Indefinitpronomen

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In der Grammatik bilden Indefinitpronomen (auch -pronomina; deutsch: unbestimmte Fürwörter) eine Untergruppe der Pronomen. Sie können zum Verweis auf Individuen dienen, deren Identität (noch) nicht näher bestimmt ist (z. B. man, jemand; sie sind dann meist analog zur Funktion des unbestimmten (indefiniten) Artikels bei Substantiven), oder zur Angabe einer unbestimmten Anzahl von Individuen bzw. zu einer Existenzaussage über Individuen (Quantifikation) (auch dies trifft auf die Form jemand zu, ferner: niemand, mancher, jeder etc.). Indefinitpronomen können grammatisch Singular oder Plural sein, oft unabhängig von der tatsächlichen Anzahl der gemeinten Individuen (z. B. „keiner“ im Singular und „keine“ im Plural bezeichnen beide die Anzahl Null, vgl. auch jeder (Sg.) und alle (Pl.)). Manche Indefinitpronomen können selbst für Genus flektiert werden; auch wo dies nicht der Fall ist, werden Indefinitpronomina oft mit dem Maskulinum verbunden (z. B. "jemand, der sowas schreibt"), ohne dass dies mit dem natürlichen Geschlecht der in Frage kommenden Individuen übereinstimmen muss.

Indefinitpronomina der deutschen Sprache[Bearbeiten]

Je nach grammatischer Schule werden im Deutschen Indefinitpronomina in einem weiteren oder engeren Sinne definiert[1].

Abgrenzung von Personalpronomina[Bearbeiten]

Im Gegensatz zu Personalpronomina und den Generalpronomina man/frau können Indefinitpronomina keine referenzielle Identität herstellen, d.h. sie können sich nicht auf ein- und denselben Referenten nicht innerhalb eines Textes wiederholt beziehen:

SieA weiß, was sieB will. (Referent A ist identisch mit Referent B)
ManA weiß, was manB will. (Referent A ist identisch mit Referent B)
JemandA weiß, was jemandB will. (Referent A ist nicht identisch mit Referent B)

Indefinitpronomina im engeren Sinne[Bearbeiten]

Charakteristisch für diese Pronomina ist, dass ihre unspezifische Grundbedeutung jeweils mit dem Präfix irgend- verstärkt werden kann; eine Ausnahme ist die Konstruktion wer/was auch immer, die nur als indefinites Relativpronomen in einem untergeordneten Nebensatz fungiert. In der deutschen Standardsprache und Umgangssprache gibt es verschiedene Formen, die nach Numerus sowie nach der Kategorie animat und inanimat unterschieden werden. Beim Genus fällt auf, dass es oft keine speziellen femininen Formen gibt:

animat inanimat Plural
maskulin feminin neutrum
Standardsprache (irgend)jemand (irgend)etwas (irgend)welche
Umgangssprache (irgend)wer (irgend)was
(irgend)einer (irgend)eine (irgend)ein
Relativpronomen wer auch immer was auch immer ---

Das Pronomen ein- kann je nach Kontext auch als Numerale aufgefasst werden:

  • Eines der Autos parkt falsch. (Indefinitpronomen)
  • Ein Auto parkt falsch. (Zahlwort)
  • Er hat sie in einem Auto wegfahren sehen. (unbestimmter Artikel)

Indefinitpronomina im weiteren Sinne[Bearbeiten]

Im weiteren Sinne werden von manchen Grammatiken auch folgende Pronomina zu den Indefinitpronomina gezählt, da sie relative Referenzmengen bestimmen und zwischen mehreren solcher relativer Referenzmengen keine Identität herstellen können:

  • die Frequenzpronomina kein-, manch- und niemand
  • die Pluralpronomina einige, ein paar, etliche, etwelche (veraltet), mehrere, viele und wenige für zählbare Mengen
  • die Pronomina ein bisschen, nichts, viel, (ein) wenig für unzählbare Mengen.

Nicht zu dieser Klasse gehören sämtliche Pronomina, die totale Mengen bestimmen:

  • die Frequenzpronomina jed-, jedwed-, jedermann,
  • die Pluralpronomina alle, allesamt, beide und sämtliche, die durchaus Identität zwischen zwei zählbaren Referenzmengen herstellen, sowie
  • deren Entsprechungen für nicht-zählbare Mengen, alles und beides. Beispiele:
Ich habe dir alles sagenA wollen, aber du hast nicht allesB hören wollen. (Referenzmenge A ist identisch mit Referenzmenge B)
Er hat beidesA gegessen, aber hat nicht beidesB vertragen. (Referenzmenge A ist identisch mit Referenzmenge B)

Heutzutage ist es jedoch weithin üblich, diese Pronomina als Quantifikativ-Pronomina einzuordnen.

Davon abgegrenzt werden müssen deiktische Pronomina wie so jemand, so etwas, solch- und -gleichen (z.B. meinesgleichen), die auf kontextuelle Referenten verweisen.

Soll dagegen der substantivische Charakter hervorgehoben werden, kann auch großgeschrieben werden:

  • Sie kümmerte sich nicht um die Vielen, die anderer Meinung waren.
  • Er wartete immer noch auf die Eine, die ihn glücklich machen sollte.

Indefinitpronomina in anderen Sprachen[Bearbeiten]

Lateinische Indefinitpronomina[Bearbeiten]

Im Lateinischen sind die wichtigsten Indefinitpronomen:

  • quisquam, quicquam
  • ullus, -a, -um
  • aliqui,-qua, -quod
  • aliquis, aliquid
  • quidam, quaedam, quoddam
  • quivis, quaevis, quivis
  • quisque

Teilweise werden diese im substantivischen und adjektivischen Gebrauch unterschieden.

Englische Indefinitpronomina[Bearbeiten]

Die englische Sprache unterscheidet folgende Pronomina mit indefiniter Grundbedeutung:

Singular Plural
animat inanimat
someone/somebody something some
anyone/anyobdy anything any
whoever whatever ---

Französische Indefinitpronmina[Bearbeiten]

Grundlage französischer Indefinitpronomina ist das Adjektiv quelque. Auch hier wird im Singular zwischen animat und inanimat unterschieden:

animat inanimat
maskulin feminin
Singular quelqu’un quelqu’une quelque chose
Plural quelqu’uns quelqu’unes quelques choses

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Indefinitpronomen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://hypermedia.ids-mannheim.de/call/public/termwb.ansicht?v_app=g&v_id=157