Hans Sloane

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Hans Sloane

Sir Hans Sloane, 1. Baronet (* 16. April 1660 in Killyleagh; † 11. Januar 1753 in Chelsea) war ein britischer Arzt, Naturforscher und Sammler. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Sloane“.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sloane war der siebte Sohn des protestantischen Verwalters Alexander Sloane († 1666) und Sarah Hicks.[1] Die Familie stammte aus Schottland. Frühzeitig interessierte sich Hans Sloane für Botanik und Naturgeschichte. Nach seiner schulischen Ausbildung begann er 1679 ein Studium der Medizin in London. Im Frühjahr 1683 wechselt Sloane für ein Jahr nach Paris. Dort studierte er Botanik bei Joseph Pitton de Tournefort und Anatomie bei Joseph-Guichard Duverney. Er wurde am 27. Juli 1683 an der Universität von Orange promoviert und setzte seine Studien in Montpellier bei Pierre Chirac und Pierre Magnol fort.

Ab 1687 unternahm er als Angestellter von Christopher Monck, 2. Duke of Albemarle eine fünfzehnmonatige Forschungsreise nach Jamaika, wo er auch als Arzt auf einer Plantage arbeitete.[2][3] Sloane behandelte hier auch den Freibeuter Henry Morgan.[4] Er ließ zahlreiche einheimische Pflanzen sammeln, aber auch solche, die als Nahrungsmittel für Sklaven aus Westafrika importiert worden waren.[5] Der Tod Abermarles unterbrach diese Arbeiten, Sloane balsamierte ihn ein und segelte am 16. März 1689 mit der Leiche und der Witwe zurück nach England.[6] Am 2. November 1694 wurde Sloane Oberarzt von Christ's Hospital in London, wo er bis 1730 arbeitete. 1701 wurde Sloane von der University of Oxford zum Doktor der Medizin ernannt. 1712 wurde er Leibarzt von Königin Anne, später auch von Georg I. und Georg II., der ihn am 3. April 1716 zum Baronet ernannte.[7] 1742 gab er seine Arzt-Praxis auf. Mangels männlicher Nachkommen erlosch sein Baronettitel bei seinem Tod 1753.

Sloane heiratete am 11. Mai 1695 Elizabeth Rose (geb. Langley), Witwe von Fulke Rose (1644–1694), die mehrere Zuckerrohrplantagen auf Jamaika mit in die Ehe brachte. Mit ihr hatte er drei Töchter und einen Sohn, von denen ihn nur zwei Töchter überlebten.

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 21. Januar 1685 wurde Sloane zum Mitglied der Royal Society gewählt und 1727, in direkter Nachfolge von Isaac Newton, zu deren Präsidenten ernannt. 1699 wurde er korrespondierendes und 1709 auswärtiges Mitglied (associé étranger) der Académie royale des sciences. 1752 wurde er zum auswärtigen Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften gewählt.[8]

Sammlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hans Sloane war ein leidenschaftlicher Sammler. Er veranlasste eigene Sammlungen und kaufte bestehende Sammlungen auf, zum Beispiel von:

Neben seinem umfangreichen Herbarium umfasst seine Sammlung Insekten, Fossilien, Steine, Münzen, Gemälde sowie Antiquitäten aus Ägypten, Peru, Nordamerika sowie dem Orient. Als sein Haus in No. 3 Bloomsbury Place zu klein für die Sammlung wurde, kaufte er auch das Nachbarhaus (No. 4) an. 1742 zog er mit seiner Sammlung nach Chelsea (später Cheyne Walk) um.[10] Kurz vor seinem Tod 1753 verfasste er ein ausführliches Testament, in dem er seine Sammlungen und Besitztümer aufteilte. 71.000 Gegenstände fielen an das British Museum und bildeten den Grundstock seiner Sammlungen. Seine Bibliothek, unter anderem die Originaltagebücher vieler zeitgenössischer Bukaniere und Freibeuter, vermachte er der Library of the British Museum. Sie bildet heute die Sloane Collection der British Library. Sein Herbarium befindet sich im Museum of Natural History.[11]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carl von Linné benannte ihm zu Ehren die Gattung Sloanea[12] der Pflanzenfamilie Elaeocarpaceae. Pieter Cramer benannte den ausgestorbenen jamaikanischen Schmetterling Urania sloanus nach Sloane, Bloch und Schneider den Viperfisch Chauliodus sloani.

Nach ihm benannt ist auch der Sloane Square.

Black Lives Matter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Sloanes Vermögen trugen Einnahmen aus den jamaikanischen Zuckerrohrplantagen seiner Ehefrau bei. Im Zuge der Black-Lives-Matter-Bewegung wurde thematisiert, dass er dort Sklaven für sich arbeiten ließ. Mit deren elenden Lebensbedingungen[13] war er durch seinen Aufenthalt in Jamaika wohl vertraut[14], seine Sammlung enthielt unter anderem eine Sklavenpeitsche.[15] Er selber drohte Sklaven Folter an, um sie von vorgeblichen Krankheiten zu heilen.[16]

Eine Büste Sloanes wurde vom British Museum von ihrem Sockel entfernt und ist seither im erklärenden Kontext des British Empires in der Abteilung über die Aufklärung ausgestellt.[17][18]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Catalogus Plantarum quae in Insula Jamaica sponte proveniunt. D. Brown, London 1696 (online).
  • A Voyage to the Islands Madera, Barbados, Nieves, S. Christophers and Jamaica with the Natural History. 2 Bände, British Museum, London Band 1 1707, Band 2 1725.
  • Pharmacopoeia Collegii regalis medicorum Londinensis. 4. Auflage, Knaplock, London 1721 (online) – als Herausgeber des vollständig überarbeiteten Arzneibuchs von 1618.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Edward P. Alexander: Museum Masters: Their Museums and Their Influence. Altamira Press, 1995, ISBN 0-7619-9131-X, S. 23–42.
  • James Delbourgo: Collecting the World: Hans Sloane and the Origins of the British Museum. Allen Lane, London 2017, ISBN 978-1-846-14657-2.
  • James Delbourgo: Slavery in the Cabinet of Curiosities: Hans Sloane’s Atlantic World. British Museum, 2007 (PDF).
  • Johann Gottlob Wilhelm Dunkel: Historisch-Critische Nachrichten von verstorbenen Gelehrten und deren Schriften. Band 2, Nr. 1, Cörnerische Buchhandlung, Dessau/Köthen 1755 (online).
  • Arthur MacGregor: Sloane, Sir Hans, baronet. In: Henry Colin Gray Matthew, Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography, from the earliest times to the year 2000 (ODNB). Oxford University Press, Oxford 2004, ISBN 0-19-861411-X (oxforddnb.com ), Stand: 2004

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Arthur MacGregor, Sloane, Sir Hans, baronet (1660–1753). Oxford Dictionary of National Biography, Oxford 2004. doi:10.1093/ref:odnb/25730
  2. Sir Hans Sloane, British Museum, https://www.britishmuseum.org/about-us/british-museum-story/sir-hans-sloane, Zugriff 29/04/2022
  3. Wendy D. Churchhill: Bodily Differences?: Gender, Race and Class in Hans Sloane’s Jamaican Medical Practice, 1687–1688. In: Journal of the History of Medicine and allied Sciences. Band 60, 2005, S. 391–444 (JSTOR:24632236).
  4. Richard B. Sheridan: The Doctor and the Buccaneer: Sir Hans Sloane’s Case History of Sir Henry Morgan, Jamaica, 1688. In: Journal of the History of Medicine and Allied Sciences. Band 41, Nr. 1, 1986, 76–87 (JSTOR:24633817).
  5. James Delbourgo: Gardens of life and death. In: British Journal for the History of Science. Band 43, Nr. 1, 2010, S. 113 (doi:10.1017/S0007087410000245).
  6. Arthur MacGregor, Sloane, Sir Hans, baronet (1660–1753). Oxford Dictionary of National Biography, Oxford 2004. doi:10.1093/ref:odnb/25730
  7. Arthur MacGregor, Sloane, Sir Hans, baronet (1660–1753). Oxford Dictionary of National Biography, Oxford 2004. doi:10.1093/ref:odnb/25730
  8. Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751–2001 (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Philologisch-Historische Klasse. Folge 3, Bd. 246 = Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Mathematisch-Physikalische Klasse. Folge 3, Bd. 50). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1, S. 227.
  9. Sir Hans Sloane, British Museum, https://www.britishmuseum.org/about-us/british-museum-story/sir-hans-sloane, Zugriff 29/04/2022
  10. Sir Hans Sloane, British Museum, https://www.britishmuseum.org/about-us/british-museum-story/sir-hans-sloane, Zugriff 29/04/2022
  11. James Delbourgo, Gardens of life and death. British Journal for the History of Science. Band 43, Nr. 1, 2010, S. 113 (doi:10.1017/S0007087410000245).
  12. Carl von Linné: Critica Botanica. Leiden 1737, S. 94 (online).
  13. für einen allgemeinen Hintergrund s. u. a. James A. Delle, Kristen R. Fellows, Death and Burial at Marshall's Pen, a Jamaican Coffee Plantation, 1814–1839: Examining the End of Life at the End of Slavery. Slavery & Abolition 35/3, 2014, 474-492, DOI:10.1080/0144039X.2014.944033
  14. Hans Sloane, Natural History of Jamaica... Bd. I, lvii. beschreibt die Bestrafung von Sklaven (zitiert nach Kay Dian Kriz, Curiosities, Commodities, and Transplanted Bodies in Hans Sloane's "Natural History of Jamaica". The William and Mary Quarterly 57/1, 2000, JSTOR:2674358).
  15. Lorraine Boissoneault: The British Museum was a Wonder of its Time—but also a Product of Slavery: A new book explores the little-known life and career of Hans Sloane, whose collections led to the founding of the British Museum. Smithsonian Magazine, 28. August 2020.
  16. William J. Ryan, “A New Strange Disease”. The Eighteenth Century 59/3, 2018, 305–324 (doi:10.2307/90025165).
  17. British Museum removes bust of slave-owning founder Sir Hans Sloane. In: The Independent. 25. August 2020, abgerufen am 25. August 2020 (englisch).
  18. Nora McGreevy: British Museum Moves Bust of Founder, Who Profited From Slavery.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Hans Sloane – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien