Großtöpfer

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Großtöpfer
Gemeinde Geismar
Koordinaten: 51° 13′ 36″ N, 10° 8′ 35″ O
Höhe: 201 m ü. NN
Einwohner: 130 (2009)
Eingemeindung: 8. Juni 1993
Postleitzahl: 37308
Vorwahl: 036082
Karte
Lage von Großtöpfer in Geismar
Evangelische Kirche „Der Gute Hirte“
Evangelische Kirche „Der Gute Hirte“

Großtöpfer ist ein Ortsteil von Geismar im Landkreis Eichsfeld in Thüringen.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großtöpfer liegt westlich von Geismar im Tal der Frieda an den Landesstraßen 1007 und 2030 in kupiertem Gelände des Südeichsfeldes nahe der Grenze zu Hessen. Südöstlich überragt der Hülfensberg den Ortsteil und die Region.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 20. Dezember 1195 wurde das damalige Dorf erstmals urkundlich erwähnt.[1] Die Verantwortlichen des Dorfes gehen vom 22. Oktober 1375 aus. Das Gebiet um Großtöpfer war bei der Urbarmachung versumpft und mit einer größeren Wasserfläche bedeckt. Die Burg Greifenstein, die nahe dem Ort liegt, wurde 1397 erwähnt, als sie eingenommen und teilweise zerstört wurde.[2] 1465 verkaufen die von Töpfer das Dorf mit allem Zubehör (Wüstungen, Waldungen, Wasser, Weiden) an die von Hanstein, Oberlehnsherr waren aber die kurmainzer Erzbischöfe. Im 15. und 16. Jahrhundert war Großtöpfer Gerichtsstätte, zunächst derer von Töpfer und dann derer von Hanstein. Ab 1534 wurde der Gerichtsort mit dem von hansteinischen Gericht in Schwobfeld vereinigt, Ende des 18. Jahrhunderts war hier wieder Gerichtsort des Hansteinischen Gesamtgerichts über Großtöpfer, Lehna und Schachtebich.[3] 1735 bauten die Bewohner eine Kirche, die sie dann 1827 neu bauten. 1949 errichtete die Gemeinde ein Kulturhaus. Von jeher war der Gedanke des Hülfensberges in den Köpfen der Bewohner um den Berg, da er einmal von den Vorfahren in Notzeiten besiedelt wurde und als Heiligtum angesehen wird. 165 Einwohner lebten 2009 im Ortsteil.[4]

Eine Besonderheit dieses kleinen Ortes liegt in der historischen Entwicklung darin, das neben der evangelischen Kirche noch eine katholische Kirche (1902) errichtet wurde. Im Jahre 1897 gab es auch noch eine evangelische und eine katholische Schule.

Von 1914 bis 1947 war Großtöpfer an die Bahnstrecke Heiligenstadt–Schwebda mit einem eigenen Bahnhof angeschlossen. Die Einstellung des Bahnbetriebes und Demontage der Gleisanlagen erfolgte im Jahr 1947 auf Anordnung der Sowjetischen Militäradministration.

Rittergeschlecht von Töpfer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großtöpfer war sicherlich der Sitz eines mittelalterlichen Ritterschlechts von Töpfer oder Topphern. 1360 wir ein Marolt von Tophfern und 1364 von Dopphirn genannt.[5] Merolt, Hermann, Heinrich und Hans von Topphern verkaufen 1465 das Dorf Töpfer mit allen Zubehör an Heinrich von Hanstein.[6] In Siebmachers Wappenbuch werden darüber hinaus weitere Adelsfamilien gleichen Namens erwähnt.

Sehenswertes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Straße zwischen Großtöpfer und Frieda gibt es einen Geleitstein (eine alte Grenzsäule) und unmittelbar daneben einen alten historischen Grenzstein. Die abwechslungsreiche Landschaft rund um den Hülfensberg (448 m) lädt zu zahlreichen Wanderzielen ein, unter anderem auch zur ehemaligen innerdeutschen Grenze und dem heutigen Grünen Band, sowie auf dem Schloßberg (442 m) mit der Burgruine Greifenstein.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz Stichtenoth (1895–1935), Politiker der NSDAP und letzter Staatsminister von Mecklenburg-Strelitz
  • Martin Eisentraut (1902–1994), deutscher Herpetologe und Mammaloge.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Großtöpfer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Ein Handbuch. Verlag Rochstuhl Bad Langensalza, 2010, ISBN 978-3-86777-202-0, S. 104
  2. Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag, 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 115
  3. Levin von Wintzingeroda-Knorr: Die Wüstungen des Eichsfeldes: Verzeichnis der Wüstungen, vorgeschichtlichen Wallburgen, Bergwerke, Gerichtsstätten und Warten innerhalb der landrätlichen Kreise Duderstadt, Heiligenstadt, Mühlhausen und Worbis. Göttingen (O. Hendel) 1903, Seite 416
  4. Großtöpfer auf der Webseite der Verwaltungsgemeinschaft Ershausen-Geismar Abgerufen am 16. Juni 2012
  5. Erhard Müller: Die Ortsnamen des Kreises Heiligenstadt. Heilbad Heiligenstadt 1989, Seite 21
  6. Levin von Wintzingeroda-Knorr: Die Wüstungen des Eichsfeldes: Verzeichnis der Wüstungen, vorgeschichtlichen Wallburgen, Bergwerke, Gerichtsstätten und Warten innerhalb der landrätlichen Kreise Duderstadt, Heiligenstadt, Mühlhausen und Worbis. Göttingen (O. Hendel) 1903, Seite 416