Kassengewölbe

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Im Deutschen Rechtswörterbuch gibt es die Bezeichnung Kassengewölbe oder Kassagewölbe. Dazu gibt es die Erklärung: „Gewölbe in einer Kasse (im Sinne eines Gebäudes, einer Stelle); in dem eine Kasse (im Sinne eines verschließbaren Behältnisses) untergebracht ist.“ Der Funktion nach ist das ein Schatzgewölbe zur sicheren Verwahrung hoher Geldbeträge, wie sie Tresore haben. Wie der Name erkennen lässt, wurden im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit Kellergewölbe bevorzugt. Es gibt aber auch Kassetürme mit der gleichen Aufgabe. Zu denen dürfte der Kasseturm in Weimar gezählt haben, der die Fürstliche Landschaftskasse beherbergte. Das war jedoch nicht dessen ursprüngliche Funktion.

„Kassengewölbe“ auf dem Jacobsfriedhof Weimar

Neben dieser rechtsgeschichtlichen Bedeutung gibt es Fälle, wo Kassengewölbe zu kulturgeschichtlicher Bedeutung kommen. Zum Beispiel auf dem zur Klassik Stiftung Weimar gehörigen Jacobsfriedhof Weimar befindet sich ein Mausoleum, das im Jahre 1715 als privates Erbbegräbnis erbaut wurde. Dieses Mausoleum ging 1742 in den Besitz der Weimarer Landschaftskasse über, weshalb es zu dem Namen Kassengewölbe gekommen war. Eine ursprüngliche Funktion als Gelddepot hatte dieses jedoch nie besessen. Hier wurden adlige und verdienstvolle bürgerliche Verstorbene beerdigt, die über kein eigenes Erbbegräbnis verfügten. Friedrich Schiller, am 9. Mai 1805 gestorben, wurde in der Nacht vom 11. zum 12. Mai 1805 im Kassengewölbe beigesetzt, wie auch der Grabplatte zu entnehmen ist. Im Jahre 1826, veranlasste der Bürgermeister Carl Leberecht Schwabe die Bergung der angenommenen sterblichen Überreste Schillers (es konnte nicht genau festgestellt werden, welches Schillers sterbliche Überreste waren). Am 16. Dezember 1827 wurden die Gebeine in die neuerbaute Fürstengruft auf dem 1818 eröffneten „Friedhof vor dem Frauentor“, dem heutigen Historischen Friedhof überführt. Eine schwere steinerne Grabplatte mit Schillers Namen wie auch eine auf einer Säule stehende Büste erinnert an diese Beisetzung. Seit der Exhumierung herrschte schließlich Unklarheit darüber, ob der dabei mit ausgegrabene Schädel auch der des großen Dichters sei. Seit dem Abschluss umfangreicher wissenschaftlicher Nachforschungen mit Genanalysen im Jahre 2008 steht mit ziemlicher Sicherheit fest, dass es sich bei den 1826 geborgenen Überresten nicht um die Schillers handelt. Die tatsächlichen sterblichen Überreste Schillers sind wahrscheinlich bei der Einebnung des Friedhofes samt Kassengewölbe untergegangen.

Der barocke Pavillon über dem Kassengewölbe wurde 1854 bei der Einebnung großer Teile des Friedhofs abgerissen. Den Befehl für den Abriss gab erstaunlicherweise Großherzog Carl Alexander, der eigentlich sehr kunstsinnig gewesen war. Das heute an dieser Stelle stehende Bauwerk ist eine 1913 errichtete originalgetreue Nachbildung.


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