Großes Moor (Gifhorn)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Großes Moor (Gifhorn)
Torfabbaufläche

Torfabbaufläche

Lage Nordöstlich von Gifhorn, im niedersächsischen Landkreis Gifhorn
Fläche 2.720 ha
Kennung NSG BR 051
WDPA-ID 555537429
Geographische Lage 52° 34′ N, 10° 39′ OKoordinaten: 52° 33′ 46″ N, 10° 38′ 38″ O
Großes Moor (Gifhorn) (Niedersachsen)
Großes Moor (Gifhorn)
Meereshöhe von 52 m bis 72 m
Einrichtungsdatum 18.12.1984
Verwaltung NLWKN
f6

Das Große Moor bei Gifhorn ist Teil des nordwestdeutschen Hochmoorbezirks, der sich auf den eiszeitlich geprägten Geestgebieten von den Niederlanden bis zur östlichen Grenze Niedersachsens erstreckt. Das Moor umfasste ursprünglich eine Fläche von ca. 5.800 ha mit nahezu 5.000 Hektar Hochmoor und einen kleineren Anteil an Niedermoor. Die Torfschicht erreicht stellenweise eine Mächtigkeit von fast 6 Metern.[1] Einzelne Teilbereiche tragen eigene Namen, wie etwa Stüder-Moor, Hestenmoor oder Weißes Moor.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Moor liegt nördlich der Stadt Gifhorn. Im Osten wird es vom Elbe-Seiten-Kanal begrenzt. Im Süden liegt der Ort Triangel, im Westen reicht das Moor bis Wesendorf. Im Norden befindet sich der Ort Schönewörde. Der ursprünglich als Moorkolonie gegründete Ort Neudorf-Platendorf, dessen Dorfstraße mit rund sechs Kilometern Länge die längste gerade Ortsdurchfahrt Niedersachsens ist, reicht von Süden in das Moor hinein.

Karte des Großen Moors von 1780

Das Große Moor füllt die Talmulde der Ise auf einer Länge von 15 km und einer Breite zwischen 2 und 6 km. Etwa 49 km² der ursprünglich 58 km² des Moores sind heute noch erhalten. Sie befinden sich durch Torfabbau und Kultivierung in unterschiedlich stark degeneriertem Zustand.

Urbarmachung und Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wurden nur die Randbereiche des Moores als Viehweiden und zum Torfabbau im bäuerlichen Handstich genutzt. Bis etwa 1870 war der mittlere und der nördliche Teil nahezu unberührt. Die Urbarmachung setzte ab 1795 im Süden mit den beiden auf dem Reißbrett entworfenen Moorkolonien Neu Dorf und Platendorf ein. Sie wurden jeweils als ein kilometerlanger, parallel laufender Straßendamm aus Richtung Gifhorn nach Nordosten in das Moor hineingebaut. Damit begann das Ausheben von Entwässerungskanälen und die industrielle Abtorfung, die nach 1945 ihren Höhepunkt erreichte. In den 1960er Jahren bestanden etwa 14 Torfwerke, die jährlich rund 60.000 Tonnen Brenntorf und 150.000 Tonnen Düngetorf förderten. In Westerbeck (Gemeinde Sassenburg) befindet sich noch heute ein Torfwerk, das industriell Torfabbau betreibt.[2]

Flora und Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1984 wurde ein Teilgebiet in der Größe von 2.720 ha unter Naturschutz gestellt. Es ist eines der größten Naturschutzgebiete in Niedersachsen. Hiervon ist eine Fläche von 2.630 ha zum Schutz der Großen Moosjungfer als FFH-Gebiet ausgewiesen, 2.617 ha wurden EU-Vogelschutzgebiet. Durch Wiedervernässung soll ein Rückzugsgebiet für Pflanzen und Tiere geschaffen werden, die an Feuchtgebiete gebunden sind. Außerdem soll die Regeneration des Hochmoores gefördert werden. Es haben sich dort Pfeifengrasbestände, Moorheiden und Wollgrasbestände ausgebildet. Im Großen Moor gab es einst eine der größten Populationen des Birkhuhns in Deutschland. 1963 wurden noch 850 Birkhühner, gezählt, 1982 nur noch 20 Exemplare und inzwischen gilt das Birkhuhn in diesem Gebiet als ausgestorben. Im Großen Moor wurden bisher rund 150 Tier- und 40 Gefäßpflanzenarten festgestellt, die in Niedersachsen als gefährdet gelten, davon sind elf sogar vom Aussterben bedroht. Hier leben z. B. Kreuzotter, Kranich, Ziegenmelker, Heidelerche, Bekassine, Raubwürger und Schwarzkehlchen.[3] Im Sommer 2003 begann in Regie des NABU Kreisverbandes Gifhorn ein Großsäuger-Beweidungsprojekt. Auf einer Fläche von zunächst 30 ha wurden rückgezüchtete Auerochsen und Konikponys angesiedelt.[4] Die vorhandenen Grünlandbestände werden teilweise auch durch Moorschnucken beweidet und durch Mahd extensiv genutzt.

Lehrpfad[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Westerbeck, einem Ortsteil der Gemeinde Sassenburg, beginnen zwei Lehrpfade, die außerhalb des Naturschutzgebietes im südlichen Teil des Großen Moores verlaufen. Es handelt sich um einen 12 km langen Fahrradweg und um einen 5 km langen Fußwanderweg. Es besteht daneben noch die Möglichkeit, das Gebiet per Moorbahn zu erkunden.[5]

Waldbrandkatastrophe 1975[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein außer Kontrolle geratener Flächenbrand nahe der Ortschaft Stüde am 8. August 1975 war Teil des Brandes in der Lüneburger Heide. Der Flurbrand breitete sich von Stüde schnell weiter aus und übersprang den Elbe-Seitenkanal, so dass das Große Moor in Brand geriet. Bereits am ersten Brandtag wurde ein Feuerwehrfahrzeug bei Neudorf-Platendorf von einer Feuerwalze überrollt. Zwei Feuerwehrmänner erlitten schwere Brandverletzungen. Gleichzeitig brachen in der Lüneburger Heide noch weitere Brände aus, die zu einer Brandkatastrophe führten und bundesweit in den Nachrichten präsent waren. Erst nach 9 Tagen am 17. August 1975 waren die Feuer in den Wäldern gelöscht. Der Moorbrand im Großen Moor schwelte im Untergrund noch wochenlang weiter.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard Höhn: Europäische Arbeitstagung: Birkwildschutz heute. Perspektiven für den nachhaltigen Schutz des Birkwilds in mitteleuropäischen Lebensräumen, Wild u. Hund, Nr. 13, 42–46, Nassau.
  • Detlev Herbold: Von der Vision über die Idee zum Projekt, Nds. Jäger 11, 46–47, Hannover.
  • Niedersächsisches Landesamt für Ökologie -Abteilung Naturschutz-: Schutz, Pflege und Entwicklung des Grünlandes in Niedersachsen. Effizienz der Maßnahmen des Naturschutzes, [Vervielf. maschr. Ms.], 177 S., 17 Abb., 29 Tab., [Hildesheim].
  • Mathias Fischer: Zur Heuschreckenfauna (Insecta: Saltatoria) im Großen Moor bei Gifhorn (SO-Niedersachsen), Braunschw. Naturkundl. Schrr. 6, H. 2, 281–291, 2 Abb., 1 Tab., Braunschweig.
  • J. Koch; H. Wehner: Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) in Torfen: Mikroskopische, brennstoffchemische und chromatographische Untersuchungen an einem Torfprofil aus dem Großen Moor, Gifhorn, TK 3429 Wesendorf./ [Vervielf. maschr. Ms., o. S.], BGR, Hannover.
  • Johannes Melter; Matthias Schreiber: Wichtige Brut- und Rastvogelgebiete in Niedersachsen. Eine kommentierte Gebiets- und Artenliste als Grundlage für die Umsetzung der Europäischen Vogelschutzrichtlinie, Vogelkdl. Berr. Nieders., Bd. 32, Sonderh., 320 S., 9 Abb., 6 Tab., Goslar.
  • Werner Oldekop; Friedmund Melchert; Bernd Hermenau: 50 Jahre Limikolenbeobachtung in der Umgebung Braunschweigs, Milvus Braunschweig 19, 1–35, 38 Abb., Braunschweig.
  • Bernd Hermenau; Peter Velten: Bestandsschätzung ausgewählter Brutvogelarten im NSG "Großes Moor" bei Gifhorn in den Jahren 1994 bis 2001, Milvus Braunschweig 20, 7–17, 5 Abb., Braunschweig.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. NABU Gifhorn: Das Große Moor (Memento des Originals vom 29. Mai 2010 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/niedersachsen.nabu.de
  2. Die Torfbahn in Westerbeck (Memento des Originals vom 15. August 2009 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/home.arcor.de
  3. NABU über Pflegemaßnahmen
  4. Beweidungsprojekt des NABU Gifhorn (Memento des Originals vom 31. Januar 2010 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.nabu-gifhorn.de
  5. Kartenübersichten der Lehrpfade

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]