Dreieinigkeitskirche (Regensburg)

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Unvollendeter Südturm und Nordturm der Dreieinigkeitskirche
Der Plan, Stich von 1642

Die Dreieinigkeitskirche (ursprünglicher Name: Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit), ist eine frühbarocke säulenlose Saalkirche in der Altstadt von Regensburg, die von 1627 bis 1631 nach Plänen von Hanns Carl erbaut wurde. Sie war eine der ersten evangelisch-lutherischen Kirchenneubauten in Bayern und galt als größter Kirchenneubau der ehemaligen freien Reichsstadt Regensburg.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchenschiff Altarseite 2015
Stich zur Einweihung der Kirche 1631

Nach Einführung der Reformation in Regensburg im Jahr 1542 dienten den Protestanten die Oswaldkirche und die Neupfarrkirche als gottesdienstliche Versammlungsorte. Zudem stand seit 1563 die Dominikanerkirche St. Blasius als Simultankirche zur Verfügung. Nachdem 1626 die Dominikaner die gemeinsame Nutzung ihrer Kirche durch den Reichshofrat untersagen ließen und nur bis 1628 eine Übergangszeit gewährten, beschloss der Rat der freien Reichstadt Regensburg im Februar 1627 einen Neubau.[2] Der Kirchenbau war durch eine finanzielle Entschädigung der Dominikaner möglich geworden.[3] Außerdem hatte sich die evangelische Gemeinde sehr stark vergrößert, weil viele aus Böhmen und Österreich vertriebene Protestanten in Regensburg Zuflucht gefunden hatten. Auch diese Exulanten unterstützten den Bau der Kirche mit erheblichen Mitteln.

Die Grundsteinlegung der Dreieinigkeitskirche erfolgte mitten im Dreißigjährigen Krieg am 4. Juli 1627. Der Bau war bereits am 5. Dezember 1631, zwei Jahre vor der Einnahme Regensburgs durch die Schweden unter Bernhard von Sachsen Weimar und 2,5 Jahre vor der Rückeroberung der Stadt durch ein kaiserliches Heer, fast fertiggestellt; Südturm und angrenzende Sakristei blieben unvollendet bzw. provisorisch. Der Nürnberger Architekt Hanns Carl errichtete die Kirche als säulenlosen Saalbau, der mit freiem Blick auf Alter und Kanzel nach lutherischen Vorstellungen zum Predigen bestens geeignet war und ausgestattet mit umlaufenden Holzemporen vielen Besuchern Platz bot [3]

Die Mauern der ersten, provisorischen Sakristei sind auf dem ältesten erhaltenen Grundriss-Bauplan der Kirche eingetragen. Diese Sakristei wurde im Jahr 1755 „erweitert“, von außen beheizbar gemacht und durch eine neue Tür im Südturm erreichbar. Durch die neue Tür und die ebenfalls neue Treppenanlage im Südturm (Ratsstiege) waren seitdem auch die Emporen und die dort auch neu gebauten „2 Cabinet mit Fenstern für die Herren Gesanden und Magistrat“ erreichbar.[4]

1790 entstand auf Kosten des Hauses Thurn und Taxis unterhalb der Orgelempore als Einbau in die Westempore ein abgeschlossenes Oratorium,[2] von dem aus die Fürstin Erbprinzessin Therese von Thurn und Taxis, die Ehefrau des Prinzipalkommissars Karl Alexander von Thurn und Taxis, dem Gottesdienst folgen konnte. Therese war eine Schwester von Königin Luise von Preußen und stammte aus dem Fürstenhaus Mecklenburg-Strelitz. Sie hatte in einem langwierig ausgehandelten Ehevertrag vereinbart, dass sie nach ihrer Heirat protestantisch bleiben konnte und ihren Glauben in der Dreieinigkeitskirche und später in ihren Privatgemächern im Kloster St. Emmeram ausüben durfte.[5]

In den Jahren 2008 bis 2013 wurden der Innenraum der Kirche und die Ausstattung für 3,5 Millionen Euro grundlegend saniert.[6] Die Evangelisch-Lutherische Kirche Bayern trug die Hälfte der Kosten, davon die Kirchengemeinde 250.000 Euro. Der Freistaat Bayern übernahm 1,3 Millionen Euro der Sanierungskosten, die Stiftung KiBa und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz beteiligten sich mit 400.000 Euro an der Finanzierung.[7]

Die Dreieinigkeitskirche ist der Hauptaufführungsort der „Regensburger Kantorei“.[8]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nordwestecke der Kirche Nordportal
Nordwestecke der Kirche
Nordportal

Der geostete säulenlose Saalbau hat ein Langhaus mit Satteldach, ist (mit Chor) 50 Meter lang und mit 20 Metern genauso breit wie hoch. Der Chor ist eingezogen, halb so breit wie das Langhaus und hat zwei Chorflankentürme auf quadratischem Grundriss. Das verputzte äußere Mauerwerk weist Eckquaderung mit verzahntem Bossenwerk, aber am Langhaus keinerlei Gesimse, Pilaster und Strebepfeiler auf.[9] Der Dachstuhl wurde vom Zimmermann Lorenz Friedrich aus Nürnberg so konstruiert, dass die gesamte Dachlast auf die Außenmauern abgeleitet wird.

Die Mauern des Langhauses sind in zwei Zonen gegliedert. In die untere Zone unterhalb der Emporen sind Rundfenster mit profilierten Umrahmungen eingelassen, darüber belichten große zweibahnige Rundbogenfenster den Innenraum, mittig in den Langseiten über den Portalen jeweils ein weiteres Rundfenster. Die Kirche wird im Süden, Westen und Norden durch Säulenportale erschlossen.[10] Zwei mächtige Freisäulen flankieren die Portale, auf deren reich profilierten Kämpfern ein profilierter Rundbogen mit Fase ruht. An der Westseite wird der Architrav von einer Tafel mit Voluten bekrönt. An den Langseiten umschließt ein gesprengter Giebel das Regensburger Wappen: zwei schräg gekreuzte Schlüssel. Im Inneren öffnet ein großer rundbogiger Chorbogen den Chor zum Schiff.

Die Flankentürme sind im unteren, aufgemauerten Teil viergeschossig. Der Südturm blieb aufgrund der Besetzung der Stadt Regensburg durch bayerische Truppen unvollendet. Er verfügt nur über drei Geschosse, die von einem Pyramidendach abgeschlossen werden. Die beiden quaderförmigen Untergeschosse auf quadratischem Grundriss werden durch ein Gesimsband gegliedert. Darüber erheben sich beim Nordturm zwei oktogonale Obergeschosse, beim Südturm nur ein oktonales Geschoss. Das untere hat abgetreppte spitzbogige Schallarkaden für das Geläut, das obere eine umlaufendes Balustrade. Der zweigeschossige Helmaufbau des Nordturms hat offene Laternen mit Welscher Haube, die von einem vergoldeten Turmknauf, einer Wetterfahne und einem Kreuz bekrönt wird.

Der knapp 70 m[11] hohe Nordturm der Kirche ist im Sommer als einziger Kirchturm im Stadtgebiet von Regensburg begehbar. Von ihm aus eröffnet sich ein Rundblick über die Dachlandschaft von Regensburg und zu den Donauhängen bis hin zur Walhalla.[12]

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf den südlichen Chorbogen mit der Kanzel Reich verzierter Altar mit der Abendmahlsszene
Blick auf den südlichen Chorbogen mit der Kanzel
Reich verzierter Altar mit der Abendmahlsszene

Der schlicht gestaltete Innenraum wird von einem Tonnengewölbe in 20 Metern Höhe abgeschlossen. In einer speziellen Stuck-Leichtbautechnik mit textilem Material (Rupfen) schuf Georg Vest aus Creußen den Deckenschmuck in Langhaus und Chor. Beide Decken sind reich mit geometrischen Ornamenten verziert und greifen spätmittelalterliche Traditionen auf. An der Decke des Chores finden sich Netzrippen, während die Langhausdecke mit Sternrippen und Seraphimköpfen verziert ist.[13] Im Zentrum der Decke des Langhauses ist eine Sonne mit vergoldeten Strahlen dargestellt und mit den Worten Sanctae Trinitati Sanctum, was meint: „ein Heiligtum“ (das Gebäude der Kirche) „der heiligen Dreifaltigkeit“'. Das profilierte Deckengesims im Langhaus wird nur scheinbar von Frauenköpfen als Konsolen getragen. Das Deckengesims im Chor wird von Engelsköpfen als den Repräsentanten der Himmelssphäre gestützt.[10]

Die dreiseitig umlaufende Emporen mit Sitzbänken ruhen ohne stützende senkrechte Pfeiler auf schräg verlaufenden Holzkonsolen, die in den Seitenmauern verankert sind. Bei den Sanierungsmaßnahmen 2008 wurden die Verankerungen im Mauerwerk durch „Stahlschuhe“ verstärkt.[12] Über der westlichen Empore gibt es eine weitere Empore als Aufstellungsort für die Orgel. Die Orgel-Empore wurde bis 2008 von einem die gesamte Kirchbreite durchmessenden, bearbeiteten Baumstamm getragen, der in den Seitenmauern auflag. Auch dieser Balken wurde bei den Sanierungsmaßnahmen 2008 erneuert.[6]

Der Altar wurde erst 1637 endgültig fertig gestellt, nachdem bis dahin ein Provisorium benutzt wurde. Die Fertigstellung gelang mit Hilfe einer Spende von 1000 Reichstalern vom Herzog Franz Albrecht von Sachsen-Lauenburg, der im Januar 1634 in Regensburg seinen Cousin, den schwedischen Feldherrn Bernhard von Sachsen-Weimar zu Geheimverhandlungen aufgesucht hatte.[14][15] An der Gestaltung des Altars waren beteiligt der Baumeister der Kirche Johann Carl, sowie Georg Jakob Wolff und Georg Stellenberger. Das Altarbild mit der Abendmahlsszene und die Predella mit dem Taufbild stammen von Johann Paul Schwendtner.[16] Das zentrale Gemälde wird von zwei großen korinthischen Säulen besonderer Machart flankiert. Die Säulen wurden mit einer Technik, die damals nur in Nürnberg beherrscht wurde, hergestellt. Auf den Säulenschäften wurden kleinteilige, regelmäßige, hölzerne Wellenleisten aufgebracht, die den Säulen eine flammende bewegte Oberflächenstruktur verschaffen.[17] Über dem Altarbild ist – wohl als Zugeständnis für den Spender – das Wappen von Sachsen-Lauenburg nach einem Entwurf von Georg Jakob Wolff angebracht.[18] Ein gesprengten Giebel mit einem Engel schließt den Altar oben ab. Der von Leonhard Kern gefertigte Engel hält eine Krone und einen Palmenzweig in seinen Händen. Der Engel ist dargestellt in einer gegenläufigen Bewegung, die sein Gewand aufspringen lässt und einen Blick auf das kess entblößte Bein freigibt.

Der Schalldeckel der Kanzel von 1631 trägt eine Taube als Symbol des Heiligen Geistes und ist reich mit kleinen Engelfiguren auf Konsolen, Putten, gesprengten Giebeln und vergoldetem Schnitzwerk verziert.[2] Eine große Engelfigur hält zwei Eisenstangen, an denen der Schalldeckel befestigt ist. Unter der Kanzel und auch oberhalb der Kanzel im Chorbogen ist das Wappen der Stadt Regensburg dargestellt.[1]

Loge der Fürstin von Thurn und Taxis

Das speziell gestaltete und gegliederte Gestühl ist bestimmend für die Inneneinrichtung und ist ebenso wie alle drei Portaltüren noch weitgehend im Originalzustand erhalten.[12] Lediglich das Holzgestühl im Langhaus mit den einzigartigen seitlichen (heute fixierten) Notsitzen musste bei der Sanierung 2013 von den giftigen, schwarzen Anstrichen befreit werden. Auch das Holzgestühl auf den seitlichen Emporen ist im Originalzustand erhalten und auch die speziellen aufklappbaren Zusatzsitze sind noch heute nutzbar.[19]

Das hölzerne Gestühl im Langhaus und auf den Emporen stammt aus der Erbauungszeit der Kirche. Es spiegelt die damalige ständische Gesellschaft, indem es für die verschiedenen gesellschaftlichen Stände unterschiedlich gestaltet ist. Das hohe Gestühl im Chorraum ist mit Schnitzwerk im Knorpelstil verziert und war damals für die Mitglieder des Inneren Rates der Stadt und für die Prediger vorgesehen. Die seitlich das Langschiff umlaufenden Bänke, leicht erhöht und durch Balustraden abgetrennt, waren vorgesehen für die Mitglieder des Äußeren Rates der Stadt. Normale Bürger der Stadt saßen nach Geschlechtern getrennt auf den Bänken im Langhaus.

Vornehme Bürger (z. B. Ritter, Adelige, Gelehrte, Gesandte auswärtiger Fürsten) saßen auf den Emporen. Dort auf den Emporen wurden 1755 für Magistratsmitglieder und die evangelischen Reichstagsgesandten zwei Logen gebaut.[2] Als ungewöhnliche Besonderheit finden sich außen an den Bänken im Langhaus und auch auf den Emporen viele aufklappbare Zusatzsitzplätze (heute fixiert). Insgesamt bietet die Kirche noch heute über 1000 Sitzplätze.

Das Oratorium für Therese zu Mecklenburg aus dem Jahr 1790 ist unterhalb der Orgelempore eingebaut. Bei der Heirat des katholischen Prinzen Karl Alexander von Thurn und Taxis mit der protestantischen Therese zu Mecklenburg im Jahr 1789 wurde vereinbart, dass in der protestantischen Dreieinigkeitskirche ein Privatoratorium für sie eingebaut würde. Der Einbau bewirkte eine starke bauliche Veränderung der Kirche, fügt sich aber in die Holzkonstruktion ein.[2]

Über dem Eingang zur Sakristei sind zwei Gemälde der Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon aufgehängt. Zwei Gemälde aus dem Ende des 17. Jahrhunderts in der Nordostecke des Langhauses zeigen den büßenden Hieronymus und eine Halbfigur Christi.[13]

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spätbarockes Orgelgehäuse von 1758

Bereits ab dem Jahr 1654[20] sind Orgeln in der Dreieinigkeitskirche nachweisbar: Ein Instrument eines unbekannten Erbauers und ein späteres, erbaut von Augustin Krottenthaler.[1]

Das vierzehnteilige Gehäuse, das heute erhalten ist, wurde 1758 für ein zweimanualiges Instrument mit 27 Registern von dem Regensburger Orgelbauer Franz Jakob Späth geschaffen. Das fünfteilige Oberwerk dieser Orgel sitzt majestätisch auf dem siebenteiligen Hauptwerk. Die beiden Werke basierten auf einem Prinzipal 8′. Im Hauptwerk waren Kornettregister vorherrschend, im Oberwerk fanden sich Echoregister. Die Registerzüge waren mit latinisierten Namen bezeichnet.[20] In seiner Charakteristik ähnelte dieses Instrument der früher erbauten Orgel von St. Oswald in Regensburg, welche sich wieder weitgehend im Ursprungszustand zeigt. Das Instrument wurde zum Patroziniumstag am 21. Mai 1758 eingeweiht. 1792 reparierte Christoph Friedrich Schmahl das Instrument, 1849 renovierte August Franz Bittner das Werk behutsam.[1]

1892 wurde diese Orgel durch einen zweimanualigen Neubau mit 32 Registern unter Verwendung zahlreicher Register der Vorgängerorgel im historischen Gehäuse durch ein spätromanisches Werk mit Membranladen der Firma Strebel ersetzt.[1][21] Bei dieser Veränderung gingen auch die historischen Prospektpfeifen verloren und wurden durch neue Pfeifen ersetzt, die aber der Metallablieferungen der beiden Weltkriege entgingen. Die Orgel litt im Laufe der Zeit unter fortschreitendem Befall von Anobien. Daher drängte der damalige Stadtkantor Ralf von Saalfeld in den 1940er Jahren auf einen Neubau, der kriegsbedingt unterblieb. Erst in den 1960er Jahren wurden die Pläne weiter verfolgt.[1]

Nach Erstellung eines Gutachtens empfahl Friedrich Högner einen Neubau. Daher schuf Detlef Kleuker 1966 eine neue Orgel mit 44 Registern, die sich auf drei Manuale und Pedal verteilten.[20] Diese Schleifladenorgel mit mechanischer Spiel- und elektrischer Registertraktur und mit freistehendem Spieltisch litt unter den statischen Problemen der Empore. Daher wurde die Spieltraktur elektrifiziert. In den folgenden Jahren mussten laufend Störungen unterschiedlichster Art beseitigt werden. Auch eine umfangreiche Renovierung in den 1990er Jahren brachte keine deutliche Besserung. Daher wurde beschlossen, die Orgel erneut durch einen Neubau zu ersetzen. Das Werk wurde mit Beginn der Innenrenovierung 2009 ausgebaut[1] und soll bis 2018, dem Jahr des 333. Geburtstags von Johann Sebastian Bach, durch einen Neubau von Hendrik Ahrend ersetzt werden.[22]

Die neue „Bach-Orgel“ wird voraussichtlich über 47 Register auf drei Manualen und Pedal verfügen und speziell für die Darstellung von Orgelwerken Johann Sebastian Bachs konzipiert sein.[23] Dabei sollen auch die veränderten Bereiche des Gehäuses ergänzt und restauriert werden.

I Hauptwerk C–f3
Quintadena 16′
Principal 8′
Gemshorn 8′
Quintadena 8′
Viola da Gamba 8′
Octav 4′
Spitzflöte 4′
Quinte 3′
Octav 2′
Terz 135
Mixtur V–VII
Trompete 16′
Trompete 8′
II Kronwerk C–f3
Principal 8′
Gedeckt 8′
Unda maris 8′
Fugara 8′
Octav 4′
Gedackt 4′
Nasat 3′
Octav 2′
Waldflöte 2′
Terz 135
Quinte 113
Mixtur V
Fagott 16′
Vox humana 8′
III Echowerk C–f3
Holzgedackt 8′
Holzprincipal 4′
Octav 4′
Salicet 2′
Echo
Oboe 8′
Pedal C–f1
Principalbass 16′
Subbass 16′
Violonbass 16′
Quintbass 12′
Octavbass 8′
Gedecktbass 8′
Cellobass 8′
Quinte 6′
Oktav 4′
Mixtur V
Posaune 32′
Posaune 16′
Trompete 8′
Cornetto 4′

Geläut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Glocke Nordturm

Das Geläut besteht aus zwei großen und einer kleinen Glocke, die ganz oben in der Laterne des Nordturms aufgehängt ist. Von den beiden großen Glocken befindet sich die ältere und kleinere im Nordturm. Sie wurde von Georg Schelchshorn im Jahr 1629 in Regensburg gegossen, erklingt auf dem Ton c1 und trägt die Wappen der damaligen Ratsherren Peter Portner und Matthäus Marchthaler, die die Bauaufsicht beim Bau der Kirche führten. Der Südturm beherbergt die größere der beiden großen Glocken. Sie erklingt auf dem Ton a0 und wurde 1951 von Georg Hofweber, ebenfalls in Regensburg, gegossen.[16]

Evangelischer Gesandtenfriedhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gesandtenfriedhof, mit Epitaphen an der Ostseite der Kirche Gesandtenfriedhof, mit Epitaphen an der Südseite der Kirche
Gesandtenfriedhof, mit Epitaphen an der Ostseite der Kirche
Gesandtenfriedhof, mit Epitaphen an der Südseite der Kirche

Zwei Jahre nach der Einweihung der Dreieinigkeitskirche erfolgte im November 1633 auf dem Kirchhof, der gar nicht als Friedhof vorgesehen war, das erste Begräbnis. Begraben wurde – wie ein Pfarrer berichtet – ein vornehmer schwedischer Offiziere, für den ein prominenter Begräbnisplatz benötigt wurde, weil die Eroberung der Stadt während des Dreißigjährigen Krieges durch ein schwedisches Heer unter dem Kommando von Bernhard von Sachsen-Weimar unmittelbar bevorstand. Nach der Eroberung hielten die Schweden die Stadt bis zum Juli 1634 besetzt und erlitten dann eine Niederlage gegen ein vereinigtes kaiserlich-bayerisches Heer. Bei den Kämpfen um die Stadt kamen viele protestantische Offiziere aus den Reihen des schwedischen Heeres und der städtischen Soldaten ums Leben.[24] Einige von ihnen wurden auf dem Gesandtenfriedhof begraben, nur vier sind namentlich bekannt. Ihre Grabplätze sind auf dem ältesten Plan des Kirchhofs eingetragen; die Grabstätten sind nicht erhalten, weil sie nach dem Beginn des Immerwährenden Reichstages durch Grabstätten von Gesandten überbaut wurden.[25]

Zwei Jahre nach der Rückeroberung und Besetzung der Stadt durch kaiserliche Truppen wurde in Regensburg auf Weisung des Kaisers der Prozess gegen den Freiherrn Hans Ulrich von Schaffgotsch, kaiserlicher General und Gefolgsmann Wallensteins, durchgeführt. Er wurde des Landesverrats beschuldigt, gefoltert, ohne Geständnis verurteilt und auf dem Regensburger Haidplatz unter spektakulären Begleitumständen enthauptet, so dass das Ereignis bei der Bevölkerung viel Aufmerksamkeit und Anteilnahme erregte. Am 25. Juli 1635 wurde Schaffgotsch auf dem Kirchhof der Dreieinigkeitskirche beerdigt. Auch seine Grabstätte ist auf dem ältesten Plan des Kirchhofs eingetragen, jedoch wurde seine Grabstätte mit Grabstein bereits um 1674 bei der Errichtung eines großen Grabdenkmals für einen Gesandten von Kursachsen zerstört.[26] Noch während des Dreißigjährigen Krieges, als 1641 in Regensburg ein Reichstag stattfand, starb im Mai 1641 der Gesandte von Württemberg Ludwig von Janowiz. Nach den Begräbnissen der Militärpersonen war er der erste Gesandte, der auf dem Kirchhof der Dreieinigkeitskirche beigesetzt wurde. Seine Grabplatte ist noch heute erhalten und die deutsche Inschrift ist noch teilweise lesbar.[27] 1643 erließ der Rat der Stadt ein Verbot für weitere Begräbnisse nicht nur aus hygienischen, sondern auch aus religiösen Gründen.[28] Das Verbot hielt nur 10 Jahre und nach Beginn des Reichstags von 1653 wurden erneut einige weitere protestantische Gesandte begraben, als sie während ihres Aufenthaltes in Regensburg verstarben. Wahrscheinlich seit dieser Zeit erfolgten die Begräbnisse aus hygienischen Gründen in gemauerten Ziegelgrüften.

Epitaph Curt Asche Freiherr von Marenholz

Nach Beginn des Immerwährenden Reichstages 1663 wurden auch Ehefrauen und Kinder von Gesandten begraben, zunächst in Grabstätten mit einfachen Grabplatten. Das erste große Grabdenkmal (Epitaph) wurde 1669/70 errichtet für die Exulantenfamilie des Rudolf Wilhelm von Stubenberg. Das zweite Epitaph wurde 1671/2 für die bereits 1664 verstorbene Maria Elisabeth Thomas geb. von Bonn errichtet. Sie war die Ehefrau von Johann Thomasius, Gesandter der Fürstentümer Altenburg und Coburg. Kurz danach 1674/5 wurde das erste Epitaph für einen Reichstags-Gesandten, den Kur-Brandenburgischen Gesandten Ascan (Asche) von Marenholz errichtet.

Epitaph Ernst Eberhard Freiherr von Metternich

Auch für den zweiten 1717 in Regensburg verstorbenen Kur-Brandenburgischen Gesandten wurde ein Epitaph errichtet, allerdings erst 11 Jahre nach seinem Tod. Der im Alter von nur 27 Jahren verstorbene Gesandte hieß Ernst Eberhard von Metternich und war seinem Vater Ernst von Metternich als Mitgesandter beigeordnet. Beide stammten aus dem protestantischen, Chursdorffschen Zweig der großen Adelsfamilie von Metternich, konnten sich schon Gesandte von Preußen nennen und waren beruflich sehr erfolgreich. Das Familienleben aber entwickelte sich nach dem überraschenden Tod des Sohnes sehr dramatisch und endete mit der spektakulären Konversion des Vaters zum Katholizismus, die europaweit Aufsehen erregte. Der Vater starb 10 Jahre nach seinem Sohn, wurde in der katholischen Kirche St. Emmeran begraben und erhielt dort ein Epitaph.

Bis zum Ende des Reichstages 1806 kam es zu 97 dokumentierten Begräbnissen von Gesandten und Angehörigen. Als letzter Gesandter wurde Joachim Ludwig Freiherr Strein von Schwarzenau, Staatsminister des Königs von Preußen, 1787 in das Begräbnisverzeichnis eingetragen und hier beerdigt. Für ihn wurde auch das letzte, bereits viel bescheidenere Epitaph errichtet. Nach ihm wurden bis 1805 noch vier weitere Gesandte und einige Angehörige von Gesandten ohne Denkmäler und ohne Einträge im Begräbnisverzeichnis begraben.[29][30] Insgesamt wurden auf Wunsch der Hinterbliebenen 20 zum Teil bis zu 7 m hohe Epitaphien errichtet, zunächst nur an der Südseite und ab 1740 auch an der Ostseite der Kirche. Neben den 20 Epitaphien wurden auch 40 Grabplatten gesetzt, deren Inschriften nicht mehr lesbar, wohl aber dokumentiert und übersetzt und mit biographischen Angaben zu den Familien publiziert sind.[27]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Möseneder: Die Dreieinigkeitskirche in Regensburg. Ein protestantischer Kirchenbau. In: Martin Luther. Eine Spiritualität und ihre Folgen. Vortragsreihe der Universität Regensburg Lutherjahr 1983 (= Schriftenreihe der Universität Regensburg 9). Mittelbayerische Druckerei- und Verlags-Gesellschaft, Regensburg 1992, S. 171–192.
  • Peter Morsbach: Evang.-Luth. Dreieinigkeitskirche Regensburg. Selbstverlag, Regensburg 2005, ISBN 3-937527-08-7.
  • Wolfgang Pfeiffer: Evangelische Dreifaltigkeitskirche Regensburg (= Kleine Kunstführer 874). Schnell & Steiner, München 1967.
  • Heidrun Stein-Kecks: Ein Altar im `Hause der Ecclesia´. Addenda zur evangelischen Dreieinigkeitskirche in Regensburg. In: Christian Hecht (Hg.): Beständig im Wandel. Festschrift für Karl Möseneder zum 60. Geburtstag. Berlin 2008, S. 249–260.
  • Reinold Wex: Die Dreieinigkeitskirche in Regensburg. In: Ordnung und Unfriede. Raumprobleme des protestantischen Kirchenbaus im 17. und 18. Jahrhundert in Deutschland. Jonas-Verlag für Kunst und Literatur, Marburg 1984, ISBN 3-922561-23-3.
  • 450 Jahre Evangelische Kirche in Regensburg 1542–1992. Katalog der Museen der Stadt Regensburg 1993. Studio Druck, Regensburg 1992, ISBN 3-925753-28-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dreieinigkeitskirche (Regensburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g Martina Topp: Die Orgel in der Dreieinigkeitskirche in Regensburg. In: Roma Quanta fuit. Wißner, Augsburg 2010, ISBN 978-3-89639-799-7, S. 655 ff.
  2. a b c d e Homepage der Kirchengemeinde: Zur Geschichte der Dreieinigkeitskirche, abgerufen am 11. Dezember 2016.
  3. a b Karl Möseneder: Die Dreieinigkeitskirche in Regensburg. Ein protestantischer Kirchenbau. In: 450 Jahre Evangelische Kirche in Regensburg 1542–1992. Katalog der Museen der Stadt Regensburg 1993. Studio Druck, Regensburg 1992, ISBN 3-925753-28-1, S. 109–112, 117–120 f.
  4. Zitate: Bauamtschronik SAR IAe 1,12 S. 108, Jahr 1755; Stadtarchiv Regensburg. Grundriss-Bauplan: Plan G 2006 / 10.78; graphische Sammlung des Museums der Stadt Regensburg; Plan-Auswertung in: Klaus-Peter Rueß: Der Gesandtenfriedhof bei der Dreieinigkeitskirche in Regensburg, seine Entstehung und seine Baugeschichte. Staatliche Bibliothek Regensburg, Regensburg 2015, S. 67.
  5. Carolin Philipps: Luise. Die Königin und ihre Geschwister. Piper Verlag, München 2010, ISBN 978-3-492-25854-8, S. 207.
  6. a b Homepage der Kirchengemeinde: Innenrenovierung, abgerufen am 8. Dezember 2016.
  7. Mittelbayerische Zeitung vom 21. August 2014: Dreieinigkeitskirche bald offen, abgerufen am 11. Dez 2016.
  8. Homepage der Kantorei Regensburg, abgerufen am 12. Dezember 2016.
  9. Adolf Reinle: Italienische und deutsche Architekturzeichnungen 16. und 17. Jahrhundert. Wiese-Verlag, Basel 1994, ISBN 978-3-909164-25-7, S. 120.
  10. a b Beschreibung auf der Seite des Deutschen Denkmalschutzes, abgerufen am 13. Dezember 2016.
  11. Die „KiBa-Kirche des Monats April“ in Regensburg wird wiederhergestellt. Pressemitteilung der Evangelischen Kirche in Deutschland vom 3. April 2013, abgerufen am 9. Februar 2016.
  12. a b c EKD-Pressemitteilung vom 3. April 2013: Die „KiBa-Kirche des Monats April“ in Regensburg wird wiederhergestellt. Abgerufen am 7. Dezember 2016.
  13. a b Ev.-luth. Kirche in Bayern: Dreieinigkeitskirche Regensburg (Memento vom 16. April 2014 im Internet Archive), abgerufen im Internet-Archiv am 9. Februar 2016.
  14. 450 Jahre Evangelische Kirche in Regensburg 1542–1992. Katalog der Museen der Stadt Regensburg 1993. Studio Druck, Regensburg 1992, ISBN 3-925753-28-1, S. 328–329.
  15. Historische Originalquelle: Georg Gottlieb Plato gen. Wild: Regensburgische Chronika 1400–1699. Stadtarchiv Regensburg M.S. Ratisb. I.A.E2, No. 35, Addenda Anno 1637.
  16. a b glockenklaenge.de: Evangelische Dreieinigkeitskirche, abgerufen am 7. Dezember 2016.
  17. Heidrun Stein-Kecks: Ein Altar im „Hause der Ecclesia“. Addenda zur evangelischen Dreieinigkeitskirche in Regensburg. In: Christian Hecht (Hrsg.): Beständig im Wandel. Festschrift für Karl Möseneder zum 60. Geburtstag. Matthes & Seitz, Berlin 2008, ISBN 978-3-88221-998-2, S. 249–260.
  18. Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Bayern V: Regensburg und die Oberpfalz. Deutscher Kunstverlag, München 1991, ISBN 3-422-03011-5, S. 482.
  19. Die Dreieinigkeitskirche auf der Webseite der Stiftung KIBA, abgerufen am 13. Dezember 2016.
  20. a b c Eberhard Kraus: Historische Orgeln in der Oberpfalz. Schnell & Steiner 1990, ISBN 3-7954-0387-1. S. 256.
  21. Die historische Strebel-Orgel (1913) der Pfarrkirche St. Paul in Nürnberg, abgerufen am 13. Dezember 2016.
  22. Homepage der Kirchengemeinde: Eine Bach-Orgel für Regensburg, abgerufen am 8. Dezember 2016.
  23. Mittelbayerische Zeitung vom 12. April 2014: Ostfriese baut die neue Bach-Orgel, abgerufen am 14. April 2014.
  24. Peter Engerisser, Pavel Hrnčiřík: Nördlingen 1634. Späthling, Weißenstadt 2009, ISBN 978-3-926621-78-8, S. 33–37, 64–70.
  25. Klaus-Peter Rueß: Der Gesandtenfriedhof bei der Dreieinigkeitskirche in Regensburg, seine Entstehung und seine Baugeschichte. Staatliche Bibliothek Regensburg, Regensburg 2015, S. 67.
  26. Klaus-Peter Rueß: Der Gesandtenfriedhof bei der Dreieinigkeitskirche in Regensburg, seine Entstehung und seine Baugeschichte. Staatliche Bibliothek Regensburg, Regensburg 2015, S. 161.
  27. a b Albrecht Klose, Klaus-Peter Rueß: Die Grabinschriften auf dem Gesandtenfriedhof in Regensburg (= Regensburger Studien, 22). Stadtarchiv Regensburg, Regensburg 2015, ISBN 978-3-943222-13-5, S. 54.
  28. Hans Christoph Dittscheid: Memento mori. Die Barocken Epitaphien des protestantischen Gesandtenfriedhofs an der Dreieinigkeitskirche in Regensburg. In: Reichsstadt und Immerwährender Reichstag 1663–1806. (= Thurn und Taxis-Studien, 20). Michael Lassleben, Kallmünz 2001, ISBN 3-7847-1522-2, S. 191–221.
  29. Klaus-Peter Rueß: Begräbnisse und Grabdenkmäler auf dem „Kirch-Hoff zur Heyligen Dreyfaltigkeit“ bei der Dreieinigkeitskirche in Regensburg. Edition der Begräbnisse im handschriftlichen Begräbnisverzeichnis 1641–1787 für den Gesandtenfriedhof in Regensburg. Staatliche Bibliothek Regensburg, Regensburg 2015, S. 72–169.
  30. Begräbnisverzeichnis (pdf, 381 kB), abgerufen am 12. Juni 2017.

Koordinaten: 49° 1′ 6″ N, 12° 5′ 30″ O