Häme (Kommunikation)

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Häme beschreibt einen kommunikativen Akt, der sich auf den Schaden einer anderen Person bezieht. Dieser Schaden tritt unabhängig vom Orator (strategischer Kommunikator der Häme) ein, wird aber von diesem als verdient angesehen. Der Orator der Häme erfreut sich am Schaden seines Gegenübers. Die Diffamierung des Gegenübers und die eigene Profilierung ist Ziel der Häme. Somit ist die Häme eine Verhaltensweise und keine Emotion. Häme ist eine Kombination aus Schadenfreude, Besserwisserei und Sadismus.[1][2]

Begriffsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mittelhochdeutschen bedeutete hem[i]sch „versteckt“, „boshaft“ oder „hinterhältig“, was eine Weiterentwicklung des ebenfalls mittelhochdeutschen Wortes hem war („zu schaden trachtend“, „aufsässig“). Hem gehörte wohl im Sinne von „verhüllt“ oder „versteckt“ zum mittelhochdeutschen Wort ham[e] („Hülle“).[3] Später dann, in der Phase des Frühneuhochdeutsch, haben sich die Worte „heimisch“, „heimlich“ und „hämisch“ vermischt.[4]

In anderen europäischen Sprachen existieren Begriffe wie „malice“ (englisch), „malicia“ (spanisch) oder „malveillance“ (französisch), die sich mit Boshaftigkeit, Tücke oder eben auch Häme übersetzen lassen. Das Präfix „mal“ (zu Deutsch „schlecht“) ist zwar in keiner der deutschen Übersetzungen vorhanden, dennoch ist das „Schlechte“ allen Übersetzungen inhärent.

Häme als Kommunikationsverfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Häme kann sowohl eine Sprechhandlung (Sprechakt) als auch ein Kommunikationsverfahren sein. Unter Kommunikationsverfahren ist „die Art der Verarbeitung des Kommunikationsgegenstandes im Dienste einer übergeordneten Absicht (Intention, Zielstellung) zu verstehen“.[5] Mit Sprechakt ist ein einzelner Satz gemeint. Auf solche einzelnen Sätze bezieht sich der Volksmund, wenn er von Häme spricht. Als Kommunikationsverfahren wird Häme genutzt, um ein übergeordnetes Ziel zu erreichen. Beispielsweise soll das Gegenüber erniedrigt werden, um sich selbst zu profilieren, oder die Häme wird genutzt, um Zusammengehörigkeit durch Ausgrenzung zu schaffen. Gleichzeitig ist der Sprechakt Häme keiner strategischen Vorgehensweise untergeordnet. Daraus folgt, dass sich der Sprechakt auf den intentionalen Aspekt einer einzelnen hämischen Äußerung bezieht; das Kommunikationsverfahren auf den weiterreichenden operationalen Aspekt.[6]

Sprachliche Muster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn folgende Sätze alleine stehen, sind sie Beispiele für Sprechakte. Sobald sie Teil einer übergeordneten Strategie sind, können sie Teil des Kommunikationsverfahrens Häme sein:

  • „Das geschieht dir recht!“
  • „Das hast du nun davon!“
  • „Da trifft es den Richtigen!“
  • „Hättest du auf mich gehört, dann …“
  • „Ich habe dir schon immer gesagt, dass …“
  • „Ich wusste von Anfang an, dass …“

Andere Sprechakte, wie Beleidigung, Spott oder Kritik, können auch Teil des Kommunikationsverfahrens Häme sein.

Bedingungen für Häme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgangssituation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der hämische Orator (Hämiker) und sein Gegenüber, bzw. die ihm gegenüberstehende Gruppe, bilden die kommunikative Konstellation. Eine persönliche Bekanntschaft kann, muss aber nicht vorhanden sein. Der Hämiker ist seinem Gegenüber zunächst gleichgestellt oder unterlegen, jedoch niemals überlegen. Mit dem Einsatz der Häme möchte er sich über sein Gegenüber stellen.[7] Zwischen den Personen herrscht ein Spannungsverhältnis. Dieses kann durch sich unterscheidende Meinungen, Haltungen (z. B. politische Anschauungen) oder Aussagen entstehen.

Die Anwesenheit eines Publikums verstärkt die Wirkung der Häme, ist aber keine notwendige Bedingung. Auch mediale Kanäle wie Facebook, Twitter oder YouTube können die Konstellation herstellen und als kommunikativer Zugang dienen.

Akt der Häme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um Häme ausüben zu können, muss zunächst ein Schadensfall (z. B. Unglücksfall, Verletzung, Missgeschick) beim Gegenüber eintreten. Dieser tritt ohne das Zutun des hämischen Orators ein. Der Schadensfall steht im Zusammenhang mit dem Spannungsverhältnis zwischen den beiden und stützt die Meinung des Hämikers. Ziel des hämischen Aktes ist die gefühlte Erhöhung der Machtposition des Hämikers auf Kosten des Gegenübers.

Beispiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Horst (Gegenüber) schießt gerne mit seinem Luftgewehr in seinem Garten auf Tontauben. Jedoch hat seine Sehkraft stark nachgelassen.

Roland (Hämiker) ist Horsts Nachbar. Er warnte Horst schon mehrmals vor den Gefahren des Schießens in dessen hohem Alter.

Einige Wochen später tritt der Schadensfall ein: Horst bemerkt nicht, dass das Gewehr entsichert ist, und schießt sich in den Fuß. Roland beobachtet das Ereignis. Bevor er sich um den verletzten Horst kümmert, bringt er noch lautstark seine Meinung zum Ausdruck: „Das geschieht dir recht! Das kommt nun davon. Hättest du auf mich gehört!“ Der Fall spricht sich in den nächsten Tagen in der Nachbarschaft herum (Häme wird publikumswirksam verbreitet). Das Ansehen Horsts wird dadurch öffentlich geschädigt. Dadurch, dass Roland den Schadensfall als verdient ansieht, geht er davon aus, dass die Nachbarn seine Ansicht teilen. Deshalb spekuliert er darauf, durch sein vorausschauendes Denken und sein nachbarschaftliches Engagement positiv hervorzutreten.

Psychologische Bedingungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn eine andere Person einen Schadensfall erleidet, reagieren Menschen entweder mit Mitleid oder mit Schadenfreude, die eine Emotion ist. Diese manifestiert sich in bestimmten Situationen als Häme.[8] Im Gegensatz zu Mitleid, wird Schadenfreude nur empfunden und Häme kommuniziert, wenn der Schadensfall als verdient angesehen wird. Dies ist der Fall, wenn das Gegenüber dem Orator sozial oder in bestimmten Situationen überlegen ist.[9] Wenn sich Menschen sozial vergleichen, ist im Gehirn der anteriore zinguläre Kortex aktiviert.[10] Dies führt zur Empfindung von Neid, der somit auch eine Rolle bei der Äußerung von Häme spielt.[11] Wenn aber dem Gegenüber Unglück widerfährt und dies dazu beiträgt, dass die Ungleichheit zwischen der zu Schaden gekommenen Person und dem Hämiker verringert wird, wird Freude empfunden. Dabei werden im Gehirn das ventrale Striatum und der mediale Orbitofrontalkortex aktiviert, die Teil des Belohnungssystems sind.[10] Der Hämiker sitzt hierbei einem Irrtum auf: zwar bereitet ihm die Äußerung der Häme Befriedigung, allerdings ist selten, dass er sich tatsächlich sozial profiliert. Da die Häme oft aus niederen Beweggründen kommuniziert wird, ist sie sozial nicht angesehen. Im vorangegangenen Beispiel spekuliert Roland zwar auf soziale Anerkennung, im Regelfall wird die Nachbarschaft ihm jedoch niedere Beweggründe zuschreiben.

Interaktionsraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem persönlichen Gespräch findet die Häme vor allem in sozialen Medien und in den Kommentaren von Artikel in Online-Zeitungen Anwendung. Im Internet bietet die vermeintliche Anonymität in Kombination mit der inflationären Shitstorm-Kultur die optimale Voraussetzung für die Äußerung von Häme. Durch die Kommentarfunktion und die Möglichkeit der Anonymität sinkt die Hemmschwelle zur Anwendung der Häme. Hier gilt es allerdings den Sprechakt vom Kommunikationsverfahren, das ein höheres strategisches Ziel verfolgt, abzugrenzen. Bei der Anwendung von Häme in sozialen Medien sind auch die Reichweite und das Publikum ein entscheidender Faktor für deren Wirkung.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Häme ist ein jahrtausendealtes Phänomen. In der Überlieferung der Kreuzigung Jesu von Nazareth in der Bibel {{Bibel|Matthäus|27|41−42}} heißt es: „Desgleichen spotteten auch die Hohenpriester mit den Schriftgelehrten und Ältesten und sprachen: Andern hat er geholfen und kann sich selber nicht helfen. Er ist der König von Israel, er steige nun herab vom Kreuz. Dann wollen wir an ihn glauben.“

21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der spanische Torero Victor Barrio wurde am 9. Juli 2016 durch das Horn eines Stieres getötet. Es folgte eine Welle der Häme. Auf Twitter wurden Kommentare wie: „Ich freue mich über den Tod von Víctor Barrio. Jeder, der ein wehrloses Tier angreift, verdient zu sterben“ veröffentlicht. Ein anderer Kommentar lautete: „Jetzt fressen dich die Würmer, ha, ha.“.[12]
  • Nach der Ermordung der Freiburger Studentin Maria Ladenburger kamen hämische Kommentare auf, als bekannt wurde, dass der Mörder ein Geflüchteter ist und die Familie in der Flüchtlingshilfe aktiv war. Trotz der Tat und der hämischen Reaktionen darauf, riefen die Eltern unter anderem zu Spenden für die Organisation Weitblick e.V. auf, welche in der Flüchtlingshilfe aktiv ist. Dies führte zu weiteren hämischen Kommentaren. Auch auf YouTube wurden viele hämische Kommentare veröffentlicht. Die folgenden Originalzitate wurden nicht korrigiert:
  1. „She was a refugee activist and the daughter of an EU official…raped and killed by an Afghan „refugee“. LMAO That is fuckin’ poetic.“[13]
  2. „Mein Mitgefühl hält sich in Grenzen. Sie war Flüchtlingshelferin. Selbst schuld. So gut sind die Gutmenschen.“[14]
  3. „Ich wer erst stinksauer als ich erfuhr dass ein Flüchtlinge sie getötet hat bis ich gelesen habe dass die Getötete selbst, ehrenamtlich mit Flüchtlingen gearbeitet hat und ihre Eltern nach der Tat zu spenden für besagte Organisation aufgerufen haben. Also hat es zum Glück genau die Richtige erwischt. Danke Angie!“[15]

Uneigentlicher Begriffsgebrauch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der uneigentliche Begriffsgebrauch beschreibt die Verwendung eines Wortes, ohne dass dessen eigentliche Bedeutung gemeint ist. Im Fall der Häme wird im Volksmund beispielsweise das „hämische Lachen“ oder „hämische Grinsen“ benutzt. Diese Begriffe beschreiben meist nur den Sprechakt Häme, nicht das Kommunikationsverfahren, da kein strategisches Ziel verfolgt wird.

Beispiel: Tim spielt mit seiner Familie „Mensch ärgere dich nicht“. Tims Vater fehlt nur noch ein Zug zum Sieg. Doch Tim schafft es im letzten Zug die Figur zu schlagen und verhindert den Sieg. Tim kann sich ein hämisches Lachen nicht verkneifen.

Abgrenzung zu verwandten Begriffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schadenfreude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schadenfreude ist: „malicious enjoyment of the misfortunes of the others.“[16] Im Gegensatz zur Häme ist die Schadenfreude eine Emotion. Daher ist ein strategischer Einsatz nicht möglich.

Spott[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zum Spott enthält die Häme zielgerichtete Boshaftigkeit und dient damit auch der Profilierung.

Spott bezeichnet insbesondere das Lächerlich machen („Verspotten“) einer Person, Personengruppe oder einer Instanz. Fügt man ihm Verachtung und Ehrabschneidung hinzu, so spricht man von Hohn. Verachtung als Teil des Sadismus und Ehrabschneidung als Teil der Besserwisserei können im Kommunikationsverfahren Häme auftreten. Dennoch ist hier eine klare Trennlinie zu ziehen, welche den Spott als deutlich „harmloser“ einstuft.

Hohn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hohn ist eng verwandt mit Häme, allerdings fehlt auch hier die Profilierungsstrategie.

Wie zuvor beschrieben, wird von Hohn gesprochen, wenn Spott gemischt mit Verachtung und/oder Ehrabschneidung auftritt. Im Unterschied zum Kommunikationsverfahren Häme, dient Hohn jedoch meist einfach nur der Demütigung des Gegenübers. Ehrabschneidung ist hier nicht Teil einer übergeordneten Profilierungsstrategie, sondern soll persönlich genommen werden und ist tendenziell beleidigend. Zwar kann Ehrabschneidung im Kommunikationsverfahren Häme ebenfalls sadistisch eingesetzt werden, um die Zielperson zu treffen, sie kann aber auch Teil der Besserwisserei zur Selbsterhöhung bzw. der allgemeinen Profilierungsstrategie sein.

Kriminell kommunikative Straftatbestände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschlandlastige Artikel Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

In Deutschland stellt die Häme an sich keinen Straftatbestand dar, verschiedene Sprechakte der Häme sind hingegen strafrechtlich relevant, wenn sie in breiter angelegte Kommunikationsverfahren integriert sind (z. B. Häme im Rahmen von Volksverhetzung).

Die folgenden Artikel finden nur Anwendung, wenn die Äußerung ehrverletzend oder unwahr ist:

So heißt es in § 185 Strafgesetzbuch (StGB) Beleidigung: Die Beleidigung wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und, wenn die Beleidigung mittels einer Tätlichkeit begangen wird, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahre oder mit Geldstrafe bestraft.

§ 186 StGB Üble Nachrede: Wer in Beziehung auf einen anderen eine Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen geeignet ist, wird, wenn nicht diese Tatsache erweislich wahr ist, mit Freiheitsstrafe ist zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

§ 187 StGB Verleumdung: Wer wider besseres Wissen in Beziehung auf einen anderen eine unwahre Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen oder dessen Kredit zu gefährden geeignet ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§11 Abs. 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

§ 189 StGB Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener: Wer das Andenken eines Verstorbenen verunglimpft, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

§ 130 StGB Volksverhetzung

(1) Wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören,

1. gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe, gegen Teile der Bevölkerung oder gegen einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung zum Hass aufstachelt, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen auffordert oder
2. die Menschenwürde anderer dadurch angreift, dass er eine vorbezeichnete Gruppe, Teile der Bevölkerung oder einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet, wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

 (2) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer

1. eine Schrift (§ 11 Absatz 3) verbreitet oder der Öffentlichkeit zugänglich macht oder einer Person unter achtzehn Jahren eine Schrift (§ 11 Absatz 3) anbietet, überlässt oder zugänglich macht, die
a) zum Hass gegen eine in Absatz 1 Nummer 1 bezeichnete Gruppe, gegen Teile der Bevölkerung oder gegen einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer in Absatz 1 Nummer 1 bezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung aufstachelt,
b) zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen gegen in Buchstabe a genannte Personen oder Personenmehrheiten auffordert oder
c) die Menschenwürde von in Buchstabe a genannten Personen oder Personenmehrheiten dadurch angreift, dass diese beschimpft, böswillig verächtlich gemacht oder verleumdet werden,
2. einen in Nummer 1 Buchstabe a bis c bezeichneten Inhalt mittels Rundfunk oder Telemedien einer Person unter achtzehn Jahren oder der Öffentlichkeit zugänglich macht oder
3. eine Schrift (§ 11 Absatz 3) des in Nummer 1 Buchstabe a bis c bezeichneten Inhalts herstellt, bezieht, liefert, vorrätig hält, anbietet, bewirbt oder es unternimmt, diese Schrift ein- oder auszuführen, um sie oder aus ihr gewonnene Stücke im Sinne der Nummer 1 oder Nummer 2 zu verwenden oder einer anderen Person eine solche Verwendung zu ermöglichen.

(3) Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangene Handlung der in § 6 Abs. 1 des Völkerstrafgesetzbuches bezeichneten Art in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, öffentlich oder in einer Versammlung billigt, leugnet oder verharmlost.

(4) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer öffentlich oder in einer Versammlung den öffentlichen Frieden in einer die Würde der Opfer verletzenden Weise dadurch stört, dass er die nationalsozialistische Gewalt- und Willkürherrschaft billigt, verherrlicht oder rechtfertigt.

(5) Absatz 2 Nummer 1 und 3 gilt auch für eine Schrift (§ 11 Absatz 3) des in den Absätzen 3 und 4 bezeichneten Inhalts. Nach Absatz 2 Nummer 2 wird auch bestraft, wer einen in den Absätzen 3 und 4 bezeichneten Inhalt mittels Rundfunk oder Telemedien einer Person unter achtzehn Jahren oder der Öffentlichkeit zugänglich macht.

(6) In den Fällen des Absatzes 2 Nummer 1 und 2, auch in Verbindung mit Absatz 5, ist der Versuch strafbar.

(7) In den Fällen des Absatzes 2, auch in Verbindung mit Absatz 5, und in den Fällen der Absätze 3 und 4 gilt § 86 Abs. 3 entsprechend.

Häme bei Schopenhauer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schopenhauer verwendet in seiner „Eristischen Dialektik“ (Diskussionstricks) verschiedene Argumentationstypen. Für den folgenden Abschnitt sind drei davon relevant, die daher vorab definiert werden.

Argumentum ad rem: Argument, das sich auf das Streitthema bezieht

Argumentum ad hominem: Ein auf die Person des Gegners gerichtetes Argument, das dabei klaren Bezug zum eigentlichen Streitthema enthält

Argumentum ad personam: Ein auf die Person des Gegners gerichtetes Argument, das keinen Bezug zum eigentlichen Streitthema enthält

Im letzten Kunstgriff von Schopenhauers „Eristischer Dialektik“ zeigt er auf, weshalb Häme Einzug in viele Diskussionen erhält. Die Häme stellt ein Mittel dar, um ein Argumentum ad personam anzubringen, dass dazu dient, sich selbst über den anderen zu stellen. Das Argumentum ad personam findet Anwendung, wenn weder ein Argumentum ad rem noch ad hominem zielführend zu sein scheint.[17]

Häme als literarisches Verfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch der Gebrauch der Häme als literarisches Verfahren deckt sich nicht mit ihrem Gebrauch als Kommunikationsverfahren. Wie bei Schopenhauer geht es hierbei zwar auch in der Literatur um Selbsterhöhung, jedoch wird nicht zwangsweise ein argumentum ad personam angeführt. „Seine Bosheit ist versteckt […], denn der offene Angriff im Argument würde eingehen auf den (ethischen oder lyrischen) Ernst des Gegners und dessen Anliegen akzeptieren, doch der Ernst ist, […] nicht zu halten. Wo alles Interesse ist, gibt es nur eine einzige Form der Überhöhung – die Häme.“[18] Der deutliche Unterschied literarischer Häme zum selbigen Kommunikationsverfahren zeigt sich in der Nähe zur Kritik. Häme ist hier oft ein selbstreflexives Instrument, um Kritik auf einem unkonventionellen, womöglich sogar unterhaltenden, Weg zu äußern: Häme „verschafft allein dem, dem man nichts vormachen könne, die moralische Überlegenheit. Damit ist ihr Quell persönlich und liegt in der bitteren Einsicht, man sei selbst nicht anders. Diese Einsicht erst, die trotz der politischen Entscheidung bleibt und ihr jenen unheimlichen Abgrund gibt, läßt [sic!] Kritik zur Häme werden, in der der persönliche Stachel weiterwirkt. […] Die Häme wird stets recht haben, je nach Situation. Sie ist ein situatives Instrument, ihre Beständigkeit erzielt sie auf Kosten eines positiven Ich, oder […] auf Kosten der Authentizität.“[19]

Somit bedarf es für Häme als einem literarischen Verfahren weder Schadenfreude noch Sadismus. Besserwisserei kann bei ihr zwar mitschwingen, sie ist jedoch nicht konstitutiv.

Häme als Spiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

→ Hauptartikel: Hämespiele

Das Ausspielen von Häme findet sich als Spielgedanke schon im Kinderspiel. Im Spiel wird spannende Wirklichkeit gestaltet, werden Möglichkeiten ausprobiert, wird die Reaktion der andern getestet, Spaß und Spott inszeniert. Dazu gehört auch das Ausleben des Vergnügens, jemanden spielerisch hereinzulegen.[20] Die Bildergeschichten des humoristischen Dichters und Zeichners Wilhelm Busch liefern dazu, etwa in den fantasievollen Streichen von Max und Moritz, anschauliche Beispiele. In der respektlosen verbalen Herausforderung „He, heraus! Du Ziegen-Böck! Schneider, Schneider, meck, meck, meck!“ zeigt sich gleichzeitig eine Missachtung des Hämeopfers.

Wilhelm Busch: Max und Moritz. Hämespiel mit Schneidermeister Böck

Wegen der Bloßstellung von Mitspielern gehören die sogenannten Hämespiele allerdings zu den spielpsychologisch kritisch beurteilten Spielformen, denn dem Triumph der gelungenen Täuschung auf der Seite der Spielmacher steht auf der Seite der Betroffenen oft das Gefühl einer Erniedrigung gegenüber.[21]

Ein typisches Beispiel für diese Spielgattung ist das alte Straßenspiel „Die fliehende Geldbörse“, bei dem der vermeintlich glückliche Fund sich als ein übler Scherz entpuppt. Das alte Kinderspiel vom „Gänsedieb“, bei dem ein Kind in einem rituellen Kreisspiel als „Gänsedieb“ angeprangert wird, den kein Mensch mehr lieb hat, erweist sich für die betroffenen Kinder oft als kaum erträglich. Der vor einem Millionenpublikum verbal herabwürdigend vollzogene Hinauswurf aus dem Spiel in der Fernsehsendung „Der Schwächste fliegt“ trieb selbst den betroffenen erwachsenen Spielteilnehmern die Tränen in die Augen.

Hämespiele sind vor allem im freien (ungelenkten und unbeaufsichtigten) Kinderspiel beliebt. Im pädagogischen Rahmen erfahren sie wegen der hohen Verletzbarkeit und der entsprechenden Produktion von Spielverdruss einer behutsamen Begleitung und methodischen Gestaltung durch spielerfahrene Erwachsene. Als positive Effekte dieser Spielformen nennen die Spielwissenschaftler Warwitz/Rudolf einerseits das Erlernen von Frustrationstoleranz, d. h. eine Stabilisierung der Ich-Identität über die Verbesserung der seelischen Belastbarkeit, und die daraus erwachsende Möglichkeit, auch über sich selbst einmal lachen zu können. Auf der anderen Seite sehen sie in der Metareflexion die Chance einer sozialen Sensibilisierung für die bei den Mitspielenden ausgelösten Gefühle.[22] Auch Wygotsky betont die Bedeutung der Nutzung des ganzen Spektrums der Spielformen für die psychische Entwicklung des Kindes.[23]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Einsiedler: Das Spiel der Kinder. Zur Pädagogik und Psychologie des Kinderspiels. 3. Auflage. Verlag Klinkhardt, Bad Heilbrunn 1999, ISBN 3-7815-0977-X.
  • Alexander Görlach: Wir wollen Euch scheitern sehen!: wie die Häme unser Land zerfrisst. Campus-Verlag, Frankfurt am Main/ New York 2014, ISBN 978-3-593-50042-3.
  • Siegbert A. Warwitz, Anita Rudolf: Hämespiele. In: Dies.: Vom Sinn des Spielens. Reflexionen und Spielideen. 4. Auflage. Verlag Schneider, Baltmannsweiler 2016, S. 152–160, ISBN 978-3-8340-1620-1.
  • L. S. Wygotski: Das Spiel und seine Bedeutung in der psychischen Entwicklung des Kindes. In: D. B. Elkonin (Hrsg.): Psychologie des Spiels. Studien zu kritischen Psychologie. Pahl-Rugenstein-Verlag, Köln 1980.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Häme – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aaron Ben-Ze’ev: The personal comparative concern in schadenfreude. In: Wilco W. Van Dijk, Jaap W. Ouwerkerk (Hrsg.): Schadenfreude. Understanding Pleasure at the Misfortune of Others. Cambridge 2014.
  2. Alexander Görlach: Wir wollen Euch scheitern sehen! Wie die Häme unser Land zerfrisst. Frankfurt am Main 2014.
  3. Duden. Herkunftswörterbuch – Etymologie der deutschen Sprache. 3., neu bearb. und erw. Auflage. Mannheim/ Leipzig/ Wien/ Zürich 2001.
  4. Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Bearb. Von Elmar Seebold. 24., durchges. und erw. Auflage. Berlin/ New York 2002.
  5. Georg Michel: Zum Verhältnis von Sprechakt und Kommunikationsverfahren. Handlungstheoretische Positionen in der Linguistik der DDR. In: Zeitschrift der Phonetik, Sprachwissenschaft und Kommunikationsforschung. 35, 1982, S. 685–692.
  6. Georg Michel: Zum Verhältnis von Sprechakt und Kommunikationsverfahren. Handlungstheoretische Positionen in der Linguistik der DDR. In: Zeitschrift der Phonetik, Sprachwissenschaft und Kommunikationsforschung. 35, 1982, S. 38.
  7. Aaron Ben-Ze’ev: The personal comparative concern in schadenfreude. In: Wilco W. Van Dijk, Jaap W. Ouwerkerk (Hrsg.): Schadenfreude. Understanding Pleasure at the Misfortune of Others. Cambridge 2014, S. 32.
  8. Aaron Ben-Ze’ev: The personal comparative concern in schadenfreude. In: Wilco W. Van Dijk, Jaap W. Ouwerkerk (Hrsg.): Schadenfreude. Understanding Pleasure at the Misfortune of Others. Cambridge 2014, S. 29.
  9. Aaron Ben-Ze’ev: The personal comparative concern in schadenfreude. In: Wilco W. Van Dijk, Jaap W. Ouwerkerk (Hrsg.): Schadenfreude. Understanding Pleasure at the Misfortune of Others. Cambridge 2014, S. 29.
  10. a b Hidehiko Takahashi, Motoichiro Kato, Masato Matsuura, Dean Mobbs, Tetsuya Suhara u. a.: When Your Gain Is My Pain and Your Pain Is My Gain: Neural Correlates of Envy and Schadenfreude. (online)
  11. Aaron Ben-Ze’ev: The personal comparative concern in schadenfreude. In: Wilco W. Van Dijk, Jaap W. Ouwerkerk (Hrsg.): Schadenfreude. Understanding Pleasure at the Misfortune of Others. Cambridge 2014, S. 110.
  12. Paul Ingendaay: Wer den Durst der Götter stillt. (online)
  13. EziollMentore (12/2016) o. T. [She was a refugee activist…] zum Video: Maria Ladenburger Ruhe in Frieden: Deutschland DU BIST DRAN? EU Verlassen. Abgerufen von https://www.youtube.com/watch?v=VXeWLnGJ-ko&t=1s am 31. Dezember 2016. Veröffentlicht von: Low Pockets.
  14. SvenForbes (12/2016) o. T. [Mein Mitgefühl hält sich in Grenzen…] zum Video: Maria Ladenburger Ruhe in Frieden: Deutschland DU BIST DRAN? EU Verlassen. Abgerufen von https://www.youtube.com/watch?v=VXeWLnGJ-ko&t=1s am 31. Dezember 2016. Veröffentlicht von: Low Pockets.
  15. Hase (12/2016) o. T. [Ich wer erst stinksauer als ich erfuhr…] zum Video: Maria Ladenburger Ruhe in Frieden: Deutschland DU BIST DRAN? EU Verlassen. Abgerufen von https://www.youtube.com/watch?v=VXeWLnGJ-ko&t=1s am 31. Dezember 2016. Veröffentlicht von: Low Pockets.
  16. Aaron Ben-Ze’ev: The personal comparative concern in schadenfreude. In: Wilco W. Van Dijk, Jaap W. Ouwerkerk (Hrsg.): Schadenfreude. Understanding Pleasure at the Misfortune of Others. Cambridge 2014, S. 1.
  17. Arthur Schopenhauer: Eristische Dialektik, oder, die Kunst, Recht zu behalten: in achtunddreissig Kunstgriffen dargestellt. Leipzig 1995. Herausgeber Franco Volpi.
  18. Christoph König: Häme als literarisches Verfahren. Günter Grass, Walter Jens und die Mühen des Erinnerns. Göttingen 2008, S. 18.
  19. Christoph König: Häme als literarisches Verfahren. Günter Grass, Walter Jens und die Mühen des Erinnerns. Göttingen 2008, S. 18f.
  20. Wolfgang Einsiedler: Das Spiel der Kinder. Zur Pädagogik und Psychologie des Kinderspiels. 3. Auflage. Verlag Klinkhardt, Bad Heilbrunn 1999.
  21. Siegbert A. Warwitz, Anita Rudolf: Umstrittene Spielformen. In: S. A. Warwitz, A. Rudolf: Vom Sinn des Spielens. 4. Auflage. Verlag Schneider Hohengehren, Baltmannsweiler 2016, S. 126–160.
  22. Siegbert A. Warwitz, Anita Rudolf: Hämespiele. In: Dies.: Vom Sinn des Spielens. Reflexionen und Spielideen. 4. Auflage. Verlag Schneider, Baltmannsweiler 2016, S. 152–160.
  23. L. S. Wygotski: Das Spiel und seine Bedeutung in der psychischen Entwicklung des Kindes. In: D. B. Elkonin (Hrsg.): Psychologie des Spiels. Studien zur kritischen Psychologie. Pahl-Rugenstein-Verlag, Köln 1980.