Häutungen

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Häutungen ist das autobiografische Romandebüt von Verena Stefan mit dem Untertitel Biografische Aufzeichnungen. Gedichte. Träume. Analysen aus dem Jahr 1975, das als erster deutschsprachiger literarischer Text der Neuen Frauenbewegung Furore machte und ein Bestseller wurde.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptthema des Buches ist das Erleben von Sexualität der Ich-Erzählerin: von „Selbstaufgabe“ und Anpassung an die Wünsche und Vorstellungen der männlichen Partner, des Prozesses ihrer Suche nach der eigenen, „wahren“ geschlechtlichen Identität, verbunden mit der Hinwendung zu Frauen und der Selbstverwirklichung des weiblichen Ichs in der lesbischen Sexualität. Stefan beschreibt einen Emanzipationsprozess, in dem die Erinnerungsarbeit und die Loslösung von den entfremdenden Beziehungen zum anderen Geschlecht metaphorisch als Häutung erfahren wird. Sie besetzt dieses Bild mit der Schlange, dem mythischen Symbol für weibliche Sexualität.[1] Am Ende des Buches steht der Satz: „der mensch meines Lebens bin ich.“[2]

Entstehungsgeschichte und Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verena Stefan gehörte zu Beginn der 1970er Jahre in Berlin der feministischen Gruppe Brot und Rosen an, mit der sie Frauenkongresse und Aktionen gegen den § 218 organisierte. Für die Zeitschrift Kursbuch sollte die Gruppe einen Beitrag zum Thema „Wie lässt sich die Emanzipation der Frau mit der Beziehung zu einem Mann vereinbaren?“ schreiben. Daraus entstand das Manuskript zu Häutungen.[3] Als Verena Stefan 1974 ihr Buch zu schreiben begann, gab es in Deutschland weder Frauenbuchläden noch feministische Verlage. Das Schreiben eines Buches betrachtete sie als „die geeignetste Form, für die Sache der Frauen zu handeln“.[4]

Schon nach einem Jahr wurde das Buch in fünfter Auflage gedruckt. 1980 hatte es eine Auflagenzahl von 200.000 erzielt, obwohl die Werbung nur über Mundpropaganda lief. Häutungen hat den Aufbau des Verlags Frauenoffensive, der es als erstes Buch verlegte, möglich gemacht und den Markt für „Literatur von Frauen für Frauen“ geöffnet.[5] Es ist mit rund 500.000 verkauften Exemplaren das meistgelesene Buch der neueren Frauenliteratur.

Ausgaben (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nicola Huber: Emanzipation in Wort, Schrift und Tat. Die zweite Welle der Frauenbewegung am Beispiel von Verena Stefans «Häutungen» und Christa Wolfs «Kassandra». Grin, München 2014, ISBN 978-3-656-68289-9.
  • Roman Weber: Verena Stefans «Häutungen». Eine Analyse hinsichtlich Ihrer Kritik am vorherrschenden heteronormativen Sexualitätsverständnis. Grin, München 2014, ISBN 978-3-656-65815-3.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Franziska Frei Gerlach: Schrift und Geschlecht. Erich Schmidt Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-503-03793-4, S. 42f.
  2. Zitiert in: Margret Brügmann: Das gläserne Ich. Überlegungen zum Verhältnis von Frauenliteratur und Postmoderne am Beispiel von Anne Dudens "Das Judasschaf" In: Mona Knapp, Gerd Labroisse: Frauen-Fragen in der deutschsprachigen Literatur seit 1945. Rodopi Verlag, Amsterdam 1989, ISBN 90-5183-043-2, S. 253/254.
  3. Interview mit Verena Stefan, taz vom 10. Mai 2008
  4. Zitiert in: Karen Ruoff Kramer: The politics of discourse. Peter Lang Verlag, 1993, ISBN 3-261-04409-8, S. 240.
  5. Munzinger Archiv, Stand 1. Juni 2009