Grunwald

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Grunwald
Wappen von Grunwald
Grunwald (Polen)
Grunwald
Grunwald
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Ostróda
Geographische Lage: 53° 29′ N, 20° 6′ OKoordinaten: 53° 29′ 0″ N, 20° 6′ 0″ O
Einwohner: 280
Postleitzahl: 14-110
Telefonvorwahl: (+48) 89
Kfz-Kennzeichen: NOS
Gmina
Gminatyp: Landgemeinde
Gminagliederung: 19 Schulzenämter
Fläche: 179,84 km²
Einwohner: 5735
(31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 32 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2815032
Verwaltung (Stand: 2009)
Gemeindevorsteher: Henryk Kacprzyk
Adresse: Gierzwałd 33
14-107 Gierzwałd



Grunwald [ˈgrunvalt] (Grünfelde) ist ein Dorf und Sitz der gleichnamigen Landgemeinde in Masuren (Powiat Ostródzki, Woiwodschaft Ermland-Masuren), Polen.

Der in Preußen gelegene Ort Grünfelde wurde im 15. Jahrhundert in lateinischen Urkunden als „Grunenvelt“ dokumentiert.[2] Nur drei Kilometer von Tannenberg entfernt, wurde der Ort bei Tannenberg (poln.: Stębark) sowie das benachbarte Ludwigsdorf (poln.: Łodwigowo) durch zwei Schlachten der Jahre 1410 und 1914 bekannt. Nach der Eroberung 1945 erhielt der Ort den Namen Grunwald.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlacht bei Tannenberg (1410)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 15. Juli 1410 erlitt das Heer von Ulrich von Jungingen des Deutschen Ritter-Ordens eine Niederlage gegen das polnisch-litauische Heer unter Führung von König Jogaila, Władysław II. Jagiełło und Großfürst Vytautas. Der König nannte später den Ort der Schlacht „loco conflictus nostri … dicto Grunenvelt“.[3] In der Jahrzehnte später abgefaßten Chronik des polnischen Chronisten Longinus (Jan Długosz) wurde daraus Grunwald; in der polnischen Geschichtsschreibung wird sie deswegen als Bitwa pod Grunwaldem bezeichnet. In die deutsche Geschichtsschreibung ist der Kampf als Schlacht bei Tannenberg eingegangen, da die Ordensritter-Truppen nahe zum Ort Tannenberg aufgestellt wurden.

Schlacht bei Tannenberg (1914)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom 26. bis 30. August 1914 kam es im Verlauf des Ersten Weltkrieges in der Schlacht bei Tannenberg (1914) zu einem Aufeinandertreffen zwischen den in dieser Schlacht erfolgreichen deutschen Truppen unter Paul von Hindenburg und russischen Truppen. Zu Propagandazwecken wurde diese Schlacht dann ebenfalls nach Tannenberg benannt.

Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags stimmte die Bevölkerung im Abstimmungsgebiet Allenstein, zu dem Grünfelde gehörte, am 11. Juli 1920 über die weitere staatliche Zugehörigkeit zu Ostpreußen (und damit zu Deutschland) oder den Anschluss an Polen ab. In Grünfelde (Dorf und Gut) stimmten 120 Einwohner für den Verbleib bei Ostpreußen, auf Polen entfielen keine Stimmen.[4]

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1960 wurde zwischen Tannenberg (polnisch Stębark) und Grunwald auf dem Gelände der Gedenkstätte Grunwald das Grunwald-Denkmal für die Schlacht von 1410 errichtet.

Neben dem Museumsgebäude, auf welchem sich eine Tribüne zur Betrachtung der dreidimensional in Stein nachgebildeten Schlachtaufstellung befindet, steht ein Obelisk mit Gesichtern der Krieger und eine aus verbundenen Metallstäben errichtete Stele, die als ein Symbol für die Lanzen des polnischen und litauischen Heeres steht.

Die Steine des 1910 von dem polnischen Komponisten und Politikers Ignacy Paderewski gestifteten und 1939 während der Hitler-Diktatur von den Nationalsozialisten gesprengten Grunwald-Denkmals aus Krakau wurden nach dem Zweiten Weltkrieg nach Grunwald gebracht und in einiger Entfernung zum neuen Denkmal teilweise wieder zusammengesetzt.

Das Krakauer Denkmal, ein Reiterstandbild des polnischen Königs Władysław II. Jagiełłos auf dem Matejko-Platz vor dem Barbakan, wurde 1976 von dem polnischen Künstler Marian Konieczny nachgestaltet und wiedererrichtet.

In Polen gibt es zahlreiche Orte, die durch Namensgebungen an die Schlacht von Grunwald erinnern: plac Grunwaldzki (Warschau, Stettin, Breslau, Kattowitz und andere), most Grunwaldzki (Breslau), pasaż Grunwaldzki (Breslau), ulica Grunwaldzka (Bydgoszcz, Allenstein, Posen), aleja Grunwaldzka (Danzig).

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Landgemeinde Grunwald gehören 19 Ortsteile (deutsche Namen bis 1945)[5] mit einem Schulzenamt:

  • Domkowo (Domkau)
  • Dylewo (Döhlau)
  • Frygnowo (Frögenau)
  • Gierzwałd (Geyerswalde)
  • Glądy (Glendy)
  • Góry Lubiańskie (Weißberg)
  • Grunwald (Grünfelde)
  • Kiersztanowo (Groß Kirsteinsdorf)
  • Kiersztanówko
  • Kitnowo (Kittnau)
  • Łodwigowo (Ludwigsdorf)
  • Marcinkowo (Mertensdorf)
  • Mielno (Mühlen)
  • Pacółtowo (Groß-Pötzdorf)
  • Rychnowo (Reichenau)
  • Rychnowska Wola (Sophienthal)
  • Stębark (Tannenberg)
  • Szczepankowo (Steffenswalde)
  • Zapieka (Kaulbruch)
  • Zybułtowo (Seewalde)

Weitere Ortschaften der Gemeinde sind:

  • Dąbrowo (Heinrichswalde)
  • Dylewko (Elisenhof)
  • Grabiczki (Geierseck)
  • Jędrychowo
  • Kalwa
  • Korsztyn (Gut Korstein)
  • Lipowa Góra (Lindenberg bei Hohenstein)
  • Lubian (Groß Lauben)
  • Lubianek (Klein Lauben)
  • Łącko
  • Omin (Ohmen)
  • Pacółtówko (Klein Pötzdorf)
  • Rzepki (Rzepken, 1938–1945: Geierskreuz)
  • Tymawa (Thymau)
  • Ulnowo (Faulen)
  • Wróble (Wrobbeln)

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2016. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 5,19 MiB); abgerufen am 29. September 2017.
  2. Buch:The Military Orders, Victor Mallia-Milanes 2008, Seite 175 S. Ekdahl: The Battle of Tannenberg-Grunwald-Zalgiris 1410
  3. On 16 September … the Polish King made his intentions clear in a letter to the bishop of Pomesania to have a Brigittine cloister and church built on the battlefield at Grünfelde, literally in loco conflictus nostri, quem cum Cruciferis de Prusia habuimus, dicto Grunenvelt – Sven Ekdahl The Battle of Tannenberg-Grunwald-Žalgiris (1410) as reflected in Twentieth-Century monuments (Memento vom 26. Mai 2009 im Internet Archive), S. 175ff, in: Victor Mallia-Milanes, Malcolm Barber et al.: The Military Orders Volume 3: History and Heritage, Ashgate Publishing, Ltd., 2008 ISBN 0-7546-6290-X ISBN 978-0-7546-6290-7 [1]
  4. Herbert Marzian, Csaba Kenez: „Selbstbestimmung für Ostdeutschland – Eine Dokumentation zum 50 Jahrestag der ost- und westpreussischen Volksabstimmung am 11. Juli 1920“; Herausgeber: Göttinger Arbeitskreis, 1970, S. 101
  5. Das Genealogische Orts-Verzeichnis