderte Émile Zola in seinem 1876 erschienenen Roman Der Totschläger (L’assommoir). Aufsehen erregte in den Jahren um 1900 auch der Fall der Serienmörderin Jeanne Weber, die als „Menschenfresserin aus der Goutte d′Or“ (L’Ogresse de la Goutte d’Or) bekannt wurde. Der Chansonnier Aristide Bruant besang in seinem Chanson À la goutt’ d’Or den Charme dieses Viertels der einfachen Leute. Die günstigen Mieten des Viertels führten nach dem Zweiten Weltkrieg zum verstärkten Zuzug von Einwanderern.

Bevölkerungsstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ausländeranteil liegt zurzeit bei etwa 30 %, der Einwandereranteil bei über 50 %, vor allem Einwanderer aus dem Maghreb und Schwarzafrika sind stark vertreten. Die Gegend um den boulevard Barbès und die rue de la Goutte d’Or im Südwesten des Viertels, die im allgemeinen Sprachgebrauch mit der Goutte d’Or gleichgesetzt wird, ist wegen der vielen afrikanischen Einwanderer und ihrer speziellen Subkultur als quartier africain, petite Afrique oder petit Sénégal bekannt. Gleichzeitig ist sie wegen verschiedener sozialer Probleme als zone urbaine sensible ausgewiesen. Der Platz vor der Metro-Station Château Rouge ist für seinen exotisch anmutenden afrikanischen Markt bekannt.

Das Viertel war in den letzten Jahren immer wieder Brennpunkt der Debatten um die französische Einwanderungspolitik: 1991 forderte der damalige Pariser Bürgermeister und spätere Staatspräsident Jacques Chirac nach einem Besuch in der Goutte d’Or im Namen der konservativen Opposition eine Revision der französischen Einwanderungspolitik, die vor allem wegen des auf Einwanderer gemünzten und als rassistisch kritisierten Ausdrucks Le bruit et l’odeur ("der Lärm und der Geruch") bekannt wurde.

Im Sommer 2010 erregten muslimische Bewohner landesweites Aufsehen, die mangels Gebetsräumen auf der rue Myrha auf offener Straße beteten, die deshalb während des Freitagsgebets für den Verkehr gesperrt wurde. Konservative Politiker sahen hierin eine Verletzung des Laizismus, die Rechtspopulistin Marine Le Pen verglich diesen Zustand mit der deutschen Besatzung während des Zweiten Weltkrieges. Der sozialistische Bezirksbürgermeister Daniel Vaillant verteidigte das Verhalten der Gläubigen und setzte den Bau einer Moschee in Gang.

Das Viertel, das zu den ärmsten von Paris gehört und zu den letzten, die den Charakter eines Arbeiterviertels (quartier populaire) bewahrt haben, ist in den letzten Jahren Ziel intensiver Bemühungen zur Aufwertung und Gentrifizierung. Dazu zählen etwa Bemühungen des Bezirksbürgermeisters Daniel Vaillant, die Zahl der "ethnischen Geschäfte", die etwa afrikanische Produkte anbieten, zu begrenzen.
In diesem Zusammenhang profitiert das Quartier seit Herbst 2012 als zone de sécurité prioritaire (ZSP) von einer verstärkten Präsenz der Behörden.[1]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sänger und Liedermacher Alain Bashung (1947–2009) lebte in der Goutte d’Or. Der Schauspieler Fabrice Luchini (* 1951) und der Fußballspieler Mamadou Sakho (* 1990) sind hier geboren und aufgewachsen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Interview mit Myriam El Khomri (Verantwortliche für Prävention und Sicherheit). Webseite der Stadtverwaltung Paris. Artikel auf französisch. Abgerufen am 6. Januar 2013.

Koordinaten: 48° 53′ N, 2° 21′ O