Hagen (thüringisches Adelsgeschlecht)

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Wappen aus Siebmachers Wappenbuch, Blatt 149 (1605)

vom Hagen bzw. von dem Hagen (auch Hain, Hayn, lat.: Indagine) ist der Name eines thüringischen Uradelsgeschlechtes, das im Raum Mühlhausen begütert war.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer Legende sollen bereits 525 "deutsche sächsischen Edelleute von Hagen" (lateinisch: "Nobiles de Indagine", thüringisch: "von Hain") dem Frankenkönig Theuderich I. im Kampf gegen die Thüringer geholfen und den Ort Scheidungen erobert haben[1]. Der Stammeskrieger Hartugast soll dann 531 in der Entscheidungsschlacht gegen die Thüringer einen entscheidenden Beitrag geleistet und damit den verbündeten Sachsen und Franken zum Sieg verholfen haben. Zum Dank dafür sei er mit Land am Harz beschenkt worden.[2]

Nördlich von Mühlhausen wurde daraufhin die Haynerburg, das heutige Rüdigershagen errichtet, die erbliches Lehen wurde. Sie bestand aus dem den Oberwall und den Unterwall. Diese Burganlage wurden bei der Denkmalerfassung im Landkreis Worbis durch die Mitarbeiter des Weimarer Museums für Ur- und Frühgeschichte Thüringens als Oberwall und Unterwall in Resten vor Ort dokumentiert.[3]

Die erste zuverlässige urkundliche Erwähnung der Familie vom Hagen – hier in der lateinischen Schreibform Indagine – findet man im Februar 1148: Cunnradus et Hermannus fratres de Indagine … (die Brüder Konrad und Hermann von Hagen …).[4]

Im 12. Jahrhundert wurde ferner Ernst de Indagine als Lehnsherr auf der Haynerburg erwähnt. Er hatte zwei Söhne, Dietrich und Heinrich. Dietrich ließ sich auf Düna (der heutigen Wasserburg Deuna) nieder, Heinrich blieb in Rüdigershagen.

1296 saßen auf den Burggütern in Mühlhausen die Brüder Rüdiger und Heinrich von Hagen sowie ein Voigt Thilo von Proiken, möglicherweise ein Vertreter des Klosters Volkenroda.

Anfang des 14. Jahrhunderts begann die Reichsstadt Mühlhausen sich verstärkt gegen Übergriffe der Landadeligen auf ihre Handelswege und das Hoheitsgebiet zu erwehren. Mühlhausen hatte hierzu den Thüringer Dreistädtebund mitbegründet. Zug um Zug wurden mit großer militärischer Übermacht die zahlreichen Burgen im Umkreis eingenommen und in der Regel zerstört. Um 1340 waren die Herren vom Hagen erstmals genötigt, einen Sühnevertrag mit dem Mühlhäuser Stadtrat zu schließen, auch ihre Burgen in Rüdigershagen waren eingeäschert worden.

Die Wasserburg Deuna wurde danach zum neuen Stammsitz der Familie. Bei den Trümmern der Alten Burg ließen die Herren vom Hagen durch Hartwig von Knorr, der Teile des Dorfes als Pfandbesitz erworben hatte, einen Wirtschaftshof im Bereich der Vorburg errichten.[5]

1544 endete die Zeit der Herren von Knorr in Rüdigershagen, als Christoph vom Hagen auf Deuna die dortigen Güter zurückerwarb.[6] Diese Persönlichkeit zählte zu den bedeutendsten Adeligen des Eichsfeldes und war ein früher Anhänger des Reformators Luther. Die Familie ging in Opposition zur katholischen Kirche und verbot sogar die Betretung ihrer Güter durch katholische Geistliche. 1562 erwarb Christoph das Gut Niedergebra.

Das 1590 erbaute Schloss in Rüdigershagen wurde von Hans vom Hagen bewohnt; er starb jedoch ohne Erben, und sein Besitz fiel an seinen Bruder Christoph in Deuna.

Stammvater des gräflichen Zweiges vom Hagen wurde Christoph Friedrich Wilhelm (1754–1813), der neben Schloss Möckern als Fideikommißerbe auch die Güter bei Mühlhausen und im Eichsfeld bewirtschaftete. Am 10. Juli 1803 erhob ihn König Friedrich Wilhelm III. in den erblichen Grafenstand. Das Gros der Güter mit einer Gesamtgröße von 3.500 ha, davon 2.000 ha Forst und 1.500 ha Ackerbau, die Zuckerfabrik und die Brennerei in Möckern, blieben bis zur Enteignung 1945 im Familienbesitz. Hans-Dietrich Graf vom Hagen kaufte nach der Deutschen Wiedervereinigung Teile des Gutes Möckern zurück.[7]

Von Renata Gräfin vom Hagen, geb. Gräfin von Wedel (1909–1974), Erbin des westfälischen Schlosses Sandfort, gelangte dieses an ihren Adoptivsohn Friedrich Freiherr von Plettenberg, der den Namen Graf vom Hagen Frhr. von Plettenberg annahm.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einigen Änderungen im Laufe der Jahrhunderte führen die Grafen vom Hagen nur noch das älteste Symbol im Wappen: In Weiß eine schwarze Wolfsangel, ein Helm mit schwarz-weißen Decken, darüber ein silberner offener Flug.

Personen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gleichnamige Adelsgeschlechter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu beachten ist, dass es verschiedene Adelsfamilien des Namens Hagen gibt, die nicht miteinander verwandt sind, so neben den hier besprochenen thüringischen Freiherren und Grafen „vom Hagen“ die bereits 1255 erloschenen hessischen Reichsministerialen „von Hagen-Münzenberg, die brandenburgischen von der Hagen, das neumärkisch-pommersche Uradelsgeschlecht von Hagen oder die briefadeligen „von Hagen“ (Generalleutnant Ernst Heinrich Hagen, 1831–1905, Sohn des Kunsthistorikers Ernst August Hagen, wurde 1871 in den preußischen Adelsstand erhoben). Die verschiedenen Adelsgeschlechter des Namens Hagen haben einen gemeinsamen Familienverband gegründet.[9] Ferner gibt es bürgerliche Familien gleichen Namens, siehe Auflistung bei: Hagen (Familienname).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Leopold von Zedlitz-Neukirch: Neues preußisches Adelslexicon, Band 2, S. 315–316, Digitalisat
  • Edgar Rademacher: Das Wappen- und Siegelbild der obereichsfeldischen Familie vom Hagen. In: Eichsfeld Jahrbuch Bd. 5 (1997) S. 67–74, Mecke Verlag Duderstadt
  • Otto Posse: Die Siegel des Adels der Wettiner Lande. Band II, Verlag Wilhelm Baensch Dresden 1906, Seiten 49–54

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hagen (thüringisches Adelsgeschlecht) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Martin Zeiller: Topographia Braunschweig Lüneburg: Rüdigershagen, Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 177–178
  2. Edgar Rademacher: Aus der Geschichte des Dorfes Rüdigershagen. In: Kulturbund Worbis (Hrsg.): Eichsfelder Heimathefte. Heft 3. Worbis 1988, S. 216–227.
  3. Paul Grimm, Wolfgang Timpel: Die ur- und frühgeschichtlichen Befestigungen des Kreises Worbis. In: Kulturbund Worbis (Hrsg.): Eichsfelder Heimathefte. Sonderausgabe. Worbis 1969, S. 26, 27, 60–62.
  4. Aloys Schmidt: Urkundenbuch des Eichsfeldes. Nummer 640. In: Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und Anhalt. Band 13. Magdeburg 1933.
  5. Edgar Rademacher (1988): ebenda. S. 219–220.
  6. Edgar Rademacher (1988): ebenda. S. 221.
  7. Mühsames Ackern auf unsicherem Boden DIE WELT vom 23. März 1998
  8. a b c Bernhard Opfermann: Gestalten des Eichsfeldes. St. Benno-Verlag Leipzig und Verlag F.W. Cordier Heiligenstadt 1968
  9. Website des Hagen'schen Familienverbands