Hans A. Nikel

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Hans A. Nikel (eigentlich Johannes Alfons Nikel;[1] * 23. Februar 1930 in Bielitz; † 27. Dezember 2018[2] in Bad Homburg vor der Höhe) war ein deutscher Verleger, Herausgeber und Künstler. Bekannt wurde er vor allem als Gründer der literarisch-satirischen Zeitschrift pardon.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nikel absolvierte eine journalistische Ausbildung bei der Süddeutschen Zeitung und war ab 1949 Redakteur für Politik bzw. Kultur bei der Frankfurter Rundschau. Er studierte Volkswirtschaft sowie Soziologie und Philosophie in Frankfurt. Außerdem war er freier Mitarbeiter bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und dem Hessischen Rundfunk.

Hans A. Nikel lebte zuletzt – zusammen mit seiner ebenfalls künstlerisch tätigen Frau – in Bad Homburg vor der Höhe.

Herausgeber- und Verlegertätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1954 gründeten Nikel und Erich Bärmeier den Verlag Bärmeier & Nikel (B&N). Nikel gewann prominente Autoren wie Erich Kästner, Alexander Mitscherlich oder Gerhard Zwerenz, die Vorworte für die vorzugsweise grafischen und satirischen Bücher schrieben.

Als erstes Buch erschien eines mit Kurt Halbritters Zeichnungen zu dem vieldiskutierten Text von Werner Finck Disziplin ist alles, eine Stellungnahme gegen die Wiederaufrüstung in der Bundesrepublik. Dem folgte ein Kritischer Kalender von A. Paul Weber.

1955 erfand Nikel die Kleinen Schmunzelbücher (sechs mal sieben Zentimeter), die mit wenig Kapitaleinsatz realisiert werden konnten. Loriot war einer der Autoren.

Es folgten Werke von Autoren wie Robert Gernhardt, Walter Hanel, Otto Köhler, Chlodwig Poth, Felix Rexhausen, Hans Traxler, F. K. Waechter sowie eine 20-bändige Jules-Verne-Ausgabe mit Neuübersetzungen durch Jungautoren wie Wolf Wondratschek. Der Verlag bestand bis 1971.

Im September 1962 gaben Bärmeier und Nikel das erste Heft von pardon heraus, unterstützt von Erich Kästner, Loriot, Werner Finck, Hans Magnus Enzensberger u. a. Im September 1970 schied Bärmeier, der sich um die kaufmännischen Angelegenheiten gekümmert hatte, als Mitherausgeber aus. Bis 1980 war Nikel Verleger, Herausgeber und Chefredakteur. pardon erreichte eine Auflage von 320.000 Exemplaren. Nikel initiierte berühmt gewordene pardon-Aktionen, und holte Autoren wie Alice Schwarzer, Günter Wallraff, Gerhard Kromschröder oder Robert Jungk ins Blatt.

1966 übernahmen Nikel und Bärmeier die in Konkurs gegangene Verbraucherzeitschrift DM und das zugehörige Testinstitut. Erich Bärmeier wurde 1970 Chefredakteur.

1972 bekam Nikel die Goldmedaille des Art Directors Club und wurde Jury-Mitglied und Präsident verschiedener Grafik- und Cartoon-Biennalen bzw. Ausstellungen.

Engagement für die Kriegsdienstverweigerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nikel gehörte in den 1950er Jahren der von Hans-Hermann Köper gegründeten „Gruppe der Wehrdienstverweigerer“ und seit 1958 dem Verband der Kriegsdienstverweigerer (VK) an, der 1974 mit der Deutschen Friedensgesellschaft / Internationale der Kriegsdienstgegner (DFG/IdK) zur DFG-VK fusionierte. 1956 wurde auf der ersten eigenen Druckmaschine die Zeitschrift der Kriegsdienstverweigerer ZIVIL gedruckt, betreut von Willy Fleckhaus, dem Gestalter der Suhrkamp-Bücher.

Philosophisch-künstlerische Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nikel leitete pardon bis zum Herbst 1980 als Herausgeber, verkaufte es dann und nahm sein erstes Studium wieder auf. Er promovierte 1983 in Philosophie mit einer Arbeit über Meister Eckhart.[3]

Nach der Promotion wurde Nikel als Künstler und Bildhauer tätig. Es entstanden mehr als 120 Bronzeskulpturen und -plastiken. 1998 wurden seine Werke in einer Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert. Die Schirmherrschaft übernahm Hans Eichel, die Laudatio hielt der hessische Kultusminister; zahlreiche prominente Schriftsteller, Dichter, Philosophen und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens fanden sich ein.

2001 begründete Nikel den Ehrenpreis der Fairness-Stiftung, zu dessen Gründungskuratoren er zusammen mit Prof. Rupert Lay SJ gehörte. Bei dieser Stiftung setzte er sich – „in Zeiten zunehmenden persönlichen und gesellschaftlichen Mobbings“ – engagiert für humanen Umgang im Privaten und in der Arbeitswelt ein.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chlodwig Poth, Mitbegründer von pardon und lange dort tätig, bot in seinem satirischen Schlüsselroman Die Vereinigung von Körper und Geist mit Richards Hilfe ein wenig schmeichelhaftes Porträt der Herausgebertätigkeit Nikels. Nikel erscheint hier in Gestalt der Romanfigur Baerblei.

Bibliografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Annäherung an das ganz Andere : Analogien zwischen Ergebnissen naturwissenschaftliher Forschung und Erkenntnissen der Mystik. Dissertation Frankfurt am Main 1983. Bücher und Nachrichten, Frankfurt am Main 1984, ISBN 3-7619-0100-3. Neuausgabe als: Die Mystik der Physik : Annäherung an das ganz Andere : Entsprechungen zwischen Ergebnissen naturwissenschaftlicher Forschung und Erkenntnissen der Mystik. Ludwig, Kiel 2010, ISBN 978-3-86935-023-3.
  • Kunst will erzählen : Poetische Metallgrafiken und Fotografien. Anlässlich der Ausstellung in der noblen Englischen Kirche, dem Kulturzentrum der Hölderlin-Stadt Bad Homburg vor der Höhe. Mit 107 Reproduktionen. Mit Texten von Peter Härtling, Tschingis Aitmatow, Eva Demski, Walter Kempowski, Günter Kunert, Reiner Kunze, Peter Rühmkorf. Mit einem biografischen Nachwort von Rafik Schami. Bücher und Nachrichten, Bad Homburg 1998, ISBN 3-7619-0101-1.
  • Mondschaukeln. B und N, Bad Homburg 1999, ISBN 3-7619-0102-X.
  • Sag mir, wie lange wirst du mich lieben? : Geschichten, die der Mond erzählt. Poetisch begleitet von Frantz Wittkamp. Lappan, Oldenburg 2002, ISBN 3-8303-6027-4.
  • Vom Glück und Glanz der Goldnasen : Geschichten, die der Mond erzählt. Poetisch begleitet von Frantz Wittkamp. Lappan, Oldenburg 2003, ISBN 3-8303-6028-2.
  • mit Konstantin Wecker: Fliegen mit dir : Liebeslieder. Mit vielen Bildern und einer CD. Edition Büchergilde, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-940111-37-1.
  • Wie ein Weihnachtsmann und ein Engel die Welt in Ordnung bringen. Mit 26 Zeichnungen des Autors. Kreuz, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-7831-3191-8.
  • mit Stano Kochan und Edith Nikel-Ruppmann: Sylte : Die einzig wahre Geschichte von der wunderbaren Verwandlung der zauberhaften Meeresgöttin Sylte zur schönen Insel Sylt. B und N, Bad Homburg 2008, ISBN 978-3-7619-9999-8.
  • Willst du mit mir Tango tanzen? Das Bilderbuch der versteckten Geschichten : Zum Lesen und Selbst-Dichten. Mit einer Ermunterung von Peter Härtling. Ludwig, Kiel 2010, ISBN 978-3-86935-037-0.
als Herausgeber
  • Stano Kochan: Der Wahrheit die Ehre : Münchhausen: Das neueste von Münchhausen. B & N, Bad Homburg 2011, ISBN 978-3-7619-0098-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans A. Nikel. In: Kürschners Deutscher Literatur-Kalender 2016/2017. Band II: P-Z. Verlag Walter de Gruyter, 2016, ISBN 978-3-11-045397-3, S. 706.
  2. „Pardon“-Gründer Hans A. Nikel mit 88 Jahren gestorben. In: welt.de. 1. Januar 2019, abgerufen am 1. Januar 2019.
  3. Christoph Gunkel: „Pardon“-Erfinder Nikel: „Was für eine unsagbar spießige Zeit!“ In: einestages auf Spiegel Online. 23. Februar 2015, abgerufen am 1. Januar 2019: „Im Februar 2015 wurde er 85 – und noch immer ist er mit dem Teufel im Bund.“