Wedel (Adelsgeschlecht)

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Stammwappen derer von Wedel

Wedel (bis 1893 teilweise Wedell) ist der Name eines norddeutschen Adelsgeschlechts, das im 14. Jahrhundert in der Neumark zu größerer Bedeutung gelangte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siegel des Hinricus de Wedele um 1322

Die aus Wedel im nordelbischen Stormarn stammende und dort im Jahre 1212 erstmals erwähnte Familie führt ihre Abstammung auf einen 1149 genannten Heinrich zurück, Vogt des Klosters Neumünster. Ein Hasso Wedele und seine Söhne traten seit etwa 1240 östlich von Stargard in Pommern auf, wo sie, zunächst Burgmannen von Stargard und möglicherweise Lehnsnehmer des Bischofs von Cammin, in der seit 1248 an Herzog Barnim von Pommern verliehenen Region zwischen Kremzow und Petznick ansässig wurden. Zentrum der Besitzbildung war die von ihnen errichtete Burg Kremzow, hinzu kamen Burgen in Reetz und Kürtow. Nachdem Herzog Barnim 1271 verurteilt worden war, dem Johanniterorden Pfandbesitz an der Stadt Stargard und den Burgen Reetz und Kürtow einzuräumen, trat die Familie Wedel in den Dienst der Markgrafen von Brandenburg.

In der brandenburgischen Neumark, der marchia transoderana, kam sie, ausgehend von organisationsförmiger Militärdienstleistung zugunsten der Askanier, in den folgenden Generationen durch Belehnung und Kauf zu größerem Grundbesitz. Mittelpunkt war die Region um Kürtow und Neuwedell und weiter östlich die terrae Falkenburg, Böthin und Tütz. Angehörige der Familie gründeten in den ersten Jahrzehnten des 14. Jahrhunderts die Städtchen Falkenburg, Märkisch-Friedland und Neuwedell. Von Bedeutung war auch die durch Wedego von Wedel erworbene Herrschaft Schivelbein sowie, seit der zweiten Jahrhunderthälfte, die festen Häuser Reetz und Nörenberg. Zumindest zeitweise befanden sich im 14. Jahrhundert in Familienbesitz außerdem die terrae Kallies und Berstein, die jeweils ebenfalls mit einem festen Haus versehenen neumärkischen Orte Fürstenfelde, Deutsch Krone, Küstrin, (Halb-)Oderberg, Schildberg, Schloppe und Usch, verpfändete Steuereinnahmen weiterer Städte, die Schlösser Hochzeit, Berneuchen und Zantoch, etwa 100 Dörfer und größere Waldflächen rechts der Netze.

Auch in angrenzenden Gebieten Pommerns kamen die Wedel im 14. Jahrhundert zu Besitz. Neben die Begüterung um die Burg Kremzow im späteren Landkreis Pyritz trat seit den 1320er Jahren, unmittelbar nördlich anschließend, in den nachmaligen Landkreisen Saatzig und Regenwalde Grundbesitz um die Burgen Uchtenhagen, Mellen und die von den Wedel - möglicherweise unter vorbereitender Mitwirkung der Uchtenhagen - gegründete Stadt Freienwalde. Vorübergehend hatten sich bereits im 13. Jahrhundert die pommerschen Städte Treptow und Plathe in der Hand von Familienangehörigen befunden, hinzu kamen im 14. Jahrhundert zeitweise Bahn, Bublitz, Dramburg, Pollnow, Polzin und Schlawe.

Die Wedel verfügten im 14. Jahrhundert über Vasallen und eine eigene Streitmacht, die etwa 1332 in der Schlacht am Kremmer Damm als „turba Wedelorum“ in Erscheinung trat. Noch 1388 waren sie in der Lage, sich unabhängig von landesherrlicher Zustimmung gegenüber dem Deutschen Orden zu verpflichten, 15 Jahre lang auf Anforderung 100 Ritter, 100 Schützen und 400 Pferde zuzüglich Begleitpersonal bereitzuhalten. Heinrich schreibt: „Die Wedel mit ihrer Klientel regierten fast unumschränkt die gefährdete Neumark“, und deutet den Sachverhalt als Variante ständischer Selbstregierung[1]. Rymar spricht vom „Staat im Staat“[2]. Für Gahlbeck lag eine der hauptsächlichen Leistungen der Wedel darin, die Neumark während des siebenjährigen inneren Krieges der Wittelsbacher gegen die Anhänger des Falschen Woldemar zwischen 1348 und 1355 zu einer „Insel des Friedens“ gemacht zu haben.

Bereits 1378 aber berichtet der Chronist Janko von Czarnikau, das Gebiet der Wedel, das er neben der Mark Brandenburg und dem Herzogtum Stettin als eigenen Bereich nennt, befände sich wegen fortwährender Kriege in einem Zustand unerhörter Verwüstung[3]. Nicht nur die Kriege, auch der im 14. Jahrhundert relativ fortgeschrittene Verwaltungsausbau der Markgrafen war der Stabilisierung einer eigenen Territorialherrschaft nicht förderlich. Hinzu kam seit Mitte der 1360er Jahre ein Konflikt mit den Markgrafen, der sich an der Ernennung von Landfremden zu Vögten der Neumark entzündet hatte und dazu führte, dass den Wedel der Zugang zu Hofämtern und Verwaltungsposten in Brandenburg für längere Zeit versperrt blieb.

1374 war, dem Landbuch Karls IV. zufolge, ihr neumärkischer Landbesitz im Wesentlichen noch vorhanden. Bis in die Neuzeit in der Hand der Familie blieben Teile der Güterkomplexe um Falkenburg (bis um 1500), Märkisch-Friedland (bis um 1600), Tütz (bis 1739), Nörenberg (bis um 1750) und Reetz (bis 1810). In Neuwedell und Freienwalde betrieben die Wedel bis ins 19. Jahrhundert Burggerichte, die in zweiter Instanz entschieden. 1945 befanden sich, wenn auch in gemindertem Umfang, von der aus dem 13. und 14. Jahrhundert stammenden Begüterung noch in Familienbesitz die Güter Neuwedell (Großgut) und Gerzlow in der Neumark und in Pommern Kremzow und Fürstensee sowie – in Gestalt der Güter Braunsforth, Kannenberg, Schwerin, Silligsdorf und Vehlingsdorf – Teile der alten Begüterung um Freienwalde, Uchtenhagen und Mellen. Im Besitz von Familienangehörigen waren 1945 außerdem die Güter Emmasthal, Lassehne, Pumptow und Zülzefitz in Pommern und Pinnow, Rehfeld und Zettitz in der Neumark.

Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts hatten die Wedel Grundbesitz auch außerhalb der Neumark und (Hinter-)Pommerns erworben oder geerbt, zunächst in der Uckermark, in Schwedisch-Finnland, Dänemark, Dänisch-Norwegen und Ostfriesland, im 18. Jahrhundert in Mitteldeutschland und Ostpreußen und später in Vorpommern, Schlesien, dem Baltikum und der Lausitz. Genannt seien Althof, Eszerischken und Katzborn in Ostpreußen, Wiesenau im heutigen Estland, Malchow und Göritz in der Uckermark und Piesdorf[4] im früheren Saalkreis.

Heute befinden sich im Besitz des Familienzweiges Wedell-Wedellsborg die Güter Wedellsborg (seit 1672) und Frijsenborg (seit 1950) und im Besitz des Zweiges Wedel-Jarlsberg die Güter Jarlsberg (seit 1683) und das ostfriesische Gödens (seit 1746). Von der bereits gegen Ende des 17. Jahrhunderts in Familienbesitz gelangten ostfriesischen Herrlichkeit Loga sind weder die Evenburg noch die Philippsburg noch in der Hand von Familienangehörigen.

Dem Besitzer des Majorats Gödens stand seit 1867 ein erblicher Sitz im preußischen Herrenhaus zu, die Familie insgesamt verfügte seit 1854 über ein Präsentationsrecht zum Preußischen Herrenhaus. 1889 wurde das Pommersche Dragoner-Regiment Nr. 11 nach ihr benannt.

Der aus der Neumark stammende Christian Friedrich von Wedel auf Mantere in Finnland wurde 1672 unter der Nummer 803 bei der Adelsklasse der Schwedischen Ritterschaft introduziert.[5] Im selben Jahr wurde der ebenfalls neumärkische Friedrich Wilhelm von Wedel dänischer Lehnsgraf Wedell af Wedellborg in Primogenitur mit Baronstitel für die übrigen Nachkommen[6]. Dieselbe Unterscheidung fand, jedenfalls nach dänischem Recht, bei seinem Bruder Gustav Wilhelm Anwendung, der die norwegische Grafschaft Jarlsberg erworben hatte und 1684 unter dem Namen Wedel-Jarlsberg dänischer Graf wurde.[7] Der preußische General und Diplomat Karl Graf von Wedel (1842–1919), einer seiner Nachfahren, erhielt 1914 den preußischen Fürstentitel.

Die Familie verlor in den preußischen Kriegen zwischen 1740 und 1763 72 Angehörige[8] und hatte im und nach dem Zweiten Weltkrieg 47 Kriegstote und Ermordete zu beklagen, darunter 27 Gefallene.[9]

78 Familienmitglieder traten der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) bei, davon 35 vor der Machtergreifung.[10]

Stammwappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: Schild: „In Gold ein schwarzes achtspeichiges Richtrad mit 16 bogigen Klingen.“ Helmzier: „Auf dem gold-schwarz bewulsteten (Topf-)Helm mit schwarz-goldenen Decken ein blonder Mannesrumpf in von Schwarz und Rot gespaltenem Wams und ebensolchem breitrandigen Hut mit gold-schwarzer Hutschnur und ebensolchem Gürtel, in beiden eine zentrale Schlaufe.“

Familienmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeines
Mittelalterbezogenes
  • Helga Cramer: Die Herren von Wedel im Lande über der Oder. Besitz- und Herrschaftsbildung bis 1402. In: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands., Band 18, Berlin 1969, S. 63–129.
  • Christian Gahlbeck: Zur Herkunft und Zusammensetzung des neumärkischen Adels bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts. In: Klaus Neitmann (Hrsg.), Landesherr, Adel und Städte in der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Neumark., Berlin 2015, S. 115–181.
  • Heinrich von Wedel: Geschichte des Schloßgesessenen Geschlechtes der Grafen und Herren von Wedel. 1212-1402. Nebst einem Register über die urkundlich nachweisbare Begüterung. Leipzig 1894.
  • Heinrich von Wedel: Über die Herkunft, die politische Bedeutung und die Standesstellung des Geschlechtes von Wedel von der Mitte des 12. bis zum Ausgang des 14. Jahrhunderts. Berlin 1915.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sarkophag mit den Gebeinen der Familie von Wedel aus der Dorfkirche von Kremzow. Ausstellungsstück in der Stettiner Jakobikirche
 Commons: Wedel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gerd Heinrich: Die ‚Freien Herren‘ und das Land, S. 137–150, 145 in: Hartmut Boockmann (Hrsg.), Die Anfänge der ständischen Vertretungen in Preußen und seinen Nachbarländern. München 1992.
  2. Edward Rymar: Historia polityczna i społeczna Nowej Marchii w średniowieczu (do roku 1535)., Gorzów Wlkp., 2015, S. 413.
  3. Janko von Czarnikau: Chronicon Polonorum. Lw’ow 1872, S. 88.
  4. Das Gutsarchiv Piesdorf in der Deutschen Digitalen Bibliothek
  5. Genealog. Handbuch des Adels, Adelslexikon. Band XV, S. 510, C.A. Starke-Verlag, Limburg, 2004.
  6. Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon. Band XV, S. 511.
  7. Genealogisches Handbuch des Adels. Band G A IV, S. 521, C.A. Starke-Verlag, Limburg 1962.
  8. Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang. 1600–1947. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2007, ISBN 978-3-421-05392-3, S. 193.
  9. Gerd Heinrich: Geschichte Preußens. Staat und Dynastie. Ullstein, Berlin 1984, ISBN 3-548-34216-7, S. 525.
  10. Stephan Malinowski: Vom König zum Führer. Sozialer Niedergang und politische Radikalisierung im deutschen Adel zwischen Kaiserreich und NS-Staat. Akademie Verlag. Berlin 2003. ISBN 3-05-004070-X. S. 573.
  11. Rolf Straubel: Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten 1740–1806/15. K. G. Saur Verlag, München 2009, ISBN 978-3-598-23229-9, S. 1070 f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  12. Rolf Straubel: Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten 1740–1806/15. K. G. Saur Verlag, München 2009, ISBN 978-3-598-23229-9, S. 1072 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  13. Rolf Straubel: Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten 1740–1806/15. K. G. Saur Verlag, München 2009, ISBN 978-3-598-23229-9, S. 1072 f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  14. Rolf Straubel: Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten 1740–1806/15. K. G. Saur Verlag, München 2009, ISBN 978-3-598-23229-9, S. 1073 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  15. Rolf Straubel: Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten 1740–1806/15. K. G. Saur Verlag, München 2009, ISBN 978-3-598-23229-9, S. 1073 f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  16. [1].
  17. Verschiedene ältere Einigungen zwischen Brandenburg, Polen und Preußen. In: Allgemeines Archiv für die Geschichtskunde des Preußischen Staates. Band 4, Berlin Posen Bromberg 1831, S. 154–164..
  18. Rolf Straubel: Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten 1740–1806/15. K. G. Saur Verlag, München 2009, ISBN 978-3-598-23229-9, S. 1074 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  19. Rolf Straubel: Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten 1740–1806/15. K. G. Saur Verlag, München 2009, ISBN 978-3-598-23229-9, S. 1075 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).