Hallucinogen Persisting Perception Disorder

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Klassifikation nach ICD-10
F16 Psychische und Verhaltensstörungen durch Halluzinogene:
F16.5 Psychotische Störung
F16.7 Restzustand und verzögert auftretende psychotische Störung
F16.8 Sonstige psychische und Verhaltensstörungen
F16.9 Nicht näher bezeichnete psychische und Verhaltensstörung
ICD-10 online (WHO-Version 2016)

Die Hallucinogen Persisting Perception Disorder (HPPD; dt.: fortbestehende Wahrnehmungsstörung nach Halluzinogengebrauch) ist eine psychische Störung, die der Definition nach durch Konsum von Halluzinogenen ausgelöst wird.

Betroffene haben in regelmäßigen Abständen oder sogar jederzeit Pseudohalluzinationen, obwohl der eigentliche Drogenrausch schon längst vorbei ist und (mutmaßlich) das Halluzinogen und dessen Metaboliten den Körper verlassen haben.

Zu den weiteren Symptomen gehören: Dysphorie, Konzentrationsstörungen, Depersonalisation, Derealisation, Dissoziation, Mikropsie, Makropsie und Depression.

HPPD wird definiert durch DSM-IV und hat in diesem Klassifikationssystem den Diagnoseschlüssel 292.89. Die Pseudohalluzinationen müssen den Betroffenen im normalen Leben einschränken und andere Ursachen, wie Epilepsie, Delirium oder Schizophrenie müssen ausgeschlossen werden, damit HPPD diagnostiziert werden kann. Einschränkungen sind zum Beispiel Konzentrationsschwächen oder ein erschwertes Lesen. Im ICD 10 entspricht der Diagnoseschlüssel F16.7 am ehesten dem Krankheitsbild.[1]

Diagnose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland ist die Hallucinogen Persisting Perception Order unter Psychiatern wenig bekannt und wird deshalb auch nur selten diagnostiziert. Zudem existieren keine representativen Studien über die Häufigkeit dieser Störung. Betroffene suchen oft jahrelang nach einer Diagnose.

Bildgebende Verfahren sind normalerweise ohne Befund. Ein EEG zeigt selbst unter Extrembelastung und Photostimulation keine Unregelmäßigkeiten, selbst wenn der Patient währenddessen unter starken Wahrnehmungsstörungen leidet.

Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten dokumentierten Fälle sind durch LSD ausgelöst worden. Es wird vermutet, dass auch andere Halluzinogene mit ähnlichen Wirkungen, wie zum Beispiel Meskalin, DMT oder Psilocin,[2] HPPD auslösen können.

Nach der Definition können nur Menschen an HPPD erkranken, die auch Halluzinogene konsumiert haben. Es wird vermutet, dass auch genetische Veranlagung für den Ausbruch der Krankheit eine Rolle spielt, da sie das Niveau der Neurotransmitter möglicherweise ungünstig vordefiniert, obwohl dieses sich im Laufe des Lebens häufig stark ändert.

Behandlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt kein anerkanntes Heilmittel und keine anerkannte Therapie für HPPD. Die Rate an Spontan-Remissionen bei HPPD ist jedoch sehr hoch.

Es gibt jedoch Berichte, das verschiedene Arzneimittel eine teilweise oder auch vollständige Remission ermöglichen.

  • Lamotrigin: Ein Antikonvulsivum, welches Einzelfallberichten zufolge zu einer deutlichen Besserung der HPPD Symptome führte.[3][4]
  • Clonidin: Ein Antihypertensivum, dass einer Pilotstudie mit 8 Patienten nach zu einer deutlichen Linderung von "LSD-bezogenen Flashbacks" verhelfen könnte.[5]
  • Levodopa

Häufig sind bei einer psychotischen Form diejenigen Maßnahmen förderlich, die auch zur Behandlung einer Psychose angewendet werden. Daneben gibt es Hinweise auf Maßnahmen, die die Symptome lindern sollen:

  • Stimulantien, darunter Koffein, Taurin und Nikotin, vermeiden. Sie verschlimmern, zumindest teilweise, die Symptome.
  • Psychopharmaka wie Tranquilizer oder Antipsychotika sollten nur in Absprache mit einem erfahrenen Psychiater eingenommen werden. Sie wirken oft paradox und können auch zu permanenter Symptomverschlimmerung führen.[6]
  • Anwendung von Entspannungstechniken.
  • Alkohol führt zumindest kurzfristig zu einer Verbesserung der Symptomatik, was vermutlich auf die ZNS-dämpfende Wirkung zurück zu führen ist.
  • Je nach Fall kann es sinnvoll sein, sensorische Deprivation zu vermeiden. Manche Betroffene berichteten, dass sie allein durch das Starren auf eine weiße Wand Pseudohalluzinationen hervorrufen können. Dann mag Ablenkung oder Beschäftigung hilfreich sein. In anderen Fällen ist aber die Vermeidung von zu viel oder von stressigen Reizen angezeigt, wenn deren Verarbeitung zur Überforderung führt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. M. Schulte-Markwort, K. Marutt, P. Riedesser: Cross-walk ICD-10 - DSM 4: Klassifikation psychischer Störungen: eine Synopsis. Huber, Bern 2002, ISBN 3-456-83574-4.
  2. M. L. Espiard u. a.: Hallucinogen persisting perception disorder after psilocybin consumption: a case study. In: Eur. Psychiatry. 2005; 20(5–6), S. 458–460. PMID 15963699.
  3. Leo Hermle, Melanie Simon, Martin Ruchsow, Martin Geppert: Hallucinogen-persisting perception disorder. In: Therapeutic Advances in Psychopharmacology. Band 2, Nr. 5, 2012, ISSN 2045-1253, S. 199–205, doi:10.1177/2045125312451270, PMID 23983976, PMC 3736944 (freier Volltext) – (nih.gov [abgerufen am 17. Mai 2016]).
  4. https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/html/10.1055/s-0035-1553717
  5. A. G. Lerner, M. Gelkopf, I. Oyffe, B. Finkel, S. Katz, M. Sigal, A. Weizman: LSD-induced hallucinogen persisting perception disorder treatment with clonidine: an open pilot study. In: Int Clin Psychopharmacol. 2000 Jan;15(1), S. 35–37. PMID 10836284.
  6. H. D. Abraham, A. Mamen: LSD-like panic from risperidone in post-LSD visual disorder. In: J. Clin. Psychopharmacol. (1996); 16(3), S. 238–241. PMID 8784656.
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