Coitus a tergo

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Erotisches Fresko aus der antiken Stadt von Pompeji (Archäologisches Nationalmuseum Neapel). Die teilweise verschwundene lateinische Inschrift lautet lens impelle, eine Aufforderung der Prostituierten an den Kunden „Langsam schieben“

Coitus a tergo (lat. für „Geschlechtsverkehr von hinten“) oder auch vis a tergo (lat. „Kraft von hinten“), häufig verkürzt auf a tergo (lat. für „von rückenwärts“ zu tergum Rücken) ist eine zusammenfassende Bezeichnung für mehrere Stellungen (Sexualpraktik) und Varianten, den Geschlechtsverkehr zu praktizieren, bei denen ein Partner den Rücken des Andern im Blickfeld hat.

Wissenschaftlich wird diese Sexualpraktik als dorso-ventrale Kopulation bezeichnet.[1] Ein direkter Blickkontakt ist bei diesen Positionen kaum möglich.[2] Bei den meisten Wirbeltier- und vor allem Säugetierarten ist die dorso-ventrale Kopulation die übliche Form der Kopulation.

Sie wurde bereits in der Antike beschrieben und bewertet. Der römische Dichter und epikureische Philosoph Lukrez schrieb in seinem „De rerum natura“ (deutsch „Über die Natur der Dinge“ oder „Vom Wesen des Weltalls“)[3], dass die Position a tergo die leidenschaftslosere sei und deshalb bevorzugt würde, auch würden Frauen in dieser Stellung leichter schwanger.

Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hündchenstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hündchenstellung
kopulierende Haushunde

Der Name der Stellung rührt daher, dass sie jener ähnelt, die bei der Begattung von Hunden (und vielen anderen Tierarten) beobachtet werden kann. Bei der Hündchenstellung (auch unter dem englischen Begriff doggy style bekannt) kniet in der Regel ein Partner bzw. eine Partnerin und der andere Partner bzw. die andere Partnerin führt von hinten seinen Penis, Dildo oder ähnliches ein. Es können sowohl die Vagina als auch der Anus penetriert werden. Bei Anwendung im Stehen muss der vordere Partner bzw. die vordere Partnerin dabei mehr oder weniger ein Hohlkreuz ausbilden; je nach Neigungswinkel und Aufrichten des Oberkörpers. Bei sehr unterschiedlich großen Sexualpartnern bzw. Sexualpartnerinnen kann diese Stellung ohne Hilfsmittel wie hohe Schuhe oder Stufen problematisch werden.

Andererseits kann der Größenunterschied sowie die Möglichkeit durch spreizen der Beine, auch im Knien, die Höhe der Beckenposition und damit den Penetrationswinkel leicht variieren zu können, zusätzliche Möglichkeiten der Stimulation eröffnen. Als Vorteilhaft an dieser Stellung wird angegeben, dass der penetrierende Partner beide Hände frei hat, um andere erogene Zonen des knienden Partners zusätzlich zu stimulieren, wie etwa die Brüste, die Klitoris oder den Penis. Außerdem sollen die (wissenschaftlich umstrittenen) erogenen Zonen der Frau im Scheideninneren (G-Punkt, A-Punkt) beim Vaginalverkehr in dieser Stellung besonders stark stimuliert werden. Dies würde für den A-Punkt dann auch von einer möglichen Variation der Gebärmutterlage beeinflusst werden. Als nachteilig wird die nur sehr eingeschränkte Möglichkeit von Blickkontakt und Küssen aufgefasst. Außerdem soll in dieser Stellung ein im Vergleich zu anderen Stellungen höheres Risiko für Penisrupturen bestehen.[4]

Löffelchenstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Löffelstellung

Bei der Löffelchenstellung oder auch Löffelstellung liegen die Partner auf der Seite, und ein Partner bzw. eine Partnerin dringt von hinten in den Anus oder die Vagina des andern Partners bzw. der anderen Partnerin ein.[5] Der Name der Stellung rührt von der Ähnlichkeit mit zwei ineinanderliegenden Löffeln her.

Ein Vorteil der Stellung ist die hohe Intimität durch den möglichen großen Körperkontakt, da die Partner bzw. Partnerinnen sich weitgehend anschmiegen können. Beide Partner können sich zusätzlich an erogenen Zonen stimulieren, da die Arme nicht zum Abstützen gebraucht werden. Auch in der Schwangerschaft ist die Löffelchenstellung eine Position, die von vielen Frauen bevorzugt wird.[6][7][8]

Doppelte Penetration[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für eine sogenannte Doppelpenetration („Sandwich“) befindet sich in der Regel einer der beiden penetrierenden Partner in der a tergo Position. Hierbei kommt es gleichzeitig zu einer vaginalen und analen Penetration der Frau.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: A tergo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alan F. Dixson: Sexual Selection and the Origins of Human Mating Systems. OUP Oxford, Oxford 2009, ISBN 978-0-1915-6973-9, S. 83
  2. Martin Grunwald, Lothar Beyer: Der bewegte Sinn: Grundlagen und Anwendungen zur haptischen Wahrnehmung. Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg/New York 2013, ISBN 978-3-0348-8302-3, S. 255
  3. Vom Wesen des Weltalls. 4 Übers. von Dietrich Ebener. Leipzig: Reclam 1989. (Reclams Universal-Bibliothek. 1292) ISBN 3-379-00434-0. - Neuausg.: Berlin: Aufbau 1994 (Bibliothek der Antike. Römische Reihe) ISBN 3-351-02279-4, S. 1263–1267
  4. Thomas Müller: Riskanter Doggy Style. Penisrupturen am häufigsten in der Hündchenstellung. 20. November 2017, Sexualität, Aktuelle Medizin, Report, Ausgabe 20/2017
  5. L wie Löffelchen. Abgerufen am 2. August 2013.
  6. Umfrage unter 1500 Frauen in einem Dossier der Zeitschrift Brigitte 19/1993.
  7. Willibrord Weijmar Schultz, Pek van Andel, Ida Sabelis, Eduard Mooyaart: Magnetic resonance imaging of male and female genitals during coitus and female sexual arousal. BMJ. 319 (1999)(7225): 1596–600. doi:10.1136/bmj.319.7225.1596. PMC 28302 [1]
  8. Alzate H, Londono ML.: Vaginal erotic sensitivity. J Sex Marital Ther 1984; 10: 49–56