Großkatzen und ihre Raubtiere

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Seriendaten
Deutscher TitelGroßkatzen und ihre Raubtiere
OriginaltitelTiger King: Murder, Mayhem and Madness
ProduktionslandVereinigte Staaten
OriginalspracheEnglisch
Jahr2020
Produktions-
unternehmen
Netflix
Länge41 Minuten
Episoden8 (Liste)
GenreDokumentarserie, True Crime
RegieRebecca Chaiklin,
Eric Goode
ProduktionChris Smith,
Fisher Stevens,
Eric Goode,
Rebecca Chaiklin
MusikJohn Enroth,
Albert Fox,
Mark Mothersbaugh,
J.D. Thompson
KameraDamien Drake
SchnittDoug Abel,
Pedro Alvarez Gales,
Nicholas Biagetti,
Dylan Hansen-Fliedner,
Camilla Hayman,
Daniel Koehler,
Geoffrey Richman
Erstveröffentlichung20. März 2020 auf Netflix
Deutschsprachige
Erstveröffentlichung
20. März 2020 auf Netflix
Besetzung

Hauptdarsteller:

Nebendarsteller:

Großkatzen und ihre Raubtiere (Originaltitel: Tiger King: Murder, Mayhem and Madness) ist eine am 20. März 2020 über Netflix weltweit veröffentlichte Dokumentarserie. Die von Rebecca Chaiklin und Eric Goode gedrehte Dokumentation handelt von dem selbsternannten „Tiger King“ Joe Exotic (eigentlich Joseph Allen Maldonado-Passage), der in den Vereinigten Staaten einen Privatzoo mit Großkatzen betrieb.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joe Exotic

Innerhalb von sieben Folgen wird das exzentrische Leben von Joe Exotic von der Gründung des Zoos bis zu seiner Inhaftierung und Verurteilung zu 22 Jahren Haft wegen der Erteilung eines Auftragsmords und Verstößen gegen die Endangered Species Act of 1973 sowie die Lacey Act of 1900 dargestellt.

Joe Exotic gründete den Greater Wynnewood Exotic Animal Park 1999. Die Dokumentation wurde ab 2015 gedreht und zeigt die Geschichte anhand von Archivmaterial und Interviews. Dabei widmet sich der Film insbesondere dem Konflikt mit Carole Baskin, der Vorsitzenden der Non-Profit-Organisation Big Cat Rescue, die dem Protagonisten Tierquälerei unterstellte und ihre Anhänger gegen ihn mobil machte. Im Gegenzug bedrohte Joe Exotic sie mehrfach über seinen YouTube-Kanal Joe Exotic T.V. Unter anderem unterstellt er ihr, für den Tod ihres zweiten Ehemanns, des Multimillionärs Don Lewis, verantwortlich zu sein.

Jede Episode widmet sich einem eigenen Thema und springt daher gelegentlich in der Chronologie. In der letzten Folge wird das Gerichtsverfahren dokumentiert, das zu seiner Verurteilung führte. Jeff Lowe hatte zu jener Zeit bereits den Zoo von Joe übernommen, der nach einem Gerichtsstreit mit Carole Baskin zeitweilig völlig mittellos war. Joe soll Allen Glover, einem Angestellten von Lowe, Geld geboten haben, um Carole Baskin zu töten. Dieser habe jedoch Angst bekommen. Einer von Joes weiteren Partnern, der Geschäftsmann James Garretson, sagte umfangreich beim FBI aus und sorgte so aktiv für Joes Verhaftung. Die Serie endete damit, dass Joe Exotic sich im Gefängnis mit Aktivisten von PETA traf, um gegen seine Kollegen auszusagen.

Neben den beiden Hauptprotagonisten sowie Joe Exotics Geschäftspartnern kommen auch Joe Exotics Exmann John Finlay, sein derzeitiger Ehemann Dillon Passage und Carole Baskins Ehemann Howard Baskin zu Wort. Weitere Interviews wurden mit Joes Angestellten sowie Kollegen wie Bhagavan Antle und dem Filmemacher Rick Kirkham, der für Joe Exotic T.V. arbeitete und eine eigene Reality Show drehen wollte, geführt.

Die Serie wurde in den ersten vier Wochen bei Netflix von 64 Millionen Nutzerkonten aus angeschaut.[1] Da die Serie sehr erfolgreich war, veröffentlichte Netflix eine Bonusepisode am 12. April, in der Schauspieler und Komiker Joel McHale diverse Akteure per Videotelefonat interviewt.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dokumentarserie wurde über die Dauer von fünf Jahren gedreht. In dieser Zeit kam es auch zum Brand im Zoo, bei dem viel Archivmaterial, das für die Doku genutzt werden sollte, vernichtet wurde.[2] Ursprünglich sollte vor allem das Tierleid und der Tierschmuggel dokumentiert werden, doch im Laufe des Drehs bemerkten die beiden Filmemacher Rebecca Chaiklin und Eric Goode, dass die Menschen hinter den Kulissen ebenfalls sehr interessant sind und konzipierten ihre Serie um.[3][4]

Episodenliste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nr. Deutscher Titel Original­titel
1 Kein Normalo Not Your Average Joe
Die erste Folge gibt einen Überblick über Joe Exotics vielschichtige, extrovertierte Persönlichkeit. Des Weiteren werden Themen aus den späteren Folgen angedeutet, wie seine Versuche als Country-Sänger, eine Gouverneurswahl sowie die grundlegenden Konflikte mit Carole Baskin. Außerdem werden die Anfänge des Zoos beschrieben sowie die ersten Auftritte als eine Art Wanderzirkus.
2 Kultpersönlichkeit Cult of Personality
In dieser Folge wird erneut auf die Gründung des Zoos eingegangen. Ein Schwerpunkt liegt neben der immer exzentrischer werdenden Persönlichkeit von Joe auch auf den Arbeitsbedingungen im Zoo. Dabei wird vor allem Bezug auf Mitarbeiterin Kelci Saffery genommen, die bei der Arbeit einen Arm verlor, aber bereits sieben Tage später wieder arbeiten ging. Schwerpunkt dieser Folge sind auch die Beziehungen von Joe und seinen zwei Ehemännern und Bhagavan Antle mit seinen mindestens drei Freundinnen.
3 Das Geheimnis The Secret
In dieser Folge wird vor allem Carole Baskins Rolle thematisiert. Dabei wird Bezug genommen auf ein von Joe Exotic und anderen kolportiertes Gerücht, dass sie etwas mit dem Verschwinden ihres zweiten Mannes, des Millionärs Don Lewis, zu tun gehabt habe. Auch dessen Familie glaubt an eine (Teil-)Schuld von Baskin. Die Ermittlungen führten jedoch bislang zu keinem Ergebnis.
4 Spiel mit dem Feuer Playing with Fire
Joe versucht sich als TV-Star mit eigenem TV-Team, das die Ereignisse im Zoo mit der Kamera begleitet. Gleichzeitig wird Musik von ihm veröffentlicht. Seine Angriffe auf Carole werden immer härter. Doch plötzlich brennt das Krokodilhaus ab, es handelt sich ganz offensichtlich um Brandstiftung. Ein Täter wurde nie ermittelt.
5 Make America Exotic Again Make America Exotic Again
Mit Jeff Lowe findet Joe Exotic einen neuen Investor, der seine Schulden bei Carole wegen eines verlorenen Markenrechtsstreit abfedern kann. Doch während Joe Exotic scheinbar immer weiter durchdreht und zunächst bei der Präsidentschaftswahl als unabhängiger Kandidat antritt und anschließend bei der Gouverneurswahl 2018 in Oklahoma, reißt Lowe den Zoo weitestgehend an sich. Zudem erschießt sich Joes zweiter Ehemann Travis versehentlich selbst, was Joe in ein tiefes seelisches Loch stürzen lässt.
6 Eine noble Geste The Noble Thing to Do
James Garretson schwärzt Joe beim FBI an. Die Ermittlungen gegen Joe laufen auf Hochtouren, das bekommt auch Jeff zu spüren, der nach einer Verhaftung in Las Vegas lediglich auf Bewährung entlassen wurde und sich nun nichts mehr zu schulden kommen lassen darf. Gegen Joe wird wegen Auftragsmords ermittelt. Er soll einen Killer auf Carole angesetzt haben. Dabei handelt es sich um Allen Glover, der jedoch einen Rückzieher macht. James Garretson biedert sich beim FBI als V-Mann an und schleust einen FBI-Agenten ein. Als es zwischen Jeff und Joe zu einem Streit kommt, verlässt Joe überstürzt mit seinem dritten Ehemann und einigen Wildtieren den Zoo und versteckt sich an einem geheimen Ort. Doch das FBI verhaftet ihn.
7 Entthront Dethroned
Die letzte Folge beschreibt das Gerichtsverfahren und die Zweifel der Medien an Joes Alleinschuld. Mehrere ehemalige Freunde und Angestellte sagen gegen ihn aus und schlussendlich wird er zu 22 Jahren Haft verurteilt. Währenddessen scheitern Jeffs Umzugspläne, der sich von Joe Exotics schlechter Publicity befreien wollte, indem er einen Neustart anstrebte. Am Ende sagt Joe aus Rache bei PETA gegen seine ehemaligen Freunde und Geschäftspartner aus.
8 Der Tigerkönig und ich The Tiger King and I
Joel McHale spricht mit Beteiligten über die Serie.
Die ersten 7 Episoden wurden am 20. März 2020 weltweit auf Netflix veröffentlicht, die achte am 12. April.

Reaktion der Beteiligten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carole Baskin sprach davon, dass ihr die Filmemacher eine Art Blackfish versprochen hätten[5] und zeigte sich negativ überrascht von der Ausrichtung der Dokumentarserie, insbesondere da in Folge 3 das Verschwinden ihres Ehemanns relativ unkommentiert lediglich von ihren Feinden erzählt worden sei und so der Eindruck erweckt worden sei, dass sie ihren Ehemann tatsächlich ermordet habe. Sie erhielt auch einige Drohungen und schilderte in einem langen Post auf ihrer Website ihre Sicht. Zudem störten sie weitere Ungenauigkeiten ihren Wildparks und die Glorifizierung von Joe Exotic betreffend.[6]

Auch Bhagavan „Doc“ Antle kritisierte die Darstellung seiner Person in der Dokumentation. So habe er eigentlich seine Bemühungen für eine Ranger-Station in Sumatra der Öffentlichkeit zeigen wollen, stattdessen sei der Fokus der beiden Regisseure nur auf sein Privatleben gelegt worden.[7] Seine Äußerungen seien zudem aus dem Zusammenhang gerissen worden. Barbara Fisher, eine ehemalige Angestellte von Antle, die ebenfalls in der Doku auftritt, äußerte hingegen, die Darstellung von Antle sei realitätsnah.[8] Sie sei froh, dass die Welt das nun sehen und etwas für eine bessere Behandlung der Tiere getan werden könne, auch wenn sie selbst Antle seinerzeit im Guten verlassen habe.[8]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Serie wurde zum Internetphänomen. Dabei spielt auch die große Anzahl absurder Szenen eine Rolle, die für das Publikum im deutschsprachigen Raum, die rechtlich eine Raubkatze gar nicht besitzen dürften, an vielen Stellen unglaubwürdig erscheinen.[2][9][10]

Mandoline Rutkowski von Die Welt urteilte: „Die Serie hat Suchtfaktor, hinterfragt das Gezeigte jedoch nicht. Auch die fragwürdige Haltung der Tiere in den Zoos tritt immer mehr in den Hintergrund, wenn sich die menschlichen Abgründe der Auseinandersetzung zwischen Schreibvogel und Baskin offenbaren.“[2] Andrea Diener von der FAZ war auf Grund der Umkonzeption der Serie zunächst etwas enttäuscht. „Wenn man aber weiß, dass man keine Tierdoku schaut, sondern eher eine kulturanthropologische Annäherung an ein sehr seltsames Milieu, dann ist das sehr großes Fernsehen. Und dass es für Tigerbabys nicht artgerecht zugeht, wenn sie in Rollkoffern durch Hotels in Las Vegas gezerrt werden, um dort gegen Bezahlung mit allerlei Promivolk zu kuscheln – ja, Himmel, auch das gibt es, man weiß wirklich nicht, wo man anfangen und wo man aufhören soll – das kann sich der mündige Zuschauer dann auch allein erschließen.“[3]

Anja Rützel vom Spiegel rezensierte die Doku-Serie ebenfalls positiv: „Großkatzen und ihre Raubtiere entwickelt sich rasch zu einer dunkelsoziologischen Lektion über Besessenheit und Manipulationslust, über fünf Jahre hinweg recherchiert und gedreht, erzählt in fast lakonischem Ton, als hätten die beiden Regisseure Eric Goode und Rebecca Chaiklin irgendwann akzeptiert, dass die Geschichte, die sie erzählen, einfach immer noch wahnsinniger werden muss.“[10]

Kritisch äußert sich dagegen Dorian Hannig auf Makroskop über die Macher der Serie. So sei es ihnen zwar gelungen, „das eindrucksvolle Zustandsbild einer sozialen Dynamik einzufangen, in der bald Keinem und Niemandem mehr zu trauen ist“, da alle Figuren „auf ihre kuriose und exzentrische Art und Weise das Dogma opportunistischer Kalküle tief und fest verinnerlicht haben.“ Durch die aus Hannigs Sicht suggestive Vorverurteilung Carol Baskins würden sich die Medienschaffenden dann aber am Ende selbst „an den gleichen opportunistischen Kalkülen orientieren, die sie an ihren portraitierten Persönlichkeiten dokumentieren.“[11]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ijoma Mangold: Große Katzen, große Egos, in: Die Zeit Nr. 16, 8. April 2020, S. 48.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutsche Welle (www.dw.com): Menschen in Quarantäne, Netflix im Goldrausch | DW | 22.04.2020. Abgerufen am 27. April 2020 (deutsch).
  2. a b c Mandoline Rutkowski: „Tiger King“: Deshalb sprechen alle über die neue Netflix-Serie. In: DIE WELT. 6. April 2020 (welt.de [abgerufen am 8. April 2020]).
  3. a b Andrea Diener: Netflix-Doku: Wenn Tiger unter die Räder kommen. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 8. April 2020]).
  4. Quentin Lichtblau: Rezension - "Tiger King" auf Netflix. In: Sueddeutsche.de. Abgerufen am 8. April 2020.
  5. Elvis Anderson: The Top 5 Songs by Joe Exotic, That Musicians Say He Used Without Crediting or Paying Them. 2. April 2020, abgerufen am 8. April 2020.
  6. Refuting Netflix Tiger King. In: Big Cat Rescue. 31. März 2020, abgerufen am 8. April 2020 (amerikanisches Englisch).
  7. Lia Lewine: Doc Antle’s Full Name Apparently Means Either ‘Lord’ Or ‘Friend Of God’. 3. April 2020, abgerufen am 14. April 2020 (amerikanisches Englisch).
  8. a b Barbara fisher as told to Rose Minutaglio: I Trained Tigers For Doc Antle. Here's the Truth. 8. April 2020, abgerufen am 14. April 2020 (amerikanisches Englisch).
  9. Quentin Lichtblau: Rezension - "Tiger King" auf Netflix. In: Süddeutsche Zeitung. Abgerufen am 8. April 2020.
  10. a b Anja Rützel, DER SPIEGEL: Großkatzen und ihre Raubtiere auf Netflix: Menschliches Kuriositätenkabinett - DER SPIEGEL - Kultur. Abgerufen am 8. April 2020.
  11. Dorian Hannig: "Der Tiger und der Wilde Westen". In: Makroskop. Abgerufen am 1. Mai 2020.