Haus Stapel

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Haus Stapel

Das Haus Stapel bei Havixbeck, Nordrhein-Westfalen ist ein klassizistisches Wasserschloss.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem frühen Mittelalter existierten umfangreiche Stauanlagen, in denen das Wasser der Poppenbecker Aa, Quellbach der Münsterschen Aa, gestaut wurde. Diese Staus dienten damals zum Betrieb einer umfangreichen Fischereianlage. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit wurden die zahlreichen damaligen Abstinenztage (Tage, an denen laut Kirchengebot kein Fleisch verzehrt werden durfte) streng eingehalten, sodass alternativ zum Fleischgenuss viel Fisch aus Teichwirtschaften verzehrt wurde. Ein Stau an der Poppenbecker Aa diente auch zum Betrieb der uralten Stapler Mühle, die – nur wenige hundert Meter vom Schloss entfernt – heute einen landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieb beinhaltet. Die tiefen und breiten Gräben im Schlosspark sind Reste der ehemaligen Fischereianlage.

Als Adelssitz ist das Haus Stapel wohl erst im 16. Jahrhundert an der Stelle eines vorherigen Bauernhofes errichtet worden.

Vorburg
Haupthaus

Die heutigen Gebäude der Schlossanlage von Haus Stapel entstanden in den Jahren 1607 und 1608 (die Flankierungstürme der Vorburg und alle übrigen Vorgebäude außer dem Torturm, welche aber im Laufe der Zeit den Erfordernissen der Landwirtschaft entsprechend umgebaut wurden). Der Torturm wurde 1719 nach den Plänen von Maximilian von Welsch erbaut. Er war Lehrer des berühmten münsteraner Baumeisters Johann Conrad Schlaun. Das heutige Schloss entstand nach den Plänen des aus Rheine stammenden Baumeisters August Reinking, der kurz nach der Grundsteinlegung im Jahre 1819 verstarb. Das Schloss wurde im Jahre 1828 vollendet.

Das Schlossgut Haus Stapel gehörte stets adeligen Familien. Es wurde in seiner gesamten Geschichte niemals verkauft, sondern gelangte nur über die weibliche Erbfolge in andere Familien. Seit dem 13. Jahrhundert war es im Besitz der im Münsterland weit verbreiteten Erbmänner-Familie von Kerckerinck. Dieser Zweig der Familie nannte sich danach von Kerckerinck zu Stapel und wurde in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in den erblichen Reichsfreiherrenstand erhoben.

Rund 100 Jahre später starb diese Familie im Mannesstamme aus. Die Erbtochter Maria Theresia Freiin von Kerckerinck zu Stapel (1786–1870) heiratete im Jahre 1801 im Alter von 15 Jahren Ernst Konstantin Freiherr von Droste zu Hülshoff, einen Onkel der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. Aus dieser Ehe gingen 22 Kinder hervor, von denen aber nur rund die Hälfte das Erwachsenenalter erreichte. Für diese große Familie wurde das heutige Schloss erbaut. Die Dichterin soll die Droste-Stapels, wegen Errichtung des Hauses aus dem wenig haltbaren Sandstein der nahegelegenen Baumberge, „Kalksteins“ genannt haben. Auch sonst äußerte sie sich wenig freundlich über diesen Teil der Familie. Zu ihrem Leidwesen musste die Droste aus familiärer Hilfsbereitschaft den angeblich nur mäßig begabten Cousinen auch noch Privatunterricht erteilen. Keines der ursprünglich 22 Kinder hatte eheliche Nachkommen. Als das letzte dieser Kinder des Schlosserbauers ohne Testament im Jahre 1880 verstarb, wählte die Familie von Droste zu Hülshoff den Urgroßvater der heutigen Besitzerin, Klemens Friedrich Freiherr Droste zu Hülshoff, vormals Landrat von Büren, wiederum einen nachgeborenen Sohn aus der benachbarten Burg Hülshoff, Neffen der vorgenannten Dichterin, zum Erben.

Dieser bestimmte seinen Sohn Fritz zum Erben, der aber zu Beginn des Ersten Weltkrieges schwer verwundet wurde, nicht heiratete und Anfang der dreißiger Jahre Ermengard – die Tochter seines Bruders Clemens von Droste zu Hülshoff, Landrat im Landkreis Höxter – adoptierte, die ihm nach seinem Tode im Jahre 1936 als Erbin folgte und mit Hermann Josef Freiherr Raitz von Frentz verheiratet ist. Das Ehepaar Raitz von Frentz hat fünf Töchter und einen Sohn.

Die Familie Raitz von Frentz zog Ende der 1960er Jahre aus und bezog einen Neubau in der Nachbarschaft. Die Schlossanlage wurde sukzessive neu vermietet, unter anderem an verschiedene Künstler. Eine Besichtigung der Anlage ist nur von außen möglich. Ausnahme: An den beiden Wochenenden im Jahr (Mai und September), an denen Konzerte auf Haus Stapel stattfinden, können vor Konzertbeginn Innenhof, Garten, Park, Treppenhaus und Festsaal besichtigt werden.

Haus Stapel und der Erbmännerstreit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freiherr Johann Ludwig von Kerckerinck zu Stapel (1671–1750) war einer der eifrigsten Verfechter des durch seine lange Prozessdauer von mehr als zwei Jahrhunderten berühmt gewordenen „Münsterschen Erbmännerstreits“. Nach dem juristischen Sieg der Erbmänner über das münstersche Domkapitel ließ der Freiherr den oben genannten prächtigen Torturm erbauen. Die Prozessakten und Tagebücher aus damaliger Zeit sind heute teilweise noch im Archiv von Haus Stapel vorhanden.

Haus Stapel im Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film von Angelika Schlüter und Julian Isfort erzählt die Geschichte der Nachbarn Heinz Seesing und Hermann-Josef Freiherr Raitz von Frentz. Die beiden leben wenige hundert Meter voneinander entfernt bei Haus Stapel. Vor der Kulisse des Wasserschlosses berichten sie von ihrem Leben, aber auch von der Geschichte des Schlosses und seiner Bewohner.

Konzerte auf Haus Stapel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2011 finden an zwei Wochenenden im Jahr (Mai und am "Tag des offenen Denkmals" im September) jeweils Samstag und Sonntag im historischen Festsaal romantische Liederabende statt. Als Protagonistin und künstlerische Leiterin hat Familie Raitz von Frentz die Sopranistin Heike Hallaschka verpflichtet. Sie wird begleitet vom Pianisten Clemens Rave, der einmal im Jahr zusätzlich einen "Klavierabend bei Kerzenschein" auf dem seit 140 Jahren im Festsaal stehenden und 2012 restaurierten Knakeflügel von 1873 gibt. Jedes Konzert wird mit einem von der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff selber komponierten Lied eingeleitet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilderich von Droste zu Hülshoff: Annette von Droste-Hülshoff im Spannungsfeld ihrer Familie, Limburg a.d.Lahn 1998
  • Reinhold Holtstiege: Havixbeck und seine Vergangenheit, Dülmen 1991.
  • Fabian Schäfer, Markus Köster: Haus Stapel und seine Bewohner. Ein historischer Rückblick in: LWL-Medienzentrum für Westfalen (Hg.): Bauer Seesing und Herr Baron. Ein Porträt zweier Nachbarn. Begleitheft zur DVD, Münster 2008.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Haus Stapel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


Koordinaten: 51° 59′ 34″ N, 7° 24′ 16″ O