Hafsia Herzi

Hafsia Herzi (* 25. Januar 1987 in Manosque, Alpes-de-Haute-Provence) ist eine französische Schauspielerin, Filmregisseurin und Drehbuchautorin. Sie wurde mehrfach mit dem Filmpreis César ausgezeichnet.
Biografie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Herzi wurde 1987 als jüngstes von sechs Kindern einer algerisch-tunesischen Familie geboren. Sie wuchs in einfachen Verhältnissen im Norden von Marseille auf. Ihr Vater starb, als sie zwei Jahre alt war, ihre Mutter war Hausfrau. Erste schauspielerische Erfahrungen sammelte Herzi im Alter von zwölf Jahren, als sie als Komparsin in einem Fernsehfilm des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders France 3 vor der Kamera stand. Schauspielkurse konnte sie jedoch nicht besuchen, da ihre Familie nicht über genügend finanzielle Mittel verfügte.
Nach dem Schulabschluss begann Herzi ein Studium der Rechtswissenschaft, ehe sie 2005 bei einem Casting in ihrer Heimatstadt vom französischen Regisseur Abdellatif Kechiche entdeckt wurde. Kechiche, ebenfalls nordafrikanischer Abstammung, bereitete zu dieser Zeit in Marseille seinen dritten Spielfilm, Couscous mit Fisch, vor, in dem Herzi eine weibliche Hauptrolle bekam. Der Film, der seine Uraufführung auf den 64. Filmfestspielen von Venedig feierte, erzählt die Geschichte eines 60-jährigen Werftarbeiters (gespielt von Habib Boufares), der von seiner Familie geschieden lebt. Mittlerweile arbeitslos, flüchtet er sich in seine Träume und versucht mit seiner neuen Lebensgefährtin und deren Tochter ein Restaurantboot zu eröffnen, wo sie Fischgerichte und Couscous anbieten. Herzi erhielt für ihre Darstellung der Stieftochter Rym den Marcello-Mastroianni-Preis für die beste Nachwuchsschauspielerin und im folgenden Jahr, 2008, den französischen César in derselben Kategorie. Herzi hatte für ihr Kinodebüt ihr Studium mehrere Monate unterbrochen, für eine im Film enthaltene Bauchtanzszene fünfzehn Kilogramm zugenommen und vier Stunden Muskeltraining täglich sowie sechs Stunden Tanzunterricht pro Woche absolviert.
Nach der Zusammenarbeit mit Kechiche brach Herzi ihr Hochschulstudium ab und nahm Schauspielunterricht. Weitere Film- und Fernsehrollen folgten, darunter Française, der Debütfilm von Souad El-Bouhati, die ARTE-Produktion Außer Kontrolle von Christophe Lamotte und Abbas Fahdels arabischsprachiges Drama L’Aube du monde. Im Jahr 2009 war Herzi in Francis Husters Drama Un homme et son chien an der Seite von so bekannten Schauspielern wie Jean-Paul Belmondo und Max von Sydow zu sehen. Ebenfalls 2009 erschien die Filmkomödie Le Roi de l’évasion (Alain Guiraudie); im Mai 2010 kam Raja Amaris Drama Anonymes ins Kino.
Erstmals Regie führte Herzi im Kurzfilm Le Rodba (2010). 2019 realisierte sie mit Du verdienst eine Liebe (Tu mérites un amour) ihren ersten Langfilm, bei dem sie neben der Regie auch das Drehbuch schrieb, die Produktion übernahm und die Hauptrolle spielte. Mit diesem Langfilmdebüt wurde sie zur Semaine de la Critique beim Filmfestival von Cannes 2019 eingeladen.[1]
Im Jahr 2025 wurde ihr Spielfilm Die jüngste Tochter in den Hauptwettbewerb des 78. Filmfestivals von Cannes eingeladen. Dabei handelt es sich um eine Literaturverfilmung nach Fatima Daas. Im selben Jahr wurde Herzi für ihre Rolle im Film Borgo mit dem César als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet.
Filmografie (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als Schauspielerin
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 2002: Notes sur le rire (TV)
- 2007: Couscous mit Fisch (La Graine et le Mulet)
- 2007: Außer Kontrolle (Ravages)
- 2008: Französin (Française)
- 2008: Dawn of the World (L’Aube du monde)
- 2008: Ein Mann und sein Hund (Un homme et son chien)
- 2009: Der Ausreißer (Le Roi de l’évasion)
- 2010: Buried Secrets (Anonymes)
- 2011: Haus der Sünde (L’Appollonide (Souvenirs de la maison close))
- 2011: Quelle der Frauen (La Source des femmes)
- 2011: Sie hat alles gestanden (Pour Djamila)
- 2012: The Bag of Flour (Le Sac de farine)
- 2012: Eine Familie im Krieg (Inheritance)
- 2013: Madame empfiehlt sich (Elle s’en va)
- 2013: Exit Marrakech
- 2013: The Marchers (La Marche)
- 2014: War Story
- 2014: Certified Halal (Certifée halal)
- 2015: Par Accident
- 2016: Sex Doll
- 2017: Superlovers (Des plans sur la comète)
- 2017: Of Skin and Men (L’Amour des hommes)
- 2017: Mektoub, My Love: Canto Uno
- 2018: This Teacher
- 2018: Black Tide (Fleuve noir)
- 2018: Féminin plurielles
- 2019: Mektoub, My Love: Intermezzo
- 2019: Du verdienst eine Liebe (Tu mérites un amour) – auch Regie, Drehbuch und Produktion
- 2019: Persona non grata
- 2020: Schwestern – Eine Familiengeschichte (Soeurs)
- 2021: Madame Claude
- 2022: Trois nuits par semaine
- 2023: Die Entführung (Le ravissement)
- 2023: Borgo
- 2024: Les Gens d’à côté
- 2024: La Prisonnière de Bordeaux
Als Regisseurin
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 2010: Le Rodba (Kurzfilm) – auch Drehbuch
- 2019: Du verdienst eine Liebe (Tu mérites un amour) – auch Hauptrolle, Drehbuch und Produktion
- 2021: Eine gute Mutter (Bonne Mère) – auch Drehbuch
- 2022: Mädchen gegen Jungs (La Cour) – auch Mitarbeit am Drehbuch
- 2025: Die jüngste Tochter (La Petite Dernière) – auch Drehbuch
Auszeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 2007: Marcello-Mastroianni-Preis für Couscous mit Fisch (Beste Nachwuchsdarstellerin)
- 2008: Prix Lumières für Couscous mit Fisch (Beste Nachwuchsdarstellerin)
- 2008: Étoile d’Or für Couscous mit Fisch (Beste Nachwuchsdarstellerin)
- 2008: César für Couscous mit Fisch (Beste Nachwuchsdarstellerin)
- 2008: Muhr Award des Dubai International Film Festival für Französin (Beste Darstellerin)
- 2009: Französischer „Shooting Star“ bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin
- 2023: Auszeichnung als beste Schauspielerin für Die Entführung beim Torino Film Festival
- 2024: César-Nominierung für Die Entführung (Beste Hauptdarstellerin)
- 2025: César für Borgo (Beste Hauptdarstellerin)
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Hafsia Herzi à Venise: „Je n’ai jamais pris de cours de comédie“ – Agence-France-Pressemeldung vom 4. September 2007 bei fr.news.yahoo.com (französisch)
- Hafsia Herzi bei IMDb
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Semaine de la critique Cannes: La sélection. Abgerufen am 30. Mai 2024 (französisch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Herzi, Hafsia |
| KURZBESCHREIBUNG | französische Schauspielerin |
| GEBURTSDATUM | 25. Januar 1987 |
| GEBURTSORT | Manosque, Département Alpes-de-Haute-Provence, Frankreich |