Harry Church Oberholser

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Harry Church Oberholser (* 25. Juni 1870 in Brooklyn New York City; † 25. Dezember 1963 in Cleveland, Ohio) war ein amerikanischer Ornithologe und Biologe.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Eltern Oberholsers waren Jakob und Lavera Oberholser. Er hatte sowohl Schweizer als auch französisch-deutsch-englische Vorfahren. Zunächst besuchte er die Columbia University, die er aber wegen gesundheitlicher Probleme im Alter von 20 Jahren wieder verließ. Nach dem Verlassen der Universität arbeitete er zunächst im Laden seines Vaters in Wooster, bevor er 1875 eine Arbeit bei der staatlichen Post antrat. In diesem Lebensabschnitt schrieb er an seiner ersten ornithologischen Publikation A prelimary list of birds of Wayne County, Ohio. Diese erschien 1896 im Bulletin Ohio Agricultural Experiment Station. Seine eigentliche Karriere begann am 1. Februar 1895 mit dem Antritt einer Stelle als ornithologischer Angestellter in der Abteilung Economic Ornithology des Landwirtschaftsministeriums der Vereinigten Staaten. Am 30. Juni 1914 ehelichte Oberholser Mary Forrest Smith. Während seiner Arbeit für die Regierung erlangte er 1916 an der George Washington University den Doktorgrad Ph.D. Am 30. Juni 1941 wurde Oberholser schließlich pensioniert.

In 46 Jahren Staatsdienst wurde er ein angesehener Fachmann im Bereich der Bestimmung von Vögeln. So hatte er maßgeblichen Anteil daran, dass die Vogelberingung vom United States Fish and Wildlife Service (früher Bureau of Biological Survey) übernommen wurde. Noch während seiner Zeit bei der Regierung hatte er zusätzlich von 1904 bis 1910 einen Lehrauftrag für Zoologie an der Biltmore Forest School in Asheville, North Carolina sowie von 1920 bis 1935 an der American University in Washington, D.C. Nach seiner Pensionierung wurde Oberholser für sechs Jahre Kurator für Ornithologie am Cleveland Museum of Natural History. Nach dem Tod Oberholsers fand man noch ein 12.000 Seiten starkes Manuskript. Edgar Bryan Kincaid Jr. (1921-1985) ein Kenner der texanischen Avifauna wurde ausgewählt, das Werk zu vollenden. Das zwei Bände umfassende Werk The Bird Life of Texas wurde erst ungefähr 11 Jahre nach dem Tod Oberholsers im Jahr 1974 publiziert. Dies erklärt auch die Tatsache, dass es Erstbeschreibungen wie die der Blaukehlnymphe (Lampornis clemenciae phasmorus) oder von Icteria virens danotia (Oberholser, 1974) gibt, obwohl Oberholser 1974 lange verstorben war.

Erstbeschreibungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Oberholser stammen die Erstbeschreibungen von elf Familien und Unterfamilien in der biologischen Systematik. Dazu kommen 99 von ihm beschriebene Gattungen und Untergattungen sowie 560 Arten und Unterarten.

Von Oberholser beschriebene Gattungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Taxon Ammospiza Oberholser, 1905 wird als ungültig betrachtet.

Von Oberholser beschriebene Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Grausalangane (Aerodramus amelis) (Oberholser, 1906) wird von manchen Autoren nicht als eigene Art, sondern als Unterart der Einfarbsalangane (Aerodramus vanikorensis amelis) (Oberholser, 1906) angesehen. Man trifft in mancher Literatur auf Falco araeus. Dabei handelt es sich um eine falsche Schreibweise des Taxons Falco araea.

Ehrungen und Widmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1939 ehrte Allan Robert Phillips (1914–1996)[1] Oberholser mit dem wissenschaftlichen Namen des Buschland-Schnäppertyrannen (Empidonax oberholseri). In seiner Erstbeschreibung schreibt er: Es ist mir eine große Ehre, diese Art Dr. Oberholser zu widmen, dessen unermüdliche Hilfe es mir möglich machte, diesen Artikel zu verfassen.[2] Oberholser selbst beschrieb später eine weitere Unterart dieser Art Namens Empidonax oberholseri spodius (Oberholser, 1974).

Dazu wurden die Unterarten der Glanzkopfsalangane (Collocalia esculenta oberholseri) (Stresemann, 1912), des Palmenzwergkauz (Glaucidium palmarum oberholseri) (Moore,RT, 1937), der Krummschnabel-Spottdrossel (Toxostoma curvirostre oberholseri) (Law, 1928), der Zimtkopf-Grüntaube (Treron fulvicollis oberholseri) (Chasen, 1935), des Dollarvogels (Eurystomus orientalis oberholseri) (Junge, 1936), des Schwarzgenickschnäppers (Hypothymis azurea oberholseri) (Stresemann, 1913), des Braunrückenklarinos (Myadestes occidentalis oberholseri) (Dickey & van Rossem, 1925), des Carolinakleibers (Sitta carolinensis oberholseri) (Brandt, HW, 1938)[3] und des Carolinazaunkönigs (Thryothorus ludovicianus oberholseri) (Lowery, 1940) zu Ehren Oberholsers benannt.

Die Unterart des Andenschopfohr (Pseudocolaptes boissonneautii oberholseri) (Cory, 1919) wird heute als Synonym für die Nominatform betrachtet.

Der Name Oberholsers fand Eingang bei dem englischen Trivialnamen “Oberholser's Fruit Dove” (Ptilinopus subgularis epius) (Oberholser, 1918). Außerdem gibt es die englische Bezeichnung “Oberholser's Tyrannulet” (Phylloscartes pammictus) (Oberholser, 1902). Dieser Name wird aber nicht anerkannt, da es sich hierbei in Wirklichkeit um den Olivgelb-Laubtyrann (eng: Mottle-cheeked Tyrannulet) (Phylloscartes ventralis) (Temminck, 1824) handelt.

Bücher von Oberholser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • The Bird Life of Texas (1974) ISBN 0-292-70711-8[4]
  • Birds of Mt. Kilimanjaro (1905)
  • Birds of the Anamba Islands (1917)
  • The Bird Life of Louisiana (1938)
  • When Passenger Pigeons Flew in the Killbuck Valley (1999) ISBN 1-888683-96-1
  • Critical notes on the subspecies of the spotted owl
  • The birds of the Tambelan Islands, South China Sea
  • The great plains waterfowl breeding grounds and their protection (1918)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Handbook of Texas: BIBLIOGRAPHY: Austin American-Statesman, September 29, 1974. Who's Who in America, 1948–49[5]
  • John W. Audrich: In memorian: Harry Church Oberholser, The Auk, 85, Seite 25–29, 1968[6]
  • Harry Church Oberholser: Autobiography[7]
  • Bo Beolens, Michael Watkins: Whose Bird?: Common Bird Names and the People They Commemorate, Yale University Press, 2004, Seite 256, ISBN 978-0-300-10359-5

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. The Auk, Volume 114, Number 3, 1997 In memoriam: Allan R. Phillips, 1914-1996 (engl.; PDF-Datei; 298 kB) Originalartikel
  2. The Auk, Volume 56, Number 3, 1939 The type of Empidonax wrightii Baird (engl.; PDF-Datei; 84 kB) Originalartikel
  3. The Auk, Volume 72, Number 3 1955 Obituaries (engl.; PDF-Datei; 249 kB) Originalartikel
  4. Review The Bird Life of Texas von Walter Bock (PDF-Datei; 1,0 MB)
  5. Online Ausgabe Handbook of Texas
  6. Online Ausgabe Auk (PDF-Datei; 312 kB)
  7. Online Autobiography